Berlin, 11. Okt. Der Preuß. Staatsanzeiger veröffent- r licht heute die sehr umfangreiche Berathung des deutschen Ver- waltungsratheS über den Antrag des nassauischen Gesa nd t e n (V o l lp rach t) auf Einberufung des Reichstages. I Die Sitzung fand am 5. Okt. statt. Der Antragsteller stellte 1 als äußersten Termin für die Wahlen der Abgeordneten den 15. Januar 1850 fest. Die Bevollmächtigten sprachen sich fast ' sämmtlich beistimmend aus. Mecklenburg-Strelitz gegen die Feststellung eines bestimmten Termins. Der hannoversche Abgeordnete stimmte gegen den Antrag. Sachsen und Hannover hätten zu einer gemeinschaftlichen Er« klärung, die zu Protokoll gegeben werden solle, sich g eeinigt.
Diese Erklärungen wurden verlesen. Der hannoversche I Abgeordnete erklärte in der [einigen die Berufung des Reichs- 3 tages, bevor nicht eine Verständigung mit den dem Bündnisse nicht beigetretenen Regierungen erfolgt sey, für bundeswidrig und unmöglich. Der preußische Vorsitzende sprach sich entschieden für die Berufung deS^ Reichstages aus, worauf es zu einer Debatte mit dem hannoverschen Gesandten kam, der an die große Gefahr eines Krieges im Falle mangelnder Verständigung mit Oesterreich ' erinnerte. Auch der sächsische Bevollmächtigte verlangte Allem vorausgehend die Einigung mit Oesterreich. Die Debatte verlängerte sich bis spät Abends. Die Abstimmung wurde auf Montag den 8. Okt. vertagt.
Berlin, 11. Okt. Im Charlottenburger Schlosse sind die Zimmer sämmtlich jetzt eingerichtet, und es ist bereits bestimmt, daß der König und die Königin dort ihren Winteraufenthalt nehmen werden.
Schwerin, 11. Okt. Heute ist unsere neue V er- fassung öffentlich vondemMinisteriumpublizirt worden, und hat somit Gesetzeskraft für Mecklenburg erlangt. Der Jubel aller urtheilsfähigen Bewohner des Landes über dies wichtige Ereigniß ist ungemein, außer in einigen schroff aristokratischen adeligen Kreisen.
Wien. Der Tod des Grafen Ludwig Batthyanyi vcr- K. drängt auch heute noch jedes andere Ereigniß. Die „Ostdeutsche Post" stellt den furchtbaren Vorgang in folgender Weise dar: „Graf Ludwig Batthyanyi hatte sich freiwillig dem Fürsten Windischgrätz gestellt. Er war unter jener Deputation, die dem kaiserlichen Oberfeldherrn aus Pesth entgegenzog, um eine friedliche Vermittelung und Uebergabe des Landes zu bewerkstelligen. Er wurde seitdem in Haft gehalten und entschwand so ziemlich der öffentlichen Aufmerksamkeit. Plötzlich trat sein Name auf Aller Lippen, plötzlich hieß es: Batthyanyi ist ver# urtheilt, verurtheilt zum Strang. Die düstere Stimmung war auf allen Gesichtern zu lesen; mit Angst sah man dem Morgen entgegen, denn obgleich die energische Handhabung des Belagerungs-Zustandes keine Demonstration irgend einer Art befürchten ließ, so war eS doch Jedermann zu Muthe, als ob etwas Außerordentliches eintreten müßte, ein Akt der Gnade oder ein Akt der Verzweiflung. Der Morgen brach an und i brachte Furchtbares. Hinter dem Nebengebäude auf dem ; Holzplatze waren beim Morgenanbruch Tausend und Tausende versammelt, der Galgen war aufgerichtet, und die Nachrichter bereit; plötzlich hieß es, Battyhanyi habe sich in seinem Gefängnisse erstochen. Es war so; aber die Hand des Unglücklicher war entweder nicht kräftig, oder sein geistiger Wille nicht energisch genug; trotz mehrfacher Stiche war eS ihm doch nicht gelungen, sich selbst den Tod zu geben; doch der Hand des Henkers hat er sich entzogen. Nach zwölf Stunden, als der * Tag sich zu Ende neigte, wurde er — erschossen. Welcher Einfluß die Umwandlung des Todesurtheils vom Strang in Pulver und Blei erwirkt hat, ist zur Zeit noch ein Räthsel. DaS allgemeine Gerücht, daß die Wunde am Halse die Anwendung des Strickes unmöglich machte, scheint unbegründet, denn Batthyanyi ging aufrecht, wenn auch bleich und erschöpft, der Richtstätte zu. Eljen a haza! (Hoch das Vaterland!) rief er laut und kräftig, bevor die Kugel der Jäger sein Herz traf. Eine furchtbare Stille herrschte einige Momente, nachher verlief sich die Menge. Einige Frauen, anscheinend aus den höchsten Ständen , wollten ihre Schnupftücher in das Blut des Gefallenen tauchen, wurden aber von den den Platz besetzt - haltenden Wachen zurückgedrängt."
