Berlin. Hr. Arnold Ruge ist seiner Haft zwar entlassen, aber aus Berlin transportirr worden. Seine Verhaftung erfolgte formell deßhalb, weil er einer ihm vom General Wrangel gewordenen Ausweisungsordre nicht Folge geleistet hatte. Eine uns gewordene Privatmittheilung versichert, daß dem Hrn. Ruge, im Widersprüche mit der militärischen AusweisungsOrdre, der Aufenthalt in Berlin vom Ministerium des Innern gestattet gewesen sey.
(Publ.) Es ist eine eigenthümliche Erscheinung, daß seit dem 18. März v. I. eine ganze Menge der reichsten Leute, weil ihnen einige Verluste in ihrem Geschäfte vorgekommen waren, die sie aber bei anderen Zeiten entweder kaum bemerkt, oder doch bald verschmerzt haben würden, sich rein aus Muthlosig- keit das Leben genommen haben. Es sind so etwa 18 bis 20 Selbstmorde unter den eigenthümlichsten Verhältnissen vorgekommen, während gerade umgekehrt seit der Zeit in den untern Schichten trotz der großen Noth sehr wenige Menschen Hand an sich selbst gelegt haben.
Wien, 23. Jan. (A. Z.) Das gestrige Gerücht von der Auflösung des ungarischen Reichstags in Debrezin hat sich nicht bestätigt, da die neuesten Nachrichten vielmehr melden, daß Kossuth mit seinem Anhänge und Gefolge sich noch in Debreczin befinde. Zugleich ist die Nachricht eingetroffen, daß die kleine Festung Leopoldstadt (zwischen Tyrnau und Neutra) vom Feldmarschall-Lieutenant Simonich beschossen und der dortige Kommandant, weil er kapituliren wollte, von den Magyaren an's Thor der Festung genagelt worden ist. Auf diese Weise hätte der Baron Bayer, auch unter dem Schriftsteller- namen Rupertus bekannt, seinen Magyarismus schwer gebüßt, denn er war es, der in jener Festung das Kommando führte auf die wiederholte Aufforderung zur Uebergabe geschworen hatte, sich eher unter den Trümmern zu begraben, als die Thore zu öffnen.
Hier zirkukirt das Gerücht, daß nebst der Ernennung deS Marschalls Radetzky zum Herzog von Custozza und des Feld- marschallS Fürsten Windifch-Grätz zum Herzog von Friedland auch der Banus Jellachich den Titel eines Herzogs von Syr- mien erhalten soll. Der greise Marschall dürfte, wie die Sachen jetzt in Italien stehen, bald Gelegenheit finden, seinem Herzogstitel durch neue Siege einen noch höheren Glanz zu verleihen.
Wie ich aus guter Quelle erfahre,' soll zur Kompletirung und Verstärkung der Armee eine Aushebung von 80,000 Mann stattfinden.
Wien, 23. Jan. (A. Z.) In Kremster,. so erzählte hier neulich ein Deputirter, in Kremsier ist unsere Unterhaltung ziemlich einförmig. Des Morgens sprechen wir regelmäßig gegen einander unsere Vermuthung aus, daß die Kammer aufgelöst wird, und des Abends, nachdem wir wieder eine Sitzung hinter dem Rücken haben, fangen wir an, an eine Auflösung des Kabinets zu glauben. So geht's seit Wochen Tag für Tag, nur daß wir der Abwechslung wegen zuweilen des Morgens von der Sterbestunde des Ministeriums und Abends vom bevorstehenden Ende der Kammer sprechen.
Die „Oberpostamts -Zeitung" schreibt: „Nach Wiener Briefen vom 24. Januar erhält sich dort in ziemlich unterrichteten Kreisen der Glaube an einen bevorstehenden Ministerwechsel. Stadion, heißt es, soll das Ministerium der Finanzen übernehmen; Bach die Leitung der inneren Angelegenheiten überkommen und Schmerling mit dem Portefeuille der Justiz betraut werden. Kraus, spricht man, gehe als Gouverneur von Galizien, nach Lemberg ab, ein Umstand, der das Gerücht von der Erhebung Zaleskas zum Unterrichtsminister zu bestätigen geeignet wäre.
Italiens Angelegenheiten riefen in der letzten Zeit eine trübe Stimmung in unserer Residenz hervor. Einige hier auf Urlaub befindliche Offiziere erhielten gemessenen Befehl, binnen zweimal 24 Stunden zur Armee in Italien zurückzukehren. Radetzky , heißt es ferner, sey gegen Venedig vorgeschritten, und befinde sich dermalen in Brescia.
