Here Bestimmung ab; über das fernere Schicksal der Truppen habe nur der Großherzog von Baden zu bestimmen.
^- So dauerte es lange hin und her; Corvin wiederholte nochmals die Bereitwilligkeit, sich zu übergeben, ja gab sogar zu, daß er für sein Leben zu fürchten habe, wenn er in die Festung zurückkehre, da man seine Gesinnung kenne; aber dem noch könne er die Uebergabe nicht eher versprechen, als bis man mit Bestimmtheit wisse, was man mit der Besatzung vorhabe. General v. d. Gröben verlangte Unterwerfung unter jeder Bedingung; noch 24 Stunden Bedenkzeit wolle er den Belagerten gewahren, dann aber werde er zu dèm Aeußersten schreiten. Damit wurden die Unterhandlungen abgebrochen, und das war die Lösung der großen Aufregung. Einzelne Schüsse von Seiten der Festung fielen immer durch die Unterredung dazwischen.
Hinderfin ist in der Festung sehr gut behandelt worden. Die Kasematten waren ihm zwar als Aufenthalt angewiesen, doch wurde er so gut verpflegt, daß man eben hieraus schließen kann, wie gut die Belagerten noch mir Lebensmitteln versehen sind. Eine Masse Wagen sind heute schon angekommen, die Leute ins Hauptquartier gebracht, um mit dem Einzug der Preußen zugleich ihren eigenen Einzug halten zu können; sie hatten sich zur größeren Vorsicht schon ihren Paß nach Rastatt visiren lassen; indessen hatten sie das Visa noch nicht nöthig.
Baden-Baden, 23. Juli. Wir erfuhren heute die Uebergabe von Rastatt bei Tische, als gerade das Gespräch über das Schicksal der Stadt recht im Gange war. Plötzlich tritt der Wirth herein: Meine Herren, Rastalt ist über, soeben sind zwei Staffetten gekommen. Die Tischgesellschaft in der höchsten Freude bricht sogleich auf, Wagen werden bestellt, um hinaus nach dem Orte zu kommen, den wir Alle so lange und an so verschiedenen Orten nur aus der Ferne betrachten konnten. Wir mußten an dem Kuppenheimer Lager vorbei und hatten viel Mühe durchzukommen; denn alle Wege waren dicht gefüllt mit der Artillerie und rund herum lagen in der behaglichsten Ruhe die Soldaten auf den Feldern, des Befehls zum Einmarsch wartend. Wir kamen durch Niederbühl und mußten uns doppelt freuen über die friedliche Einnahme Rastatts, wenn wir das Dorf betrachteten, das so verbrannt, so verwüstet aussah.
Um halb 5 Uhr rücken die Truppen endlich vor und bilden ein Quarre auf dem Glazis vor Rastatt. Der Prinz won Preußen kommt mit Gefolge geritten und hält vor den Truppen eine Rede, die ungefähr so lautete: Wir sind jetzt zu dem letzten Stadium unseres Feldzuges gekommen, wir sind im Begriff in Rastatt einzurücken und die Insurgenten werden sogleich vor Ihnen die Waffen niederlegen müssen. Sie werden Zeuge seyn, zu welcher Schande die Eidbrüchigkeit führt. Bis wir aber bis hier gekommen, haben Sie sich zwar viel Mühen und Anstrengungen unterwerfen müssen, und namentlich weiß ich — indem er sich zu der Landwehr wendete — welche Opfer Sie uns gebracht; aber dafür sage ich Ihnen auch den besten Dank im Namen unsers Königs und Herrn und in meinem Namen als seines Generals, der stolz ist, solche Truppen zu führen. Es lebe der König! Es lebe der Prinz! erschallte eS jetzt von allen Seiten.
Der Prinz ritt zurück nach der Favorite; „ich will diese Menschen nicht sehen", sagte er. Nach einer Stunde etwa kam die Besatzung. Zuerst ein Bataillon Infanterie, geführt von einem badischen Obrist zu Pferde; er hatte ein breites schwarz- roth-goldenes Band quer über die Brust. Sie bildeten eine Kolonne und legten die Waffen zur Erde. Ein Soldat fragte ihn, ob sie auch die Helme mit ablegen müßten? Ja wohl, sagte er, jetzt ist Alles aus. Dann kommt ein anderes Bataillon, geführt von einem Major ebenfalls zu Pferde, sehr jugendlichen Aussehens, den rechten Arm noch in der Binde. Die Soldaten stellten die Flinten in militär-üblicher Weise zu, sammen, und hingen Helm und Tornister daran. Dann kamen die Dragoner auf sehr wohlgenährten Pferden, und hinterher einige wenige bayerische Chevaurlegers, vielleicht im Ganzen fünf, die in Rheinbayern übergegangen sind. Dann die Artillerie, und ein Schauder erregendes Gefühl überlief Einem, wenn man diese Leute sah, die in so kleiner Zahl eine Stadt so lange in der Angst erhalten konnten. Zuletzt die Freischärler; Physiognomien waren darunter, um deren Anblick gewiß jeder Maler Einem beneiden muß. Ein alter Mann mit grauem langem Barte war an der Spitze. Nach einigen soll eS ein Nassauer, Böning, nach andern der Redakteur des FestungS- boten Elsenhans gewesen sein. Nach der Entwaffnung mußten sie gewiß noch eine gute Stunde stehen bleiben, und wir hatten
