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geschickte Handlungen daS Lager der Republikaner wieder mit den Schaaren der Schwankenden zu füllen. Es scheint ihr sicherer, die Stimme des Volks bei den Wnhlen der legislativ ven Versammlung wieder unter ähnliche „leidende" Einwir­kungen zu stellen, wie die waren, welche ihr in der konstitui- renden das Ucbergewicht verschafften.

Wie aus dieser Verwirrung, deren Elemente der Wider­spruch zwischen der eben geschaffenen StaatSform und dem Willen der Nation, die immer mehr «^schwellende Opposition gegen die Tyrannei der Hauptstadt und die trotzdem noch be­stimmende Macbt derselben, die glühende Feindschaft der Par­teien und die daneben bestehende Gleichheit derselben in den Mitteln der Intrigue und der Herrschsucht, daS dringende Be­dürfniß nach Ruhe und Festigkeit aller Verhältnisse und die damit streitende Enischlossenheir aller Parteien, im Nothfall durch Gewalt den Sieg zu erkämpfen, endlich der gestimmte Zustand voll riesenhafter Schwierigkeiten und verwickelter Pro­bleme und die nie gesehene Armuth beherrschender und schaf­fender Persönlichkeiten — wie das Land aus dieser Verwirrung einen Ausweg finden wird, das zu sagen, würde nicht Ein­sicht, sondern Sehergabe erheischen, und doch ist auch dieser Zustand, bei dem wir die innersten und geheimsten Krankheiten der französischen Gesellschaft noch sogar unberücksichtigt gelassen haben, nicht ohne eine Aussicht der Besserung.

Bei dem täglich wahrscheinlicher werdenden Wiederaus­bruche der Feindseligkeiten zwischen der Lombardei und Sar­dinien ist cs interessant zu vernehmen, was dem „Republikano" aus Turin über die lombardischen Flüchtlinge geschrieben wird: „Die Lombarden vermehren sich hher mit jedem Tage, aber nicht in gleichem Verhältniß die lombardische Division. Emigrirte sind hier in überaus großer Zahl, aber wenige, sehr wenige nehmen Dienst. Nichtsdestoweniger sind sie von der Regierung und der Bevölkerung gut ausgenommen und unter­stützt. Turin ist ganz angefüllt, und das war wahrlich keine tröstliche Sache. Welch eine Jugend, die täglich müßig geht und nach Kriegsnachrichten fragt, wie-wenn sic selbst die Sache gar nichts anginge! Wenn sie in Piemont nicht Dienst neh­men wollen, warum gehen sie nicht nach Toscana , um sich anwerben zu lassen? Wenn alle hier befindlichen lombardischen Ausreißer und Flüchtlinge Dienst nähmen, das piemonteflsche Heer würde eine außerordentliche Verstärkung erhalten. Und wenn das Heer gut und stark organisirt ist, so würde man keine Betrügereien und Verrâthereien mehr zu befürchten haben. Aber indem sie sich diesem schmählichen Müßiggänge hingeben, überlassen sie cs den Piemontesen allein zu kämpfen. Auf diese Weise fühlt sich der piemontesische Soldat allein. Darum wird daS Benehmen der adeligen und reichen Lombarden immer ekelhafter, indem sie in Turin ihr altes schönes Mailänder Leben führen. Mit ihren Pferden, ihren Karrossen und ihren Schönen scheinen sie sich nicht im Eril zu seyn, und geben kein Zeichen, daß Andere das Elend und die Erniedrigung der Verbannung leiden. Sie haben nichts im Munde als den König und sein Heer, und machen eS sich bei ihrer Feigheit sehr bequem. Es sind nicht Alle so, aber ich sage eS mit Scham, die größte Zahl. DaS ist die schlimmste Wunde nicht nur der Emigration, sondern selbst der Sache der Unab­hängigkeit."

Die Bewegung in Paris.

□ Paris, 29. Jan. (8 Uhr Morgens). Man schlägt den Rapell im Ersten Arrondissement. Das hat nichts zu be­deuten. Die erste Legion soll sich nur versammeln, um ihren neugewählten Obersten General Gourgaud in den elysäischen Feldern anzuerkennen.

Wie wir so eben hören, ging diese Förmlichkeit ruhig vorüber.

11 Uhr. Die Sache wird ernster. Der Rapell erschallt in allen Arrondissements. Die Boulevards füllen sich mit Menschen; man eilt an die Fenster und frägt sich: ob es los- gche? Die arbeiterreichen Viertel von St. Dcnie, St Mar­tin )c. sc. sind fast unbefahrbar, so groß ist das Gedränge. „Wir müssen die Nationalversammlung schützen" — hört man aus den Gruppen.

1 1% Uhr. Eben verbreitet sich das Gerücht, die Mo, bijgarde rücke heran, um ihre BataillonSchefs zu befreien,

die Changarnier in das Militärgefängniß werfen ließ. Auch von der Linie wurden im Laufe des gestrigen TageS mehrere SergantmajorS in jenes Gefängniß geworfen.

