einem Erkenntnisse, in der schwerfälligen Sprache, wie sie unter den Juristen im siebenzehnten und achtzehnten Jahrhundert üblich war, diese Appellation als unbegründet zurück, da die Grundrechte „zur Zeit" in unserem Lande noch nicht rechtskräftig seyen. Die „Hannoversche Zeitung" hat sich beeilt, diese Zeugnisse gegen daS erste Werk deutscher Einheit zur öffentlichen Kunde zu bringen.
Flensburg, 14. April. (O.-T.) Vorgestern gegen Abend haben plötzlich die Dänen in ziemlich großer Anzahl unver- muthet die Insel Föhr besetzt. Viele Bewohner der Insel sind geflüchtet, theils nach Husum, theils zunächst nach den nahe liegenden Halligen ic., woran sich leider ein großes Unglück knüpft. Als man flüchtete, war's erste Fluch und auch um vor Ebbe das rettende Gestade zu erreichen, mußte man die Abfahrt beschleunigen. Ein Fahrzeug, welches gegen 9 Uhr Abends 16 Flüchtlinge nach Husum gebracht hat, war schon eine Strecke vom Lande entfernt, da trachtete noch eine, wie eS heißt ungefähr eben so große Anzahl Fliehender zu Fuß, wie eS nach dem augenblicklichen Wasserstande noch möglich schien, an Bord desselben zu gelangen. Aber, wehe, die Fluth schwoll zu rasch, sie fanden sämmtlich oder größtentheils ihr Grab in den Wellen.
Wien, 13. April. (K. Z.) Wir kennen in diesem Augenblicke nichts mehr als Ungarn und wieder Ungarn. Es fragt sich vor Allem: Wer soll fallen, Windisch-Grätz oder Stadion. Einer von Beiden muß von der Bühne, und es ist fast außer Zweifel, daß Windisch-Grätz der Unterliegende ist. Der „Lloyd", das ministerielle Blatt, spricht dem Fürsten, der sonst sein Abgott war, heute schon in hämischen Andeutungen sein VerdammungSurtheil. Lernen Sie aus ihm, wie man in Oesterreich gefallene Größen bei Seite wirft.
„Es geziemt uns nicht," beginnt das genannte Blatt mit scheinheiliger Miene, „ohne Beweise Anklagen gegen Individuen vorzubringen. Auch verschmähen wir, durch Insinuationen dem Charakter irgend eines Mannes zu nahe zu treten und leise zu flüstern, was wir nicht laut aussprechen können. Wüßten wir mit Bestimmtheit Jemanden zu nennen, der dem Staate schlechte Dienste leistete, es würde und sicherlich keine Rücksicht auf Personen oder auf den Belagerungszustand hindern, daS zu thun und zu sagen, waS unseres Amtes ist."
Aber der „Lloyd" vergißt nur zu bald seine eigene Moral, denn mit den gehässigsten Anspielungen beginnt er nun seine geharnischte Philippika gegen Windisch-Grätz: „Die Lage der Dinge in Ungarn ist jetzt nicht eine solche, wie sie seyn sollte. Vielleicht, daß Umstände mehr als Personen Schulv daran tragen. Vielleicht, daß der gute Wille der Letzteren auch besser gewesen ist, als ihr Vermögen. Vielleicht, daß jene räthsel- hafte Potenz, die wir Glück nennen, deren Ursprung und Wesen, deren Capricen und launenhaften Wege uns nicht bekannt sind, unsere Verbündete nicht gewesen. Vielleicht aber auch, daß ein zu schneller Erfolg im Beginne unserer Operationen und verwöhnte und und den Ernst und die Schwierigkeiten der • Ausgabe verkennen ließen. Diese Reflexionen mögen unser Urtheil gerechter stimmen; sie vermögen aber nicht den Zustand der Dinge in Ungarn zu ändern. Und doch muß dieser geändert werden. Zu diesem Ende halten wir es zuvörderst nothwendig, daß das Ministerium einen mehr direkten Einfluß als bisher auf die ungarischen Verhältnisse nehme. Wir wünschen, eine Zivil-Regierung in Ungarn bestehen zu sehen. Der Charakter des Kampfes selbst muß geändert werden. Die ungarische Armee muß durch Konzentration und durch Heranziehung von Verstärkungen in den Stand gesetzt werden, die Offensive zu ergreifen und einen Hauptschlag auszuführen."
