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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

J^ 27« Mittwoch den 21» November 18LS

Zweite Ausgabe.

Uebersicht.

Zeitungsschau.

Die deutschen Zeitungen im Ausland.

Deutschland. Rastatt (Bestrafung eines preußischen Soldaten). — Meiningen (Abstimmung der Kammer über den Anschluß an den Berliner Verwaltungsentwurss. — M u nchen (Beberzigenswerthe An­deutungen). — Berlin (Protest gegen die Aufhebung der Familien- stiftungen. Anklageakt. Der Verwaltungsrath). — Königsberg (Weisung an den Elementarlehrer). — Schleswig (Erklärung der Landesversammlung). — Prag (Die Cholera).

Schweiz. Genf (Die Schwester L. Feuerbachs).

Frankreich. Paris (Vermischtes).

Großbritannien. London (Dankfeier).

Türkei. Konstantinopel (Die türkische Flotte).

Nachschrift.

Sprechsaal für Stadt und Land.

Z e i t ll n g s s ch a «.

Die „Deutsche Reichszeitung" schreibt über Römer: Das Ministerium des Zufalls ist durch den Zufall gestürzt und die Politik Würtembergs ist aus einer rathlosen Hand in die an­dere übergegangen. Jetzt erst, nachdem Römer die Rathhaus­treppe herabgestiegen, jetzt erst weiß er, was er oben auf dem Raths, errnsitze hatte wissen sollen; jetzt erst mahnt er an den Fluch, der die kleinen Staaten Deutschlands treffen werde, wenn sie nicht verständen, was zur deutschen Einheit fromme. Der Fluch wird aber auch den Fluchenden treffen, dem die deutsche Presse, die edelsten Männer des Vaterlandes hundert­mal gesagt, wohin sein Blick sich richten solle. Würtemberg war es, das allein den Ausschlag geben konnte, und wenn König und Minister gewollt, wir hätten jetzt, wonach wir uns einzig und allein sehnen, waS Deutschlands materielles und geistiges Glück allein zur Blüthe bringen kann — die Einheit. Aber daS Liebäugeln mit Oesterreich, das unglückselige Wort: „Ich unterwerfe mich keinem Hohenzolier!" das mit Scheive- wasser in die Tafeln der würtembcrgischen Politik unauslösch­lich eingeäzt ist, die Furcht des märzlichen Ministeriums vor der Demokratie, der man Zugeständnisse um Zugeständnisse ge­macht, die jetzt am Ende doch nicht in'S Leben treten und den Wagen verführt haben; all' das, was die traurigen politischen Mißverständnisse und Wirren des letzten Halbjahrs zur Folge hatte, daS hat uns auch der Einheit immer ferner gerückt, und das große Versprechen Preußen, daS selbst nach den mißglück ten Einigungsversuchen des deutschen Volks durch die Kronen ein einig Deutschland konstiluiren wollte, dieser hochherzige Ge, danke ist an dem Eigensinn eines Fürsten, an der politischen Unbildung eines Ministers und der Herrschsucht eines über­müthigen Volköhausens gescheitert — und der alte Fluch, der auf dem zerfetzten Deutschland ruht, hat seine Krallen noch tiefer in das wunde, blutende Fleisch eingedrückt. Was haben wir erreicht mit diesem Märzministerium? — die Ruhe! Wir wollen heute nicht mit jenen Männern darüber rechten, wie

viel auf die Rechnung des Zufalls don dieser Ruhe zu setzen sey — es ist ein wichtigerer Punkt, der unsere Aufmerksam­keit in Anspruch nimmt; wir haben eine Masse Gesetze erhal­ten, auf die daS Märzministerium mit Stolz zurücksieht. Aber es sind Gesetze, von denen bas Volk, mit Ausnahme der Schwurgerichte, nichts will, oder die sich als durchaus unprak­tisch erweisen und gegen die gerade von Denen am Heftigsten angekämpft wird, die im März 1848 am Lautesten danach ver­langt haben. Aber versäumt wurde das Gros, während man mit dem kleinen Detail der Demokratie stückweise den Mund stopfte. Und dieses Gros ist die deutsche Frage, über die der Ministerrath sich nicht einigen konnte, weil der Mann, der die Einheilsidee endlich ausgenommen hatte, wie sie allein zu erreichen war, nur einer Influenz von Außen diese Idee ver­dankte, und der Mann, der die Energie dazu besaß, etwas urchzuführen, durch vorlaute Zugeständnisse an die Kammer sich die Hände gebunden. Das Ministerium zerfiel über die Frage: „Oesterreich oder Preußen?" und nachdem eS zerfallen, reichen sich die Mitglieder die Hand, denn sie erkennen, daß sie einer Meinung sind. „Jetzt freilich," sagt Römer, „liegen die Tendenzen Oesterreichs klar vor Augen, und wenn die Märzminister noch im Amte wären, so würde ihre Aufgabe wohl darin bestehen, mit Bayern zu berathen, wie die Drei- königèvcrfassung im Sinne der Grundrechte vervollständigt werben müsse." Jetzt erst sieht der Premier das ein!

Die Times bemerkt in ihrer neuesten Nummer über die Lage Frankreichs: Wir glauben nicht, daß für jetzt in der Na­tionalversammlung eine mächtige Kombination, welche bie Läh­mung oder die Vernichtung der Macht des Präsidenten und seines Ministeriums im Auge hat, vorhanden ist, aber wohl eine Hingebung zu einem solchen Endziele, nämlich ein tiefer Argwohn gegen die Plane, die der Präsident für die Zukunst hegt, und gelind ausgedrückt, wenig Bereitwilligkeit, ihm die auf ihn gefallenen Obliegenheiten zu erleichtern. Die Folge davon ist, daß der Präsident, da er in der Nationalvrrsamm- lung keine Vermehrung seiner Stärke findet, wenigstens seine Maßregeln trifft, um die bösen Wirkungen zunehmender Schwäche zu vermeiden. Einer seiner geistreichsten und kühnsten Rath­geber in ver Presse räth ihm, nach dem Beispiele der Verei­nigten Staaten seine Minister ganz aus der Nationalversamm­lung zu entfernen.

Aber obgleich wir keinen Grund haben, an die Ausführ­barkeit dieses Planes in Frankreich zu glauben, so ist jeden­falls der nächste Schrill dazu die Ernennung von Ministern, die auf parlamentarisches Talent keinen Anspruch machen Der Mangel dieser Eigenschaft würde mehr als ersetzt durch den festen Entschluß, mit Weisheit und Kraft zu handeln. Das ist im Grunde das Maß, das man an Ludwig Napoleon und seine jetzige Umgebung zu legen hat, und die Nation wird ihn jedenfalls ohne Parteilichkeit einen Versuch machen lassen, selbst wenn dabei ein Theil der republikanischen Verfassung zu Grunde gehen sollte. Aber jetzt kommt die Hauptschwierigkeit. Die Verwickelung der Finanzen, der italienischen Politik und