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klasse behandelt wird, und dies denjenigen seiner Freunde un, angenehm ist, welche ihm zu der jüngst schon von einigen Zei- ungen fälschlich als gelungen verkündeten Flucht behülflich eyn möchten und durch die genaue Befolgung jener gesetzlichen Sorschriften in ihren Absichten sich getäuscht sehen.

Berlin, 7. Novbr., Abends. (K. Z.) Die zweite Kam- ner hat in ihrer heutigen Sitzung beschlossen, daß daS Budget ür 1850 mit dem für 1849 zusammen soll berathen werden.

Hamburg, 5. Nov. Mit dem heutigen Dampfboote kam ljhagy, der ehemalige Zivilgouverneur von Komorn und Hreund Klapka's, von London zurück. General Klapka selbst, benfalls heute erwartet, wird erst morgen (von Paris kom- nend, wohin er von der englischen Hauptstadt aus ging) hier bieder eintreffen. Nach Maßgabe der gemachten Erfahrungen, »esonderS wohl der in England von Lord Palmerston ertheilten Rathschläge, wird alsdann von den hier anwesenden ungarischen §migre's ein Beschluß über ihre nächste Zukunft gefaßt werben. Auch die im ungarischen Kriege mit Ruhm genannte Dame Apollonia Jagello verweilt jetzt hier, und wohnt bei Herrn §dg. Roß.

Schleswig-Holstein. Der günstige Stand der holsteini- chen Finanzen nach 1'/»jährigem Kriegszustände gibt einen leuen Beleg für die Fruchtbarkeit und den natürlichen Reich« hum SchleSwig<HolsteinS, zugleich aber auch für dessen Wich- ngkeit für Deutschland. Eben darum strebt aber Dänemark so hartnäckig darnach, Schleswig-Holstein oder wenigstens doch zanz Schleswig für immer an sich zu ketten. Ein Haupt- rugenmerk richtete es deshalb stets darauf, SchleSwig-Holstein n materieller Beziehung von Dänemark abhängig zu machen.

Dem vormaligen Landinspeklor Tiedemann, jetzt Mitglied )er schleswig-holsteinischen Landesversammlung, gebührt das Verdienst, diese Absicht zuerst klar durchschaut und ihr nach Kräften entgegengewirkt zu haben. Uebrigens besitzt Schleswig- Holstein in Francke einen tüchtigen Finanzminister und leicht Den geeignetsten Ersatzmann für Jensen.

Wien. DaS hiesige Kriminalgericht zeigt fortwährend einen erfreulichen Eifer. Man kann sich annähernd einen Be­griff von seiner Thätigkeit machen, wenn man erwägt, daß Dasselbe seit dem November v. I. mehr als 1600 kriegsgericht­liche Urtheile gefällt hat, Stockhausarrest in Eisen, Schanz­arbeit, Ruthenstreiche und Stockprügel.

Die Wiener Zeitung berichtet sehr ausführlich über den Empfang der Königinnen von Preußen und Sachsen, sowie der Prinzessin Johann von Sachsen. Der Kaiser erwartete sie auf vem Bahnhöfe, „küßte ihnen mit entblößtem Haupte zu wie­derholten Malen die Hände und wurde von den hohen Frauen auf die Wange geküßt". Heute Abend wird die ganze kaiser­liche Familie das Burgtheater besuchen und Wallensteins Lager sehen. Ein sehr zeitgemäßes Stück. (D. Z.)

F r a n k r e i d>.

Paris, 6. Novbr., Morgens. DaS „Siecle" erinnert den Kriegsminister an die unlängst in der Budget-Kommission von ihm aufgestellte Behauptung daß es möglich sey , am Kriegs- Budget jährlich 60 Millionen zu sparen, ohne deßhalb den Effeklivstand deS Heeres zu verringern. DaS „Siecle hofft, daß er jetzt als Minister vor den zur Bewirkung jener Erspar- niß nöthigen Reformen nicht zurückschrecken werde; eS erinnert zugleich, wie dringend nöthig die sofortige Berathung deS Bud­gets sey, da der Jahresschluß herannahe und der Handels­minister bereits einige auf daS Budget von 1850 vorwegge­nommene Kredite begehrt habe.

