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Frankfurt, 4. Juni. Gestern begab sich eine Abordnung hiesiger Bürger zu Sr. kais. Hoh. dem Reichsverweser, um demselben mehrere Adressen zu überreichen, in welchen der Erz- Herzog ersucht wird, unter allen Umständen auf seinem schwie- rigen Posten auszuharren, so lange bis eine endgültige Ver- fassung für ganz Deutschland zu Stande gekommen seyn werde. Die Adressen zählen ein halbes Tausend Unterschriften der an, gesehensten Bürger der Stadt. Der Erzherzog war sehr er­freut über ein solches Zeichen von Vertrauen und Anhänglich­keit, sprach in den herzlichsten Ausdrücken mit den Männern, welche die Abordnung bildeten (Kaufmann Bernus, Rath Schlosser und Advokat Dr. Heberlin). Er gab ihnen vie Zu­sicherung , daß er, voll Vertrauen auf einen glücklichen Erfolg den mühevollen Pflichten seiner großen Aufgabe, die Einigung des ganzen Vaterlandes zu erringen, bis zum Ende sich unter­ziehen werde. DaS schwierige seiner Lage verkenne er nicht, aber er besitze auch den Muth, allen Gefahren zu trotzen, und wünsche nur, daß das Wort „Furcht" aus dem Wörterbuch der deutschen Sprache völlig getilgt werden könne. (Fr. Z.)

Frankfurt, 6. Juni. (F. I.) Dem Vernehmen nach haben die bei Kreuznach gelegenen preußischen Truppen ihren Marsch nach der Festung Landau angetreten. Zugleich er­zählt man, daß Bayern — trotz v. d. Pfordten's Erklärung — im Begriffe stehe, den Verfassungsentwurf und die militärische Hülfe Preußens anzunehmen.

Die dieser Tage abgegangene Hanauer Freischaar, meistens auS Turnern und rüstigen jungen Männern bestehend, sind glücklich auf badischem Gebiet eingetroffen.

Der Reichsverweser verläßt Frankfurt, nachdem er heute Morgen eine Parade über die gesummte hiesige Garnison ab­gehalten hatte; wohin die Reise gerichtet ist, wie lange solche dauern soll, hierüber verlautet noch nichts. Soviel wissen wir jedoch, daß er sich geäußert habe, unter den jetzigen Umständen könne unmöglich davon die Rede seyn, daß er Berlin besuche.

Darmstadt, 5. Juni. Heute verbreitet sich das Gerücht, daß in Mannheim neue Unruhen ausgebrochen, und daß sich die Parteien dort selbst einander in die Haare gerathen. Frei- schaaren hätten geplündert, Bürger sich ihnen zur Wehre ge­setzt, das bandenlose Militär auf beiden Seiten Partei genom­men. So ein viel verbreitetes Gerücht.

Aus der Provinz Starkenburg. Das großh. badische Ministerium ist vollständig entlassen. Nach allgemeinen theo­retischen Prinzipien und geschichtlicher Erfahrung kann auf ein liberales Ministerium, das durch einen Theil des Landes ge­stürzt wird, nur ein streng aristokratisches folgen. Schwerlich wird diese Regel hier eine Ausnahme finden.

Heppenheim, 5. Juni, Mittags 12 Uhr. Gestern Abend 8 Uhr erhielten unsere Truppen plötzlich Befehl zum Abmarsch, und von 11 bis 12 Uhr Nachts zogen sie in möglichster Stille von hier gegen Weinheim, während zugleich von Fürth über Birkenau die Mecklenburger vorrückten und eine andere Abthei- lung unserer Truppen von Lorsch über Hüttenfeld. Es hatten sich nämlich schon seit gestern in Weinheim Freischaaren ge­sammelt, deren Absicht ein abermaliger Einfall in unser Ge­biet schien; einem solchen aber wollte man vorbeugen. Gegen 3 Uhr langten die verschiedenen Korps in Weinheim an, aber da war schon seit 2 Uhr durch einen Spion die Nachricht von unserm Anrücken bekannt, und die Flucht eine allgemeine. Un­sere Scharfschützen holten den Nachtrab des Feindes jenseits Weinheim ein und griffen ihn sehr energisch an. Er floh mit Hinterlassung von zwanzig Todten und ebensoviel Verwunde­ten. In Weinheim selbst wurde eine allgemeine Entwaffnung angeordnet. Wir machten 15 Gefangene und brachten den so­genannten badischen Zivilkommissär Herder als Geißel mit hier­her. Außerdem fielen uns 4 prächtige Pferde aus dem herr­schaftlichen Gestüte in die Hände. Todte zählen wir keine, nur zwei schwer Verwundete, die sogleich in Wagen 2. Klasse auf der Eisenbahn nach Darmstadt geführt wurden. Eben ziehen unsere Truppen jubelnd und mit grünen Zweigen hier ein. Die Gefangenen sind von der Art, wie sie bisher gewöhnlich auf dem Schub fortgebracht wurden, die allervollkommensten Gaunergesichter, die man sich denken kann. Mir schaudert bei dem Gedanken, in diesen Subjekten der verworfensten Klaffe die Kämpfer für „Wohlstand, Freiheit, Bildung für Alle" zu erblicken. O armes, unglückseliges Baden!

