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wagen, worin auch viele Sensen lagen. Auf dem Kasernen­platze sah ich einen Wagen mit Pulverfäßchen stehen, worauf ein Kamerad seine Cigarre schmauchte! Aber welche Erzäh­lungen erst von den Wenigen, die den Mund öffneten: „Ehe man die Preußen im Annweiler Thal recht gewahr wurde, kamen schon von allen Ecken und Enden die preußischen Spitz­kugeln aus den Zündnadelgewehren, Tod und Vernichtung ringsum säend. Plötzlich sah man nichts als preußische Pickel­hauben und Himmel! Die Preußen waren wie aus dem Boden gewachsen." Wer noch fliehen konnte, floh, schimpfend, fluchend, und die Mehrzahl der hier Angekommenen hat die erste Ladung im Gewehr ! Man kam auf so große Entfernung gar nicht zum Schießen! Alles lief davon! Kurz das ganze Korps, einige Tausend Mann, kamen auf der Flucht in erbärmlichstem Zustand hier an. Nach einer Rast von einigen Stunden wird diese Mannschaft theils in die umliegenden Städte und Ort­schaften (Durlach, Ettlingen rc.) einquartirt, theils (nament­lich die Artillerie) an den Rhein abwärts gesendet. Man er­wartet noch mehr Gäste, in Bälde aber die Preußen, hier.

Brentano, Peter (der auch fort war) und Mayerhofer find heule wieder hier; die Republikaner hängen die Köpfe ge­waltig, obwohl man sagt, der Rückzug der Truppen sey keine Flucht, sondern sie würden an den Rhein kommandirt, um die Preußen von einer anderen Seite anzugreifen! Die Leute werden schrecklich belogen. Dem ungeachtet werden morgen Siegesnachrichten bekannt gemacht werden. Von der konstituirenden Versammlung ist eine namhafte Zahl „in Ur­laub" gegangen.

Karlsruhe, 18. Juni. Bürger Werner, Mitglied der provisorischen Regierung, ist zum interimistischen Kriegsminister ernannt worden, was die Nachricht von Mayerhofers Entwei. chung zu bestätigen scheint.

Wien, 17. Juni. (Allg. Z.) Fürst Paskewitsch sollte gestern bereits in Dukla eingetroffen seyn, um sich ins russische Hauptquartier zu begeben. Der als königlicher Kommissär Dele# girte Graf Franz Zichy war demselben aus Preßburg entgegen­gereist. Sogleich nach dem Eintreffen des russischen Feldmar- schallS beginnen die Operationen der vereinigten Armeen gegen das ungarische Jnsurgentenheer mit allem Nachdruck.

Wien, 17. Juni. (D. Z.) Ich habe Ihnen gestern die so gul.^ts.offizielle Nachricht gegeben, daß die Russen in Sieben­bürgen eingerückt sind; heute erfahren wir durch Privatnach­richten, daß sie bereits Kronstadt besetzt haben, daß General Graf Elam im Verein mit ihnen Orsova genommen, und daß der Banus einen neuen glänzenden Sieg über Perczel errungen haben soll.

Der Kaiser von Rußland hat Krakau und Tarnow bereits passirt. In Dukla denkt er vor dem Angriffe eine große Kir- chcnparade zu halten und „den Schutz des Höchsten für die heftige Sache" anzurufen. Auch soll er die Absicht haben, bei dem ersten Sturm gegenwärtig zu bleiben und sodann sich nach Höllisch, einem bekannten Lustschlosse der Maria Theresia, zu begeben, wohin wohl auch in den nächsten Tagen unser Kaiser geht.

; Die RekognoSzirungen in größerem Maßstabe nehmen zu ; bei der Donauarmee.

Wien, 17. Juni. (O.-P.,A.-Z.) Ueber die Desertion der e Palatinalhusaren ergibt sich nun folgendes Resultat. Die erste Abtheilung auS 98 Mann und 110 Psertzen bestehend, t schlug sich mit einem Verluste von 2 Gefangenen und 18 z Pferden durch. Von der zweiten 108 Mann starken Abtheilung wurden 13 Mann getödtet, die übrigen, darunter 19 Blessirte, gefangen genommen. Die dritte Abtheilung, 69 Mann stark, e wurde mit einem Verluste von 7 Todten gleichfalls gefangen, b nachdem außerdem 10 Mann verwundet worden waren.

