Frankfurt, 1. Febr. (Frankf. Ztg.) Schon seit längerer Zeit bemüht man sich, in hiesiger Stadt Gerüchte von bevor- stehenden Unruhen auszubreiten, ja man erzählt sich sogar, daß schon militärische Maßregeln dagegen ergriffen worden seyen. An den letzteren ist kein wahres Wort, und was die Gerüchte betrifft, so scheinen sie uns aus derselben Quelle herzurühren, welche vor vier Wochen die süddeutschen Höse mit Mord- und Brandbriefen überfluthete.
Die von einem hiesigen Lokalblatte erzählte Duellgeschichte zwischen einem Frankfurter und mehreren preußischen Offizieren scheint ebenfalls aus der Luft gegriffen zu seyn.
Frankfurt, 28. Jan. (A. Z.) Der konstituirende Körper der Miniaturrepublik ist jetzt viel beschäftigt mit Durchführung der Grundrechte, wobei man sich ziemlich im Sande der Details verläuft. Auch etliche Albernheiten kommen vor. So wurde der Antrag gestellt, da nach den Grundrechten Jeder vor dem Gesetze gleich sey, die Benefizien der Frauen im Konkurs aufzuheben, wo man denn konsequent auch die Privilegien der Minderjährigen, der Geisteskranken, Verschwender und personae rniserabiles ab schaffen müßte. Dagegen sind heute mit einem Schlag alle Judengesetze abgeschafft, unv der Israelit ist Staatsbürger wie jeder andere, und zu jeglichem Amte befähigt. Bekanntlich hatte Napoleon schon die Beschränkungen der Juden aufgehoben, aber die Frankfurter Patrizier stellten 1815 die alten Satzungen der Väter wieder her. Jetzt genehmigt die Konstituante einstimmig die gerechte Vorlage des Senats — wer denkt da nicht an die edlen Gebeine auf dem Père la Chaise ?
Koblenz, den 23. Jan. Am Ende der verflossenen Woche fand hier eine große Konferenz von Segelschiffern vom preußischen Nheine sowohl, als den übrigen deutschen Rheinuferstaaten Statt. Im Interesse der Segelschifffahrt hat nämlich unsere Staatsregierung die Segelschiffer aufgefordert, in Innungen zusammenzutreten, um Schleppvampfboote zum Schleppdienst für diese Innungen bauen zu lassen, in welchem Falle sie die zum Bau nöthigen Vorschüsse hergeben, und die Segelschiffer sich dabei betheiligen lassen wollen. Diese Konferenz hat denn auch das gewünschte Resultat gehabt, indem man sich über die Bildung der Innungen verständigt und den Antrag aus _ den Bau von sechs neuen Dampfschleppbooten für diese Innungen gestellt hat. (Düsseld. Z.)
Mannheim. Die „Bad. Zeitung" von gestern brachte die Nachricht, „daß im Oberlande ein dritter Freischaarenzug bevorstünde, welcher allem Anscheine nach noch vor Dem Zusammentritt des Geschwornengerichts stattfinden solle."
Karlsruhe, 29. Jan. (79ste Sitzung der ersten Kammer.) An der Tagesordnung war der Kommissionsbericht über den Entwurf, die neuen Verwaltungsbehörden betreffend. Staatsrath Bekk führte dabei in glänzender Rede die Motive des neuen Gesetzes an. Die frühern Kreisdirektionen seyen im Ansehen gesunken gewesen. Auch hätten sie den Mangel einer starken Zentralisation, weßhalb denn auch zehn Kreise errichtet werden sollten. Drei Wege wären offen gewesen. Man konnte in jedem Amte Bürger als Ausschuß beiziehen, aber dadurch hätte man leicht einen parteiischen Körper geschaffen, da jedem Einzelnen die Gegenstände der Verwaltung zu nahe gewesen wären. Oder man besetzte Aemter und Kreisregicrun- gen mit einem Bürgerausschuß. Dieß wäre jedoch dem Lande eine doppelt theure Verwaltung gewesen. Daher wählte man das letztere, die Eintheilung in zehn Kreise und die Verstärkung der Kreisregierung durch bürgerliche Beisitzer. Damit erreiche man die wünschenswerthe Periodizität der Ausschüsse, es stehe nur eine Behörde zwischen Gemeinde und Zentralregierung, die Gefahr der Parteilichkeit sey entfernter, die Verwaltung näher und bas ganze Institut nicht kostspieliger als das frühere. Man nahm hierauf außer einigen wesenlosen Modifikationen den Kommissionsbericht an.
München, 30. Jan. (A. Z.) In Folge königlichen Erlasses ist bei unserem Militär die Verbrechensstrafe des „Festungsarrestes in erweiterter oder enger Verwahrung" aufgehoben, und festgesetzt worden, daß bezüglich der nach den bisherigen Bestimmungen mit Festungsarrest bedrohten strafbaren Handlungen lediglich die im Art. 27 Th. I. des Strafgesetzbuches mit gleichem Namen bezeichnete gemeine Vergehensstrase in nwendung zu bringen sey. Hiezu wird noch bemerkt, wie es
unzweifelhaft Fälle gibt, in denen neben der gemeinen Ver, gehensstrafe des Ffftungsarrestes als Hauptstrafe auch die einfache Entlassung des Offiziers oder Militärbeamten erkannt werden darf, und von Amtswegen erkannt werden muß, wenn der militärische Charakter des Offiziers oder Beamten durch das Vergehen verletzt wird.
