Koth zu bewerfen versuchte, die nicht müde ward', einen Hein- rich Gagern, Dahlmann, Janp zu verdächtigen, die sich nicht scheute, 'cie Brandfackel in die deutschen Gauen zu werfen, die unverständig genug war, durch Entstellung der Wahrheit den Pöbel aufzureizen! Schaudert sie selbst jetzt vor der Ernte ihrer Aussaat zurück? Die Einsicht kommt spät, sehr spät! Ein nicht geringer Theil des Volkes ist demoralisier, der Tugend und Treue entwöhnt, daS schöne Ludwigshafen in Schutt und Asche verwandelt, die Waarenvorräthe daselbst im Werthe von vielen hunderttausend Gulden sind muthwillig und boshaft von verbrüderter Hand zernichtet, das reiche badische Land wird zerstört und ausgesaugt, der Wohlstand auf mehrere Dezennien zu Grunde gerichtet, Bruder kämpft gegen den Bruder, Deutscher gegen Deutschen, Alles unter dem Wahne oder unter dem Truge für „F r e i h e i t, Wohlstand u n d B i l d u n g f ü r Alle!" zu streiten. Armes betrogenes deutsches Volk! Deine Führer waren wahre Verführer; deine Beglücker haben zu Kummer, Sorge, Elend und Schmach dich gebracht! Bald wirst du hoffentlich zur Einsicht kommen, welche Männer deine echten Freunde sind! durch wen dir die Freiheit und dem Vaterlande die Einheit errungen wird!
Tuttlingen, 11. Juli. Generallieutenant von Miller kam gestern Abend an. Heute rückt der Generalstab nach.
Tettnang, 11. Juli. Gestern Abend nach 7 Uhr rückte ziemlich unerwartet der bayerische General v. Flottow von Lindau her an der Spitze von ungefähr 2500 Mann hier ein, wovon allein gegen 1000 Mann in der Stadt einquartiert wurden. Dem Vernehmen nach sollen noch mehr bayerische und auch österreichische Truppen folgen. (S. M.)
Berlin, 11. Juli. (D. Z.) Gestern ist von dem dänischen und preußischen Bevollmächtigten ein Waffenstillstand auf zehn Monate abgeschlossen, und zugleich ein Protokoll unterzeichnet, in welchen die Friedenspräliminarien festgestellt sind. Ueber die Bedingungen verlautet öffentlich noch Nichts; doch glaube ich wenigstens Folgendes darüber verbürgen zu können. Sobald der Waffenstillstand ratifizirt ist, welches in acht Tagen geschehen kann, wird die Blokade aufgehoben. Im südlichen Schleswig bleiben 3000 Mann Preußen stehen, das nördliche Schleswig wird mit schwedischen Truppen besetzt. Das schleswig-holsteinische Heer bleibt zusammen, wich aber auf eine bestimmte Linie zurückgezogen. Die einzelnen Paragraphen waren bereits besprochen, als die Nachricht von der Niederlage vor Fridericia hier eintraf. Diese Nachricht hat keinen Einfluß auf die Abfassung gehabt.
Lübeck, 7. Juli. Im Bürgerausschusse wurde heute daS von der in der deutschen Frage niedergesetzlen Kommission erstattete Gutachten verlesen, welches dahin ging, daß für Lübeck zur Zeit keine Veranlassung vorliege, dem von den Regierungen Preußens, Sachsens und Hanno v e r s abgeschlossenen Bündnisse beizutrelen, und dem provisorischen Schiedsgerichte sich zu unterwerfen, und daß daher die darauf bezüglichen Anträge des Senats sämmtlich abgelehnt seyen. Die Diskussion dieses Berichtes ward auf Montag anberaumt. — Der Verein für Handelsfreiheit hat sich in einer Eingabe an den Senat gegen den Berliner Entwurf erklärt.
Schleswig-Holstein. (W. Z.) DaS Korps des General von Pritt w itz ist bereits in Veile angekommen und wird nun gemeinsam mit dem Boninschen operiren. Beide Generäle haben Tagesbefehle an ihre Truppen erlassen, welche man weiter unten findet. Alle Berichte stimmen darin überein, daß die Schleswig-Holsteiner in bester Ordnung in Beile angelangt, und vom feurigsten KriegSeifer beseelt sind. General Prittwitz, so schreibt man dem „Alt. M.", hat ihnen versprochen, daß sie unterstützt von den Bayern die Avantgarde bilden sollen, nur fürchten wir, daß die Dänen ihnen daS nächste Mal nicht Stand halten werden und daß sie lange warten müssen, ehe ihnen Gelegenheit wird, die empfangene Scharte auszuwetzen.