Frankreich.
Paris, 11. Oktober. (O.-P.-A.-Z.) Die gesetzgebende Versammlung hat in ihrer heutigen Sitzung die Anträge der Mitglieder des Berges Doutre, Benoit, Pelletier re., betreffend die Abschaffung von drei Artikeln des Strafgesetzes hinsichtlich der Verbündungs- (Coalitions-) Vergehen geprüft und entschieden, daß sie dieselben einer weiteren Erörterung unterziehen wolle. Gegen den Schluß der Sitzung deponirt Herr Daru den Bericht der mit der Prüfung des Gesetzentwurfs bezüglich des Witthums der Herzogin von Orleans ernannten Kommission, welcher Bericht durchaus günstig ausgefallen ist. Die Versammlung des Quai d'Orsay hielt Mittwoch Abends eine lange Sitzung, in welcher der Antrag des Herrn Napoleon Bonaparte erläutert wurde. Die verschiedenartigsten Ansichten über die- Rücknahme der Verbannungsdekrete, welche gegen die früher über Frankreich herrschenden Familien erlassen worden, machten sich bei dieser Veranlassung geltend. Obgleich die Versammlung keinen Entschluß gefaßt hat, zweifelt man doch nicht, daß der Antrag abgelehnt werden wird. Die Legitimisten bekämpfen ihn, weil sie ihn als eine Beschimpfung für ihren Prätendenten betrachten, der ein Prinzip vertritt; die Orleani- sten erklären sich ebenfalls dagegen, obgleich die Familie Orleans nicht abgeneigt scheint, zu billigen Bedingungen die Hand zu bieten. Das Zerwürfniß zwischen den Legitimisten und Orlea- nisten wird immer entschiedener in den Departementen und ihre Zeitungen bekämpfen sich gegenseitig mit stets wachsender Erbitterung.
Großbritannien.
London, 10. Okt. Aus Dublin trifft die wichtige Nachricht ein, daß der Vizekönig eine Anzahl orangistischer Friedensbeamten, darunter Lord Roden und mehrere andere Edelleute, abgesetzt hat, weil sie kürzlich eine von Katholiken eingebrachte Klage wegen orangistischer Friedensstörungen mit schamloser Parteilichkeit zurückgewiesen haben. Die Sache macht in Irland und England große Sensation.
I til ten.
Nom, 30. Sept. Heute in der Frühe donnerten von der Engelsburg 100 Kanonenschüsse, — zu Ehren des heiligen Erzengels Michael, dessen ehernes Standbild die Spitze des Kastells verziert. Die Feier seines Festtages beweist) -Vasi-die-Franzosen, so gespannt sie sonst mit den Kardinälen stehen mögen, sich als gute Söhne der Kirche aufführen.
Man sagt, daß ein bedeutender Theil des spanischen Korps sich in diesen Tagen nach Barcelona oder Cadiz einschiffen wird, und man bezeichnet Havana als den Bestimmungsort dieser Truppen. Jedenfalls werden 1500 Mann in Delletri bleiben, wo der Stadtrath so eben eine Lieferung von wollenen Decken für diese Anzahl ausgeschrieben hat. In Rom selbst löst die Kardinalskommission die päpstlichen Karabiniers auf, . und. aiMnisirt dafür drei Regimenter sogenannter „Veliten," deren Oberbefehl General Zucchi, bekannt durch seinen früheren unglücklichen Reaktionsversuch, übernehmen soll.
Rom, 4. Oktober. (Allg. Z.) Die Jesuiten sollen nicht zur Ruhe kommen. Wo im abgelegensten Winkel des Kollegio Romano, den Hintergebäuden des Palazzo Simonetti gegenüber, der Backofen steht, loderten heute früh Schlag 8 Uhr (also genau um dieselbe Zeit wie das erste- und zweitemal) unter dickem Qualm lichte Flammen empor, die sehr bald das Gebälk des untersten Raumes der Sternwarte verkohlten. DaS Feuer verbreitete sich mit Windeseile im östlichen und südlichen Seitenflügel durch die Zimmer auf ebener Erde, wurde jedoch nach vierstündiger außerordentlicher Anstrengung der Pompierr bewältigt. Absichtliche Brandstiftung ist auch diesmal außer Zweifel. Man will nun einmal die Väter Jesu aus Rom „hinauöschwefeln." Ein Zirkular des General-Postmeister- Principe Massimo kündigt eine allgemeine Reform deS Post- wesens an, und stellt eine beschleunigtere Kommunikation in Aussicht.
General Rostolan hat in Folge mehrerer neuer Mordversuche gegen französische Soldaten eine sehr strenge Bekanntmachung gegen daS Waffentragen des Volkes erlassen.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
