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testens fünfzig Prozent herabgesetzt. Gerade dies begehren und wünschen wir aber zu allermeist. Henn der Unterschied der absoluten Regierungsform von der demokratischen bestellt ja eben darin, daß in der Letzteren daS Wohl deS Ganzen so wenig als möglich vom Einzelwillen und von persönlichen Ein­flüssen abbângcn soll. §

Wir wollen möglichste Theilung der Gewalten. Wer die Zentralisation überhaupt aufgehoben wünscht, der muß ne auch in den Kammern auszulleben suchen. Wir haben die Gefahr zu nahe gesehen, daß daS Land von den Launen Und persön­lichen Einflüssen einiger politisch halbgebildeter, in ein paar Prinzipien vernarrter Kammrrmitglieder regiert werde. Eben weil sich in unserer Kammer so viel trotzige und übermüthige Unfähigkeit gezeigt, prvtcsiiren wir gegen daS Fortbestehen des Einkammersystems. Denn wenn etwa unser Land zu klein seyn sollte — wie cS fast den Anschein hat — um die genügende Zahl politischer Kapazitäten in Eine Kammer zu schicken, dann muß eben durch den doppelten Läuterungsprozeß der geringeren inneren Tüchtigkeit der einzelnen Kammern ein Heilmittel ge­geben werden. Unser Land ist nicht zu klein für zwei Kammern, wohl aber für Eine Kammer.

Das Einkammersystem entstand bei uns z^ einer Zeit, wo die frische Erinnerung an die alte Herrenbank den bloßen Ge­danken an zwei Kammern unpopulär gemacht hatte, zu einer Zeit, wo man mehr mit dem Gefühle und der Begeisterung als mit dem klaren Verstände poliiinrte. Der gegenwärtige provisorische Zustand wurde in einem Augenblick geschaffen, der viel zu unfrei war, als daß diese Schöpfung nicht schon um deßwillen zweideutig erscheinen dürfte. Denn als man in Bausch und Bogen vor einem Jahre die einzige Kam­mer einführte, vermochten die Wenigsten scharf zu denken, und die cs vermochten, wagten es nicht zu sagen. Oder hätte man damals gegenteilige Ansichten, wie wir eS heute thun, frei und sonder Gefährde auslprcchcn dürfe»? Jetzt wagt man's wieder zu denken, und auch auszusprechen, was man denkt. Darum ist jetzt die Zeit, reiflich zu prüfen und sich nicht durch äußere Eindrücke und Stimmungen irre leiten zu lagen.

Deutschland.

Koblenz, 17. April. (O.-P.-A.-Z.) Zum Empfang des Herzogs von Nassau, welcher auf der Reise nach Schles­wig, wo er den Befehl über eine Brigade Reichstruppen füh, ren wird, nebst seinem Brigadcstabe und dem Reste des zweiten ebendahin befehligten nassauischen Infanterie-Regiments nebst dem Regimentsstabe und der trefflichen Musik, heute auf zwei Dampfbooten von Biebrich hier vorbeikam, hatte die Militär- behörde der Festung nicht nur durch zahlreiche Kanonensalven, durch Aufstellung eines Musikchors auf der Rheinbrücke re. die üblichen Vorkehrungen getroffen, sondern sich auch zur Begrü­ßung des Herzogs an Bord begeben. Außer dem hiesigen Pu­blikum waren auch viele Landleute jedesmal seit den drei letz­ten Tagen, seit weichen die Vorbeireise der nassauischen Reichs­truppen dauett, hierher gekommen, um ihren scheidenden Brü­dern, Söhnen ic. noch einmal Lebewohl zu sagen. Einige Mütter, von denen eine vier Söhne beim Regiment hatte, wußten sich gar nicht zu trösten.

München, 16. April. Gestern ist der Redakteur eines hier erscheinenden ultrararikalen Lokalblattes verhaftet worden, nach­dem leine Zeitung schon Tags vorher wegen eines die Person des Königs und die ganze kgl. Familie aufs gröblichste 0sä* beuten Artikels, „Ein bayerisches Lustschloß" betitelt, mit Be- 1 chlag belegt worden.

D. k. PfordtenS Ernennung als Minister des Aeußern je« gewiß seyn. uns er soll gestern Abend bereus Instructionen an Ärchesseld-Löfering in Frankfurt abgescudel haben.

Lübeck, 13. April. Rach den Aeußerungen des Generals Fadvier bestätigt es sich vollkommen, daß er mit dem Kriegs­minister Hansen in ernstlichen Konflikt gerathen. Er hatte Kopenhagen in hohem Grade unbefriedigt verlassen, und soll von der Gehaltlosigkeit des dänischen KnegSenthusiaSmuS, so­wie von ter Unmöglichkeit, den Widerstand auch nur auf ei­nige Wochen fortzusetzcu, mehr als überzeugt seyn. In­teressant ist, daß daS Ministerium auch ihm gegenüber das System der Täuschung, mit dem es das Heer zu ermulhigen

und das Ausland zu schrecken wähnte, hat befolgen wollen. Zu seinem großen Befremden hat der General die Entdeckung gemacht, daß in dem ihm vorgelegten Status der Armee die dänische Landmacht um mehrere Tausend Mann höher ange­geben war, als ne wirklich betrug, und daß von der auf dem Papier befindlichen Reserve auch nicht ein einziger Mann vorhanden war. Sebr begreiflich hat der General unter solchen Umständen seine Stellung nicht mehr behaupten wollen.