Die österreichische Armee wird dem greisen Feldherrn 2 Radetzky ihre Liebe und tiefbegründete Anhänglichkeit durch n ein sichtliches Zeichen darlegen. Das Symbol dieser Gefühle n soll in einem Marschallsstabe bestehen vom reinsten Gold, mit , Edelsteinen verziert, von dem Künstler Glanz in Wien »er# » fertigt, der bis zum Herbst vollendet wird. DaS Innere des f Stabs soll die Widmungsurkunde bewahren, sür welche die x Unterschrift des betreffenden Ministers und aller kommandiren- Z den Generale im Namen der Armee beantragt ist. Die Blät- „ ter des den Stab umschlingenden Lorbeerzweigs führen die „ Namen der Tage besonderer Auszeichnung in dem Heldenleben

deS Feldmarschalls. Das silberne, von sechs Adlern getragene Postament wird mit den Attributen der Offiziere aller Waffen­gattungen und Dienstzweige, unterhalb derselben aber mit mit­telalterlichen Trophäen reich geschmückt. Das Ganze wird auf einem Gestell von Kanonenmetall ruhen. (Ll.)

S ch w e i z.

Basel, 17. Juni. (A. Z.) Mit tiefstem Schmerz melde ich Ihnen den Tod eines Mannes, dessen Verlust nicht nur für Basel, sondern für Die ganze Wissenschaft unersetzlich seyn wird. Gestern, den 16. Juni, Abends 5 Uhr, entschlief zu besserem Leben Wilhelm Martin Leberecht de Wette, Doktor und Professor der Theologie, seit 27Jahren Lehrer der letztem an der Universität Basel, in einem Alter von 69 Jahren. BiL auf die letzte Zeit rüstig und in seinem Beruf unermüdlich thätig, unterlag er nach einem kurzen Krankenlager von kaum mehr als acht Tagen einem rheumatischen Fieber, das in'S Nervöse übergegangen war. Was die Theologie und die Wis­senschaft an diesem Manne verliert, das werden seine zahl­reichen Freunde und Bekannten in Deutschland bei dieser Trauerkunde zu ermessen vermögen; was aber Die Stadt und Universität Basel, was Alle, Die ihm näher standen, an ihm verlieren, das kann nicht ausgesprochen, nur gefühlt werden.

Italien.

Treviso, 16. Juni. (A. Z.) Sie erwarten gewiß nichts Geringeres, als die Einnahme Venedigs zu vernehmen, allein bis zu diesem Moment ist dieselbe noch nicht erfolgt. Heute wird aus sechs Batterieen, die theils Brondolo und San Se­condo, theils Die Stadt beschießen, gefeuert, wobei der Erz­herzog W'lhelm eine kraftvolle Thätigkeit entwickelt und durch energische Leitung Die Operationen beschleunigt. Wie aber die Venetianer jetzt noch, nachdem wir alle Mittel aufgeboten, sie zur Rückkehr zu bewegen, wie sie jetzt noch, sage ich, anfeiner allgemeinen Amnestie und Anerkennung ihres elenden Papier­geldes beharren, ist unbegreiflich; das heißt doch wahrlich, die deutsche Geduld auf eine zu harte Probe stellen. Binnen einigen Tagen ist das Schicksal ^der Dogenstadt entschieden; Mehrere Bomben fielen auf den S, Markuspiatz.

Nachschrift.

Frankfurt, 22. Juni. (Frankf. I.) Nach eben eingegange­nen Nachrichten hörte man diesen Morgen um 3 Uhr zu Die­burg ein heftiges Kanoniren vom Neckar her. Es scheinen so­mit zu dieser Zeit Die Feinseligkeiten auf's ernstlichste begonnen zu haben.

Ladenburg soll wieder von Reichstruppen besetzt seyn.

Weinheim, 21. Juni, 10 Uhr. (Fr. I.) Der Kampf beginnt in der Nähe von Ladenburg. Von Wein­heim geht beständig Artillerie gegen Den Kampfplatz hin. Man wird heute nur den Neckar überschreiten. Die Preußen haben Wiesloch *) besetzt.

*) Wiesloch ist nur noch starke zwei Stunden von Heidelberg entfernt.

Sprechsaal

für Stadt und Land.

5 Bad-Ems , 20. Juni. Bei Dem sogenannten Landes kongreß zu Idstein haben sich auch zwei Herren auS unserem Orte eingefunden, um, wie wir hörten, Die Gemeinde daselbst zu repräsentiren. Es war wohl nicht anders zu erwarten, als daß Die Nachricht von dieser Empfehlung unseres Kurortes die hiesigen Bürger erfreuen mußte; doch möchten sie auch gerne wissen, ob vielleicht der Gemeinderath in einer heimlichen Sitzung jenen beiden Herren ihr Mandat ertheilte, da sonst nicht bekannt wäre, auf welchem Wege sie dasselbe erhalten konnten. _______________________________

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl»