bezeichnet*) und hat außer dem einen Bürgen und Selbstzahler zu stellen.
8. 8. Der Ortsvorstaud überwacht die Ankäufe des Viehs und kann ohne Zustimmung desselben ein rechtsgültiges Handelsgeschäft, wofür die Gelder aus dieser Hilfskasse entnommen werden sollen, ohne ausdrückliche Zustimmung des ganzen Orts, Vorstandes, oder eines einzeln hierzu von dem übrigen Ortsvorstande ausdrücklich autorisieren Mitgliedes, nicht abgeschlossen werden.
8. 9. An dem angeschafften Vieh bleibt das Eigenthums- recht der Gemeinde bis zur gänzlichen Auszahlung vorbehalten und kann und darf nie für andere Schulden gepfändet werden. Bei eintretendem Konkurse ist die Gemeinde nicht gehalten ihre Forderung bei dem Konkursprozesse anzumelden, sondern ihr steht das Recht zu, ras aus der Hilfskasse angeschaffte Vieh zu verkaufen, ihr Guthaben vorerst abzuziehen und der Konkursmasse den Ueberschuß zu überweisen, den etwaigen Min- dererlös dagegen bei derselben zu liquidiren.
8. 10. Der Ortsvorstand und die Mitglieder des kand- wirthschaftlichen Lokalvereins übernehmen die Verpflichtung darüber zu wachen, daß das aus der Hilsskasse angeschaffte Vieh, von den Besitzern, in einem beständig guten Stande erhalten wird.
8. 11. Wird ein oder das andere Stück Vieh von dem Inhaber offenbar vernachlässigt oder derart behandelt, daß ein offenbarer Minderwerih desselben erfolgt, so hat der Ortsvorstand nicht allein die Befugniß, sondern auch die Verpflichtung, das oder die Stücke Vieh dem Besitzer wegzunehmen, zu verkaufen und den Mindererlös, des noch in die Hilfskasfe schuldigen Betrags von dem Debenten oder dessen Bürgen und Sölbstzahler beizutreiben, aber den Mehrerlös ihm zuzustellen.
8. 12. Die Rückzahlung der empfangenen Unterstützung wird von dem Empfänger binnen 4 Jah en, jedes Jahr auf Martini zum vierten Theile mit 5 pCt. Zinsen und 1 kr. Hebgebühr vom Gulden, an den Gemeinderechner geleistet.
8. 13. Der Gemeinderechner empfängt für die Erhebung außer der in §. 12 bestimmten Hebgebühr keine weitere Vergütung für die Erhebung. (Schluß folgt.)
München, 12. Februar. Noch bis zu diesem Augenblicke 9 Uhr AbendS kann ich Ihnen keine sichere Mittheilung über eine etwaige Ministerkombination machen, denn diejenige, welche seit dem frühen Morgen als in Aussicht stehend bezeichnet wird, beruht bis zu dem gegenwärtigen Augenblicke auf nichts mehr als einer Vermuthung, v. Weishaupt, Ringelmann, v. Herrmann, Graf Giech sind die bezeichneten Männer; allein aus zuverlässiger Quelle kann ich Ihnen die Versicherung geben, ' daß eine solche Zusammensetzung des Gesammtministeriums noch nicht in Anregung gekommen ist.
Vom Harz, 7. Febr. Die Goldgruben in Cali- forni en erregen bei unseren Bergleuten eine sieberhafte Spannung; sie träumen Tag und Nacht von dem fernen Lande, seit sie gehört haben, daß ein Mensch, der vom Bergwesen nichts versteht, am San Sakramentoflusse täglich bis" zu 30 Thaler Gold auS dem Schlamme wusch. Viele sind geneigt, abzuziehen und wie ich höre, bilden sich sogar bei ihnen im Unterlande ein paar Aktienvereine, welche in Californien Ausbeute zu machen hoffen. Wenn sie sich nur nicht verrechnen!
Wien, 10. Febr. Die Nachricht von der Besetzung von Tokay durch die kaiserlichen Truppen entbehrt noch der Bestätigung. Aus Pesth sind mehrere Truppenabtheilungen unter Kommando des Feldmarschalllieutenants Ramberg zur Verstärkung des vor Komorn stehenden Korps abgegangen, um diese Festung enger zu zerniren. Zwischen hier und Preßburg beginnt wieder mit nächster Woche die regelmäßige Dampfschifffahrtsverbindung — vorläufig zweimal in der Woche hin und zurück. Meßaros befindet sich gegenwärtig wieder in Debreczin an der Seite Koffuth's als Kriegsminister, nachdem das Kommando über sein Korps dem General Chlapka, einem Polen, übertragen worden. Zugleich heißt es, daß der Kossuth'sche Landesausschuß den General Perczel zum Gouverneur in Siebenbürgen ernannt habe! Das Kommando über das Perczel'sche Korps hat, wie bereits gemeldet wurde, der polnische General Dembinski übernommen.