Wien, 14. April. (A. Z.) Wenn daS ancien régime in der souveränen Verachtung alles Dessen bestand, waS man irgend hätte zur öffentlichen Meinung rechnen können, so sind die letzten 24 Stunden geeignet, jede Furcht vor einer Rück­kehr zu demselben zu benehmen, denn sie haben der öffentlichen Meinung reichlich Rechnung getragen. Feldmarschall-Lieute­nant Wohlgemuth hat bereits das Kommando über das Ko« monier Armeekorps und über die in der Gegend von Leopolb­stadt vereinigten Truppen übernommen; General Benedek, der Sieger von Mortara, übernimmt die galizischen Truppen, Weiden endlich erhält das Oberkommando in Ungarn, hat heute eine Abschiedsrevue der Garnison gehalten und geht mor­gen früh zur Armee. General Böhm, bisher schon sein äd latus, wird ihn ersetzen. Welden's Energie ist bekannt; er wird in Ungarn Arbeit vollauf haben.

Die neueste Wiener Post (vom 15. April) bringt nichts von Bedeutung aus Ungarn. Die Abberufung von Windisch- Grätz, die (Entfernung mehrerer andern Generale daselbst, die Entsendung Weidens, Castiglione'S, Wohlgemuths und Benedeks dahin hatte eben so große Befriedigung erregt, als die angc- ortncte Trennung der Zivilangelegenheiten von den militäri­schen. Daß dieser entscheidende Wechsel nicht ohne Kampf im Ministerrath durchgesetzt wurde, gesteht die ministerielle „Presse" selbst, wenn auch der Llyod cs in Abrede zieht.

Weniger klar ist, ob jener MeinungSzwieipalt auch auf die Beziehungen zu Deutschland und Rußland sich erstreckte, wie die Ostdeutsche Post meint. Dem russischen Bündniß scheint im Grunde Niemand hold ; selbst ker Lloyd, der rem Ministe­rium bei jedem Schritte zur Seite steht, hat in der letzten Zeit seine Abneigung gegen solche Allianz mehr als einmal unum­wunden ausgesprochen.

Ungarn.

Pesth, 9. April. Gestern sahen wir mehrere gefangene Husaren durch unsere Straßen führen; aber die Verwegenheit dieser Rebellen geht so weil, daß sie, selbst gefangen, noch ihren Hochmuth nicht fahren lassen, und nichts weniger als bestürzt über ihr Loos schienen. Leider wird diese Gesinnung auch von einem großen Theil unserer Bevölkerung getheilt, die den cinherstolzirenden Gefangenen ein „Fljenek a huszârak !u zurief und Geldsammlungen für sie veranstaltete. (Lloyd.)

Pesth, 12. April. (A. Z.) Gestern kamen die sogenann­ten Lehel-Husaren — sie tragen graue Reithosen, blaue Röcke mit hochrothen Schnüren und runde Bauernhüte — in Windes­eile gegen die österreichische Schlachtlinie geflogen. Sie schienen wie aus der Erde gewachsen, ein Schuß, und sie waren da. Das tapfere Kuirassierregiment Wallmoden hieb aber so scharf in die leichte Reiterei ein, daß die Ueberreste über Hals und Kopf zurückeilten. Viele todte Husaren, darunter ein Ritt­meister und ein Oberlieutenant, bedeckten den Kampfplatz, über 40 Mann wurden von den Kaiserlichen gefangen genommen. Uebrigens brüllte der Kanonendonner längs der ganzen schlacht- linie von Palota dis Soroksar hinunter. Das kriegerische Unwetter dauerte von 1 bis 4 Uhr Nachmittag. Das Hauvt- auarrier der Insurgenten befindet sich in For hinter Polarer. Dembinski, Görgev, Damranich und Stopfa wohnen tu re»

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m der Mute des großartigen Parkes. Warze» ist gleich'aus von den Insurgenten besetzt. Sau statt von Neugierigen drängten üi gestern NaLmurag nach dem Herminerfelde, wo der eine Flügel des SchUcksche» Armcekords lagerte. Da er aber rasch vorrückte, so wäre die Menge in ihrer Schaulust bedeutend getäuscht. Suttafnere schafften sie auch zurück, da sich in so großem Gewühlt leicht Spione einzufchleichcn pflegen, deren man dieser Tage bereits mehrere cinbrachte.

Pesth, 13. April. Die Kaiserlichen um P stb herum und in der Umgegend mögen sich wohl auf 70,000 M. belaufen, mehr als genug, um Pesth und Oftn zu decken. General