Hannover, 17 .Septbr. (B.-H.) Das Dunkel, welches über dem Verhältnisse der hannoverschen Regierung zu dem Dreikönigsbündnisse und ihren weiteren Absichten in Betreff desselben schwebt, kann durch direkte Nachrichten von hier schon um deswillen nicht aufgehellt werden, weil daS Ministerium anscheinend selbst noch keinen festen Beschluß gefaßt hat, sondern sich erst Lurch diejenigen Entschlüsse bestimmen lassen wird, welche Oesterreich in Beziehung auf eine Modifikation seiner Verfassung vom 4. März d. I. vielleicht noch fassen konnte. Beharrt Oesterreich bei seiner unitarischen Richtung, so scheint Stüve geneigt, mit redlichem Willen bei dem Dreikönigsbündnisse zu bleiben, um das daraus zu entstehende Verfassungswerk für Deutschland vollenden zu helfen. In diesem Falle dürfte aber der Widerstand der hiesigen reaktionären Partei im Bündnisse mit dem königlichen Widerwillen gegen das zunächst bevorstehende Preußenthum die hier erwartete Opposition der Anhänger der Frankfurter ReichSverfassung in der nächsten Ständcversammlung zum Sturze des Ministeriums gern benutzen — dann aber noch einen Schritt weiter gehen und lediglich den alten Bundestag mit einigen Verbesserungen durch ein beständiges Bundesschiedsgericht und einer bereiten Ere- kution gegen etwaige Ausstände in den kleinen Staaten wieder herstellen wollen. Ein Reichstag, Volks- oder StaatenhauS würde wohl ad calendas graecas verstellt bleiben.
Man kann daher nicht genug beklagen und davor warnen, daß die Anhänger der ReichSverfassung hier im Lande sich dazu gebrauchen lassen, diese sehr nahe liegenden Erfolge herbeizu- ühren und die Vorwürfe, welche seit der Nichtannahme der Kaiserkrone auf Preußen haften, wenn dieses von dem Verbrechen deutscher Einheit auf dem von ihm eingeschlagenen Wege aus eigenem Antriebe zurücktreten wollte, aus kleinlichem unpolitischem Trotz auf sich nehmen wollen. Es kommt vielmehr Alles darauf an, das Ministerium Stüve bei dem Dreikönigsbündnisse gegen eine etwa sich zu Tage legende Abnei- gung dynastischer Interessen festzuhaltcn und zu unterstützen.
Schleswig-Holstein, 18. Sept. (D. Z.) Während die Statthalterschaft das im Dienst befindliche H"r vermindert, will uns ein Hamburger Brief glaubhaft machen, daß vielmehr der Ausbruch von Feindseligkeiten bevvrstehe und zwei schleswig-holsteinische Bataillone Befehl hätten, über die Eider vorzugehen.
Schleswig-Holstein. Auch das Land Angeln rührt sich. Vorigen Sonntag beschlossen in Grünholz 200 Grundbesitzer zu erklären, daß sie 1) nur die Statthalterschaft als rechtmäßige Regierung anerkennen; 2) daß sie nur in Uebereinstimmung mit den Laudesgesetzen ihre Bürgerpflichten erfüllen würden; 3) daß sie mit allen Mitteln die Landesrechte, namentlich die unauflösliche Verbindung der Herzogthümer zu wahren bereit seyen. Diese Erklärung zirkulirt im ganzen Lande und wird mit Unterschriften bedeckt. Ferner ward beschlossen den passiven Widerstand zu organistreu und man verpflichtete sich zu folgenden Punkten: 1) die Staatsgefälle nur dann zu bezahlen , wenn Gewähr gegeben wird, daß sie an die schleswig- holsteinische Hauptkasse in Rendsburg abgeliefert und von dort auS einzig und allein zum Nutzen der Herzogthümer verwandt werden; 2) die fälligen Quoten der Kriegssteuer und der gezwungenen Anleihe nach Rendsburg zu entrichten; 3) das Eintreten der dienstpflichtigen Schleswiger in das schleswig-holsteinische Heer zu veranlassen; 4) alle Dänenfreunde scharf zu bewachen, dagegen alle patriotischen Beamten energisch zu unterstützen. — ' Die geforderten öffentlichen Fuhren werden in Angeln hartnäckig verweigert.
Wien, 17. Sept. (A. Z.) Fortwährend steigert sich die Theilnahme deS Volks für den wackern alten Marschall. Als er gestern in der Wohnung des Generals Benedek erschien, um diesem noch an einer Wunde leidenden Braven einen Besuch abzustatten, war die ganze schöne Straße von den Neugierigen gesperrt, und kostete es Mühe, sich durch diese Menschen- maffen durchzuarbeiten. Mit vielem Takte wählte der Marschall für den Abend seines Theaterbesuchs den „deutschen Krieger" von Bauernfeld. Der Beifallssturm, den seine Erscheinung hervorrief, und in den auch der Kaiser einstimmte, war erschütternd. Die Volkshymne ertönte, während Haynau und Jellachich dem alten Marschall zur Seite traten. Morgen soll das große Bankett statifinden, welches ihm zu Ehren gegeben wird. Ueber das Resultat der bereits begonnenen Kon, ferenzen verlautet nichts.
