Einzelbild herunterladen
 
  

Nichtamtlicher Theil.

Zeitungsfchau.

Das Urtheil deS „M. Chr onicke" über die Antwort des Königs von Preußen an die Frankfurter Deputation stimmt mit dem der Times im Wesentlichen zusammen; nur traut das Peel'sche Blatt Friedrich Wilhelm mehr versteckten Ehrgeiz zu als jenes Journal. Auf ähnliche Weise, bemerkt eS, habe, wenn man Englands großem Dramatiker glauben dürfe, eine bedeutendere historische Person, als der jetzige Inhaber deS preußischen Throns, Julius Cäsar, eine ähnliche Gabe, die ihm an den Lupercalien angeboten worden, bei Seite geschoben. „Ich sah den Mark Anton ihm eine Krone anbieten — doch eigentlich war's keine rechte Krone, cs war so'ne Art von Ltirnband — und wie ich euch sagte, er schob sie einmal bei Seite; aber bei alle dem hätte er sie nach meinem Bedünken gern gehabt. Dann bot er sie ihm nochmals an, und dann schob er sie nochmals zurück; aber nach meinem Bedünken kam es ihm hart an, die Finger wieder davon zu thun." (Shake­speares Julius Cäsar I. 2 heißt es weiter: „Und dann bot er sie ihm zum brittenmale an; er schob sie zum,brittenmale zu­rück; und jedesmal, daß er sie zurückschob, kreischte das Gesin­del und klatschte in die rauhen Fäuste, und warf die schweißi­gen Nachtmützen in die Höhe, und gab eine solche Last stin­kenden Athems von sich, weil Cäsar die Krone ausschlug, daß Cäsar fast daran erstickl wäre." -

Diese Worte Casca's passen ausgezeichnet auf den Jubel, womit eine gewisse Sorte der deutschen „Direktorial - Presse" die Kunde aus Berlin ausgenommen hat. Freilich, das An­erbieten eines kaiserlichen Diadems könne, wie ein Antrag von Herz land Hand, nicht mit einem einfachen „Ich dank' Euch" abgelehnt werden; darum h-be Friedrich Wilhelm seinen Korb mit sohr höflichen Redensarten umwunden, indem er eine schein­bare Zusage gemacht, bedingt durch die Zustimmung dritter Per­sonen, welche bereits erklärt hatten, baß sie ihre Zustimmung ganz gewiß vorenthalten würben. Indessen, bemerkt Chro- nicle weiter, der Ehrgeiz der Patrioten, welche das deutsche Kaiserreich wieder aufrichten und dessen Krone an Preußen übertragen wollten, sey nicht gewesen, Deutschland glücklich und blühend, sondern es mächtig, groß und furchtbar zu machen. Stünde erst eine so unnatürliche Schöpfung, wie ein deutsches Reich auf den Füßen, so ließe sich zehn gegen eins wetten, daß der mißschaffene Riese alsbakd mit dem einen oder dem andern seiner Nachbarn in Hader gerathen würde. (Die Ge­fahren eines solchen Kampfs für den deutschen Michel werben von dem englischen Blatt so grell auSgemalt, daß ihm wirk­lich die Haut schaudern darf). Solchen Gefahren zu trotzen sey aber Friedrich Wilhelm nicht der Mann. Bei alle dem sey seine Antwort vielleicht nicht sehr männlich, nicht sehr lo­gisch, nicht sehr folgerichtig; eben nur darauf berechnet, die Verantwortung der Folgen von des Königs Schultern ab- und auf fremde Schultern hinüber zu wälzen. Auf den Plan der deutschen Einheit und den Fortbestand des Frankfurter Parla­ments — „der Vertretung des faiferiofen Kaiserreichs" — werde die Antwort und das, was sie in Aussicht stelle, jeden­falls wunderlich zurückwirken. —

In Bezug auf den dänisch-deutschen Krieg findet der Standard zunächst nur zu beklagen, daß der englische Han­del nach der Ostsee dadurch zu Verlust komme; die Berichte aus den Fabrikbezirken würden erfreulicher lauten ohne diese muthwillig herbeigeführte quereile d’allemand. Unter den nach Kopenhagen aufgebrachten englischen Schiffen seyen einige mit englischen Waaren an Bord, die aber natürlicherweise heraus- gegeben werben müssen. Indessen sey zu hoffen, daß der Krieg nicht lange dauern werde.

Die Erstürmung der Düppeler Schanzen am 13. April

Am 13. April haben die deutschen Truppen einen neuen Sieg erfochten, der ein gewichtiges Zeugniß gibt für den hohen Muth und die unerschütterliche Tapferkeit der deutschen Jugend, wo es gilt, für Recht und Freiheit eines bedrängten Bruder- stammes zu kämpfen. Das Kirchdorf Düp p e l, auf Sunde-

witt gelegen, dehnt sich bekanntlich hart an der Landstraße ent­lang, welche von Gravenstein aus hinunter nach der Alsener Fähre führt, durch welche die Verbindung der Halbinsel Sunde- witt mit der Insel Alsen erhalten wird. Die Fähre aber ist, seitdem die Dänen Alsen besetzt halten, schon längst außer Thätigkeit gesetzt, und dafür eine Schiffbrücke über den Alsener Sund gelegt, welche bei ihrer AuSmündung auf Sundewitt mit einem starken, reichlich mit Geschütz besetzten Brückenköpfe versehen wurde.

