Nassauische
Allgemeine Zeitung.
JS L«8 Mittwoch den L8 Juli 1849»
Uebersicht.
Das Gefecht bei Komorn.
Das badische Militärwesen.
Deutschland. Mainz (Der Großherzog von Baden). — Frankfurt (Ansprache des NeichSvcrwesers an das preußische Korps). — Vom Rhein (Mahnung des Neichsverwesers). — Vom Rhein (Mangelhaftigkeit des prenßischen Wahlgesetzes). — Durlach (Das Briefgeheimniß). — Karlsruhe (Bayerische Truppen). — Baden-Baden (Die Belagerung von Rastatt). — Hannover (Widerlegung)'. — Stuttgart (Pennsylvanisches Gefängniß. Das 4. Regiment. Vermischtes). — Berlin (Die konservative Partei. Habicht in Dessau. Zur Beurtheilung des preußischen Oberkommandos in Schleswig-Holstein). — Wien (Gvrgey soll abgesetzt seyn).
Frankreich. Straßburg (Hecker). — Paris (Tagesbericht).
Ungarn. K v m o r N (Das Belagerungsmaterial). — P r e ß b u r g (Koffuth).
— Czernowitz (Die Schlacht bei Bistritz).
Amerika. (Friedrich Hecker).
Nachschrift.
Das Gefecht bei Komorn
Die „Wiener Zeitung" bringt folgenden offiziellen Bericht: Feldzeugmeister Baron Hapnau hat über ein am 11. d. Mls. vor Komorn stattgehabtes bedeutendes Gefecht folgenden Bericht an Se. Maj. den Kaiser erstattet: Euer Majestät! Ich bin so glücklich, Euer Majestät abermals den unterthänigen Bericht eines neuen Sieges zu unterlegen, den Eurer Majestät Waffen heute den 11. Juli vor Komorn erfochten haben. Um 12 Uhr Mittags erhielt ich die Meldung, daß der Feind in großen Kolonnen aus Komorn debouchire, und zum Angriff vorrucke. Regenwetter und Nebel begünstigten sein Unterneh-
^ ^utte schon früher alle Dispositionen getroffen, wie sich die einzelnen um Komorn aufgestellten Korps gegenseitig zu unterstützen haben. Bei meiner Ankunft auf dem Schlacht- se.de, war das Gefecht bereits auf vielen Punkten engagirt. Der Feind hatte unsere in Almas stehenden Posten angegriffen, und größere Kavaleriemassen in der Richtung auf Mocsa diri- ßirt; gleicpjeitiß aber das erste Armeekorps in dem Acser Walde beträchtlichen Jnfanteriemassen heftig angegriffen. Wie ge- wohnlich entwickelte er eine bedeutende Geschützzahl.
Die Brigaden Bianchi und Sartori des ersten Korps wi, c dem vielfach überlegenen Feinde mit Heldenmuth, warfen ihn, unterstützt von der Brigade Reischach und dem eines Theiles der Brigade Ludwig, welchen Fürst Franz Liechtenstein persönlich leb an zurück. Der Feind verlor hier viel
teil und Verwundeten und 120 Gefangene. Mit die- rürfnn 9Cn ^o?^ verband derselbe eine gleichzeitige Vor- " Ü ^egen Puszta Harkaly, wo die Brigade Benedek des Muthe alle Angriffe zurück- $* Stellung behauptete. Ich ließ sogleich bei mei- Aäfftb.e Division Herzinger von Puözta Csem gegen za Hatkalp, und die von Jgmand vordisponirte russische
Division des Generallieutenants Paniutin rechts von Csem entwickeln. Der Feind hatte bereits den rechten Flügel des Reservekorps bedroht, als die russische Division durch ihr geschlossenes und imposantes Auftreten den Feind in seinen linken Flanken nahm, und im Vereine mit der Truppe des Herrn F.M.L. Wohlgemuth zum Rückzüge zwang. Die Kavalerie- division Bechthold hatte gleich im Anfänge der Schlacht entschiedene Vortheile über den Feind errungen, und warf nun auch die von O'Szvny gegen Mocsa vorrückenden Kavalerie- masfen siegreich zurück.
Es war beiläufig 5 Uhr Nachmittags, als der Feind, auf allen Punkten geworfen, sich wieder in seine Festung zurückzog. Der Gegner hatte die Kunde gewiß erhalten, daß ein Theil unserer Streitkräfte im Angriffe auf Ofen im Begriff steht, und ohne Zweifel die Absicht, über den zurückgebliebenen vermeintlich schwachen Theil unserer Armee herzufallen und durch- znbrechen, ein Vorhaben, welches vollkommen vereitelt wurde. Noch bin ich nicht im Stande, Ew. Majestät die Details dieses siegreichen Sreff«râârzulegen. Der Feind hat ohne Zweifel großen Verlust erlitten, doch konnte er nur bis in Ertrag seines schweren Festungsgeschützes verfolgt werden. Auch unsern Verlust kann ich noch nicht ermessen, nur so viel ist mir bis jetzt bekannt, daß die Brigaden Bianchi und Sartori bei 200 Mann an Verwundeten und Todten verloren; auch haben wir bei dem heftigen Geschützkampf starken Verlust an Bespannungspferden.
10 bis 12 Offiziere sind theils todt, theils verwundet, unter ihnen der Hauptmann Fürst Windischgrätz vom 14. Jäger, bataillon, dem ein Fuß zerschmettert wurde, dann Hauptmann Graf Künigl von Kaiserjäger verwundet. Den Herren Generalen Herzinger und Benedek, dem Obersten Weiß von Kaiser Ferdinand Kürassier und mehreren andern Offizieren wurden Pferde unter dem Leibe erschossen. Alle Truppen ohne Ausnahme haben an Muth und Tapferkeir gewetteifert. — Der Feind hat sehr zahlreiche Streitkräfte entwickelt und uns die gewünschte Gewißheit geliefert, daß er mit seiner Hauptmacht noch immer in seinem verschanzten Lager vor Komorn steht. Die Detailrelation über dieses siegreiche Treffen werde ich baldigst Euer Majestät in Unterthänigkeil vorzulegen die Ehre haben. Hauptquartier N. Jgmand, am 11. Juli 1849. Haynau, F.Z.M.
Das badische Militärwesen
. Karlsruhe, 13. Juli. Viele badische Offiziere find hier versammelt und sehen ihrer Wiederverwendung entgegen. Alle, die im Anfang geflohen, wie diejenigen, die noch einige Zeit unter dem Landesausschusse gedient haben, find aufgefordert worden, ihre Erlebnisse Fem Kriegsministerium zu melden. Wir halten diese Verordnung für sehr passend, da hierdurch jedem Offizier die Gelegenheit zu einer wohlüberdachten schrift- lichni Rechtfertigung gegeben ist, und das Gericht, das über alle Offiziere, mögen sie Anfangs geflohen oder noch einige Zeit geblieben seyn, wird entscheiden müssen, und das natürlich nur aus ältern badischen oder aus höhern preußischen Offizieren