Leipzig, 29. Jan. Der Magdeburger Zeitung wird geschrieben: Auch unsere Republikaner haben in einer Volksversammlung am Sonnabend Abend zu beschließen geruht, man müsse für jetzt das Ministerium noch halten, und das, obwohl einige gewichtige Politiker die tiefsinnige Frage aufwarfen, ob man denn überhaupt ein Ministerium brauche? Wahrscheinlich sollte nach ihrer Meinung der Jäckelsche Vaterlandsverein die Regierung direkt in die Hand nehmen.
Hannover, 28. Jan. Es wird aus guter Quelle versichert, die Regierung beabsichtige, baldigst die diesseitige Gesandtschaft in Rom eingehen zu lassen. Hoffentlich ist' diese- der erste Schritt alle hannover'schen Gesandtschaften aufzulösen, die unendlich viel gekostet und nicht viel genützt haben.
Berlin, 31. Jan. Die Festung Spandau ist, wie die meisten innerer östlichen Festungen, vollständig auf Kriegsfuß gesetzt worden, Alle übrigen Festungen des Staats folgen in kürzester Frist nach; zunächst beginnt die Armirung Magdeburgs.
Prag, 30. Jan. Die Gefangennahme Kossuth S wird vom „Konstitutionellen Blatt aus Böhmen" nach der „Slovanska Lipa" bestätigt. Dort heißt es nämlich auS Brody, 23. Januar: Mit Estafette gelangte gestern hierher die Nachricht, daß der ungarische Agtitator Kossuth in Kli- metz, einem Dorfe des Stryer Kreises, vrn den Deutschmeistern gefangen und sogleich nach Lemberg abgeführt worden sey. Man erwartet auch, des Generals Bem bald habhaft zu werden. So wäre denn der ungarische Krieg weit schneller als man es erwarten konnte, beendigt. Die Voraussetzungen, daß Kossuth bei Debreczin noch eine entscheidende Schlacht wagen würve, waren also irrig.
Vorgestern früh soll ein Kurier Radetzky's in Ollmütz angelangt seyn, der das höchst dringende Verlangen Desselben gebracht, ihm eine Verstärkung von 80,000 Mann zukommen zu lassen. Darauf wurde gleich große Konferenz der Minister gehalten, wobei der Kaiser den Vorsitz führte. Man beschloß, den Fürsten Windisch-Grätz und den Banus Jellachich zu einer am 3. Februar in Ollmütz stattfindenden Konferenz einzuladen.
Heute erfährt man, daß gestern der Beschluß gefaßt sey, aus den deutschen Provinzen mit Ausnahme Wiens sämmtliche Truppen nach Italien zu senden und die Nationalgarden zum innern Dienste zu verwenden. Es heißt sogar, daß die akademische Legion wieder errichtet werde. Jedoch soll Der Oberbefehl nur Offizieren der Armee anvertraut werden.
Wien, 28. Jan. (A. Z.) Wenn gestern wenige Stunden nach der Hinrichtung eines Schneiders, bei welchem Waffen verborgen gefunden wurden, wieder in der Gegend veS rothen Hauses auf eine Militärpatrouille und zu gleicher Zeit in der, selben Gegend auf einen Wachtposten auf der Schottenthorbastei ^geschossen wurde, so fragt man sich mit Recht, welches wahnsinnige Wesen in dieser Gegend sein Spiel treibe. Roch ist es nicht gelungen eine Spur des Thäters auszufinden, und * doch wurde das rothe Haus zu wiederholtenmalen umzingelt und in allen seinen Winkeln untersucht. Zudem gehört daS Gebäude dem Fürsten Paul Esterhazy, und seine Bewohner waren von jeher in der Nachbarschaft wegen ihres Schwarzgelbthums bekannt. Können wir uns daher wundern, wenn jene räthselhaften Schlüsse zu allerlei Gerüchten Veran^ffung geben, und daß ein großer Theil des aufgeregten Publikums geneigt ist, zu glauben, es sey das Ganze eine Komödie, um Die Aufhebung des Belagerungszustandes unmöglich zu machen?
"Gestern soll ein Schuß in der That bloß zufällig geschehen seyn, aber viele Kugeln trafen schon mehr oder minder hart, und die Offiziere hört man oft den Gouverneur Weiden anklagen, weil er nicht durch schärfere Maßregeln den Soldaten zu schützen wisse. Wir wissen wahrlich nicht wie der Soldat gegen Meuchelmord sichergcstellt werden kann, nachdem man es an abschreckenden Beispielen ohnedieß nicht hat fehlen lassen.