In den Herzogthümern hat man mit neuen R ü st ungen begonnen; sollen sie etwas nützen, so muß Preußen jetzt offen erklären, ob es kämpfen will oder nicht. Im letzteren Falle ist es besser, daß es seine Truppen abberufe, damit man wisse woran man ist.
Schleswig, 9. Juli. (A. M.) Die Stadthalterschaft der Herzogthumer Schleswig-Holstein hat unterm 9. v. beschlossen,
daß zur Ergänzung der Truppentheile der Reservebrigade, welche von dieser an die im Felde befindliche Armee zur Kompletirung der letztern werden abzugeben sein, die Aushebung der 26 — 30jâhrigen unverheiratheten Mannschaft erfolgen solle.
Wien, 9. Juli. (A. Z.) Aus Mailand geht die wichtige Nachricht ein, daß in Turin ein Komplott gegen den Thron und das Leben des Königs entdeckt worden sey. Der König, dem diese Entdeckung die Augen geöffnet hat, ist entschlossen den Frieden mit Oesterreich ohne Verzug und selbstständig^» zuschließen. Vorgestern fand die feierliche Eröffnung der Eisenbahnstrecke von Verona nach Vicenza statt, deren Vollendung durch die Ereignisse des Jahres 1848 unterbrochen worden war, die aber nun zu allgemeinen Erstaunen im Verlauf von wenigen Monaten in fahrbaren Stand hergestellt wurde. Es ist also die ganze Bahn von Verona bis Venedig fertig.
Schweiz.
Das badische Korps unter Sigel ist in die Schweiz übergetreten. Am 10. Juli hatte der'Regle- rungSrath von Zürich beschlossen, dem Befehlshaber der badischen Armee die Aufforderung zugehen zu lassen, daß er entweder von der schweizerischen Gränze sich entferne, oder wenn er in der Schweiz ein Asyl suchen wolle, sofort und ohne sich in weitere Gefechte einzulassen, seinen Rückzug antrete, damit die Entwaffung ordentlich vor sich gehen könne. Dabei wurde Sigel angedeutet, daß, wenn er den diesseitigen Anordnungen nicht nachkomme, man mit Beziehung auf die Gewährung deS Asyls je nach den Umständen verfahren werde. Diese Schritte blieben längere Zeit erfolglos; Sigel wollte eine Kapitulation mit dem eidgenössischen Kommandirenden, Oberst Müller, abschließen, die aber von Letzterem verworfen wurde.
Frankreich.
Paris, 11. Juli. Die muthmaßlichen Mörder Lichnowsky'S und Auerswalds sind in der Nacht vom 7. zum 8. d. M. auS ihrem Gefängniß in der Zitadelle zu Verdun entsprungen. Man will sie bald nachher in DamvillerS gesehen haben, doch ist man ihrer noch nicht habhaft geworden.
Zwischen Dijon und Beanne soll ein Lager von 20,000 Mann gebildet werden.
General Bedeau ist hier wieder eingetroffen.
Oudinot'S Proklamation an die Römer lautet nicht sehr tröstlich. Die Franzosen sind gekommen, um die Ruhe herzustellen. Eine aufrührerische Minorität hat sie gezwungen, die Stadt zu erstürmen. Einstweilen wird die Militär!) errschM bestehen und wird die Munizipalität derselben ihren Beistand zuwenden. Die verfassunggebende Versammlung und die Regierung, deren gewaltthätige Herrschaft mit dem Undank undeuwm Kriegsaufruf gegen, eine, Rom befreundete Macht begonnen, hört zu eristiren auf. Die Klubs und alle politischen Versammlungen sind verboten. Auch wird Zensur eingeführt. Kriegs» recht ist proklamirt. General Rostolan ist Gouverneur und General Sauvan Comandant der ewigen Stadt.
Nachschrift.
Hamburg, 11. Juli. Der heutige Vormittagszug bringt die Nachricht, daß die schleswig-holsteinischen Truppen, vereint mit Bayern, Kurhesse nund Wald«k- kern, von Neuem gegen Fridericia vorgerückt sind, und daß ihre Vorposten bereits bei Bred- strup (etwa V» Meilen von der Festung) stehen.
Wien,- 10.* Juli. Nach eben eingelaufener Nachricht sind die beiden.Bergstädte Schemnitz und Kremnitz van den russischen Truppen ohne den geringsten Widerstand besetzt worden. — Ueberläufer und Gefangene brachten nach AcS die Nachricht, daß Görgey an seiner in der Schlacht am 2. d. erhaltenen Wunde krank darniederliege.
Verantwortlicher Redakteur r W, H, ^tiéW
