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Land! Land! ES ist sichtbar, wenn auch noch in der Ferne, ruft die Dorfzeitung. Schon fehlen Vielen daS Schiff, das die besten Männer deutscher Nation und mit ihnen all' die berechtigsten Hoffnungen Deutschlands birgt, das Parla­ment, auf hoher, tief bewegter See ohne Steuerruder zu trei­ben, ein Spiel widerwärtiger Wellen. Da haben die Steuer­leute Anker auSgeworfen und sie haben gefaßt und Boden ge, funden im deutschen Volke, das fast einmüthig daS schwankende Schiff mit aller Kraft zu halten entschlossen ist. DaS wäre schon Land genug, eS ist aber auch gefunden an 28 deutschen Regierungen, die eben in Frankfurt erklärt haben, die Verfas­sung und die Kaiserwahl müsse gültig seyn und was etwa zu ändern sey, bleibe der ruhigen Zukunft überlassen. Das ist eine That. Zu den Thaten rechnen wir aber auch die zahllosen Adressen, auS allen Theilen, von allen Parteien Deutschlands, die in demselben Sinne nach Frankfurt und an ihre Regierun­gen ergehen. ES sind ihrer so viele, und alle nur Widerho­lungen desselben Wunsches und Willens, daß wir auch nicht einmal die Namen derselben in unsern Blättern aufzuführen vermögen.

Deutschland.

Q Weilburg, 20. April. DaS Frankfurter Journal läßt sich in Nr. 94 von Wiesbaden folgendes mittheilen : „Wie ich höre, so soll die Stimmung unserer Deputirten seit den neue­sten Ereignissen eine wesentlich veränderte, sie sollen im Durch­schnitt etwas radikaler geworden seyn. Ein öfteres Zusammen­kommen der Abgeordneten mit ihren Mandaten kann eben nie etwas schaben." ES bleibt hier in Frage gestellt, ob die De­putirten in Folge der neuesten Ereignisse, oder deS Einflusses ihrer Mandanten, oder endlich durch Beides zusammen radi­kaler geworden seyen. Auch müßte man daraus folgern, daß eS der Mehrzahl der Deputirten an Radikalismus früher ge­fehlt habe. Verstehen wir darunter nicht etwa die Jugend­sünden der „Freien Zeitung," sondern den festen Willen, die Krankheiten deS Staatsorganismus von Grund aus zu heilen, so hat eS unseren Deputirten nicht gefehlt, und eS bedurfte keiner Zusammenkünfte mit den Mandanten, so lange sie dort nicht auch die Arzneien zu jener Radikalkur, Verstand, Wissen­schaft, Erfahrung, Takt und vieles Andere noch holen können. Alles Ernstes aber müssen wir dagegen remonstriren, als hät­ten wir den Radikalismus der Herren W. und G., unserer hiesigen Deputirten, während der Osterferien vermehren und stärken helfen; zumal wenn eS bei Ersterem auch zum Radika­lismus im Sinne des Journalkorrespondenten wollte gerechnet werden, daß er in einer der ersten Sitzungen eine unnütze und zeitraubende Interpellation machte, nachdem er sich weißmachen ließ, daß ein Gerichtsvollzieher 20 fl. Gebühren in einer Stunde verdient und eingenommen habe.

Die Gerichtsvollzieher, wenn sie auch in Folge der Zah- lungSweigerungen, verbunden mit gänzlicher Unthâtigkeit vom Schultheißen im verflossenen Jahre, viele Geschäftsrücksiände vorfanden, und demnach nicht unbedeutende Gebühren auf dem Papier stehen haben, werden voraussichtlich nicht reich werden bei ihrem Geschäfte. Und wenn jetzt vier bis fünf Gerichts­vollzieher die Arbeiten von dreißig bis vierzig Schultheißen verrichten, so kann man ihnen auch bleiche Belohnung gönnen, um so mehr, als eine strengere Thätigkeit nnd bessere Routine von ihnen für die Zukunft gefordert ist, als sie zu jeder Jahres­zeit und Witterung mühsam auf dem Lande herumlaufen müs­sen, und rücksichtlich ihrer persönlichen Sicherheit größeren Ge­fahren ausgesetzt sind. Wenn nun obendrein die Gebühren für Zwangsversteigerungen und voraussichtlich durch die bald eintretende Prozeßreform viel überflüssige Jnserationen weg­fallen, so müssen wir die Interpellation des Herrn M. zum wenigsten als voreilig und unzeitig bezeichnen, und abermals auörufen: ne sutor ultra crepidam.

Daß Herr Sch. bei seinem Mausefang zu Oranienstein mit Frensdorf und Konsorten in Konflikt gerieth und seine Versammlung nur schwach besucht war, mag wohl die Ursache seyn, daß er nicht auch zu unS kam.

*** Hadamar, 20. April. Wenn schon die Nachricht von der thätigen und erfolgreichen Theilnahme nassauischer Artillerie an dem wichtigen Ereignisse bei Eckernförde, mit großem Jubel überall in unserm Lande vernommen wurde, und unverkennbar einen gewissen patriotischen Umschwung veranlaßte, so wurde

dieses patriotische Hochgefühl noch gesteigert durch die Kunde, daß unser Herzog vom Reichsverweser mit dem Kommando einer Brigade in Schleswig-Holstein betraut worden, und dann durch die vor dessen Abreise an die Nassauer erlassene einfach und edel gehaltene Ansprache.