Louis Napoleon soll sich eine Liste der Präfekte haben vor­lesen lassen, um selbst diejenigen, welche abzusetzen sind, so wie ihre Nachfolger zu bezeichnen. Man glaubt, daß zahlreiche Veränderungen in diesem Verwaltungszweige vorgenommen

Die „Estafette" äußert, daß man gestern in der Versamm­lung lebhafte Besorgniß auf Anlaß der russisch-türkischen Frage kund gegeben und vielfach behauptet habe, die (schon erwähnte) Siete deS Kaisers an England sey nur das Vorspiel ernsterer Handlungen deS Selbstherrschers. Mit Unruhe habe man sich gefragt, welche Haltung unser Kabinet im Angesichte der Ge­

fahren annehmen werde, welche das Zerwürfniß zwischen Ruß­land und England voraussehen lasse. „Die Botschaft des Präsidenten", sagt die „Estafette", „ist nicht geeignet, die Zitterer zu beruhigen. Es heißt darin, daß die auswärtige Politik Frankreichs eine würdige seyn werde. Nun besteht aber in diesem Falle die Würde darin, den Forderungen Ruß­lands zu widerstehen und der Türkei Beistand zu leisten, damit sie sich den bewaffneten Versuchen Rußlands entgegen stelle. Weit entfernt, die nur an einen nahen Kampf Denkenden zu beruhigen, vermehrt die Zusammensetzung des Ministeriums ihre Befürchtungen. Sie versichern, daß die Dauer des Kabinets eine kurze seyn werde, daß dann, leider! die Männer der Linken an das Ruder kommen würden, und daß man nicht wissen könne, in welche Lage sie das Land bringen würden.«

In der gestrigen Sitzung des hohen Gerichtshofes zu Versailles ward das Verhör der Entlastungszeugen fortgesetzt. Man glaubt, daß heule noch das Zeugenverhör zu Ende gehen wird.

Großbritannien.

Der Polizeibezirk von London erstreckt sich von Charing Croß auf 15 Miles in gerader Linie nach allen Richtungen. Die Bevölkerung desselben 1839 war 2,011,056 Einwohner, 1849 beträgt sie 2,336,960. Die Zahl der seit 10 Jahren er­bauten neuen Häuser ist 64,058, der neuangelegten Straßen 1642 und die Länge der letzter» 200 Miles. Im Bau begrif­fen waren vorigen Sommer 3485 Gebäude. Dabei hat die City von London, die eigentliche Altstadt, nicht etwa auch an Bewohnern zugenommen, sondern vielmehr an Zahl derselben stets verloren. Ihre engen Straßen sind zum Theil verbrei, tert worden, Hofräume und altväterische Häuser ffnd durch ge­räumige Plätze und stattliche Gebäude, Lâden, Hanbelslokale aller Art ersetzt, die Bevölkerung aber damit genöthigt worden, sich außerhalb der City Wohnung zu suchen/ So kommt es, daß die City, die 1700 noch 139,000 Einwohner zählte, deren 1750 nur 87,000, 1821 nur 58,400, 1841 nur noch 54,626 Ei uw. hatte.

Italien.

Aus Piemont, 29. Okt. (O.-P.-A.-Z.) Mit Eifer wird an der Eisennahn gebaut, und in zwei Jahren dürfte die Bahn vom Fuße des Mont-Cenis bis Genua dem Verkehr über­geben seyn. Die ungeheuren Arbeiten in den Ausläufern des Apenin, die in einem breiten Gürtel Genua umgeben, sind an den verschiedensten Stellen in Angriff genommen, und wenn die Alpen an einem Punkte durchstochen sind, oder die Loko­motive über den Sömering ihren Weg findet, wird diese Bahn- strecke ohne Zweifel die interessanteste seyn, die man bisher in Europa kennt.

Eine böse Frucht deS Freischaarensystems macht sich selbst in Piemont durch die vielen Landstreicher fühlbar, welche die abgelegenen Straßen unsicher machen. Die Gendarmerie ent­wickelt übrigens in Ausjätung und Unschädlichmachung dieses Unkrauts einen rühmlichen Eifer; wie mag es in dieser Be­ziehung erst in andern italienischen Staaten seyn?

Die Legge von Turin meldet, daß die Zahl der Personen jedes Alters und Geschlechts, die in Parma seit der Reaktion mit Stockprügeln bestraft worden, sich auf 300 belaufe. Der Herzog soll erklärt haben, er finde die Stockprügel viel passender als die Einsperrung, indem sie weniger kosten. Er kenne überhaupt nur zwei passende Strafen, für größere Ver­brechen den Tov, für kleinere den Stock. Es bedarf übrigens nicht mehr als der einfachen Angabe eines Landjägers oder Soldaten, um letztere Strafe eintreten zu lassen. Leute, die vor einem Posten ausgespuckt, oder sich durch andere Gebcrden verdächtig gemacht, oder gesungen, oder ein rothes Tuch um den Hals getragen, oder auf neckende Herausforderung geant­wortet haben, sind schon von der Gasse weg aufgegriffen und mit Stockstreichen gebüßt worden.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.