und Inkonsequenz vor, und ermahnte ihn, sich Vogt, den Mann der Zukunft zum Vorbilde zu nehmen.
Der edle Frensdorf, bei dessen Anblick ein Begeisterter sich des AuSruses: „jeder Zoll ein Republikaner" „jede Silbe eine Volkssouveränität" nicht erwehren konnte, eilte schon gleich im Anfänge der Rede von Schulz auf diesen, wie einst Brutus auf Cäsar zu und überlebte gewiß nur im Uebermaße der reinsten Vaterlandsliebe den wiederholten demüthigenden Ordnungsruf der undankbaren Menge und das eine offenbare Geringschätzung ausdrückende Weggehen eines großen Theiles derselben , als es ihm endlich gelang, seinem gepreßten Herzen durch die Verdammung von Schulz, wegen seines Auftretens bei den wichtigsten Fragen in der Paulskirche Luft zu machen. Man wird es gewiß verzeihlich finden, wenn wir wegen mangelnden Raumes die Rede Frensdorfs nicht wörtlich wiedergeben, zumal, weil Betonung und Gestikulation einzig in ihrer Art bei ihm dastehen und kein richtiges Bild derselben durch die Feder entworfen werden kann. Nur so viel erlaube man hier zu bemerken, daß er sich vor Allem lebhaft beklagte, weil Schulz offenbar nur allein reden wolle, diesen mit wahrem Ingrimme wiederholt einen Gelehrten, einen Professor (Frensdorf selbst soll keiner seyn) nannte und ihm insbesondere vor- warf, er habe nichts für Amnestirung der politischen Verbrecher, namentlich der (wegen Meuterei) im Zuchthaus sitzenden Soldaten gethan, durch welche Letztere von Männern des Volkes doch so viel Thränen geweint worden seyen.
Wie hoch muß das Herz eines jeden anwesenden Diezer Demokraten schlagen, wenn er also das Orakel seines Vereines sprechen hört: welche gerechte Erbitterung aber müßte cs in ihm hervorrufen, wenn er gleich uns unmittelbar darnach von einem sehr braven und geachteten Mitbürger die Aeußerung vernähme, er halte von der Volksfreundlichkeit Frensdorfs nichts, weil diese zu neu wäre und zu sehr im Widersprüche mit seinem ganzen Leben stände, sowie weil sein zweites Wort sich jedesmal über unverdiente Zurücksetzung im Dienste verbreite.
Wie dem aber auch seyn mag, Herr Schulz fand sich gemüßigt, die gegen ihn erhobenen Angriffe mit größter Ruhe als grundlos nachzuweisen, und ließ sich dabei zu der freilich etwas beißenden Bemerkung verleiten, der geehrte Herr Frensdorf hätte die stenographischen, ihn zur Genüge rechtfertigenden Berichte nicht gelesen.
Da aber eine solche Oberflächlichkeit sich mit der Gediegenheit einer Volksgröße, wie Hr. Major Frensdorf, nicht in Einklang bringen läßt, so sind wir eher versucht anzunehmen, daß Herr Frensdorf die stenographischen Berichte zwar gelesen, allein wegen des kleinen Druckes und seiner altersschwachen Augen nicht Alles verstanden, und das Verstandene durch die sich in seinem Kopfe kreuzenden Staatsgeheimnisse vergessen habe.
Die von dem Parlamentsmitgliede Schulz gehaltene Rede bildete im Allgemeinen einen Rückblick über die Thätigkeit der Nationalversammlung. Er hob dabei hervor, daß die Männer der Linken, seine Freunde, stets für die Freiheit des Volkes am eifrigsten gewirkt und durch ihre großartigen Verbesse, rungen an den Grundrechten sowie namentlich durch die direkten Wahlen ohne Zensus und das bloße suspensive Veto des RcichsoberhaupteS sür Deutschland die freieste Verfassung in's Leben gerufen hätten. In diesen beiden Bestimmungen, sowie in dem Rechte zu Vereinen und Volksversammlungen erblickte er die sichersten Garantieen der VolkSsouveränetät.
Er wünschte, daß die Anwesenden an der Versammlung aus dem Mensfelder Kopfe, da ohnehin die Brust des Mannes auf den Bergen freier schlage, Theil genommen hätten, und war der Ansicht, das Versammlungsrecht werde in Deutschland nicht beschränkt werden wie in Frankreich, weil der offene und biedere Charakter des Deutschen einen Mißbrauch dieses Rechts nicht befürchten lasse.