Um jedoch diesen Brückenkopf zu decken und die einzige nach dem Alsener Sund führende Landstraße zu versperren, wurden bei dem Kirchdorfe Düppel schon im vorigen Jahre bedeutende Schanzen, im weiten Umkreise, mit Kanonen schweren Kalibers armirt, aufgeführt, und auch jetzt wieder, gleich nach Aufkündigung des Waffenstillstandes von dänischer Artillerie besetzt. Die deutschen Heerführer mögen zu der Einsicht ge- langr sein, daß die Eroberung Alsens, oder wenigstens die Ver­nichtung der von der Insel nach Sundewitt führenden Schiff­brücke unumgänglich nothwendig sei, um den Krieg mit einem Schlag zu endigen. Denn eben dieses Alsen diente den Dänen gewissermaßen als Fuchshöhle, aus welcher sie hervorbrachen, um auf Sundewitt irgend einen Raubzug auszuführen, oder mit Uebermacht eine der vorgeschobenen kleinern Abtheilungen des deutschen Heeres zu überfallen und nach verübtem Unheil sich eilig wieder nach der Insel unter den Schutz ihrer Schan­zen und Kriegsschiffe zurückzuziehen. Zu einer entscheidenden Schlacht aber wäre es doch nie gekommen, denn im offenen Felde, auf förmlichen Schlachtplan sich den Unsrigen gegen­über zu stellen, dazu war die dänische Armee bereits viel zu sehr entmuthigt und demoralistirt. Deßhalb war es nothwendig, um den nutzlosen Plänkeleien, Neckereien und den selbst völker­rechtswidrigen Raubzügen ein Ende zu machen, entweder die Dänen ganz von Alsen zu vertreiben, oder doch .wenigstens die von ihnen über den Sund gelegte Schiffbrücke zu zerstören, um ihnen den Weg nach Sundewitt abzuschneiden. Deßhalb war im Kriegsrathe der bayerischen und sächsischen Heerführer schon am 12. d. Mittags ein Sturm auf die Düppeler Schanzen beschlossen worden, und mit wahrer Kampfeslust nahmen die Truppen die Ordre auf, sich zum Vordringen marschfertig zu halten.

Schon während der Nacht wurden die verschiedenen Bataillone enger zusammengezogen, und beim Anbruch des Morgens begann die Operation. Die Bayern zogen, unge­fähr 5000 Mann stark, von Snogbeck, Satrup und Stenderup, die Sachsen unter Anführung ihres königlichen Prinzen Albert, circa 6000 Mann, von Atzbüll, Luudgart und Nübel herbei und einigten sich in der Gegend von Rackebüll, von wo auS sie die Düppeler Schanzen in Sicht bekamen und ihre Schlacht­ordnung entwickelten. Den rechten Flügel bildeten die Sachsen, den linken Flügel die Bayern, das Zentrum wurde von der vereinten Artillerie aus 6 Batterien, von einem Regimente bayerischer Kavallerie gedeckt, gebildet.

Ungefähr um 8 Uhr Morgens begann der Sturm; meße als 30 deutsche Geschütze von verschiedenem Kaliber eröffneten den Kampf, und die Dänen antworteten mit ihren 36 Kano­nen, mit welchen sie, da sie die Kartätschen gegen die offen vor ihnen entwickelten bayerischen und sächsischen Kolonnen weit wirksamer anwenden konnten, als die Unseren gegen die hinter den hohen Schanzen versteckten Feinde, anfangs großen Schaden anrichteten. Im wilden gegenseitigen Kampfe wurde leider die Düppeler Mühle und mehrere Höfe in Brand ge­schossen, ja sogar die Kirche stand in Gefahr, von den Flam­men ergriffen zu werden. Doch dies brach den Muth der wackern deutschen Truppen nicht, sie standen fest wie Mauern im stärksten Feuer, und mit wahrhaft begeistertem Hurrahrufe begrüßten sie das Kommando zum Sturm, und nun entwickelte sich ein Bajonettangriff, wie er seit den Zeiten der Napoleo­nischen Kaisergarde nicht wieder erlebt wurde. Die Trommeln wirbelten, die Hörner tönten, die Kanonendonnerten, und jauchzend, als ob es zum fröhlichsten Feste ging, stürmten die wackern Bayern und Sachsen mit dem Bajonette gegen die Schanzen. Wohl Viele wurden von den Kartätschen und vom Kleingewehrfeuer noch hingerafft, aber ob sich auch Leichen­berge um sie her bildeten, um so wüthender drangen die Deut­schen vor.

Endlich hatten sie die Schanzen erreicht, eS entspann sich ein K a m p f, Mann gegen Mann, Auge in Auge, und nach kurzem Widerstände wi­chen die Dänen, alle ihre Kanonen im Stiche las­send, flohen unaufhaltsam die Landstraße hinab