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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

â. 96* Dienstag -en 2L. April

1849,

Zweite Ausgabe.

Uebersicht.

Amtlicher Theil.

Dienstnachricht.

Nichtamtlicher Theil.

Zeitungsschau.

Deutschland. Weilburg (Die Gerichtsvollzieher). — Frankfurt (Reichstag). — Stuttgart (Die Krisis). — Berlin (Die deutsche Frage in der zweiten Kammer. Erklärung des Ministeriums). — Elms­horn (Die Stellung der nassauischen Truppen). — Wien (Vom un­garischen Kriegsschauplätze).

Schweiz. Bern (Der schweizerische Nationalrath und seine Präsidenten). Italien. Florenz (Kontre-Revolution). — Turin (Romarino freige­sprochen).

Amtlicher Theil.

seiner Interpellation verhindert und Herrn Bergmann die Be­gründung der feinten gestattet wurde. Der Vorhang selbst wurde auch nicht um die Breite einer Linie gelüftet und die Kammer und das Land wissen so viel und so wenig, als zuvor. Derweilen wächst die Spannung der Nation mit jedem Tage des Aufschubs. Die Nationalver­sammlung aber, auf deren ertravagante Schritte nicht Wenige zu rechnen scheinen, handelt mit großer Mäßigung: der Bericht des Dreißigerausschusses soll erst am Montage zur Berathung kommen, damit Preußen in der Zwischenzeit seine Entschließungen fassen könne, und alles übereilte Handeln vermieden werde. Was uns beruhigt mitten in der Unruhe, welche die Verzögerung der Entscheidung hervorruft, ist die Macht der Nothwendigkeit , welche Preußen zur Annahme der höchsten Würde in Deutschland drängt und alle Bedenken, so ^Lr,chtferngt_ ste. âch seyn meyon-, iU^i^ingeti muß. Hof­fentlich hat auch Herr von Beckerath dazu beigetragen, diese Nothwendigkeit auch Denen klar zu machen, die siè noch im­mer nicht anerkennen wollen."

Dem Schulkandidaten Schrankler von Kemel ist die erledigte Lehrgehülfenstelle an der ersten Abtheilung der Elemen­tarschule zu Wiesbaden provisorisch übertragen worden.

Nichtamtlicher Theil.

Z e i t u n g ssch a u

Die „Deutsche Reform" bemerkt: „Während man in Frankfurt einer • entscheidenden Erklärung des preußischen Be­vollmächtigten mit Spannung entgegensteht, lebt man in Berlin in derselben Ungewißheit. Zwar wurde schon vor einigen Tagen versichert, daß her König entschlossen sey, dem Rufe der Nationalversammlung und der Mehrzahl der deutschen Fürsten mit dem einzigen Vorbehalt Folge zu leisten, den Eid auf die Reichsverfassung erst nach erfolgter Revision abzulegen, und daß die betreffende Instruktion dieses Inhalts an Hrn. Camp- hausen abgehen werde; allein die Antwort auf die Inter­pellationen in der ersten Kammer beweisen, daß die Regierung noch immer zu keinem Entschluß gekommen ist. Die Ant, Worten des Grafen Arnim und des Ministerpräsidenten waren beide, wie vorauszusehen war, ablehnend, nur mit dem Unter­schiede, daß der erstere geradezu jede Erklärung verweigerte, der letztere aber eine Erklärung, so weit es möglich sey, abzu­geben sich bereit zeigte, um hinterher ebenfalls keine zu geben. Der Zwiespalt im Schooße deö Staatsministeriums, daß Graf Arnim jeder Erklärung sich weigerte und G^af Brandenburg sich zu ihr bereit erwies , war also nur ein scheinbarer und der Erfolg nur der, daß Graf Dyhrn an der Begründung

Der jetzt bereits wieder verschollene Berliner „Held" gibt in der Voss. Ztg. folgenden originellen Weg als den einzig möglichen an, umsbie Einheit Deutschlands zu Stande zu bringen. Auf dem Throne Preußens ein Mann wie der große Kurfürst oder Friedrich der Große: unbedingte An­nahme der Kaiserkrone; Leitung der deutschen Revolution; Prok- lamirung des Nationalitätsprinzips; Mediatisirung der deut­schen Souveraine; im Bunde mit dem deutschen Volke Krieg gegen die .widerstrebenden Fürsten; Einverleibung der öster­reichisch-deutschen Provinzen; Krieg gegen die österreichische Kaiserdynastie und Rußland; Allianze mit Frankreich und der Schweiz; Neutralität Englands; Jnsurgirung und Herstellung Polens; Unterstützung der Insurrektion in Ungarn und Italien; Gründung eines einen und untheilbaren deutschen Kaiser­reiches.

Ein Frankfurter Korrespondent der „Allg. Ztg." schreibt: Oesterreich hat gesprochen: schon ziehen seine Vertreter zur guten Hälfte der Heimath zu; es hat für diesmal nicht gelin­gen wollen das Riesenwerk der großen vollen Einheit; mit wirren Reden und abstracten Paragraphen, auf den Bier­bänken der Clubs, auf der Tribüne und auf dem Papier kann eine Schöpfung von Jahrhunderten nicht geboren noch zerstört werden. Oesterreich hat zuerst gesprochen — es wahrte seine Rechte auf Grund des alten unauflöslichen Bundes, wird aber den neuen Bundesstaat nicht hindern, geboren zu werden. Nun erfolgt der Bau der Pyramide: die 28 kleinern Staaten bil­den mit ihrer trefflichen Gesammterklärung den Unterbau; Der größte unter diesen, Baden, spricht es für sich, aber im Sinne Aller aus, daß die Anerkennung der Verfassung nur erfolgt in der Voraussetzung, daß sie von Allen angenommen werde, wie sie ist. Die vier Königreiche haben sich noch nicht erklärt, doch