auf der andern die erbitterte Aufregung wahrgenommen, die man möglicherweise erwarten konnte. Konservative und Radikale waren einig in der Verwerfung des §. 13 des deutschen Wahlgesetzes, der unbegreiflicherweise vorschreibt, daß Derjenige, welcher das Wahlrecht in einem Wahlbezirke ausüben will, in demselben zur Zeit der Wahl und seit mindestens 3 Jahren feinen festen Wohnsitz haben und heimathsberechtigt seyn muß! Das Uebrige und die Öktroyirung selbst billigten die Einen mit Ruhe, wie etwas, das man hat kommen sehen; und die Andern tadelten und verwarfen es mit einer gewissen Ergebung und mit dem Gefühle, daß sie es vorläufig doch hinnehmen müßten. Dies Gefühl ist sehr begründet.
Wien, 1. Juni. (A. Z.) Während man von der Armee unter Haynau nichts Anderes erfährt, als daß die Russen, nach und nach vorrückend, sich von Tyrnau aus mit dem linken Flügel vereinigt haben, mehren sich die blutigen Gefechte zwischen der Südarmee und den Insurgenten an der untern Donau — vorerst nur einzelne Kämpfe, von den Gränzern und Serben einerseits und den Streifkolonnen der Insurgenten unter Perczel andererseits geliefert, welche nach. Privatnachrichten schon die Folge hatten, daß der in Kriegssachen höchst einfältige, Bems Rathschläge nicht beachtende Perczel, im Panschowa von allen Seiten umringt, sich kaum wird durchschlagen können.
Jellachich sendete einen amtlichen Bericht über das siegreiche Gefecht zwischen Oberst Mamula, der einige Bataillone Gränzer befehligt , und der Peterwardeiner Besatzung, welche einen Ausfall machte, zurückgeschlagen wurde und nun von den Kaiserlichen eng zernirt ist. Man ist indessen auf den Zusammenstoß der Russen mit Bem gespannt, welcher nun bald erfolgen und für Siebenbürgen entscheidend seyn könnte.
Nachschrift.
Darmstadt, 5. Juni, Abends 5 Uhr. (Darmst. Ztg.) Heute Nacht 12 Uhr war im Hauptquartier Heppenheim die Kunde eingetroffen, daß Weinheim von Heidelberg aus durch etwa 1200 Mann badischer Freischaaren und 300 Mann regulären Militärs besetzt worden ist. In Folge dieses mußten auf Befehl des Oberkommandanten sofort Mecklenburgische Truppen von Fürth aus, daS großh. 4. Infanterieregiment unter Oberst Weitershausen von Hüttenfeld aus und endlich aus dem Hauptquartier das 3. großh. Regiment aufbrechen, mit welchem letzteren sich Herr General v. Schäffer selbst an Ort und Stelle begab, wo die kombinirte Masse mit entsprechender Artilleriebedeckung gegen 3 Uhr Morgens anlangte.
Die badischen Freischaaren und Soldaten schienen eines solchen Angriffs nichts weniger als gewärtig, warfen sich auf schnelle Flucht gegen Heidelberg hin und könn- ten nur wenige Abtheilungen derselben zum Kampfe gezwungen werden, bei welchem, so wie auf der Fluchtverfolgung, sie an 30 Todte und gegen 30 Gefangene verloren, indessen unsere angreifenden Truppen nur zwei Verwundete haben, einen Unteroffizier und einen Soldaten, welche bereits hieher gebracht worden sind.
Nach dieser kurzen Erpedition verfügte der Oberkomman- dirende sofort die Auslieferung sämmtlicher Waffen in Weinheim, welchem Befehl, da die Erfüllung nicht augenblicklich erfolgte, durch Einwerfen einer Granate ernstlicher Nachdruck gegeben wurde, worauf Weinheim durch vier Stunden von den operirenven Truppen besetzt, und die Abnahme der Waffen vollzogen wurde, unter welchen letzteren, sehr zahlreichen, viele badische Aerarial- und Ordonnanzgewchre erkannt wurden. Nachdem dieses vollführt, zog sich das Operationskorps wieder auf die diesseitige Grenze zurück.
Unter Einem wurde das bisher bei Oberramstadt statio- nirte Nassauische Bataillon nach Bensheim dirigirt, während das 1. Bataillon deS 1. Gr. Regiments in die Darmstädter Garnison zurückbeordert ist, um durch diese Evakuirung in der Gegend von Oberramstadt, Dieburg k. für die von Frankfurt über Offenbach nordöstlich dabin detachirten und mittlerweile schon eingerückten kurhessischen Reichstruppen Raum zu schaffen.
Sprechjaal
für Stadt und Land.