Wir wünschen, daß der geliebte Fürst Gelegenheit finden werde, den geschichtlichen KriegSruhm vieler nassauischen Für­sten auch seinerseits zu bewähren.

— Es ist traurig, wie häufig in unsern landständischen Verhandlungen unpraktische und unrichtige Beurtheilungen na­mentlich unsrer Steuergesetzgebung, vorkommen. So z. B. steht im Protokoll vom 15. März d. J. „die fünfte Gewerbsteuer, klaffe setzt ein jährliches Einkommen, ein Steuerkapital von 800 fl. voraus." Dies ist grundfalsch. Einkommen- und Steuer­kapital sind nicht einerlei, und 800 fl. Steuerkapital setzen ein reines Einkommen von nur 266 fl. 40 h., ein Bruttoeinkom­men von 160 fl. voraus. Der Ertrag eines Gewerbes wird als eine 5prozentige Rente angesehen; daS Dreifache deS Bruttoertrages und daS Fünffache deS Nettoertrages bildet das Steuerkapital. Solche Unrichtigkeiten, inS Land hinauSgeschrie« ben, erregen bei denjenigen, die mit den Gesetzen nicht bekannt und gewöhnt sind, den gedruckten Worten der Herren Land­stände unbedingten Glauben zu schenken, Mißtrauen und Un­zufriedenheit, und geben häufig zu unbegründeten Reklamatio­nen Veranlassung. Möchten aber auch solche Unrichtigkeiten von Seiten der Regierungsbank nicht, wie geschehen, ungerügt bleiben!

Frankfurt, 22. April. (O.-P.-A,-Z.) Neuesten brieflichen Mittheilungen aus Stuttgart zufolge dauert daselbst die Ministerkrisis noch fort und herrscht in Folge deren eine bedeutende Spannung. Von einer Ruhestörung verlautet in­deß nicht das Mindeste; es geht vielmehr aus diesen aus sehr gut unterrichteter Quelle herrührenden Schreiben hervor, daß, wie auch immer die Entscheidung des Königs ausfallen möge, an Erzesse irgend welcher Art auch nicht im Entferntesten zn denken sey.

Frankfurt, 22. April. (F. I.) Nachdem unser Blatt be­reits zur Presse gegeben ist, erhalten wir noch ein Schreiben aus Stuttgart vom 20. d., Abends 10 Uhr, welches von großer Aufregung spricht, die daselbst herrsche. DaS Stânde- Haus war vor Beginn der Abendsitzung von Tausenden um­lagert. Militärische Vorkehrungen werden, ohne Vorwissen deS Kriegsministers, also mit Verletzung der konstitutionellen For­men, vom Armeekommandanten Prinzen Friedrich getroffen. Die von einer Kommission beantragte Adresse an den König, worin derselbe gebeten wird, die deutsche ReichSverfassung als­bald und vollständig anzuerkennen, wurde mit 70 gegen 7 Stimmen (v. Berlichingen, v. Linden, v. Varnbühler, Priel­mayer, Eggenau, Kühe, Offterdingen) angenommen und eine Deputation von 13 Mitgliedern zur Ueberbringung an den König erwählt. Graf Debenfeld erklärte bei der Berathung über die Adresse, daß er mit dem deutschen Volke für die Ver­fassung stehen oder fallen wolle. (Von den in Franfurt um­laufenden Gerüchten in Betreff des Königs von Würtemberg meldet oben erwähntes Schreiben durchaus nichts.)

Die neuesten Nachrichten vom ungarischen Kriegsschau­plätze melden, daß der Fürst Franz Lichtenstein denMagy, arm bei Pertany, gegenüber von Gran, ein erfolgreiches Tref­fen geliefert haben soll. Ueber den Besitz von Waitzen ver­nimmt man nichts Bestimmtes. Doch heißt eS, daß die Un­garn von hier aus noch immer Neuhäusel und die Straße von Komorn bedrohen. Die beiderseitigen Armeen vor Pesth hatten, einige Scheinmanöver Dembinski's abgerechnet, am 15. d. ihre Stellungen nicht wesentlich verändert.

Frankfurt, 21. April. Frankfurter Blätter schreiben: Der Herzog von Nassau überbringt dem Feuerwerker Boos, wel­cher den ersten erfolgreichen Schuß auf's Linienschiff „Chri­stian VIII." gethan, eigenhändig das Offizierspatent, eine goldene Medaille und eine Gratifikation von 500 fl.

Berlin, 19. April. Seit einigen Tagen, schreibt die „Konst. Ztg.", zirkuliren hier, besonders an der Börse, Ge­rüchte von der unbedingten Annahme der Kaiserwürde von Seiten der Krone Preußens, auf Grund der von der National- Versammlung beschlossenen und in allen wesentlichen Punkten unveränderten Verfassung und der Zustimmung einer größeren Zahl deutscher Fürsten. — Wir halten diese Gerüchte für un-