Politik gehe ausschließlich dahin, die Türkei durch einen Gür- tel slavischer Nationen von dem übrigen Europa zu isoliren. Die Politik der deutschen Zentralgewalt freilich habe darin bestanden, für das preußische Erbkaiserthum im Innern zu in- triguiren, nach Außen aber nichts zu thun. — Wegen dieser Aeußerung wird Herr Vogt vom Präsidenten zur Ordnung gerufen. — Alle deutschen Regierungen haben das Doppelspiel seit dem Beginn unserer Revolution mit uns getrieben, daß sie in manchen Dingen deutsch zu seyn sich stellen, in andern aber sehr undeutsch handelten. Hier sey das Nöthigste versäumt worden. Daher stehe man denn jetzt am Abgrunde und nenne ein Kopfüberhineinftürzen „die rettende That." Hr. Vogt erklärt für sich und seine politischen Freunde, daß sie über den Welcker'schen Antrag für die einfache Tagesordnung stimmen würden. Für die Erbkaiseridee sind alle Hebel des Patriotismus und der Einschüchterung versucht worden. Auch mit der Gefahr der Oktroyirung hat man uns gedroht. Ich glaube nicht an eine Oktroyirung, nicht als ob den deutschen Regierungen die Vermessenheit dazu fehlte, sondern weil — sie nicht einig werden. Uebrigens ist die Tendenz unserer Zeit die, daß die Revolutionen zu ihren Ausgangsforderungen zurückkehren. In Frankreich ist sie bis auf die Kleinigkeit, daß Ludwig Philipp durch Napoleon ersetzt worden, zum Wahlgesetz und zu einem Ministerium Odilon Barrot zurückgekehrt. DaS Ministerium Odilon Barrot haben wir bereits (Gagern verneigt sich gegen den Redner) und unser Wahlgesetz wird die Vertretung des Volks beim Bundestage seyn. Preußen unter der Kaiserkrone werde sich nicht anders benehmen, als früher im Königthum. Auch an die Großherzigkeit und den Patriotismus der andern deutschen Fürsten glaubt Herr Vogt nicht, — „die in ihren Schlössern. umhergehen und mit den Worten gegen die Wände springen; ich lasse mich nicht mediatistren (Gelächter.)"
Endlich kommt der Redner auf den Welcker'schen Speck zurück. Wenn sich Preußen, bei allem Zusammenhalte in anderen Beziehungen, in legislativer wenigstens in Provinzen auflöste, das heißt wenn es künftig neben dem Frankfurter keinen Reichstag mehr in Berlin gebe — „so wäre damit vielleicht auch für mich der Speck gefunden." Geschähe dies nicht, so werde der Schwerpunkt des Reichs nicht in Frankfurt, sondern in Berlin liegen. Eine muthige Versammlung ernenne in Zeiten der Gefahr einen Diktator, aber keinen Erbkaiser. (Beifall.) Als der Moment da war, Oesterreich an Deutschland zu reißen, haben wir (von der Linken) vergebens um Ihre Hülfe gebettelt. Nun ist die Wunde da, an welcher das Vaterland kranken wird — bis die Gelegenheit wieder kommt. Ich verkaufe meine Freiheit nicht um den Absatz von so und so viel Ballen Waare oder um eine Heerde ungarischer Ochsen. Ich erkläre ferner meine tiefe Entrüstung über die Vorschläge der österreichischen Note, die ich ganz unannehmbar sinbe. Als wir Ihnen sagten, wenn wir cs litten, daß Wien genommen werde, so gehe uns Oesterreich in der Gesammtmo- narchie und für Deutschland verloren, so haben Sie uns keinen Glauben geschenkt. Eben so wenig glaubten Sie uns, als wir von Kamarilla, Reaktion und Säbelregiment Gesetze für Oesterreich verkündigten. Der Redner zeigt nun in pikanten Gegensätzen, wem die Ereignisse Recht gegeben. Aber was ich Ihnen vorschlage? Was Ihnen bei andern Gelegenheiten, wo es sich um Abtrennungen von Deutschland handelte, die HH. Wurm und Waitz vorschlugen und namentlich was Graf Deym Ihnen zuries: „Erobern Sie Oesterreich." Aber nicht durch einen Krieg, der ausgefochten wird unter dem Banner eines Erbkaisers, und sich dadurch als ein Haus- und Eroberungskrieg angekündigt, sondern durch einen Völkerkampf. Wir dürfen Oesterreich nicht verlassen in seinem Despotismus. Wir müssen es retten. Zwar ist gesagt worden, das sey kein guter Nachbar, der dem Nachbar Feuer ins HauS werfe, „wo aber die Wände aus Leichen erbaut und mit Blut gekittet sind, da ist's wohl ein Verdienst, den Scheiterhaufen anzuzünden, aus welchem sich der Phönix der deutschen Einheit erhebt."
Nachdem Herr Vogt feinen Vortrag unter dem anhaltenden Beifalle der linken Seite des Hauses und der Gallerie beendet hat, wird der Antrag auf Vertagung angenommen und die Sitzung 3 Uhr Nachmittags geschloffen. Die Forsetzung der Berathung findet Montag den 19. März statt.
