bethciligte er sich bei einer ungesetzlichen Befreiung verhafteter Soldaten und mußte in Folge dessen flüchtig gehen. In der Schweiz angekommen, lernte er Struve „wegen dessen rein deutscher Gesinnungen" lieb gewinnen, und machte den Struve- Putsch im Herbst mit, indeß nur, wie er angab, „um Struve davon abzuhalten". Die neueste badische Revolution rief ihn abermals herbei, worauf er bis zum Ende des Aufstandes als Oberst der Flüchtlingskolonne fungirte. Obschon Böhning zu seiner Rechtfertigung geltend zu machen suchte, daß er, wiewohl Oberst, doch kein Kommando geführt, sondern stets nur sein Augenmerk bei allen Gefechten, sowie bei dem Ausfall aus Rastatt dahin gerichtet habe, daß die Offiziere seines Korps, welche aller militärischen Kenntnisse entbehrten, ihre Leute nicht unnöthiger Weise opferten, so hatte er sich doch bei den Gefechten bei Hirschhorn, Dnrlach und eintet Federbach, sowie bei dem genannten Ausfall belheiligt. Seine Schaar war der Schrecken von Karlsruhe, auf sie dachte Struve die Revolution gegen Brentano und die Proklamation der rothen Republik zu gründen. Während der Belagerung war Böhning Einer von Denen, welche sich bis zum letzten Augenblick gegen die Ueber- gäbe der Festung aussprachen.
In Folge dieses Bewußtseyns schien dem Angeklagten nicht wohl zu Muthe; ja es hieß, als die Zuhörer versammelt waren und die Eröffnung des Standgerichts erwarteten, er habe sich krank gemeldet. Indeß der abgeschickte Arzt erklärte seinen Zustand für nicht gefährlich, und der Angeklagte erschien nach SS erlauf einer halben Stunde. Sein Vertheidiger, Advokat Ree aus Offenburg, früher Parlamentsmitglied, führte die Vertheidigung sehr gut; nur suchte er des Staatsanwalts Worte dahin zu verdrehen, als habe dieser dem Angeklagten die Betheiligung an den Freiheitskriegen vorgeworfen. Aber Staatsanwalt Fecht antwortete in feurigen ergreifenden Worten, daß er sich des Unterschieds der Jahre 1813 und 1848 klar bewußt sei; 1813 habe Deutschland angefangen sich von seinen auswärtigen Feinden zu befreien, wobei nicht erwiesen sei, in wieweit der Angeklagte, wenn er auch Landwehrlieutenant gewesen sei, für das Vaterland gekämpft habe; im Jahre 1848 aber habe eine Anzahl Verräther begonnen, Deutschland dem auswärtigen Feinde wieder zu verkaufen, und zu solchen zähle er auch den Angeklagten, der mit Leuten in erwiesener Korrespondenz gestanden, welche beim letzten Mai- und Juni-Aufstande in Baden auf französische Hilfe gehofft hätten.
Die kurze, aber kräftige Schlußrede des Staatsanwaltes, worin derselbe u. A. sagte, daß er das Alter Böhning's (61 Jahr), also feine reife Ueberzeugungsfähigkeit für keinen Milderungsgrund halten könne, und daß der Versuch des Vertheidigers, Böhning's Thätigkeit als eine unbedeutende und folgenlose darzustellen, ganz dem Verhalten der letzten Jahre entspreche, in welchen man allerdings in Baden gewohnt gewesen sei, in der Verführung der Soldaten, in dem Treiben der Volksvereine u. s. f. nur jene „harmlosen und unschuldigen Vergnügungen" zu erblicken, oder erblicken zu müssen, welche Baden in so großes Unglück gestürzt hätten. Diese Rede gab die Zuhörer gänzlich ihrem Bewußtseyn und ihrem früheren Urtheil zurück, welches nach der Meinung Aller längst über Böhning den Tod ausgesprochen hatte. Das Standgericht ver- urtheilte ihn, nach kurzer Berathung, einstimmig "zum Tode durch Erschießen. Er vernahm bas Urtheil ruhig und gefaßt. Die Erekution dürfte Morgen früh stattfinven.
Rastatt, 13. August. (Allg. Z.) Nach der Ausscheitung mehrerer Volkswehren mögen etwa noch 5000 Gefangene hier seyn, worunter über 800 Kranke.
Weimar, 12. August. Zur Göthefeier entfaltet bereits ein Ausschuß seine Thätigkeit und sind dem Vernehmen nach viel Fremde zu erwarten. Die Festlichkeiten bestehen in der Erleuchtung des Göthe'schen Gartenhauses und des Römischen Hauses im Park, wobei Männerchöre Wechselgesänge aufführen, am 27. d. M. Abends; am 28. wird früh die Bibliothek in ihrer jetzigen Ausdehnung eingeweiht, Mittags sind Zweckeffen und Abends wird im Theater Torquato Tasso gegeben, worauf die Stadt illuminirl seyn soll. Mittwochs ist jedenfalls ein Konzert unter Liszte's Leitung und Mitwirkung und werden die ganze Zeit über Gölhe's Arbeitszimmer seinen Verehrern geöffnet.
