Trotz des heftigen FeuerS von Seiten der Dänen gegen unsere Batterie, war der Effekt sehr gering, Niemand wurde verwundet. Die Kanoniere machten sich das Vergnügen, die Granatenstücke und Kugeln, größtentheils 24Pfünber, zu sammeln.
Während der heftigen Kanonade setzte das Linienschiff 4 Böte mit Bemannung aus, die Anfangs nach dem Lande zu ruderten, aber keinen Landungsversuch machten. Der Kommandeur verlangte, daß die Strandbatterien sich ergeben sollten, was jedoch verweigert wurde.
In meiner Position hatte ich 28 Granaten und 120 Kugeln verfeuert. Der Erfolg des Gefechtes war bis hierher günstig für uns zu nennen; indem zwei Kriegsdampfschiffe so beschädigt waren, daß sie sich aus dem Feuer zurückziehen mußten. Ich benutzte die Zeit, um die Protzen von neuem mit Munition zu verpacken. Mittlerweile wurden Lebensmittel für die Mannschaft von einem nahe gelegenen Gute nothdürftig herbeigeschafft und vertheilt; die Pferde waren früher schon abgefüttert worden.
Um 471 Uhr Nachmittags erhielt ich von dem Chef des Generalstaabs, Obrist von Treitschke den ehrenvollen Auftrag, die Strandbatlerien bei Wiedereröffnung des Feuers zu unterstützen; es wurde mir glücklicherweise überlassen, die Position zu nehmen, wo ich wollte; aber Zeit war keine zu verlieren, indem die Waffenruhe jede Minute aufgehoben werden konnte.
Während des Marsches ritt ich vor, um mich zu überzeugen, ob ich die Batterie nicht mit Vorrheil auf der Südschanze placiren könnte; ich fand den inneren Raum dieser Schanze für vier Geschütze zu beschränkt und überhaupt die Stellung zu ungünstig, um ein wirksames Feuer auf das Schiff unterhalten zu können, da der Punkt zu hoch und die Schüsse zu bohrend gewesen wären. Daher ritt ich vor und ließ die Batterie verdeckt halten, um eine günstigere Position so nahe wie immer möglich am Strande und dem Schiffe zu nehmen; indem dadurch die Wirkung der Granatwürfe und Kartätschenschüsse bedeutend geschwächt wurde. Ein zweiter und Hauptgrund, der mich zu dieser Position veranlaßte, war die schräge Richtung, worin dieselbe mit dem Schiffe lag; da nach verbreiteten Gerüchten dasselbe fest saß und keine Bewegung nach der rechten oder linken Seite ausführen konnte, wodurch die Batterie dem ganzen Feuer einer Seite von 42 Geschützen ganz schweren Kalibers ausgesetzt worden wäre, und ihre Stellung, trotz der starken Brustwehren, nicht würde behaupten haben können.
Da eine Landung vor der Batterie nicht wohl ausführbar war, so ließ ich die Pferde ausspannen und in den Munitionspark führen, wo sie dem feindlichen Feuer weniger ausgesetzt waren; stellte sodann in der Nähe hinter den Geschützen, durch die Brustwehren geschützt, die Protzen und zwei Munitionswagen auf.
Um das Schiff bis zur Wasserfläche beschießen zu können, ließ ich Schießscharten ähnliche Einschnitte in die Brustwehren machen. Während dem ich mit den Einschnitten in die Brustwehren beschäftigt war, eilten 40 bis 50 Matrosen an den drei Masten hinauf, um die Segel aufzuspannen. Mittlerweile fiel der erste Schuß aus der nördlichen Strandbatterie, worauf ich das Feuer aus zwei Haubitzen und zwei Kanonen eröffnen ließ. Ich hielt mich an der Brustwehre, den Effekt der Schüsse zu beobachten und nöthigenfallS den Aufsatz zu verbessern. Die Wirkung der Geschosse, besonders die der Granaten war sehr groß. Nach einem halbstündigen Kampfe stieg aus dem Innern des Schiffes ein so gewaltiger Rauch auf, daß das ganze Schiff davon eingehüllt wurde und ich wenigstens fünf Minuten lang das Feuer einstellen mußte.
Zur Verhinderung des Aufspannens der Segel ließ ich vier Kartälschenschüsse abfeuern, wodurch diese Arbeit auch wirklich sehr gestört wurde, da die Matrosen größtentheils hinter den Masten ihre Zuflucht nahmen. Von dem Schiffe aus wurde mit sechs Geschützen schweren Kalibers beständig mit Kartätschen gegen die Batterie gefeuert, bei jedem Blitz dieser sechs Geschütze kommandirte ich nieder, worauf sich sämmtliche Mannschaft auf die Erde fallen ließ, wo die Kugeln über sie weggingen. Die Bedienung der Geschütze wurde überhaupt in knie end er Stellung verrichtet, und alle übrigen, an den Geschützen nicht beschäftigten Nummern lagen auf dem Boden; dieser Anordnung ist allein zu verdanken, daß trotz des mörderischen Feuers keine Verwundungen der Mannschaft vorkamen.
Auf dem Linienschiff singen sie nun an, nach der dem Feuer entgegengesetzten Seite, Kugeln und Granaten mit aller Eile in's Meer zu werfen und Alles aufzubieten, daS Schiff
flott zu machen; es gelang auch wirklich, und machte sodann Front gegen unsere Batterie und ließ alle Feuerschlünde gegen uns spielen, segelte dann ab, machte aber gleich wieder Halt, strich die dänische Flagge und ergab sich.
