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Der Bergbau auf Braunkohlen ist auf dem Westerwalde noch nicht alt und sind seine Anfänge kaum über dieses Jahr­hundert hinausgehend. Die frühere spärliche Bevölkerung und der größere Reichthum an Waldungen ließen die Ausbeutung der Braunkohlenflöhe nicht aufkommen. Vor etwa 20 Jahren erst begann ein größerer Aufschwung derselben, er behielt aber bis heute, aus Ursachen, deren Erörterung ich mir für eine andere Arbeit vorbehalten muß, eine krankhafte, wenig produk­tive Richtung.

Durch die politische Bewegung der zwei letzten Jahre, tvelche die Holzpreise über die Hälfte herabdrückte und den Holzdiebstahl in unerhörter Weise begünstigte, hat er außer­dem sehr gelitten, und wenn die Braunkohlen nicht bald an­dere, zumal technische Verwendung finden, wozu sie in den meisten Fällen vollkommen geeignet sind, so wird ein Theil der bestehenden Gruben, deren Zahl für den Absatz verhältnißmäßig immer zu groß war, eingehen müssen.

Außer den Nachtheilen und Schwierigkeiten, welche dem Braunkohlenbergbau bisher in technischer und polizeilicher Be­ziehung im Weg standen, hat er vorzüglich mit dem großen Mißstand zu kämpfen, daß fast alle örtlichen Ansiedlungen und Wege auf dem Westcrwalde auf den Höhen liegen, und die erster» zu zahlreich sind, wodurch dem Bergbau in Ansehung der Quellen für diese Ansiedlungen und eine angemessene För­derung große Hindernisse erwachsen.

Aber auch die gewerkschaftlichen Verhältnisse und die der Arbeiter sind größtentheils in einem traurigen Zustande und lassen die Wirkungen unserer Bergwerksverfassung in keinem günstigen Lichte erscheinen. Vorzüglich aber sind die Arbeiter wegen des bestehenden Drucksystems, welches auf fast allen Gruben in Anwendung steht und diese armen Leute aussaugt, in einer beklagenswerthen Lage, welche baldige und gründliche Abhülfe erfordert.

Es unterliegt indessen keinem Zweifel, daß der Braun­kohlenbergbau berufen ist, eine bedeutungsvollere Rolle als bisher in unserer Industrie und für den Hausbrand zu spielen. Denn derselbe ist noch einer großen Ausdehnung und Vervoll­kommnung fähig, und bei der Lage, welche der Westerwald, als mitten in einer Gegend hat, welche sich durch große Eisen­produktion auszeichnet, kann es bei gesicherten Zuständen kaum ausbleiben, daß die Braunkohlen bald ein Gegenstand eifrigen Begehrens werden müssen.

Deutschland.

*s* Wiesbaden, 13. Okt. (Die AssisenVerhand­lungen zu Wiesbaden. Fortsetzung des Berichtes in Nr. 243, Artikel II.) Als wir am Nachmittage des 11. l. M. den Assisensaal betraten, hatte der Staatsanwalt-Substitut Flach seinen Vortrag zur Unterstützung der Anklage schon beendet. Wir haben ihn von Fachmännern loben hören.

Prokurator v. Arnoldi unterwarf in seiner sehr er­schöpfenden Vertheivigungs-Rede die sich widersprechenden ärzt­lichen Gutachten einer scharfen Kritik.

Mit einer lobenswerthen Gründlichkeit basirte er seinen Hauptvertheidigungsgrunv auf diesen Widerspruch der ärztlichen Gutachten miteinander, besonders aber auf das Gutachten des Obermedizinalrathes vr. Vogler, als das für die Verthei­digung brauchbarste, v. Arnoldi führte sodann das ganze Vertheibigungsmaterial in das Treffen und richtete es haupt­sächlich gegen die ärztlichen Gutachten, welche die letale Wunde als von dem gedachten Stoßmesser geschlagen hielten.

So schwierig die Replik gegen die geführte Vertheidigung war, so gelungen hat sie Substitut Flach ausgeführt.

Mit gespannter Aufmerksamkeit sind wir dem Resume des Assisenpräsidenten, Hofgerichtsrath Trepka gefolgt. Seine Darstellung der Ergebnisse der öffentlichen Verhandlungen, seine kurzen Belehrungen über den objektiven Thatbestand des vor­liegenden Verbrechens und über den Rechtspunkt haben uns vollkommen befriediget. An der Rede des Herrn Trepka haben wir nur das auszusetzen, daß derselbe hier und da zu leise und zu schnell gesprochen hat.

Als Zusatzfrage wurde von der Staatsbehörde beantragt und von dem Assisenhofe für zulässig die Frage an die Ge­schwornen gestellt: ob Johann Kilsbach sich deS Versuchs einer Körperverletzung schuldig gemacht habe.

