förmliche Weigerung entstand, wieder in ihr Vaterland zurückzukehren, und daß sie zuletzt unter sich durch das LooS diese Angelegenheit entschieden.
Königsberg, 16. Juni. Gemäß der Aufforderung des Provinzialkomite's für „vvlksthümliche Wahlen", welches im Januar die Wahlen leitete, hatten die Vertrauensmänner der damals gebildeten Wahlbezirke gestern eine Besprechung, wie man sich dieses Mal bei den Wahlen zu verhalten habe. Sie hatten sich sehr zahlreich (es waren 230 anwesend) eingefunden, so daß alle Bezirke der Stadt vertreten waren. Es wurde der Beschluß gefaßt, daß die Vertrauensmänner zunächst die Urwähler ihres Wahlbezirkes zusammenrufen und ermitteln sollen, wie viele für das Wählen und Nichtwählen seyen. In acht Tagen wird hierüber Bericht erstattet werden. Eine vorläufige Abstimmung, wie die Vertrauensmänner selbst sich zu dieser Frage verhielten, ergab das Resultat, daß sich zunächst 220 für Nichtwählen und nur 8 für das Wählen enschieden. Wenn man, wie mit Recht, dieser Abstimmung der Vertrauensmänner die Stimmung der demokratischen Partei, bekanntlich bei Weitem die Mehrzahl der Gesammtbevölkerung, zu Grunde legt, so ergibt sich hieraus, daß die demokratische Partei hier fast einstimmig nicht zu wählen gesonnen ist. (N. K. Z.)
Wien, 17. Juni. (K. Z.) Man muß bei einem Berichte über Wien jetzt mit Hofnachrichten beginnen. Der älteste Bruder des Kaisers, Erzherzog Ferdinand Marimilian, ist nach München abgereist, um dem Könige von Bayern den Orden des goldenen Vließes zu überbringen. Man sieht, es wird nichts versäumt, die Entante eordiale mit Bayern abzuschließen. Grollen gegen Preußen, Kogucttiren mit Bayern: — das ist jetzt die Hauptsache in der österreichischen Politik. An diese Bemerkung dürfen wir unmittelbar folgende Notiz des „Lloyd" knüpfen: „Herr Emil Kuh aus Wien hat Sr. Majestät dem Kaiser ein Gedicht: „„Was ist des Oesterrcichers Vaterland"", überreicht. Se. Majestät geruhte, dasselbe huldvollst anzunehmen unv sich sehr wohlgefällig darüber zu äußern." Wir sind nach jenem ersten angeblichen Verse sehr begierig, zu erfahren, in welchem Versmaß das Gedicht wohl abgefaßt seyn mag.
Frankreich
□ Paris, 19. Juni. Die Verhaftungen und Haussuch, ungen bezüglich auf die Konvents-Improvisation vom 13. Juni sind noch lange nicht zu Ende. Gestern wurde Hr. Dauphin, Oberst der 7. Pariserbürgerwehr-Legion trotz eines Gichtanfal- les aus dem Bette geholt und in das Untersuchungsgefängniß gefahren. Ebenso spürt man nach Felir Pyat in allen Winkeln, konnte ihn aber noch nicht finden. Pyat erschien bekannt- lich nur auf eine Viertelstunde in der Nationalversammlung, um dem Dupin zu erklären, daß er keiner Sitzung beiwohnen wolle, so lange noch die verfassungsbrechende Majorität sitze.
— Aus den Departementsstädten strömen bereits Dankadressen an Changarnier und Bonaparte für die glückliche Rettung der Staatsgesellschaft am 13. Juni 1849.
Paris, 18. Juni. (O.-P.-A.-Z.) Der tolle Streich vom 13. d. MtS. , durch welchen die ultrademokratische Partei sich selbst den Hals brach, legt die ganze Rathlosigkeit dieser Männer an den Tag, und beweist, daß sie, wenn sie jemals an's Ruder gelangten, sich keine vierzehn Tage würden erhalten können. So seine ganze Eristenz aufs Spiel setzen, wie sie es gethan, ist der baarste Unsinn, der sich nur erdenken läßt; ein Untergang ohne Kampf, aus leidiger Verblendung, anders kann der ganze Auftritt nicht genannt werden, und solche Verblendung ist nicht jU: begreifen. Ledru-Rollin soll wirklich von den Klubbisten und Faktionären zu der kurzen Rolle, die er dabei gespielt, gezwungen worden seyn, und sich diesem moralischen Zwange (Andere sprechen sogar von Todesanvrohungen) nicht habe entziehen können. Ein Glück, daß die ganze Komödie, denn man möchte geneigt seyn, das Unternehmen so zu nennen, unblutig ausgefallen ist, und nicht so Bedauernswürdiges nach sich gezogen, als der Aufstand in Lyon. Mit der Linken ist es für eine Zeit lang rein aus; wenn nur die Sieger jetzt ihren Sieg mit Mäßigung und Vernunft auSzubeuten wissen. Die Leidenschaftlichkeit ist auf beiden Seiten längst schon so gewaltig, daß überall das Rechtsgefühl zurücktritt/ und sogar, wie wir das jetzt in Bezug auf die barbarischen Zertrümmerungen in den Druckereien erleben, die eigene Verletzung des Sit
tengesetzes durch Erinnerung an ähnliche Vergehen der Gegner sich zu rechtfertigen sucht: ein übles, gefährliches Beispiel. Wie gesagt, von der Weisheit der Sieger wird es abhângen, ob der 13. Juni zu den guten Tagen gezählt werden soll oder zu den bösen. Hat auf der einen Seite der Uebermuth sich gerächt, so würde über kurz oder lang auch auf der andern Seite der Uebermuth sich rächen. Im günstigen Falle aber haben wir Grund zu hoffen, daß Gutes aus dem Erlebten erwachsen, die Regierung sich befestigen, und endlich Ruhe über das Land kommen werde.