Italien.
Bologna. Den Gemeinden sind gegen die bewaffnete« Banden, welche das Land unsicher machen, Waffen sammt Munition zugesendet worden, zugleich sind dieselben aber auch verantwortlich gemacht für jeden Schaden, der aus der Untere stützung und Nichtbekämpfung dieser Banden entsteht. Auf Einbringung der Brigandi sind Preise von 100 bis 500 Fr. gesetzt,
Neapel , 7. Sept. Gestern kam der Pabst nach Neapel, um in der Metropolitankirche eine Messe zu lesen. Ich sah ihn auf der Rückkehr auS der Kirche. Voran ritt der Platzkommandant von Neapel, General Stockalper, dann zirka zehn oder zwölf Nobelgarden zu Pferde, dann kam die Paradekutsche des Kardinal-Erzbischofs von Neapel von vier Pferden gezogen. Darin saß im Ornat der Pabst allein auf dem Rücksitze, "ihm gegenüber drei violetfarbig gekleidete Prälaten. Der Pabst, der fortwährend mit den drei Fingern grüßte oder segnete, sah sehr gut aus. Hinter seiner Karosse liefen jubelnd und schreiend ein paar Hundert halbnackte und zerrissene Lazzaroni. Ich hätte geglaubt, das Volk würde sich bei der Annäherung des Pabstes auf die Kniee werfen, allein obwohl auf dem Platze Medina, wo ich ihn auf die Distanz von sechs oder acht Schritten sah, sehr viel Volk versammelt war, so sah ich auch nicht eine einzige Person knieen, und selbst die Hüte wurden von den meisten Anwesenden faum in dem Augenblick ab-- genommen, als der Pabst ihnen schon unmittelbar gegen- über war.
Das Piedigrottafest wird morgen mit gewohntem Prunke stattfinden, aber noch ist unbestimmt, ob der König"ëI wagen wird, daran Theil zu nehmen, oder ob er sich darauf beschränkt, das Defiliren der Truppen vom Balkon des PalasteS anzusehen. Einstweilen haben alle Hauseigenthüiiicr der Chiaja und Riviera di Chiaja, durch welche das Kortège zieht, vvn der Polizei Befehl erhalten, derselben ein namentliches Vers zeichniß aller der in ihren resp. Häusern wohnenden Individuen, sowie auch aller derjenigen Personen, die als Zuschauer an diesem Tage darin zugelassen werden sollen, und für deren Benehmen sie persönlich verantwortlich sind, einzureichen, um zu sehen, ob etwa derselben verdächtige Personen darauf figuriren, und dieselben auszuschließen.
Hand in Hand mit der Wiedereinführung der Jesuiten geht diejenige der Zensur gegen alle aus dem Ausland einzuführenden Bücher und Bilder.
Sprechsaal
für Stadt und Land.
*** Wiesbaden, 21. Sept. Der feierliche Empfang der Abgeordneten von Eck und Preiß.
Von Menschen sind die Wege ringS erfüllt, Von friedlichen, die in die Lüfte grüßen, — Hell klingt von allen Thürmen das Geläut'. Aus Dörfern und aus Städten wininieind strömt Ein jauchzend Volk, mit liebend emsiger Zudringlichkeit der Boten Fortzug hindernd.
(Nach Schiller.)
Nach einem Artikel „Von der Usquelle" in der Nro. 225 der Freien Zeitung vom heutigen scheinen die Usinger uAd Wehrheimer den Abgeordneten von Eck und Preiß einëiT feierlichen Empfang bereiten zu wollen. Wir haben uns leb#' Haft gefreut, als wir den Inhalt dieses Artikels lasen und fanden, daß die Usinger und Wehrheimer in der politischen Bildung nicht zurückgeblieben und befähigt sind, die Ehrenhaf, tigkeit ihrer gedachten beiden Abgeordneten und namentlich auch die vorzüglichen Kenntnisse und den musterhaften Fleiß deS Abgeordneten Viktor v. Eck gehörig würdigen zu können. Dieß anerkennend benachrichtigen wir unsere LandSleute jenseits deS Taunus, daß von E ck und Preiß in Begleitung der Abgeordneten Dr. Großmann und Dr. Heydenreich nächsten Mittwoch den 26. l. MtS. des Abends zwischen 6 und 7 Uhr an der Gränzsâule zwischen Homburg und Wehrheim eintreffen werden, und daß der Volksbote Zoll mann eine halbe Stunde früher in Wehrheim und Usingen ankommen, und den Bewohnern dieser Orte die frohe Ankunft ihrer beiden Abgeordneten verkünden wird. Wir bedauern, daß wir diesem Volksfeste nicht beiwohnen können!
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl;