Er forderte die Anwesenden auf durch Adressen ihre Zustimmung zu dem Wahlgesetze und dem suspensiven Veto zu beweisen, weil deren Abänderung zu befürchten und eine Adresse das beste und dem Ministerium große Verlegenheit bereitende Mittel zu ihrer Erhaltung wäre. Auf eine unparteiische Erörterung dieser beiden wichtigen Punkte ließ er sich eben so wenig ein, als auf die Frage, ob die Anwesenden mit ihm einverstanden wären, und setzte die Belehrung über die dafür und dagegen sprechenden Gründe, sowie das Einverständniß mit seiner Ansicht voraus.
Bei der Oberhauptsfrage bemerkte Schulz, er habe anfangs für einen Präsidenten sich ausgesprochen, weil dadurch
die VolkSsouveränetät am besten gewahrt und ein auS dem Volke hervorgehender Präsident mit der größten Begeisterung begrüßt und dadurch den willigsten Gehorsam von Seiten der Fürsten finden, also die größte Macht haben würde.
Man sollte doch denken, es müsse Jeder aus den verführerischen Träumereien von der Macht eines über den Fürsten stehenden Präsidenten, der nicht zugleich der mächtigste Fürst ist, durch das Bild der Machtlosigkeit eines Reichsver- wcsers aufgeweckt werden.
Herr Schultz erklärte weiter, er habe sich später für einen erblichen Kaiser entschieden, weil seine ursprüngliche Ansicht nur von dem weiten Theile des Parlamentes unter- • stützt worden und nach der übereinstimmenden Ueberzeugung i aller Mitglieder der Linken an eine nochmalige Erhebung des Volkes jetzt nicht mehr zu denken wäre, das Volk vielmehr um jeden Preis Ruhe und Ordnung wünsche.
Wenn auch der König von Preußen in der letzten Zeit einige Schwäche gezeigt habe, so hätte man sich doch für ihn entscheiden müssen, das Ausland würde sich sonst mit Recht über die Resultatlosigkeit der Wirksamkeit des Parlamente- lustig gemacht haben, und es käme ja auch auf die Persönlichkeit des Oberhauptes nicht an, weil unbeschadet der Konstitution (z. B. in England) schon die erbärmlichsten Wichte auf dem Throne gesessen hätten und der erwählte Kaiser durch das rettende suspensive Veto nur ein Kaiser auf Kündigung wäre, die Verfassung also jeden Augenblick umgewandelt werden könnte.
Hadersleben, 14. April. (O.-P.-A.-Z.) Ist cs denn wirklich wahr, was heute Morgen allgemein bei unseren Truppen erzählt wurde, das Ministerium Arnim-Brandenburg habe in Frankfurt gegen eine Besetzung von Jütland durch unsere Reichsrruppen protestirt, und demzufolge sey diese bis auf Weiteres aufgeschoben worden? Wir können es, wir wollen es, wir dürfen es nicht glauben, aber verbreitet ist diese Nachricht hier allgemein, und hat einen unbeschreiblichen Mißmuth sowohl unter den Truppen, wie unter der ganze» Bevölkerung hier erweckt. Hoffentlich strafen die nächsten Tage dies Gerücht Lügen; es wäre zu traurig, sollte es begründet seyn.
Schleswig-Holstein. (O.-P.-A.-Z.) Eine Bestätigung der gestern als Gerücht gegebenen peinlichen Nachricht, als sey von Berlin aus unserm braven Heer Befehl gegeben, an der Königsau Hall zu machen und die jütländische Grenze nicht zu überschreiten, finden wir glücklicherweise in den heutigen Mittheilungen nicht. Wir wollen deßhalb auch noch nicht daran glauben.
Wien, 15. April. (Fr. I.) Die Russenhülfe ist angenommen und 30,000 Russen werden vorerst über Kr akau in Ungarn erwartet.
Frankreich.
□ Paris, 16. April.
— In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung machte der Konseilpräsident die Anzeige, daß die Regierung es an der Zeit halte, den Beschluß der Nationalversammlung, welcher die Besetzung irgend eines Punktes der italienische« Halbinsel gutheißt, auszuführcn. Die drohende Lage des Kirchenstaates erheische die Absen dung eines Erpeditions- korps nach dem mittelländischen Meer. Die Regierung verlange deshalb einen Kredit von 1,200,000 Frs., um während dreier Monate ein solches Erpeditionskorps auf dem Kriegsfuße erhalten zu können.
Da der Ministerpräsident seinen Antrag als einen dring, liehen bezeichnet halte, wurde sofort ein Ausschuß zur Bericht« Erstattung gewählt, und einstweilen in der Budgetsberathung, dem eigentlichen Gegenstände der Tagesordnung, fortgefahren. Auf die Mittheilung Marrast's, daß der Ausschuß um 8 Uhr Abends seinen Bericht fertig haben werde, wurde auf halb neun Uhr eine Abendsitzung ' anberaumt. Es unterliegt keinem Zweifel, daß dem Antrag des Ministeriums willfahrt werden wird.