Frankfurt, 17. März. (O.-P.-A.-Z.) Eine neue preußische Note, an die deutsche Centralgewalt gerichtet, ist nicht eingetroffen. Dagegen circulirt ein ceremonielles Antwortsschreiben der preußischen Regierung auf die ihr zugesandte österreichische Note.
Berlin, 15. März. (K. Z.) Nach der „Konstitutionellen Korrespondenz" wird in hiesigen diplomatischen Kreisen aufs bestimmteste versichert, daß der König erklärt habe, er werde die Kaiserwürde nur nach Zustimmung sämmtlicher deutschen Fürsten annehmen.
Der russische Gesandte soll nach derselben Konst. Korresp. im Namen seines Hofes ernstlichen Protest eingelegt haben gegen die Einverleibung der Kontingente der kleineren Nachbarländer in die preußische Armee.
Hamburg, 13. März. Die Börsenhalle erzählt, daß ein russisches Geschwader Ordre erhalten habe, in die Ostsee auszulaufen.
Wien, 13. März. (A. Z.) Fürst Windisch-Grätz hat den unmittelbaren Befehl über das Armeekorps an der obern Theiß dem Fcldmarschalllieutenant Schlick übergeben, über jenes an der unteren Theiß aber dem Banus; beide haben bereits die Offensive ergriffen, jener gegen Debreczin, dieser über Szolnok hinaus. Der Banus hat den so sehr bedrängten Siebenbürgern, die ihn mit einer Deputation beschickten, baldigste Hülfe zugesagt.
Wien, 13. März. (St. C.) Kudlich (nicht Löhner, der längst mit einem Reisepaß versehen war) wird nebst Violand und Füster steckbrieflich verfolgt; letzterer ist dem Vernehmen nach bei den preußischen Behörden reklamirt und von denselben ausgeliefert worden.
Wien, 14. März. (A. Z.) Gestern Vormittag war der Kirchhof auf der Schmelz von einer großen Menge Menschen besucht, Fiaker und sogar elegante Equipagen hielten vor dem Thore. Auf dem Grabe der 16 Märzleichen stand nach hiesiger Sitte eine große pyramidenförmige Laterne, welche die transparente Inschrift trug „die für die Freiheit Gefallenen. 13. März 1848." Ein Jmmortellenkranz und zwei ausgezeichnet schöne große Blumenkränze schmückten das Grab, an dem man fortwähreud andächtige Gruppen sah. Die ab- und zuwogende Menge beobachtete die würdigste Haltung, in vielen Augen glänzten Thränen. Der Besuch des Kirchhofs war bis Mittags durchaus unverwehrt, man sah weder Wachen noch Patrouillen, nur am Thore standen zwei Munizipalgardisten. Nach Mittag aber soll der Kirchhof geschloffen worden seyn, in Folge der unbesonnenen Demonstration der jungen Leute. Uebrigens war int Stephansdome nicht bloß eine stille Seelen- meffe bestellt worden, sondern ein solennes Requiem, und zwar durch ein Dämchen in so zweideutiger Art, daß diesem Ansuchen wohl zu keiner Zeit wäre Folge geleistet worden. Abends war ein großer Theil der Vorstadt Wieden erleuchtet, was auch sonst hier und da stattfand, jedoch ohne weitere Demonstrationen. Gegen 10 Uhr erschienen jedoch starke Patrouillen, und die Lichter mußten von den Fenstern weggenommen werden. Der heutige Tag ging ohne die geringste Störung vorüber.
Ein hiesiges konservatives Blatt will wissen, daß Jellachich in Folge einer Vergiftung erkrankt sey, und fügt hinzu, daß er seit einiger Zeit ohnedieß in schlechtem Einvernehmen mit dem kaiserlichen Hofe lebe.
Wien, 15. März. Ein so eben erschienenes Armee- bülletin berichtet aus Siebenbürgen, daß nach einem siegreichen Avantgardegefecht die Insurgenten sich in Eile nach Maras-Vasarhely zurückgezogen haben, wodurch die Verbindung des Malkovky'schen Korps und Oberst Urban möglich seyn wird. Die engere Zernirung von Komorn ist zu Stande gebracht. Jedoch wird durch dies Bülletin auch der Aufstand des bewaffneten Landsturmes an, der Donau und die dadurch unterbrochene Verbindung, sowie daß eine Verstärkung auf 15 Schleppschiffen dorthin abgegangen ist, bestätigt. — Graf Nugent betreibt die Unterhandlungen wegen Uebergabe der Festung Peterwardein, wozu große Hoffnung vorhanden seyn soll. (F. I.)
Prag, 14. März. Auf dem Lande, namentlich in etlichen deutsch-böhmischen Städten, herrscht Gährung. Es sind unter den Tschechen selbst zahlreiche Stimmen laut geworden, welche die Vornahme der Frankfurter Wahlen in den tschechischen Bezirken wünschen. Dieser Plan wird indeß noch vielfältig be- stritren und ist keineswegs als gereift anzusehen.
— In Agram ist die Kunde von der oktroyirten Verfassung mit dem entschiedensten Mißfallen ausgenommen wyrden.