Es scheint, der Andrang nach dem Koukordienplatz ist sehr stark. Da das Gerücht geht: die 1., 2. und 10. Legion wollten einen royalistischen 15. Mai gegen die Nationalver­sammlung wagen, so wollen Volk und andere Legionen nicht müßig daheim bleiben, sondern ebenfalls zum Schutze der Versammlung dahin aufbrechen.

12 Uhr. Der Rappel dauert fort. Ordonanzoffiziere reiten durch die Straßen. Wir eilen in die Nationalversamm­lung, um uns eines zweiten 15. Mai zu gewärtigen.

Das Ministerium will allen Stürmen Trotz bieten. Wäh­rend die Trommel alle Legionen zu den Waffen ruft-, bringt der „Moniteur" folgende lakonische Erklärung, die unsere gestrige Nachmittagsmeldung vollständig bestätigt:

„Der Ministerrath hat sich im Elysee-National versam­melt. Nach Anhörung eines Berichts über die Ereignisse in der Sitzung der Nationalversammmlung (vom Sonnabend) hat der Präsident erklärt, daß er darin kein Motiv sehe, keine Po­litik zu ändern, und daß das Kabinet auf seine feste und ausdauernde Unterstützung rechnen könne."

Herr Barrot knüpft darum folgende offizielle Anzeige daran:

„Der Justizminister (Barrot) wird am nächsten Dienstage, 30. Januar nicht empfangen. Dagegen werden sich seine Säle an allen nächstfolgenden Dienstagen wieder öffnen."

Generalissimus Changarnier hat, einem Morgenblatte zu­folge, folgenden strategischen Plan seinem Gcneralstabe mitge­theilt: „.....Die beiden Seine-Ufer sollen vollständig isolirt werden. Jede Brücke wird in eine Art Festung umgewandelt. Von hier aus sollen die widersätzigen Stadttheile mit Kanonen und Wurfgeschütze bestrichen werden.

Sämmtliche demokratische Blätter, mit dem „Peuple" an ihrer Spitze, beschwören das Volk, sich nicht früher zu erheben, als bis sie es dazu aufrufen.

„An das Volk! Die finstersten Gerüchte laufen über die freiheitsmörderischen Pläne der Reakteurs umher. Wir fahren jedoch fort, das Volk zu beschwören, die tiefste Nichtachtung den Aufhetzereien entgegenzusetzen, welche von einer grundsatz­losen Polizei, von einer im Sterben liegenden Regierung oder von einer bis auf den letzten Grad der Anarchie und Ver­zweiflung getriebenen Reaktion gegen dasselbe gewagt werden sollten. Auf dem Punkt, wo die Sachen jetzt stehen, könnte nur ein Attentat gegen die Nationalversammlung biss Inter­vention der guten Bürger rechtfertigen. Hoffen wir, dgß die Nationalversammlung ihre Pflicht zu erfüllen wisse, wie wir die unsrige zu erfüllen wissen werden."

Paris, 29. Januar 1849.

Die Redaktoren des Peuple. (folg. Unterschr.)

— In der Wohnung des Präsidenten Bonaparte geht es sehr lebhaft zu. Unsere ersten Politiker, wie z. B. Lamartine, Marrast, Dufaure, Mate, Thiers rc. fahren seit gestern Mit­tag abwechselungsweise daselbst vor. Auch Bugeauv, der einen Ausflug in den Süden machte, ist heute zurückgekehrt und hatte eine Zusammenkunft mit dem Präsiventen.

— Zwischen Bugeaud und Changarnier soll der Plan fest­gestellt worden seyn: im Falle die Rothen gewännen, einen Aufruf an die Departements zu erlassen und sämmtliche Bür­gerwehren um Lyon herum zu konzentriren, und dann gegen Paris loszumarschiren.

— Vorige Nacht schaffte man die Maigefangenen aus Vincennes nach Bourges.

Deutschland.

PP Vom Taunus, 28. Jan. Es hat sich das Gerücht verbreitet, das bischöfliche Ordinariat zu Limburg habe zur Deckung des nicht unbedeutenden Defizits des katholischen Zcn- tralkirchensonds beschlossen, verschiedene Besoldungen, welche bis anher aus erwähntem Fonds bestritten wurden, eingehen zu lassen. So z. B. die Stadt- und Bischöfliche Kaplanei zu Limburg, jede mit 500 fl.; sodann die Kanzlistenstelle daselbst, ebenfalls mit 500 fl.; ferner 200 fl;, welche Herr Geistlicher Rath B..... und 300 fl., welche Herr Professor D.... als außerordentliche Zulagen aus obgenanntem Fonds bis hieher bezogen. Wir können dieses Mittel zum Zwecke nur lobend anerkennen, und sind überzeugt, daß wenn auf ähnliche Weise