Der Wahrspruch der Geschwornen verneinte die gedachten beiden ersten Fragen und bejahte die Zusatzfrage. Das Ur­

theil des Assisenhofes ist von der Redaktion bereits mitgetheilt worden.

* Dillenburg. Bei den Assisen deS Hofgerichtsbezirks Dillenburg für das 4te Quartal 1849 werden folgende Unter­suchungssachen zur Verhandlung kommen:

Den 8. und 9. Oktober: Daniel Hers cher aus Siegen, wegen Verbreitung falschen Papiergeldes. (Dessen Vertheidiger ist Herr Prokurator Schenk).

Den 10. Oktober: Florenz Keller aus Hadamar, wegen Schriftfälschung. (Dessen Vertheidiger ist Herr Prokurator Schenk.)

Den 11. 12. 13. Oktober: Lorenz Keul und Kaspar Keul von Hausen, im Justizamt Hadamar, wegen Tödtung. (Deren Vertheidiger Herr Rechtspraktikant Winter).

Den 15. 16. 17. Oktober: Matthias Jung und Johann Jung aus Caden, Justizamts Wallmerod, wegen Tödtung. (Deren Vertheiger ist für Herrn Prokurator Keller Herr Rechts­praktikant Winter).

Den l8. Oktober: Philipp Wisser aus Limbach, Justiz- amtö Hachenburg, wegen wissentlicher Verausgabung falscher Geldmünzen. (Dessen Vertheidiger ist Herr Rechtspraktikant Winter).

Den 19. uud 20. Oktober: Gustav Lieder aus Hergen­roth, Justizamts Rennerod, wegen Diebstahls. (Dessen Ver­theidiger ist Herr Prokurator Keller).

Den 22. Ortober: August Lind auS Lindenholzhausen, Justizamts Limburg, wegen Schriftfälschung. (Dessen Verthei, diger ist Herr Prokurator Schenk).

Den 22. Oktober: Jakob Henrich Müller und Jakob Henrich Müller, genannt Happes aus Eibelshausen, wegen Schriftfälschung. (Deren Vertheidiger ist Herr Prokurator Braun).

Den 23. Oktober: Friedrich Ki mpel aus Kettenbach, Justizamts Wehen, wegen Versuchs der Erpressung. (Dessen Vertheidiger ist Herr Prokurator Braun).

Den 24. Oktober: August W i d e r st e i n aus Höhn, Justiz­amts Marienberg, wegen Diebstahls. (Dessen Vertheidiger Herr Prokurator Keller).

Den 25. Oktober: der Waldschütz Johann Peil aus Krümmel, Justizamts Selters, wegen Dienstvergehens (Dessen Vertheidiger ist Herr Prokurator Braun).

Den 26. Oktober: Anton Bender aus Diez, wegen Diebstahls.

Karlsruhe, 12. Oktober. Die Bürgerwehr ist, seit gestern auf Befehl des Platzkommandanten , „da die Garnison in den i Lokalverhältnissen bereits vollständig orientirt sey", von dem seither noch versehenen Wachtdienst enthoben.

Freiburg, 12. Okt Von den elf „Jungfrauen" von Uff­hausen, welche, weil sie die Gräber der erschossenen Freischär­ler geschmückt, in Untersuchung genommen worden, sind 3 alS- bald wieder entlassen, 4 mit 14tngiger und die andern 4 mit 24tägiger bürgerlicher Gefängnißhaft bestraft.

Hannover, 10. Oktober. Von der Einderufung der Kam­mer verlautet wieder, daß sie für die ersten Tage des November erfolgen solle.

Berlin, 12. Oktober. Heute Morgens erblickte man da Palais des Prinzen von Preußen schon in den Frühstunden auf das reichste mit Blumen und Kränzen geschmückt. Die Fenster des Palais waren sämmtlich durch die Gardinen ge­schlossen, zum Zeichen, daß es bis jetzt noch Niemanden beher­berge, als die Dienerschaft. Aus Potsdam erfahren wir, daß der Prinz daselbst bereits gestern Abends um 9*/2 Uhr mit dem gewöhnlichen Eisenbahnzuge von Magdeburg ankam, nach­dem feine Ankunft um 6 Uhr durch den Telegraphen der Eisenbahnverwaltung gemeldet war. Ein glücklicher Zufall wollte, baß der König, der zu derselben Stunde mit einem Ertrazuge aus Berlin heimkehrte, ebenfalls auf dem Eisenbahn- Perron auSstieg und dort mit seinem Bruder zusammentraf. Der König rief mit freudiger Stimme über das znsammenge, drängte Publikum laut hinweg: „Sei gegrüßt, Wilhelm!", und fuhr dann mit dem Prinzen nach Sanssouci.

Der Prinz von Preußen ist mit dem Mittagszuge 12 Uhr von Potsdam hier angekommen und mit dem Zuge um 2 Uhr wieder dahin zurückgekehrt.