):( Bad-Ems, 3. Juni. Es ist in unserer heutigen, durch leidenschaftliche Parteistellung so vielfach erbitterten Zeit
doppelt erfreulich, auch einen Beweis berichten zu können, daß es Gelegenheiten gibt, wo einstimmig und aufrichtig die Theil, nähme der Menschen sich laut und unbefangen der Anerken, nung des stillen Verdienstes eines würdigen Mannes zuwendet. Einen so erfreulichen Anlaß bietet für uns hier gegenwärtig die verfügte Versetzung unseres verdienten Geistlichen deS Hrn. Pfarrers Faust von hier nach Sossenheim. Nicht allein feine (die katholische) Gemeinde, sondern auch viele Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde vernahmen die Kunde dieser Ver- fügung mit aufrichtigstem Leidwesen, da sie die feste Ueberzeugung hegen, daß die Lücke, die durch sein Scheiden in unserem hiesigen Kreise entsteht, kaum auszufüllen seyn wird. Denn abgesehen davon, daß Herr Faust sich durch die langjährige Amtsführung seiner vielfach schwierigen Stelle die herzlichste Liebe seiner Gemeinde in seltenem Grade erworben, daß er der Trost und die Stütze vieler Armen und Verlassenen war, und daß er auch bei dem oft schwierigen Publikum unserer fremden Gäste die allgemeinste Achtung zu gewinnen wußte, gelang dem, selben auch die schwierigere Aufgabe, sich bei den meisten Mitgliedern der hiesigen evangelischen Kirchengemeinde dankbare Anerkennung durch sein würdiges und wahrhaft geistliches Verhalten zu verschaffen. Die aufrichtige Ueberzeugung dieser Thatsachen bewog deßhalb auch nicht nur die katholische Gemeinde einstimmig, sondern auch viele seiner hiesigen evangelischen Freunde, die vereinte dringende Bitte an den bischöflichen Stuhl zu Limburg zu richten, die verfügte Versetzung., wenn irgend möglich, in der Weise zu verhindern, daß dem geachteten Manne die wohlverdiente Verbesserung zu Theil werde, derselbe jedoch seinem hiesigen Wirkungskreise erhalten bleibe. Wir wollen uns der freudigen Hoffnung hingeben, daß keine unübersteigliche Hindernisse sich diesem unserem herzlichsten Wunsche entgegenstellen, und daß Herrn Faust die Möglichkeit geboten werde, ohne unbillige und unverhältnißmäßige Opfer seiner Seils im Kreise seiner aufrichtigen Freunde und Verehrer zu verbleiben.
§ Aus dem Lahnthale, 31. Mai. Dem Hadamarer N.-Korrespondenten in Nr. 127 der „Freien Zeitung" wollen wir nicht reciprocc mit Grobheiten und Persönlichkeiten ant- Worten, da diese kaum dann einiges allgemeine Interesse haben können, wenn sie anerkannte Zelebrierten betreffen, wozu wir Beide uns wohl nicht rechnen dürfen. Man begreift es nicht, wie der Artikel in Nr. 121 dieser Zeitung (aus dem Lahnthal, 21. Mai) den gedachten Korrespondenten so außerordentlich in Harnisch bringen konnte, da jener nur über Thatsachen refe- rirt und persönliche Verdächtigungen nicht enthält. Wenn die von unserm, sich übrigens ob unserer 'Bornirtheit fromme be- kreuzigenden Gegner, unbegreiflicher Weise mißverstandene, von der Redaktion verfaßte Inhaltsübersicht der Nass. Allg. Zeitung Nr. 121, nämlich die Wörtchen „armselig oder lächerlich", wirklich dessen Zorn erregt und ihn zur Beantwortung von gar nicht v orh an den en Fragen veranlaßt haben, so könnten wir, wenn wir mit einer Retourchaise zu fahren Lust hätten, auf „Dach und Gehirn" desselben gerade keine Lobrede hallen. Die in der bezeichneten Nummer der Nass. Allg. Zeitung cingerückte Erzählung von dem ominösen Pulvermagazin in Hadamar ist mit den angeführten lächerlichen Nebenumständen durchaus wahr. Darauf nur kommt es an, nicht aber darauf, ob jenes Magazin aus einem „bretternen Grubenhäuschen" oder aus einem Fasse bestand, und ob es noch mit Braunstein gefüllt oder leer war. Einsender dieses verzichtet übrigens feierlich auf jedes weitere Wort in dieser nun veralteten Pulvergeschichte.
Nach dem wohlunterrichteten V.-Korrespondenten bestehen in Hadamar nunmehr drei Vereine oder Klubbs: der Hadamarer Volksverein (ein demokratischer Verein kam nicht zu Stande), der Piusverein und der Krebsklubb, letzterer ganz neu und dem Einsender dieses wenigstens unbekannt. Eine solche Zersplitterung ist denn doch für ein Städtchen, wie Hadamar, zu groß, und kann nur Reibungen und Streitigkeiten veranlassen. Wir rathen daher, eine Vereinigung wenigstens zu versuchen, und schlagen dazu eine öffentliche Besprechung vor. Doch müßten sich die Herren Redner aller jetzt Jo beliebten Schlag- und Effektwörter enthalten und in allgemein verständlicher Prosa sprechen. Zum Schluffe könnte ein großartiges Krebsessen mit Bockbier- oder Reichöweintrunk aufgeführt werden.
Verantwortlicher Redaktem: W. H. Riehl.
