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Ungarn.

Die Wiener Zeitung meldet in Bezug auf die O p e r a t i o n e n in Ungarn: „Der Plan der ungarischen Insurgenten, Co- morn zu entsetzen, ist vollständig vereitelt; — der von den, selben errungene Vortheil der zeitweiligen Besetzung von Waitzen ist ihnen ebenfalls wieder entrissen, indem die Division des F.-M.-L. Czorich die Jnsnrgenten auS dieser Position wieder Herausgetrieben hat. Die, der k. k. Armee von allen Seiten zugehcnden imposanten Verstärkungen lassen schon für die nächste Zukunft erfolgreiche Wiederaufnahme der Offensive von Seite der k. k. Truppen voraussehen."

Frankreich.

Paris, 18. April. So viel über die Expedition nach Italien, welche hauptsächlich von Thiers veranlaßt ward, verlautet, soll General Qudinot den Befehl erhalten haben, sein Hauvtquartier in Civitavecchia aufzuschlagen und daselbst den Pabst bei seiner Ankunft zu empfangen. Von Civitavecchia aus wird alsdann der Pabst eine Allokution an die Römer richten, deren nächste Folge die Rückkehr des heiligen VaterS nach Rom sein wird.

Die neueste Note des österreichischen Cabinets an Preußen macht hier viel Aufsehen. Sie wird von mehreren Blättern als eine Kriegserklärung betrachtet.

Die heutige Sitzung der Nationalversammlung war ohne besonderes Interesse.

Vorgestern zählten die offiziellen Krankenhäusern in Paris 1989 Cholerafälle. Auch Marrast ist jetzt von der Epidemie befallen worden.

Paris. Großes Aufsehen erregt das (bereits erwähnte) jetzt im Druck erschienene Manifest des Herrn Guizot, das heute die meisten Journale ohne alle Reflexion veröffentlichen. In der That ist dasselbe so verständlich und drückt die Ueber­zeugungen und Abfichten des Herrn Guizot und seiner Partei so unverholen aus, daß jede Erklärung und jede Reflexion überflüssig wird. Die Annäherung zwischen den politischen Parteien erklärt er für nothwendig und sich von selbst machend, auch ohne daß man sie suche oder nur davon rede, wie er mit einem Seitenhieb aus die Herren Thiers, Mole und Berryer bemerkt. Das Glaubensbekenntniß des Herrn Guizot ist hier­auf in folgenden Worten ausgesprochen: „Eines thut heut zu Tage Frankreich noth: daß die Partei der Ordnung sich orga- niftre." Die Partei der Ordnung sind nach Herrn Guizot alle Anhänger „der Drei einzigen wirklichen, wahrhaft anzu'erken- nenden Regierungen, die in Frankreich eristirt und eine Dauer gehabt haben, nämlich: das Konsulat, das bald zum Kaiserthum wurde, die Restauration und die Monarchie von 1830, zu denen die Republik nicht zu rechnen ist, da sie keinen Bestand gehabt und ihre Probe nicht abge­legt habe." Ucbrigens will Herr Guizot sich blos mit der Gegenwart beschäftigen, welche die vereinigten kräftigsten An­strengungen der Anhänger der Ordnung zur Rettung der be­drohten Gesellschaft, zur Aufrechthaltung der Familie, des Eigenthums und der Religion erfordere. Was hiernach kom­men werde (d. h. wenn einmal die republikanische Partei be­seitigt ist), ob Frankreich den Legitimisten, den Orleanisten oder Imperialisten zufallen soll, diese Frage läßt Herr Guizot absichtlich offen; ihm ist es genug, mit Hülfe der Vereinigung dieser drei vereinigten Parteien vor der Hand die Republik zu stürzen, um alsdann irgend welche Monarchie wieder herstellen zu können. Die Freimüthigkeit, mit welcher Herr Guizot seine Ueberzeugungen ausspricht und die ihm auch bei seinen Gegnern mehr Achtung gewinnt, als die Winkelzüge und die Heimlichkeiten der rue de Poitiers, setzt diese letztere in nicht geringe Verlegenheit und man spricht bereits von be­deutenden Spaltungen in der vereinigten legitimistisch-orleani- stisch- imperialistischen Partei.

Niederlande.

Haag, 9. April. (D. Z.) Als dem patriotischen Helden und Begründer der Staatsresorm will man auf Nationalsub­skription dem verstorbenen Könige Wilhelm II. eine prächtige Bildsäule errichten und schon streiten, sich Haag und Amster­dam um den Vorzug, welche Stadt dieselbe schmücken soll, ja man droht sogleich, zwei Standbilder aufzurichten. Die un­beständigen Menschen doch! Vor einem Jahre schaffte man in der ältesten europäischen Erbmonarchie das Königthum ab und heuer streiten fich die Hauptstädte der alten baravischen Republik um die Ehre, einem verstorbenen König Bildsäulen zu errichten. Wilhelm I. von Oranien, der schweigsame Retter der Freiheit, der Vater des Vaterlandes, mußte dritthalb hun­dert Jahre warten, ehe dieß Vaterland ihn in Erz gießen ließ; weder Prinz Moritz, noch Friedrich Heinrich, noch Wilhelm III., noch viele andere niederländische Männer, deren Namen die Welt erfüllt, erfreuen sich einer gleichen Auszeichnung. Und nun solche Eile? Als Miltiades in den Feldern von Mara­thon die persischen Horden verwüstet und Griechenland von einer sicheren Knechtschaft befreit hatte, bestand aller Lohn und alle Ehrenbezeugung seiner Mitbürger darin, daß er an der Spitze von zehn Befehlshabern, die neben ihm gestritten, bild­lich dargestellt wurde. Aber als Athen unter fremdem Joche seufzte, errichtete es dem Demetrius PhalereuS 360 eherne Bildsäulen. Ohne Beziehung auf den vorliegenden Fall wol­len wir doch daran erinnern.

Rußland.

Petersburg, 13. April. Bei Hofe gewinnt die altrussische, Deutschland sehr feindliche Partei immer mehr Einfluß. Der Kaiser soll fich in einem leidenden und dabei höchst aufgereg­ten, gegen seine Umgebung mißtrauischen Zustand befinden. Er soll sogar, ganz seinem früheren Charakter entgegen, sehr schwankend in seinen Entschließungen seyn. Fast täglich erläßt er Ukase, namentlich in Betreff der jetzt immer bedeutender werdenden Kriegsrüstungen, die er jedesmal eigenhändig unter­zeichnet und die oft vorhergegangene Ukase ganz oder zum Theil aufheben oder wenigstens in wesentlichen Punkten mo- difiziren.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

BeLanntmachungeM.

Die Position des Seetreffens im Eckernförder Hafen ist erschienen und einzeln für 6 kr. zu haben in der

L. Schellenberg'schen Hofbuchhandlung in Wiesbaden.

407] Samstag den 21. April, Abends 8 Uhr, Versammlung des Bürgervereins im Gasthaus zum Adler.

Tagesordnung: Die Entwürfe zur Organisation der Zentralverwaltung.

Die erste Ausgabe des politischen Blattes wird an jedem Werktage, Nachmittags um 3 Uhr, ansgcgeben oder kann im Erpeditionslokale abgeholt werden.

Die Expedition der Nast. Allg. Leitung.

Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.