gehen gesagt) hier großen Beifall findet, im Burgtheater gegeben. Man konnte versichert seyn, baß Hurter auf seinem gewohnten Sperrsitz Nr. 23 sich nicht vergeblich werde suchen lassen. Gleich mit dem Beginne deS Stücks stellte sich ein Kommando von acht Mann Grenadieren, unter Anführung eines Lieutenants, an dem AuSgange des Theaters auf, der auf die Freyung führt. Wie nach dem ersten Akte der Vorhang gefallen war, nahte sich der Lieutenant dem Sperrfitze Nr. 23 und flüsterte Hurter etwas in's Ohr, worauf ihm tiefer ohne irgend ein Zeichen der Verlegenheit folgte. Vor der Thüre wurde er von dem Detachement empfangen und sogleich als Gefangener nach dem Stockhause gebracht, wo nun sofort die Untersuchung beginnen soll. Das Alles ist Folge wichtiger Entdeckungen des englischen GeschäfiSträgers in Rom und der durch das britische Ministerium hier angelangten Mittheilungen. Darüber habe ich auS sehr glaubwürdiger, ich dürfte beinahe sagen, offizieller Quelle, Folgendes vernommen. Ein Liebling und besonderer Günstling des Fürsten Metternich ist bekanntlich Dom Miguel. Zu dessen Gunsten sollte auf der iberischen Halbinsel etwas weit Greifendes unternommen werden. In das Geheimniß war der Herzog v. Poli in Rom, bei welchem Hurter in zweimaliger Anwesenheit daselbst wohnte, eingeweiht, und der Hofrath machte zwischen dem Fürsten und dem Herzoge den Unterhändler, selbst hoch beehrt sich fühlend, für einen seiner Meinung nach so erlauchten Kronprätendenten etwas wagen zu dürfen. Weitere Vermittler des Anschlags nach Portugal hin waren die unbeschuhten Chorherren von St. Maria di Prassede in Ara Coeli, besonders die Patres Genvelli und Cuspinian. Dom Miguel's häufige Besuche bei dem Herzoge, noch mehr aber diejenigen bei den genannten Chorherren, zogen die Aufmerksamkeit des englischen Geschäftsträgers auf sich. Er ließ eben sowohl den abenteuernden Prinzen als das geistliche Haus beaufsichtigen. Als Ende September der P. Cuspinian von einer solchen Gesandtschaftsreise aus Portugal in Civitavecchia landete, wurde er auf Befehl deS französischen Gesandten, nach einem Requisitorium des englischen Gesandten, festgcnommen, die Briefschaften, die er bei sich führte, diesem übergeben, der sie wichtig genug fand, um sie durch einen eignen Kurier an seine Regierung abgehen 411 lassen. Damit gelangte diese zur Kenntniß des bereits weit gediehenen ruhcstörerischen Planes. Um noch bestimmtere Aufschlüsse zu erhalten, ersuchte dieselbe das österreichische Ministerium , zur endlichen Enthüllung Hand zu bieten, wonach gestern das Erwähnte gegen Hurter verfügt wurde. (Die Deutsche Reform wird das Weitere hoffentlich nicht schuldig bleiben.)
D e u t f ch l a n d.
* Wiesbaden, 14. Nov. Gestern Abend ist Se. Hoheit! der Herzog mit dem Erzherzog Stephan von Neuwied hier eingetroffen.
Köln, 12. Nov. Gestern Morgen hatte der Kommandant des hiesigen Platzes, General Kaiser, welcher mit dem Dampfboot von Koblenz hier eingetroffen war, das Unglück, von der Landungsbrücke in den Rhein zu stürzen, aus welcher augenscheinlichen. Lebensgefahr er indeß durch einen entschlossenen Matrosen, der augenblicklich, nachsprang, glücklich gerettet wurde. CD. Z.)
Baden, 11. November. Die Zahl der hier verweilenden Winlergäste ist kürzlich durch die Ankunft des Fürsten Karl von Hohenzollern-Sigmaringen vermehrt worden, welcher von seinem Jagdschloß Krauchwies hier eingetroffen.
Großes Aufsehen machte in der letzten Zeit die Flucht zweier hier wohnenden Ehemänner, einer ein Hannoveraner, der andere ein Schweizer, die ihre Gattinnen, wie man sagt, ziemlich mittellos, hier zurückließen. Beide hatten hier reiche Weiber gefunden, Töchter hier wohnender Ausländer, und nachdem sie deren Vermögen größtentheils rurchgebracht, kurz nach einander das Weite gesucht. Der Eine wohnte bereits seit vielen Jahren hier und bezog aus Hannover eine nicht unbedeutende Pension.