München, 14. August. Das ReggSbl. Nr. 46, welches «och diesen Abend erscheinen wird, bringt endlich die Einberufung deS Landtages. Das betreffende allerhöchste Re,
skript ist von Hohenschwangau, 12. August, datirt, und die Kammern sind auf den 3. September l. J. einberufen, an welchem Tage sich die Abgeordneten bei der Einweisungskom- Mission im Ständehaus anzumelben haben.
München, 15. August. (Allg. Z.) Daß auch die dieß- jahrlge Ernte gleich jener des verflossenen Jahres in allen Theilen deS Königsreichs eine sehr reichhaltige sey , hiervon zeugte bei jüngstem Gelreidemarkt die Anwesenheit von Landleuten , welche nicht auf den Verkauf an Händler warten zu können, sondern die vorjährigen Vorräthe selbst zur Schranne führen zu müssen erklärten „um für die dießjährigen Erträgnisse ihrer Getreidefelder Raum zu gewinnen." Richt nur in den Ebenen an der Donau, der eigentlichen Kornkammer des Landes, sondern auch um Altötting re. sind alle Cerealien mit alleiniger Ausnahme des Hafers eingebracht.
Dresden, 11. Aug. (L. Z.) Dem Vernehmen nach werden in nächster Woche, wahrscheinlich den 15. August, sämmtliche preußische Truppen das Königreich Sachsen ver, lassen. Gestern bereits sind von dem Lissaer Gardelandwehr, bataillon und von dem Samter'schen Bataillon des 18. Landwehrregiments von jedem 200 Mann in ihre Heimath entlassen worden und haben heute mittels der Eisenbahn Dresden verlassen. Die Bataillone sind nunmehr nur noch in einer Stärke von 600 Mann. Die Bestimmung der preußischen Truppen ist Thüringen, und zwar die Gegend nördlich von Erfurt; sie werden in 18 Tagen in ihren zukünftigen Quartieren eintreffen.
Leipzig, 10. August. Die amtliche „Leipz. Ztg." enthält heute folgende Berichtigung: Dresden, 8. August. In einer Korrespondenz der „Augsburger Ztg." aus Sachsen war unter Anderem auch die Behauptung aufgestellt worden, daß die Kosten für die preußische Besatzung Sachsens seit den Maitagen bereits auf eine Million Thlr. für Sold, Kriegsmaterial, Transport rc. angewachsen seyn dürften. Es ist dies, wie jeder Unbefangene sofort erkennt, lediglich eine Privatansicht des Korrespondenten. Diese als bloße Vermuthung ausgesprochene persönliche Ansicht wird nun ohne Umstände zu einer als bereits vorhanden anzusehenden Thatsache verdreht und das Volk glauben gemacht, es seyen bereits Anforderungen nach Höhe jenes Betrages an Sachsen gestellt worden. Wir können nun aber aus zuverlässiger Quelle versichern, daß die k. preußische Regierung für die der hiesigen geleisteten Militärhilfe bis jetzt k e i n e A n f o r v e r u n g an Sachsen gest ellt hat.
Berlin, 13. Aug. (W. Z.) Bei den diesjährigen Geldbewilligungen an Beamte, Gelehrte u. dgl. zu Badereisen ist fast in allen Verwaltungszweigen streng auf die Politische Gesinnung der Bittsteller Rücksicht genommen worden. Berühmte Gelehrte, die dergleichen Bewilligungen für Erholungsreisen als feststehende Einnahmen anzusehen gewohnt sind, haben sich in diesem Jahre getäuscht gefunden. So hat Prof. Steiner, der erste Geometer Europas, vergeblich die übliche Unterstützung zur Wiederherstellung seiner Gesundheit durch eine Badereise bei Hrn. v. Lavenburg nachgesucht. Steiner soll antiministerieller Gesinnungen verdächtig seyn. Mitglieder deS Treubundes werden Gelehrten von europäischem Ruf überall vorgezogen.
Berlin. Ueber Kinkel wird der „N.Pr.Z." von einem Rastatter Korrespondenten mit unverkennbarem Mißbehagen geschrieben. Ich kann Ihnen mit Zuverlässigkeit, so weit solche unter diesen Umständen möglich ist, mitlheilen, daß die von süddeutschen Blättern gebrachte Nachricht: Gottfried Kinkel ist vom Kriegsgericht zu lebenswieriger Festungshaft verurtheilt, nicht unbegründet ist. Eins ist dabei zu beklagen, daß der General v. Hirschfeld, nach seiner Bekanntmachung: „Jeder Preuße, der mit den Waffen in der Hand ergriffen wird, wird erschossen", jetzt dies Urtheil bestätigen soll.
Schleswig, 12. August. (N. H. Z.) Mit den preußischen Truppen wird unsere Bürgerschaft bald auf einem guten Fuße stehen; die Soldaten zeigen aufrichtige Theilnahme an der traurigen Lage des Landes. Die Zeichen der Trauer, die die Bevölkerung Nordschleswigs, insbesondere der Städte, offen zur Schau trug, sollen auf die Preußen tiefen Eindruck gemacht haben. Nicht minder aber die würdige Haltung des Volkes an allen den Orten, durch welche die preußischen Trup-