jetzt Zeit genug, alle diese Leute uns zu besehen. Entsetzlichyon verwilderte Physiognomien, aber bisweilen auch darunter sehrDeri jugendliche malerische Figuren. Da war ein Italiener miigege verbundenem Kopf; die Wunde hatten ihm seine eigenen LeuteauS beigebracht. Noch in der Frühe hätte die Artillerie auf dieBad eignen Leute schießen müssen, weil sie ein Magazin mit Kleidernund und mit Proviant stürmen wollten. Sta
Die Gefangenen werden endlich abgeführt, eS fing anist ( dunkel zu werden, wir nahmen unsere Richtung nach der Stadt,hdei bestiegen aber erst die Wälle, um eine Totalansicht vom Ganzendah zu erhalten. Von der Festigkeit der Befestigungen konntenschä wir uns jetzt in der Nähe überzeugen, und vom Wall sahencher wir auch, wie die Gefangenen in die Kasematten geführt wur- — den. Man hörte noch die Riegel knarren, Offiziere und Ge-ode meine wurden noch zusammengesperrt. Die Soldaten bivoua-mix quirlen am Abend auf dem Platze, nahmen aber keine Notiz von dem harten Lager, sondern sangen: In der Luft leb' ich, ein in der Luft schweb' ich! und waren sehr fidel. 'wo
In einem andern Briefe der Deutschen Zeitung heißt esrner Nach erster Abschätzung sollen nicht unter 12,000 Mann als Besatzung in der Festung gewesen und zu Gefangenen gemacht gel seyn. Man war über diese Zahl nicht wenig erstaunt. Wirk, N- lich zum Entsetzen fand man das Aeußere der Rebellen, ihre chel Haltung, den Trotz ihrer Mienen, tue an Stumpfsinn grân-arn zende Gleichgiltigkeit Vieler, ergreifend nur den Ausdruck dernc Verzweiflung und Angst, der sich namentlich bei den Jüngsten, bei zum Theil Knaben von 15 Jahren, in Weinen und Hânderin- A gen zu erkennen gab. Auch Männer, dem Greisenalter nahe, sie trugen die Blouse am Leibe und den Stempel der Verworfen- W heit auf der Stirn. Es sind, wie versichert wird, sämmtliche fu Anführer mit gefangen worden; unter ihnen hört man Willich @ nennen, der nach anderen Angaben in der Schweiz seyn sollte, tr Tiedemann, Corvin, Böhning und wie sie weiter heißen, sitzen dc in gleichem Gewahrsam mit den Uebrigen; man hat ihren -0< „Rang" in keiner Weise respektirt. al
Die Stadt nahm den Wechsel ohne jedes Lebenszeichen Md hin. Das Militär fand die Straßen menschenleer, Niemand ^ ließ sich an den Fenstern blicken; es schien, als sey man unter i' Särge versetzt. Nur einige wenige weiße und rothgelbe Fahnen an Häusern deuteten auf die abweichende Gesinnung nnMner ü Stadtbewohner von derjenigen der Mehrzahl hin. Gleich nach v vollendetem Einmarsch wurde die Stadt ringsum dergestalt be- o setzt, daß Niemand entweichen konnte. Es wurde befohlen, 5 daß während der nächsten drei Tage keinem Einwohner das * Verlassen der Festung und keinem Fremden der Eintritt in die- * selbe erlaubt sey; ebenso erhielt die Bürgerschaft Befehl, ihre Waffen innerhalb drei Stunden abzuliefern. Wie wir hören, ist diesem Gebot pünktlich Folge geleistet; nur versichern Sol- « daten, daß sie gleich beim ersten Zusammentreffen mit Bürgern ; von Rastatt Flüche und revolutionäre Redensarten derselben j vernommen haben. Die Bejchâdigungen in der Stadt fand ; man wider Erwarten gering. Einzelne Häuser hatten an den i Dächern durch Kugeln gelitten; etwa vier waren theilweise niedergebrannt.
Heute (24. Juli) wird die strengste Durchsuchung im Orte fortgesetzt, auch sollen noch heute die Hauptanführer nach Karlsruhe abgelicfert werden. Eben dahin gehen NachMittagA"hie ersten Sendungen der den Insurgenten abgenommenen Waffen. Q Es verlautet, daß morgen das kriegsgerichtliche Verfahren in Karlsruhe eröffnet werden soll.
Ueber den eigentlichen Zusammenhang der Ereignisse, welche der Uebergabe vorausgingen und dieselbe herbeiführten, erfährt man heute nur so viel, daß vorgestern sogar die Artillerie von Kartätschen gegen die zum äußersten Widerstand entschlossen gewesenen Pol^n^Mr- brauch gemacht haben soll. Desgleichen versichern unsere Gewährsmänner, daß den Belagerten die Lebensmittel ausgegangen seyen und daß dieser Grund bei der Bürgerschaft wie beim Militär endlich den Ausschlag gegeben habe.
Deutschland.
■fr Aus der Lahngegend des Herzogthums Nassau, im Juli. Seit der einst süße Traum eines einigen freien großen Deutschlands leider! wie eine Seifenblase verschwunden ist, und die drei Königreiche, Preußen, Sachsen und Hannover, eine staatliche Verbindung angebahnt haben, woran auch die übrigen deutschen Staaten Antheil nehmen können, tauchen
