Nassauische
Allgemeine Zeitung.
M »2 Mittwoch den 7. Februar 1849.
Zweite Ausgabe.
Uebersicht.
Zeitungsschau.
Deutschland. Bon der Lahn (Der allgemeine Religionsunterricht). — Frankfurt (Reichstag. Rückgabe der Waffen). — Ka ssel (Die dortigen Wirren. Neuer Zopf). — Berlin (Neue Vorschläge der Regierung. Statistische Nachweisungen über die Urwähler). — Altona (Kaperbriefe).
Frankreich. Paris (Tagesbericht).
Sprechsaal für Stadt und Land.
und für praktische Zwecke unbrauchbar erscheinen. Herr Weil hat einen sechsjährigen Kontrakt gemacht, der ihm aus diese sechs Jahre einen Gehalt von 3000 Thlr. unter allen Eventualitäten sichert. Zu jährlichen Honorarzahlungen und für die Unterredakteure rc. sind jährlich 20,000 Thlr. bestimmt. Hansemann selbst hat übrigens nicht über 1000 Thlr. gezeichnet, aber eben so gewiß ist es, daß der Staat bei diesem Blatte sich durch keine Fonds betheiligt hat. Die Haltung des Blattes soll ganz allein Sache des Redakteurs en chef seyn und möglichst- immer mit der Majorität gehen. Ein glänzendes Feuilleton, nach Art des Feuilletons der „Debats", soll unter einer eigenen Redaktion die Abonnentenzahl des Blattes vermehren helfen.
Zeitungsschau.
Der „Zeitung für Norddeutschland" wird über die mehrfach besprochene H a n se m ann' sche Zeitung geschrieben:
Der Gedanke des Herrn Hansemann, eine Zeitung im großen Style nach Art des Pariser „Journal des Debats" und der Londoner „Times" zu gründen, ist nicht von heute 1 nb gestern. Schon im Frühlinge des Jahres 1847, gleich beim Beginne seiner ministeriellen Laufbahn, fühlte er das Bedürfniß , ein solches Organ für seine politische und finanzielle Doktrin zu haben, welches im Sinne des konservativen Liberalismus ihm eine starke Regierung begründen hülfe. Gemeinsam mit seinem Freunde, dem zum Seehandlungsdirektor erhobenen Hrn. Bloch, betrieb er die Realisirung dieses Plans. Für die Ausführung wurden journalistische Redaktionsnotabi- Htäten theils konsullirt, theils zu gewinnen gesucht, und die Herren Karl Brüggemann und Karl Andree wurden in den Zeitungen namentlich als solche genannt, auf welche man besonders dabei sein Augenmerk gerichtet hatte. Indessen zerschlug sich damals die Sache. Theils konnten von vornherein die zu Rathe gezogenen und eventuell für die Ausführung des Plans bestimmten sich nicht mit den politischen Ansichten und Grundsätzen Hrn. Hansemann'S vereinigen, theils waren überhaupt die Zustande noch allzuschwankend, als daß Männer von journalistischem Rufe sich mit dem Geiste, und die Männer des Geldes mit den sehr zweifelhaften Chancen deS projektirten Unternehmens einlassen mochten. Seitdem haben dir Dinge durch festere Umgrenzung der Märzerrungenschaften, und. Dank dem Belagerungszustände der preußischen Hauptstadt, eine bestimmtere Gestalt gewonnen. Und sofort schien es auch Herrn Hansemann an der Zeit, seinen früher vertagten Plan zu erneuern. Seiner rastlosen Energie, mit welcher er die Berliner sowie die rheinländischen Geldleute zum Theil persönlich er# muthigte, verbunden mit seiner einflußreichen Finanzstellung, gelang es, indem er fast Haus bei Haus die Aktien unterbrachte, den Beginn des Unternehmens, gegründet auf ein Kapital von beiläufig 80,000 Thlr. (für den Anfang), zu sichern. Als Redalteur en chef ward Herr Dr. Weil, Herausgeber der konstitutionellen Jahrbücher, gewonnen. Herr Hansemann sucht überhaupt die süddeutschen journalistischen Kräfte für seine Zeitung, heranzuziehen, da ihm die norddeutschen als Ideologen
Arnold Ruge schreibt an die „Magdeburger Zeitung": Herr Rebakteur! Ihre Zeitung vom 29. Januar wiederholt das böswillige Gerücht, der Unterzeichnete sey von „der Anarchie zum Kaiserthum" übergegangen; Sie erlauben mir wohl die Berichtigung, daß unser „Kaiserthum" nach Gelegenheit die schönste „Anarchie war und, wenn man es wiederherzustellen vermöchte, dies auch wieder seyn würde. Ich bin noch immer für die „Anarchie"-; der Mensch ist dazu bestimmt, in der „Herrenlosigkeit" zu leben, und im Selfgovernement wird er nicht von Außen beherrscht. — Im Dezember habe ich meinen Frennden gegenüber die Ansicht ausgesprochen: man müsse jetzt retten was zu retten wäre und das äußerösterreichische Deutschland unter Preußen mit einer einzigen gesetzgebenden Nationalversammlung vereinigen, d. h. in's Deutsche übersetzt, man sollte in Frankfurt die Einheit, welche in.der Nationalversammlung schon vorhanden ist, ernstlich nehmen und die Meviati- sirung aller Einzelstaaten, welche ebenfalls in der „souveränen" Frankfurter Nationalversammlung schon vorhanden ist, wirklich vollziehen. Sie werden mir zugeben, daß dies noch immer „Anarchie", nämlich Selbstbeherrschung des deutschen Volkes, und kein „Kaiserthum" ist, selbst wenn die Dynasten in ihren Hauptstädten „die ersten Diener" des neuen deutschen Staates und seiner Gesetze blieben; und Ihr Leipziger Korrespondent hat sich in meiner Anarchie sowohl als in meinem Kaiserthum geirrt. Nur darin wird er Recht haben, daß wir Deutsche noch viel Zeit brauchen werden, bis wir das Selbstregiment der Nörd - Amerikaner (auf Griechisch die Anarchie) erreichen.
Die Londoner Blätter beschäftigen sich sämmtlich mit Kommentirung der Thronrede. Darin stimmen alle überein, daß dieselbe unbezeichnend und farblos ist, sowohl in Betreff der inneren Zustände, als der Beziehungen zu dem Auslande. (Aus diesem Grunde haben wir auch die Mittheilung derselben unterlassen. Die Red.)
