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i ' Stuttgart, 12. Juni. (A. Z.) Morgens. Zum zweiten, i male hat die sogenannte Regentschaft dem würlembergischen I (Reichs-) General v. Miller den Befehl zugehen lassen, ihr allein zu gehorsamen. Da dieß nicht geschehen wird, so.er- ! wartet man, daß die Regentschaft ihn absetzen werde, in :Hel- - chem Falle das würtembergische Ministerium, sich im Konflikte [ mit der Regentschaft befindend, dieser und ihren Anordnungen ) die Rechtsgültigkeit nicht zuerkennen konnte. Man ist sehr ge== , spannt, in welcher Weise diese Nichtanerkennung der Regent- c schaft erfolgen wird. Soeben trifft Se. Maj. der König hier , ein, und auch die Leibgarde zu Pferd sehen wir einreiten. t Die Bürgerwehr von Heilbronn soll heute durch General - v. Baumbach, der mit einem Regiment dahin abgeht, entwaff- ) net werden, da sie in ihrer Mehrheit sich gegen die würtem« ; bergische Regierung und für die Regentschaft ausgesprochen - hatt Wegen aufrührerischer Maueranschläge war gestern Abend ) ein kleiner Straßenzusammenlauf entstanden, den aber der ein« , fallende starke Regen anseinandertrieb.

t StaalSraih F. Römer hat nachstehendes, ihm zugckom- ; meneS Schreiben im „Merkur" veröffentlichen lassen:

„Stuttgart, den 9. Juni 1849. Sie haben gewonnen, , Herr Staatsrath ; Ihre Perfidie hat die Schwachköpfigkeit der

' würtembergischen Patrioten noch einmal übertölpelt. Sie ha- t ben gesiegt und doch dürfen Sie nicht trinmphiren; Sie haben

, gesiegt und sind moralisch vernichtet. Wir haben Sie gesehen, Herr Mathy-Römer, wie Sie, vernichtet durch den schonungs­losen Freimuth Schoders, gestürmt von den Schlägen Ihres - endlich einmal aufgerüttelten Gewissens, lautlos und bleich da­standen. So haben wir Sie gesehen, Herr Vtaatsrath, und * haben von dem Augenblicke an aufgehört, Sie zu hassen, denn ’ konnte uns eine solche Jämmerlichkeit etwas anders als Be- 1 dauern einflößen? Wenn Sie, Herr Staatsrath, noch einen * Sinn für klassische Größe haben, so wissen Sie, was der Mann

5 zu thun hat, der seinen eigenen Namen mit unauslöschlicher Schande brandmarkte, der ein Verräther an sich, an seinem 6 Namen, an seiner Partei, an seinem Volke, verachtet von sei­nen früheren Freunden, gehaßt von seinen gegenwärtigen, end- , lich — zu spät — sich an sein besseres Ich erinnert: er muß e sich eine Kugel vor den Kopf schießen, Herr Staatsrath, um W noch ein Nestchen von Achtung zu retten. Was ich gesollt, L hab' ich,Aesprochen. Lcbrw Sw wohl, Herr Staatsrath, und : leben Sie uM mehr lang. Anonymus."

Die beste Antwort darauf war der lakonische Weg der I Veröffentlichung.

München, 12. Juni. Die Blätter haben gemeldet, daß Se. k. Hoheit Prinz Luitpold von Bayern dieser Tage nach " Wien abgereist ist. Gestern Abend sollte der Minister des Auswärtigen, Herr v. d. Pfordten, ebendahin abgehen. Möchte ( diese Mission von gutem Erfolg seyn!

° Berlin, 12. Juni. (F. I.) Wie versichert wird, hat Herr von Reinhardt , der hiesige Resident Würtembergs, den e Auftrag, sich mit der preußischen Regierung darüber zu be- ' nehmen, ob sie strikte an dem von ihr in Gemeinschaft mit ' Hannover und Sachsen erlassenen Verfassungsentwurf festhält, oder ob sie zu Modifikationen desselben bereit ist. Für den letztem Fall dürfte Würtemberg, im Einverständniß mit den " übrigen Regierungen, welche, die Frankfurter Reichsverfassung * anerkannt haben, auf Unterhandlungen eingehen und die Zu- sammenbemfung eines Reichstages zur Revision des Frank- - furter wie des preußischen Entwurfs proponiren.

$ Berlin, 12. Juni. (Lith. Korr.) Dem Anscheine nach * wird in den, eine Vermittlung bezweckenden Vorschlägen, deren " Erörterung in Gotha erfolgen soll, Prinz Adalbert von Preus, sen, der Chef des Reichs-Marine-Departements, ein Prinz von 1 wohlwollendem Sinne und guten Kenntnissen, eine Stellung b einnehmen, welche geeignet seyn dürfte, eine Vermittlung zwi- U schen Denen herbeizuführen, die zu einer solchen überhaupt p noch geneigt seyn möchten.