Ich halte es für meine Pflicht, den Eifer, die Ausdauer, sowie daS kaltblütige und besonnene Benehmen sämmtlicher Mannschaft, besonders der Unteroffiziere, rühmend zu erwähnen.
Zufolge eines Tagsbefehls sind die Leute, die sich in dem Kampfe besonders ausgezeichnet haben, namhaft gemacht worden, wovon ich ein Verzeichniß beilege.
Nachdem sich das Schiff ergeben hatte, schickte ich sogleich den Feuerwerker Jakobi zu Sr. Hoheit dem Herzog (von Sach- sen-Koburg), höchstdemselben Meldung von dem Ergebniß zu machen und begab mich an den Strand, dem Schiffe gegenüber. Als Se. Hoheit der Herzog ankam, sprang er aus dem Wagen und umarmte mich vor Freuden, ebenso der Chef vom Gene- ralstaab, Obrist von Treitschke. Ich bat Se. Hoheit, dem Kommandeur des Schiffes den Degen abfordern zu lassen, und um dieser Forderung Nachdruck zu geben, die Batterie in die Nähe des Schiffes aufzufahren.
Se. Hoheit schickten seinen Adjutanten, Rittmeister Fritsch auf das Schiff, um Besitz von demselben zu nehmen. Der Kommandeur, sowie sämmtliche Offiziere gaben ihre Degen ab und wurden mit der ganzen Mannschaft Kriegsgefangene. Mittlerweile hatte sich an dem Strande eine unzählige Menge Menschen eingefunden, deren Jubel kein Ende nehmen wollte.
Da das Schiff brannte, so wurde alles aufgeboten, um eS zu löschen und die Mannschaft zu retten; allein zwischen 8 und 9 Uhr flog es mit einer furchtbaren Erplosion in die Luft, an 200 Menschen, worunter namentlich Todte und Verwundete, gingen mit auf. Ein herzzerreißendes Schauspiel, die verbrannten, zwischen zersplitterten Balken geklemmten, auf die schrecklichste Art verstümmelten Menschengestalten füllten die Lust mit ihren Klagetönen. Die Matrosen sprangen von dem Linienschiff größtentheils in daS Wasser und schwammen an das Land, um gerettet zu werden.
Zwei Aerzte gingen mit in die Luft, sie wollten die Verwundeten nicht verlassen.
Die Fregatte Gefion hatte den Nachmittag keinen Schuß mehr gethan, sondern sämmtliche Mannschaft in den unteren Schiffsraum gezogen, weil das Schiff am Vormittag zu viel gelitten hatte. Ändere wollen behaupten, es sey eine Meuterei auf dem Schiffe ausgebrochen, und habe die Mannschaft zu fechten sich geweigert. ES wurden 916 Mann Gefangene gemacht, worunter 2 Kommandeure, 42 Offiziere und Militärbeamten waren, die TagS darauf nach Rendsburg abgeführt wurden.
Der Adjutant des Kommandeurs bat den Herzog nach der Uebergabe des Schiffes um die Erlaubniß, das Schiff noch einmal besuchen zu dürfen; er wurde bei der Erplosion desselben in's Meer geworfen, schwamm aber glücklich an'ö Ufer und meldete sich bei dem Herzog. Tags darauf besuchte ich den Kommandeur des Linienschiffes, Namens Paludan, ließ mich ihm vorstellen, und als ich ihm bemerkte, daß er Unglück gehabt habe, füllten sich seine Augen mit Thränen.
Ich ging sodann auf die Fregatte Gefion, aber welch' schauderhafter Anblick stellte sich hier meinen Augen dar: die Todten lagen wie Klafterholz aufgeschichtet, Sterbende und schwer Verwundete lagen zerstreut und ohne Verband umher, die nun schleunigst in das Hospital gebracht wurden. Die meisten Kanonen waren mit Blut und Stücken Menschenfleisch überdeckt. Hirnschädel waren mit den Haaren an die Bekleidungen des Schiffes eingeschlagen, es war im wahren Sinn des Wortes ein wahres Bild des Jammers und des Entsetzens.
Gegen Mittag nahm mich Se. Hoheit der Herzog nochmals mit auf das Schiff und gestattete mir, ein Andenken von demselben mitzunehmcn; ich nahm mir einen Traubenkartätschenschuß schweren Kalibers, einen dänischen Säbel, eine Pistole, ein Enterbeil und ein Perkussionsschloß, die ich zum Andenken mitbringen werde.
Am Nachmittag übergab mir Se. Hoheit der Herzog einen sehr schönen Säbel, der einem dänischen Schiffskapitän deS Linienschiffes gehört hatte, zum Andenken. Die beiden Kommandeure Paludan vom Linienschiffe und Mèyer von der Fregatte Cicfion behielten ihre Säbel. Die übrigen Artillerie- Offiziere erhielten Dolche.
Am ersten Ostertag, um 4 Uhr Nachmittags, fand die Beerdigung der Gefallenen mit militärischer Feierlichkeit statt. Eö waren: 2 dänische Offiziere, 42 dänische Soldaten, 1 Ar-