Wieder ist eine Schildwache und zwar bei Hetzendorf meuchlings erschossen worden. Eine Division Grellzer zernirte anr Morgen sogleich die Umgegend; dennoch gelang cs nicht, dem Thäter auf die Spur zu kommen. Der Kaiser hat bem Gemeindcrath 500,000 fl. C. M. zur Unterstützung der Noth- leidenden überwiesen, gewiß ein Bedürfniß, da die Eigenthums- verbrcchcn in Wien in bedenklichem Grade von Tag zu Tag überhand nehmen. Aus Ungarn wenig Neues. Auch dort tritt
die südslavische Presse in Opposition gegen das Ministerium Stadion.
T y r o l.
Tyrol. Wie viel fromme Reiche oder reiche Fromme es hier noch geben mag, ersieht man daraus, daß im Jahre 1848 in der Provinz Tyrol 452, in der Diöcese Briren 302, in der von Trient 124, und in der Salzburger 26 neue Stiftungen, meist zu religiösen Zwecken, von der Regierung genehmigt worden. Berechnet man das auf ein halb Jahrhundert hinaus, ,o wird das ganze Tyrol bis zum Schnee des Ortles hinauf verstiftet seyn! '
Frankreich.
Paris, 26. Jan. In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung verlas der Minister des Innern, Leon Faucher, einen auf gänzliche Aufhebung der Klubbs gerichteten Gesetzentwurfs Derseibe lautet: Die Klubbs sind verboten; die Zuwiderhandelnden trifft eine Strafe von 100 ins 500 Fr. Der Minister bezeichnete diesen Entwurf, der bezeichnete diesen Entwurf, der begreiflicher Weise von der Linken nicht sehr günstig ausgenommen churde, als einen dringlichen.
— „Peuple" sagt zu den südlichen Bauernunruhen: die Wahlagenten des 10. Dezbr. glaubten die Republik zu stürzen, intern. sterben Bauern einen Präsidenten vormalten, welcher allein im Stande sey, ihre Lage zu bessern und sie von der Steuerlast zu befreien. Jetzt dringen die Bauern auf Erfüllung jener glänzenden Versprechungen, und wenn man sie ihnen nicht erfüllt — was rein unmöglich' — so werden sie sich aller Orts erheben.
Großbritannien
London, 26. Jan. Die „Times" sind der Meinung, es sey der Tag nicht weit entfernt, wo eine entschiedene Annäherung zwischen den Höfen von. Oesterreich und England eintreten werde.
— Es soll eine Verringerung des Effeklivbestandes deS britischen Herres um 10,000 Mann projektirt seyn. Dieft Maßnahme würde vornehmlich diejenigen Truppenabtheilungell treffen, welche jetzt im Innern des Landes im Dienste sind.
— Nach Berichten aus Lissabon vom 19. Jan. herrschte allenthalben in Portugal fortwährend Ruhe. Die Finanzen, wie das Ministerium verkehrten indeß noch immer in einer Krisis. Es wurde Alles aufgeboten, ein Anlehen von 500 Contos von der Bank von Portugal zu erhalten.
Sprech j aal
für Stadt und Land.
△ Der Nassauische Zuschauer beharrt in Nr. 22. von 1849 dabei, daß der „allgemeine Religionsunterricht" von der Nassauischen Regierung im Jahr 1817 auch für die „Juden" bestimmt gewesen, kein „allgemein christlicher" gemeint gewesen sey. Warum? Weil §. 14 des Lehrplanes für die Pâdäao- gien von „den Religionslehrern" der „verschiedenen Confes- sionen" spreche, und „doch die Juden auch zu einer Confcfion gehören;" ferner weil in §. 22 des Lehrplanes für die GyÄ- nasien das Wort „christlich" nur ein „schmückendes Beiwort" sey.— Der Nass. Zuschauer ist, wie eS sich zeigt, mit den gesetzlichen Bestimmungen und der amtlichen Sprache der Behörden wenig vertrank. Ein RegrerungSerlaß vom Jahr 1817 kann, wenn'er „von Religionslehrern der verschiedenen Gon# fessioney" spricht, nur von Christen reden, selbst wenn er das Wort christlich dabei nicht ausdrücklich gebraucht hätte. Denn nur unter den Christen, als zu einer und derselben Religion gehörig, gibt cs bekanntlich drei Confessionen, nach der deut-