Nicht wahr, das ist deutlich genug! Windisch-Grätz hat kein Glück, kein Feldherrntalent und durchkreuzt die Maßregeln des Ministeriums! Also muß er fort. Der Ministerrath, der jetzt in Ollmütz abgehalten wird, hat den Zweck, diesen Satz auS dem ministeriellen Blatte in Wirklichkeit zu versetzen. Auch der General Wohlgemuth ist nach Ollmütz. Man weiß nicht, ob er, Melden oder Heß zum Oberbefehlshaber bestimmt ist.
Ungarn.
Vom ungarischen Kriegsschauplätze. Die neuesten Nachrichten bestätigen die Einnahme von Waitzen durch die Ma
gyaren und den Tod des alten kaiserlichen Generals Götz. Noch fehlen indeß bestimmtere, Angaben. Der Banus steht aus dem rechten Donauufer und ist von dem Jnsurgentengeneral Raczkeve bedroht. Man glaubt, daß es auf einen Handstreich gegen Ofen abgesehen ist. Die nächsten Tage müssen denn endlich die Entscheidung bringen.
Frankreich.
□ Paris, 16. April. Im Augenblick, wo Sie dieß lesen, steigen 14,000 Franzosen in Civita Vecchia an's Land, um den Pabst wieder einzusetzen.
Die Ere nouvelle schreibt darüber: „Das französische Gouvernement tritt endlich aus seinen Zögerungen heraus und schickt eine Flotte mit 14,000 Mann nach Civita Vecchia- unter dem Oberbefehl des Generals Oudlnot. Die Flotte hat am 14. April Toulon und Marseille verlassen. Das französische Gouvernement thut also heute, was Cavaignac zu thun den Gedanken faßte, als Rom, alle Rücksichten des Respekts für den Chef der Kirche, sowie alle Dankbarkeit, die eS für seinen Fürsten, der es emanzipirt, außer Acht lassend, den er, jauchten Pius IX. zwang, sich gegen die Ausbrüche der trium- phirenden Anarchie zu retten. Dem General Cavaignac fehlte es vielleicht an Zeit und Entschlossenheit, um diese glorreiche Pflicht zu erfüllen. Seit jener Epoche waren alle katholischen Herzen, ja wir dürfen wohl sagen, alle französischen Herzen von Schmerz erfüllt, die römische Frage im Zustande der Ungewißheit, in der Alternative zwischen österreichischer Intervention und der verwüstenden Fortdauer eines republikanischen Zerrbildes zu erblicken. Das Gouvernement schien mit gekreuzten Armen den Ereignissen zusehen zu wollen, die sich jenseits der Alpen zutrugen. Heute nimmt Frankreich seine Rolle und feilte Initiative wieder auf. Obgleich dieser Entschluß etwas spät erfolgte, freuen wir und nichtsdestoweniger, ihn unseren Lesern mitzutheilen. Frankreich in Italien, heißt die Freiheit nach Rom tragen, vielleicht ohne die Republik, aber immerhin die Ordnung ohne die Oesterreicher."
— Der heutige Moniteur enthält ein Rundschreiben des Unterrichtsministers Fallour an sämmtliche Schulrektoren, me er anweist, ein scharfes Auge auf die politisch - sozialistische Propaganda der Schullehrer zu richten. „Die Agitation, die schon meinem Vorgänger stgnalisirt wurde, scheint unter den Schulmeistern jetzt noch größer... Ich habe in Erfahrung gebracht, baß sie sich in den Konferenzen vielweniger mit pädagogischen als politischen Dingen beschäftigen... Zu den Ma- növren, die man nebst vielem anderem anwendet, um sie, die Schulmeister, unzufrieden zu machen und aufzuwiegeln, gehört die Verläumdung ihrer natürlichen Vorgesetzten (Geistlichen) und sie so allmählig durch die Empörung gegen daS Amtsverhältniß an die Empörung gegen die Stâatsgesellschaft zu gewöhnen. (gcz.) Ad. D. Fallour.
— Heute Abend kommt Scribe's und Meyerbeer's Prophet in der großen Oper zum erstenmal zur Aufführung.
— Die Regierung soll, wie man wissen will, unterm 12. April folgende telegraphische Depesche erhalten haben: Toskana hat sich zu Gunsten des Großherzogs erhoben, die Republik ist gestürzt. Der Munizi- palrath in Florenz hat die gesetzmäßigen Gewalten in die Hand genommen und bewahrt sie, um sie dem Großherzog wieder zuzustellen.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
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