Von der Bergstraße, 4. Juni. (D. Z.) Wir fahren fort, zusammenzustellen, was wir von Reisenden auS Baden erfah­ren. Briefe auS Baden selbst werden Sie nur selten erhalten können, weil an manchen Orten schlechterdings kein Vertrauen auf die Heilighaltung deS Briefgeheimnisses herrschen kann. In Karlsruhe z. B. ging ein vom provisorischen LandeSauS- schuß ernannter Postbeamter durch die Zimmer der Briefpost- erpedition, wählte sich nach Belieben Briefe aus und nahm sie mit fort; daS ist durchaus kein Geheimniß mehr.

Nachdem die Truppen dem Oberbefehlshaber Sigel den Gehorsam aufgesagt, hat man ihn zum Kriegsminister gemacht und einen Offizier v. Beck zum Oberbefehlshaber ernannt. Das Militär soll erklärt haben, eS ließe sich nicht mehr außer Landes führen, zu einer Bekriegung Hessens sehe es gar keinen Grund, da es jetzt wisse, daß Hessen so gut als Baden die deutsche Reichsverfassung anerkenne. Uebrigens ist von Ord­nung und Gehorsam im badischen Heere kaum eine Spur mehr zu finden; den neugewählten Offizieren wird gefolgt oder auch nicht, je nachdem die Befehle annehmlich gefunden werden oder nicht. Man sagt, mehrere Truppentheile hätten sich förmlich geweigert, auf das rechte Ufer des Neckars überzugehen.

Der Gemeinderath von Heidelberg, der Bürgermeister Winter an der Spitze, hat sich wiederholt geweigert, dem pro­visorischen Landesausschuß den vorgeschriebenen Eid zu leisten; ebenso haben sich fast alle Gemeinderäthe des Bezirks Heidel­berg ausgesprochen Von den Pfarrern hat, so weit es be­kannt geworden, kein einziger geschworen. Bürgermeister Winter wurde durch militärische Erekution zur Verpflegung von Frei­schaaren gezwungen.

Unter dem 1. Aufgebote der Volkswehr ist solche Renitenz, daß Herr Germain Metternich, einer der obern Offiziere der­selben, immer mit der Pistole in der Hand kommandiren muß. Je unsicherer die Gewalthaber sich fühlen, desto strengere Maß­regeln versuchen sie. Bereits sind mehrere brave Männer ver­haftet worden. Man sagt, es sey im Plan, demnächst das Standrecht zu proklamiren.

Das badische Oberland, so weit eS im vorigen Jahre die Herrschaft von Hecker und Struve gekostet, hat sich diesmal fast gar nicht an der Bewegung beteiligt und namentlich keine Volkswehr zur Gränzvertheidigung oder zum Angriff abge­schickt. Auch der Odenwald hat bei weitem nicht den Erwar- tungen der Revolutionsmänner entsprochen; sie sind darüber sehr verblüfft.

Heidelberg, 2. Juni. (K. Z.) Unsere Studenten, ob­wohl natürlich sowohl durchaus deutsch, wie äußerst demokra­tisch, vertragen sich mit dem neuesten badischen Regiments schlecht; sie sind denn doch zu gebildet, um mit der zivil-kom­missarischen Vollgewalt eines Studiosus Schlöffel oder Gallus Maier sich vertragen zu können. ES ist doch ein Unterschied zwischen der republikanischen Demokratie, wie der Student sie verehrte, und dieser anmaßenden „Lumpokratie", wie die Er­fahrung ihm dieselbe darstellte. Dem Schlöffel haben sie durch energisches Auftreten schon früher hier sein paschamäßiges Ge­bühren gelegt. Jetzt endlich haben sie es gewagt, in großer Mehrheit geradezu zu erklären, daß sie die in den ersten Tagen der Bewegung angenommenen Waffen nicht zur Theilnahme am Kampf des Volkes gegen die „gekrönten Landeöverrâther", sondern nur vorkommenden Falles „zu ihrem eigenen Schutze" gebrauchen wollen. Die Regenten in Karlsruhe sind hierüber natürlich er­bittert genug. Aber die Studenten stehen in ihrer Gesinnung hier nicht allein, und eine gewaltsame Entwaffnung derselben dürfte doch ihre Bedenken haben!

Karlsruhe, 2. Juni. Der Umschlag hat begonnen; die Herren Prätorianer befehlen und der Landesausschuß gehorcht! Ein Bataillon des zweiten Regiments (daS übrigens nie den neuen Stand der Dinge anerkannt hat) lag in der Umgegend von Bruchsal und sollte, angeblich auf Befehl deS ReichSmi- nisterinms, mittelst eines ErtrazugS nach Heidelberg abziehen. Mit Widerwillen gings an den Zug; in Heidelberg angekom­men, sollten sie über den Neckar, um dort eine Stellung ein­zunehmen , weil Sigel wieder angreifen wollte. DaS Bataillon erklärte: „Wir gehen nicht!" Es fand darauf ein Zusammen­tritt der Offiziere und Führer der in Heidelberg versammelten Truppen (etwa 10,000 Mann) statt, worauf Brentano erklärt wurde: 1) daß man Sigel nicht mehr als Oberbefehlshaber anerkenne (Sigel ist bereits hier zurück angekommen); 2) daß man nicht gegen die Reichstruppen, namentlich gegen die Hessen, kämpfen wolle; 3) daß man die Autorität deö Landes-