Wien, 10. Febr. (A. Z.) Zwischen Szolnok und St. Miklos soll zwischen den Ungarn unter General Dembinski
*) Dieser Nachsatz ist durch den Gemeinderath hinzugesetzt worden.
und den kaiserlichen Truppen unter dem Feldmarschalllieutenant Ottinger ein hartnäckiges Gefecht stattgefunden haben, bei welchen beide Korps ihr Positionen behauptet haben sollen. Das Gefecht soll einen ganzen Tag gedauert haben. Der unselige Vorfall in Gratz gegen den unglücklichen Redakteur Gretschnigg hat hier die größte Sensation gemacht. (Eine Anzahl Soldaten war in die Wohnung des radikalen Redakteurs, der sich viele Ausfälle gegen Windisch-Grätz erlaubt hatte, gedrungen, und hatte ihn tödtlich mißhandelt.) Man ist sehr gespannt darauf, wie das Ministerium sich in dieser Angelegenheit, welche die größte Strenge und Unparteilichkeit fordert, benehmen wird.
I t a l i e n.
Gegen die Schweizer ist in ganz Italien die längst herrschende seindselige Stimmung zum wüthenden Haß ausgcwach- fen.. Die Hülfe, die sie dem Despotismus in Neapel und Sizilien geleistet, die fortdauernden neuen Werbungen für gleiche Dienste, ihre Stellung in Bologna und Rom, die strengen Verfügungen der Bunvesbehörden gegen die italienischen Flüchtlinge im Tessin, alles das hat den schweizerischen Namen in der Halbinsel zum Gegenstand der furchtbarsten Anklagen gemacht. In Livorno, Genua, Venedig re. verlangt man Einstellung der Werbungen für den neapolitanischen Söldnerdienst, widrigenfalls man droht, gegen alle Schweizer zu thun, was Radetzky gegen die Tessiner gethan: sie von Haus und Hof zu treiben und vom italienischen Boden zu verbannen.
Rom, 5. Febr. Heute ist die römische Nationalversammlung vom Minister des Innern feierlich eröffnet worden. Von etwa 200 Deputaten waren bereits 140 anwesend. In der Eröffnungsrede ist auf die Unverträglichkeit der zeitlichen und geistlichen Herrschaft hingewiesen worden. Die Stadt ist voll Jubel.
Rom, 5. Febr. Gegen die Ausländer warb in den letzten Tägen strenge Polizei geübt; Viele waren ausgewiesen worden, ein Schicksal, das selbst Solchen drohte, die seit Jah« ren in dem gastlichen Rom ansässig gewesen.
Sprechsaal
für Stadt u n d L a n d.
** Wiesbaden, 14. Febr. Durch die Aufhebung des Spiels und den damit im Zusammenhang stehenden Ausfall des Beitrags des Spielpächters an die Theaterkasse ist der Bestand des hiesigen Theaters neuerdings wieder schwankender geworden. Da dessen Fortdauer aber für unseren Kurort eine Lebensfrage ist, so muß auf alle Mittel gedacht werden, jene möglich zu machen. Ein sehr belangreiches Mittel zur Erreichung dieses Zweckes dürfte vielleicht in der Ausführung deö nachstehenden Vorschlages gelegen seyn, welchen wir daher auch der Theaterkommission aufs wärmste zur Berücksichtigung empfehlen. In unserer Nachbarstadt Mainz wird dem Vernehmen nach in diesen Tagen die letzte Theatervorstellung seyn. Da aber dortselbst sicher sehr Viele auf den Genuß eines Theaters nur ungern verzichten, so schlagen wir vor, die Theaterkommission möge sich mit der Eisenbahndirektion in's Benehmen setzen, daß diese an den Theaterlagen zwei Ertrazüge veranstalte, wovon der eine gerade vor Beginn des Theaters von Mainz nach Wiesbaden und der andere nach Schluß desselben von da nach Mainz fährt. Dieselbe Einrichtung hat die badische Eisenbahndireklion im Interesse der Bewohner von Heidelberg und des Theaters von Mannheim getroffen. Unserem Theater könnte wohl auf diese Weise eine nicht unbedeutende Einnahme zugewendet und dadurch die Möglichkeit mancher Erweiterungen und Verbesserungen verschafft werden. Ein Hinderniß der Ausführung dieses Vorschlages könnte in dem Festungöreglemcnt von Mainz gelegen seyn, welches vielleicht so spätes Eintreffen von Bahnzügen nicht gestattet; diesem ließe sich etwa dadurch abhelfen, daß man die Theatervorstellungen mindestens im Winter um 6 Uhr anfangen ließe. We-