Paris, 19. Juni. DaS Leichenbegängniß des Marschalls Bugeaud hat heute Vormittag im Jnvalivenhotel stattgefunven. Vor dem am Thore ausgestellten Sarge defilirten die Truppen unter dem Donner der Kanonen, worauf der Sarg in dem Grabgewölbe beigesetzt wurde. Der Präsident der Republik, die Meister und alle hohen Zivil- und Militärbeamten wohnten der Feierlichkeit bei.
Unter den im Konservatorium vorgefundenen Aktenstücken soll sich ein Manifest befinden, welches die neue Konventsregierung an Europa richten wollte. Im Wesentlichen wird darin erklärt, daß Frankreich mit seiner mächtigen Hand die Verträge von 1815 zerreiße und durch die Waffen die Befreiung aller Nationalitäten von Europa zu bewirken entschlossen sey. Die Sprache dieses gegen die Regeln der Diplomatie und gegen das positive Völkerrecht stark verstoßenden Aktenstücks soll eine sehr hochtrabende und energische seyn..
Die verschiedenen sozialistischen Gesellschaften der Köche, Friseure, Schneider tc. haben sich von selbst aufgelöst, um einer gewaltsamen Auflösung und der angedrohten Verhaftung ihrer Mitglieder zuvor zu kommen.
Dänemark
Kopenhagen, 17. Juni. Die Nachricht, daß die russische Flotte in den Gewässern Alsens gesehen worden, war eine verfrühte. Erst jetzt sind eine Fregatte, zwei Korvetten und eine Brigg bei Falsterbo in Schweden im Kreuzen begriffen. Eine andere Fregatte und ein Dampfschiff sind unter den Felsen Möens vor Anker gegangen und haben sich in Verbindung mit dem Lande gesetzt.
In gewissen Kreisen trägt man sich mit der Nachricht herum, daß die russische Regierung darauf angetragen habe, die dänischen Inseln für gewisse Eventualitäten zu besetzen, namentlich ein Lager auf Seeland zu beziehen. Mit der schles- wig'schen Frage steht diese Operation in keiner weiteren Verbindung. Die Demokraten sind natürlich ob dieser Maßregel sehr besorgt und fürchten namentlich für daS noch nicht sank tionirte Wahlgesetz, sowie überhaupt für das Gedeihen der jungen Konstitution. Rußland scheint England im Schließen der Ostsee beim Ausbruche eines großen Krieges zuvorkommen zu wollen und das Lager bei Friederichsborg mag keinen andern Zweck haben, als die Festung Kronenburg augenblicklich besetzen zu können; denn wer im Besitz einer Flotte und dieser Meeresburg ist, führt den Dreizack der baltischen See. Daher mag jenes Gerücht nicht seines Grundes entbehren.
Die jütischen Zigeuner haben am Himmelfahrtstags fol, gende Proklamation in Wiborg erlassen: „Wir Männer der Haide, von Einigen auch Zigeuner genannt, sind höchlich erbittert, daß Du Feind unseres Landes eS gewagt hast, über unsere Fluren zu ziehen. Wir geloben, Dich zu finden mit Feuer, Messern und Blei. Ob Du in Haufen oder Hunderten kommen wirst, sollst Du herhalten — wir sind überall und nirgend zwischen dem Liimfjorde und der KönigSau. Von der Haide: Schwarzermatz, Hirschteufel, SchinderhanneS, Hauptleute der 3 Distrikte." .
Bei der dänischen Armee aus Alsen scheint man gute Weile zu haben; der Feldprediger Magister F. Hammerich wird auf dem Rathhäuse in Sonderburg Vorlesungen über deutsche und dänische Geschichte halten.
Italien.
Neuere Briefe aus Rom fehlen, da nach übereinstimmenden Nachrichten in italienischen Blättern die Franzos en die Posten aus Rom zurückschicken. So bleiben also nur die Nachrichten in Genueser Blättern vom 16. Juni. Bis zu 13. Mor