> , Wien, 9. Juni. (A. Z.) Durch die außerordentliche Hitze begünstigt, ist die Cholera in der Zeit nicht nur an mehreren Orten in Ungarn, sondern auch hier wiedeK in einer beunru- 0 higenderen Weise aufgetreten, und hat bereiä-Ählreiche Opfer n gefordert. Die Krankheit, welche sich bis jeM-anf die Militär« g spitäler beschränkte, zeigt sich nun in mehreren Vorstädten, zu, g meist aber und mit größerer Intensität in jenen Quartieren, welche den Militärspttälern und Kasernen am nächsten gelegen

sind, und wo die Cholera einen entschieden epidemischen Cha, rakter angenommen hat. Die Krankheit rafft über die Hälfte der Erkrankten dahin!

Schleswig-Holstein, 10. Juni. Dem Altonaer Merkur zufolge ist gegen den deutscherseits in seine Heimath entlasse­nen Orla Lehmann dänischerseits der bei Arhuus in Gefangen­schaft gerathene Prinz von Salm-Salm herausgegeben worden; er scheine doch nicht sehr bedenklich verwundet.

An der Mündung der Elbe haben sich in der letzten Zeit dänische Kriegsschiffe nicht wieder sehen lassen.

Frankreich.

Paris, 12. Juni. Nach dem Sieg, welchen das Mini, sterium in der gestrigen Sitzung durch die Annahme der ein# fachen Tagesordnung über die römischen Interpellationen er­langt hatte, ließ sich voraussehen, daß der von Ledru Rollin gestellte Antrag, den Präsidenten der Republik und die Mini­ster in Anklagestand zu versetzen, verworfen werden würde. Es ist dies heute eingetroffen. Auf Verlangen des Ministe­riums selbst wurde sofort zur Berichterstattung über jenen Antrag geschritten und ohne dem Anträge der Bergpartei, die Debatte so lange auszusetzen, bis das Ministerium alle auf die Unterhandlungen mit den römischen Triumvirn bezüglichen Aktenstücke vorgelegt haben würde, Folge zu geben, nahm die Versammlung die Diskussion vor, deren Resultat, die Ver, werfung jenes Antrags, bereits auf telegraphischem Wege be­kannt geworden ist. Der Berg hatte sich der letzten Abstim­mung enthalten. Das Ministerium ist demnach vollkommen siegreick auS dem Angriff hervorgegangen.

Aus Rom sind immer noch keine bestimmten Nachrichten über die seit einigen Tagen gerüchtweise gemeldete Einnahme der Stadt eingetroffen. Man will im Gegentheil wissen, dass noch am 7.^der Kampf fortdauerte.

Italien.

Nach einem "Briefe aus Padua vom 9. Juni schreiten die Belagerungsarbeiten vor Venedig langsam, aber sicher vor­wärts. Gegenüber einer großen venetianischcn Batterie auf dem mittleren Pfeiler der Eisenbahnbrücke wurden zwei Demon- tirbatterieen errichtet, die am 12. Juni ihr Feuer beginnen soll­ten. Dann erst konnte man dort ein ferneres Vorrücken er* warten. (A. Z.)

Nachschrift.

Frankfurt, 15. Juni, 9 Uhr Morgens. (O.-P.-A.-Z.) Die gestern Nachmittag fällige französische Post ist zur Stunde noch nicht eingetroffen. Da die Malle ihren Weg durch die Rhcinpfalz nimmt, so deutet ihr Ausbleiben auf das Eintre­ten wichtiger Ereignisse daselbst. Die neuesten Pariser Nach­richten haben wir übrigens bereits gestern Abend nach belgi- schen Blättern mitgetheilt.

Heute früh ist hier die kzuv er lässige Nachricht aus Rheinbayern eingegangen, daß die von Saarbrücken und von St. Wendel vorgedrungenen k. preußischen Truppen be­reits in Landstuhl (eine Poststation von Kaiserslautern stehen.

Stuttgart, 12. Juni. (O.-P.-A.-Z.) In unserer Stadt ist es fortwährend ruhig. Durch mehrere Abtheilungen Mi­litär, welche hier eingerückt sind, wird der Dienst der Bürger­wehr, welcher in letzter Zeit sehr beschwerlich geworden ist, erleichtert. Etwa ein Fünftel der Bürgcrwchr haben ihre Sym- pathieen für die hier versammelte Nationalversammlung kund gethan. Man glaubt, daß wir in nächster Zeit einen Schritt weiter kommen werden, das heißt, daß das Ministerium strenge Maßregeln ergreifen und diesen Theil der Bürgerwehr entwaff­nen werde.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.