Staaten dadurch abgeschreckt werden mußten, indem so die Aussicht auf Erfolg des Bündnisses und seines Entwurfes schwinden mußte.
Doch, und zwar wohl gegen die Erwartung Hannovers und Sachsens, die preußische Regierung ist durchaus fest geblieben, selbst auf den Fall, daß beide Mitverbündete wieder zurücktreten wollten. Der Befürchtung eines solchen Rücktrittes wird übrigens nicht Raum gegeben, londern vielmehr gehofft, daß ein Charakter, wie wenige, mit denen die Nation Ursache hat, haushälterisch zu seyn und nicht zu den verbrauchten zu werfen," daß „Stüve" nicht im „diplomatischen Schlamme" untergehen wird, wo „Doppelzüngigkeit und Unbestand für StaatöweiSheil" gilt. Das Festhalten „an Bundesstaate mit monarchisch-einheitlicher Spitze und mit Volksvertretung" wird namentlich auch gehofft von den neu berufenen Landständen Hannovers und Sachsens, ungeachtet der geringen Sympa- thiecn, welche Preußen besonders jetzt in beiden Ländern hat." Denn nicht im verbissenen Weltschmerz über das Unerreichbare sich zu gefallen, sondern das Dargebotene zu ergreifen und damit Boden zu gewinnen, worauf wir erst wieder stehen können, das ist die Aufgabe für den Patrioten."
Dem Verfasser liegen die inzwischen zur Oeffentlichkeit gekommenen ausführlichen Verhandlungen des „Verwaltungs- rathes" und des Braunschweigischen Bevollmächtigkeiten zu Berlin so wenig vor, als die Eröffnungsrede des preußischen Ministers bei der neuen Ständeversammlung. AuS beiden höchst ernsten und würdigen Aktenstücken erhellet auf's Neue der feste Wille der Verbündeten zur Durchführung ihres Werkes und sogar zur baldigen Berufung des neuen Reichstages. Q. D. B. V
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Deutschland.
* Wiesbaden, 13, Aug. Gestern ist in hiesiger Stadt ein Komite zur Ausführung einer Goethe-Feier auf den hundertjährigen Geburtstag des Dichters zusammengetreten. Das ausführliche Programm des Festtages wird demnächst veröffentlicht werden.
Karlsruhe, 10, August. (O.-P.-A.-Z.) Morgen Abend wird der Prinz von Preußen hier eintreffen und in den für ihn in Bereitschaft gehaltenen Zimmern im großherzogl. Schlosse absteigen. Am Sonntag wird eine große Parade der gesummten hiesigen Garnison vor Sr. kgl. Hoheit veranstaltet werden. — Die Gattin des in Mannheim in Haft befindlichen Trützschler ist gestern hier angekommen. Der Zweck ihrer Reise ist, den Prinzen von Preußen, für den Fall, daß ihr Gatte zum Tode verurtheilt werden sollte, um eine Milderung der Strafe zu bitten. — Gestern wurden die Schüler der hiesigen polytechnischen Schule vor ihren Direktor geladen und von diesem ermahnt, die Verführungsversuche von Soldaten, deren sich einige unter ihnen schuldig gemacht haben sollen, aufzugeben, da im Fall einer Wiederholung derselben nach der Vorschrift des Gesetzes mit aller Strenge gegen sie verfahren werden würde.
Freiburg, 10. August. (O.-P.-A.-Z.) So eben bricht das Hauptquartier von hier auf, um nach Baden und von dort nach Karlsruhe zu gehen, woselbst es bis zum feierlichen Einzug des Großherzogs von Baden verweilen soll. Der Prinz von Preußen wird vorher noch mit einem Theil seines Stabes »ach Rastatt gehen, um sich von der dortigen Sachlage mit eigenen Augen zu überzeugen und erforderlichen Falls angemessene Anordnungen zu treffen. Prinz Friedrich Karl ist schon vorgestern nach Berlin zurückgekehrt.
Der „Deutschen Reform" schreibt man aus Freiburg: „Kinkels Frau, eine musikalisch und sozialistisch gleich renom- mirte Virtuostn, war nach Karlsruhe gegangen, um seine Befreiung, oder doch eine Unterredung mit ihrem Manne auszuwirken. Als sie bei dieser Gelegenheit einen etwas hochfahrenden Ton annahm, wurde ihr vorgehalten, daß ein solcher ihr um so weniger anstehe, da sie sich doch als die intellektuelle Urheberin der Verbrechen ihres Mannes fühlen und anklagen müsse. Sie antwortete: „Wenn dies der Fall ist, so lassen Sie mich doch statt seiner hinrichten." Es wurde ihr entgegnet, daß der Mann nicht nur selbst und allein alle seine Handlungen vor dem Gesetze zu vertreten habe, sondern, daß er auch noch für diejenigen seiner Frau verantwortlich sey. Gesetzlich habe der Mann Gewalt über seine Frau, und sey daher verpflichtet,
sie von verbrecherischen Handlungen abzuhalten. Inzwischen hatte man gegen eine Unterredung nichts einzuwenden. Als.^ jedoch der Gouverneur von Karlsruhe, Oberst von Branden--,, stein, dem Gefangenen die Anwesenheit seiner Frau und ihrenxo Wunsch, ihn zu sehen, mittheilte, äußerte er durchaus kein» Verlangen, diesem Wunsche zu entsprechen, sondern begnügte-, sich damit, dem Gouverneur kalt zu erwiedern : „Wenn Sie Rei sehen, so grüßen Sie sie von mir." In Folge dessen reiste.» die Frau wieder ab.
Berlin, 10. August. (K. Z.) Die deutsche Partei be^r? harrt aus der Wahl Simson's zum Präsidenten und wird sich in kompakter Minorität zählen. Graf Schwerin, der übrigens nicht mehr mit der entschiedenen Rechten geht und selbst' herir deutschen Partei angehört, wird in der Kammer präsidiren.^ Heute Morgens glaubte man mit Bestimmtheit, Simson werden eine genügende Majorität für die Stelle des ersten Vice-Präfi-^. denten erhalten. Man versichert uns als gewiß, daß Hohen-gc zollern-Sigmaringen in definitiver Cession anV Preußen abgetreten worden. g(
Stettin, 8. Aug. Soeben erhalten wir die Anzeige, daßxx das Dampfschiff „Prinz von Preußen" heute früh in Swinemünde in Brand gerathen ist. Es wurde durch den „Delphin" $ bei den Mövenhakenschen Mühlen auf Grund geschleppt, um q die Maschine zu retten. (Nd. Z.)
Schleswig-Holstein. (W. Z.) „Finis Poloniae!" rufen li jetzt die Schwarzblickenden, seit der in der geheimen Sitzung h der Landesversammlung gefaßte Beschluß bekannt geworden ist. Der Beschluß betrifft den Rückmarsch der schleswig-Holsteinischen Truppen nach Holstein; die Versammlung hat den Antrag ihrer Kommission, die Räumung Schleswigs von schleswig - holsteinischen Truppen nicht zu genehmigen, mit 54 gegen 44 Stimmen verworfen, und dagegen die Erklärung - zum Beschluß erhoben, „daß die Versammlung nicht veran- . laßt sevn könne, an die Statthalterschaft den Antrag zu richten, 1 daß die in Betreff des Zurückgehens der Truppen über die Eider ' erlassene Ordre zurückgenommen werden möge." ;
Wollte die Landesversammlung hiemit eine Unterwerfung i unter den Berliner Vertrag aussprechen? Ganz gewiß nicht; . denn die Existenz der Statthalterschaft selbst, die Fortdauer ' der Landesversammlung sind Proteste gegen den Waffenstillstand, und mit dem vorläufigen Aufgeben der Feindseligkeiten, während die Rüstungen fortdauern, scheint man nur daS zu beabsichtigen, die preußische Regierung zu offiziellen Erläuterungen über den Sinn der Verträge, zu bestimmten Vorschlägen wegen Modifikation der unausführbaren Verträge zu veranlassen, und erst, wenn diese nicht akzeptabel erscheinen, ist von einer Verwerfung die Rede. Bis dahin hat man Zeit gewonnen, die freudig zu den Fahnen geeilte Mannschaft einzuüben und das Offizierkorps zu verstärken, so daß man gerüstet ist, wenn es zu einem wirklichen Versuch kommen sollte, zur Ausführung der präju- diziellen Punkte der Verträge zu schreiten.
General v. Bonin ist im Triumphe in Kiel eingezogen. Er wird dort eine Badekur gebrauchen.
Wien. Laut einer von Triest angelangten telegraphischen Depesche hat sich, der „Wiener Ztg." zufolge, Garibaldi in Cestnatico auf einigen zwanzig Fischerbarken mit seiner Bande eingeschifft und den Versuch gemacht, längs dem Gestade und der seichten Gründe deS Capo della Maestra steuernd, Venedig zu erreichen. „Der Kommandant der k. k. Brigg „Orestre", Schiffslieutenant Scopinich", wird berichtet, „dies bemerkend, ließ einige scharfe Schüsse auf selbe abfeuern und mit den leichten Fahrzeugen Jagd auf selbe machen, und machte den größten Theil der mit den Truppen beladenen Barken gefangen, und zwar 1 Oberst, 5 Offiziere, 138 Mann aus Italienern, Franzosen, Engländern, Ungarn und Tyrolern. Garibaldi selbst, mit seinem Weibe, einem Arzt, einem Priester und einer kleinen Anzahl von Offizieren und bei 100 Köpfen, von denen 20 bewaffnet seyn sollen, ist bei Bolano gelandet, konnte von den Barlen nicht mehr erreicht werden und ist ans Land geflüchtet, wo er hoffentlich in Verhaft genommen werden wird." Der „Lloyd" fügt hinzu: „Eben eingehenden Nachrichten zufolge, hat Garibalvi's Armee die Waffen gestreckt. Er selbst wurde nicht gefangen, doch dürfte eS ihm nach den getroffenen Vorkehrungen nicht leicht werden, zu entkommen."