Rastatt, 12. Nov. (D. Z.) Welche strenge Instruktionen für die Spitäler bestehen, ist früher schon gesagt worden. Im eigentlichsten Sinne des Wortes sind selbst die Aerzte in Lebens
gefahr, denn wer sich am Fenster sehen läßt, auf den wird von den unten befindlichen Schildwachen geschaffen. Ein Arzneigehülfe verband kürzlich einen Kranken etwa zwei Schritte vom Fenster entfernt, um Helle genug zu haben; eine Kugel fuhr durch's Fenster an ihm vorbei, die Fenstersplitter ihm in's Gesicht. Die Frau eines gefangenen Unteroffiziers war todtkrank, der Arzt erwartete ihr Ende und wendete fich auf ihr Bitten an den Kommandanten, es möge dem Gefangenen unter Bedeckung nur eine Viertelstunde lang gestattet werden, feine sterbende Frau noch einmal zu besuchen; es wurde abgeschlagen. Gefangene wurden durch eine Straße geführt, und ein Mädchen von 20 Jahren warf einem derselben ein Stück Brod zu. Ein Mann von der Bedeckungsmannschaft arretirte das Mädchen, führte es auf die Kommandantur, und dort wurde ihr eine Gefängnißstrafe von 8 Tagen zugesprochen, an der sie noch abzubüßen hat.
Man glaubt hier, vieles dem nächsten Rathgeber des Platzkommando's zuschreiben zu müssen; allein, mag dies auch seyn, nicht nur der Name des Kommandanten leidet durch solche Vorgänge, sondern die Erbitterung der Einwohner steigt von Tag zu Tag und trägt sich über von den Persönlichkeiten auf die Regierung, welche sich durch jene vertreten läßt.
Heute war wieder eine Deputation der angesehensten Bürger von hier in Karlsruhe, um wiederholt bei allen Behörden um Abhülfe der Last der Einquatiernng nachzusuchen. Es ist ihnen hierin endlich eine erfreulichere Aussicht eröffnet worden. Der kommandirende General v. Schreckenstein will demnach selbst hierher kommen, um Einsicht von der Sachlage zu nehmen; badische Regierungsbeamte werden ihn begleiten; sämmtliche Truppen sollen dann in Kasernen untergebracht, mehrere hundert Gefangene entlassen, und ein Bataillon preußi, scher Truppen von hier entfernt werden.
Zum Beweise, wie sehr eS zu wünschen sey, daß daS neue Ministerium aus schnelle Beendigung der Untersuchung der wegen politischer Verbrechen in diesem Sommer in Untersuchungshaft genommenen Männer dringe, theilt der Beobachter ein Verzeichniß der gegenwärtig auf Hohenasperg sich Befindenden mit, ohne die schon von da abgegangenen zirka 30 und die in verschiedenen Bezirksgefängnissen sich Aufhaltenben aufzuzählen. Am längsten befinden sich dort G. Rau von Gaildorf, 13 Monate; Oekonom Erat von Rottenburg, 13 Monate; G. Werner von Stuttgart, 9 Monate; Fickler von Konstanz, 6 Monate; Maier , Apotheker von Heilbronn,» Monate; Vogel, Säckler von Heilbronn, 4% Monate; Mühlhäuser , Reg.-Stud. von Reutlingen, 4 Monate; Deutschle, Schultheis von Sulzau, 3'/» Monate; Delefant, Assistent von Ellwangen, 3 Monate, Dr. Frech, Apotheker von Ingelfingen, 3 Monats. Seit kürzerer Zeit find dort: Mechanikus Maier von Mengen, Bürgerwehrkommandat Fischer von Göppingen, Stadtralh Herrmann von Hall, Akziser Oelhafen von Crailsheim. Seit dem 20. Okt.: Schlosser Gerlach von Weinsheim, Schullehrer Letzer von Grünenmettstâtten, Flaschner Frasch von Knittlingen, Kaufmann Weiß von Ravensberg, Graveur Reichert von Heilbronn, Professor Kapff von Reutlingen, San« zcnbacher von Wcißach. Seit dem 1. Nov.: Schulmeister Kaiser von Neuenbürg, Kaufmann Käs von Waldsee , Stadtrath Zürn von Munderkingen, Haller von Tübingen, August Ruoff von Heilbronn. Darunter haben die Meisten kaum das Glück, binnen 4—5 Wrchen zu einem Verhöre vorgeladen zu werden, ja bei Mühlhäuser war dieses binnen 4 Monaten, ebenso bei Dr. Frech binnen 3 Monaten nur ein Mal, bei Apotheker Maier binnen 5 Monaten, bei Säckler Vogel binnen 4% Monaten zwei Mal der Fall. Mit Ausnahme von Dreien sind eS lauter Familienväter.
Trier, 8. Nov. In wohlunterrichteten Kreisen hier wird erzählt, daß der Minister v. Ladenberg unserm Bischof Arnoldi bedeutet habe, er werde ihn später dafür zur Rechenschaft ziehen, daß er geistliche Stellen ohne den Konsensus der Regierung besetzt habe. So viel ist gewiß, daß der Kampf zwischen Kirche und Staat nunmehr offen losgebrochen ist. Die preußischen Bischöfe haben die Brücke hinter sich abgebrochen , ob ihnen zum Glück oder Unglück, ist kaum eine Frage mehr. (Rh. u. M. Z.)
Das Erkenntniß des haunoverschen Stadtgerichts gegen Th. Althaus lautet: In Unlersuchungssachen gegen den Literaten Theodor Althaus aus Detmold, wegen Aufforderung zum StaatSverrathe, wird vom Stadtgerichte der königl. Resi-
