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In vielfachen Bauernversammlungen, namentlich und ganz besonders auch in denen an der Weil, wurde mit wahrhaft evangelischem Eifer gegen die aristokratische Bevorzugung der Stadt Wiesbaden durch Verwilligung einer so bedeutenden Summe aus allgemeinen Staatskosten zur ^n Haltung ihres Theaters deklamirt, während die Vertheidiger der Theatersustentation behaupteten, daß solche im Interesse der allgemeinen Volksbildung, solglich der Demokratie be­willigt werden müsse.

So hält man es, namentlich in der guten und intelligen­ten Stadt Wiesbaden, aber auch noch in einigen andern Or­ten, für äußerst demokratisch, aus Leibeskräften gegen Staatsbeamte vulgo „Angestellte" zu Felde zu ziehen, würde es aber ohne Zweifel für eine sehr reaktionäre, also aristo­kratische Maßregel der Regierung halten, wenn sie darauf bedacht wäre, den Demokraten Wiesbadens die Gegenstände ihres Abscheues, „die Angestellten", dadurch ganz aus den Augen zu rücken, daß sie die Staatsbehörden möglichst an andere Orte des Landes, von welchen bekanntlich aus Gründen der Gleichberechtigung, also wiederum der Demo­kratie, zu diesem Zwecke gegenwärtig Alles aufgeboten wird, verlegte.

So haben es ferner die Demokraten Wiesbadens dem Parlamente zu Frankfurt äußerst übelgenommen, daß es ihnen daS Privilegium des Hazardspiels, also hoch eine aristo­kratische Einrichtung der höchsten Potenz, entzogen hat; so empfinden dieselben Demokraten nicht den geringsten Ge­wissensskrupel, von den französischen, russischen, englischen und deutschen Reaktionärs und Aristokraten, welche sich als Gäste hier niederlassen, schöne Geldsümmchen zu beziehen, und bedenken nicht, daß sie sich dadurch an den von den Genann­ten (nach der Lehre der Demokraten) an dem Volke verübten Bedrückungen und Erpessungen direkt bet heiligen, so gut wie Jemand, der wissentlich eine gestohlene Sache kauft ic.

Die Reihe dieser Beispiele, welche sich leicht noch ansehn­lich verlängern ließe, wird sattsamen Beweis liefern, welch' fchwebel« und nebelhaften Begriff man bei uns mit dem Worte Demokratie verbindet, wie also schon um deßwillen von einem Siege der Demokratie gar keine Rede seyn kann.

Außerdem aber wird Niemand, der die Vorgänge vor und bei der letzten Abgeordnetenwahl in der Nähe und mit nüch­ternen Augen anzusehen Gelgenheit hatte, auf den kurzwei, ligen Gedanken gerathen, daß hierbei überhaupt Ideen und Grundsätze sich Geltung gemacht hätten.»

Bekanntlich herrschte in sämmtlichen hiesigen Vorversamm, lungen die größte Rath- und Entschlußlosigkeit über die Person des zu Wählenden, und nur durch denselben Jntriguanten, der auch bereits bei der Wahl eines Abgeordneten für Dillen­burg und Herborn den Pfarrer Snell durchzubringen hatte' versuchen lassen, und der lediglich von einer möglichst großen Verwirrung unserer Zustände Befriedigung seines ver­letzten ungemessenen Ehrgeizes hofft, wurde, freilich durch dritte Hand, Snell's Kandidatur in dem sich demokratisch nennenden Verein betrieben, und der Versuch, der dort hauptsächlich an dem gesunden praktischen Sinne der Herborner Bür­gerschaft scheiterte, gelang hier mit leichter Mühe!

Bei der Lahmheit des entgegenstehenden Vereins, bei dem uns nichts unbegreiflicher ist, als daß er den Haß der soge­genannten Demokraten in so hohem Grade auf sich gezogen hat, da doch seine Hauptthätigkeit darin besteht, daß er gar nichts thut, fand nun die ausgetheilte Parole schnelle Ver­breitung und natürlich auch keinen Wiverspruch, weil die Meisten weder Gründe gegen noch für diesen Kandidaten hal­ten , alldieweil sie seinen Namen bei dieser Gelegenheit zum ersten Male nennen hörten!

In noch höherem Grade war dies bei dem Landvolke der meisten Orte des hiesigen sowie des ehemaligen Amtes Wallau der Fall, welche durchschnittlich vollkommen indifferent waren, und nur deßhalb für Snell stimmten, weil sie von den Senv- lingen der hiesigen sogenannten Demokraten gehört hatten, daß alle Wiesbadener Wahlmänner für denselben stimmen würben (verba ipsissima, einer großen Anzahl bäuerlicher Wahl­männer).

Zu wahrer Vorsorge und Sicherheit waren noch von dem frühesten Morgen des Wahltages an in jedes der Hochheimer Wirthshäuser zwei Kommissäre des hiesigen DemokratenvereinS postirt mit einer hinlänglichen Anzahl beschriebener Stimmzet­tel für Snell, welche an die Landleute »ertheilt, und dieselben so nicht nur jedes Kopfzerbrechens, sondern auch der Mühe des Schreibens überhoben wurden. Was Wunder also, daß

diese Leute sich dem ohnehin durch seine ofte Wiederholung für sie lästig gewordenen Geschäfte des Wählens auf die leichteste Weise unterzogen, und die beschriebenen Zettel abgaben! Klop­penheim und vielleicht noch eine oder die andere Gemeinde der Nachbarschaft war ohnedies bereit, für seinen früheren Kaplan, der jedoch damals seine demokratische Gesinnung klüglicher Weise für sich behielt, auS Pietät, aber wahrlich nicht aus Hinneigung zur Demokratie zu stimmen. Einigen etwa noch un­schlüssigen Landleuten wurde von hiesigen Agenten mitunter auf sehr geistreiche und originelle Weise zugefetzt, süv Snell zu stimmen. So hörten wir einen derselben auf die wiederholte Frage mehrerer bäuerlichen Wahlmänner, warum sie denn für Snell stimmen sollten? stets nur erwidern: Wegen der Schul­frage! was so oft wiederholt wurde, bis cs den Bauern ein­zuleuchten schien, worauf sie dann die empfangenen beschriebe­nen Stimmzettel abgaben.

Als bei dem ersten Skrutinium sich feilte absolute Majo­rität ergab, waren die meisten anwesenden Wähler der Ge­schichte bereits so überdrüssig — ganz abgesehen davon, daß sie .zwischen» dem ersten und zweiten Skrutinium nach Oeffnung der Thüre wiederholt in den Wirthshäusern bearbeitet und mit beschriebenen Snell-Zetteln versehen worden waren, daß sie haufenweise für den stimmten, der bei dem ersten Skruti­nium die meisten Stimmen hatte, um nur möglichst bald wie­der nach Hause zu kommen. *

Dieß ist, wie kein Augenzeuge widersprechen wird, die Genesis der Wahl des Pfarrers Snell von-Langenbach, eifrig­sten Vertheidigers der Einkommensteuer, in dem Wahlbezirke Hochheim-Wiesbaden, in welchem noch vor Kurzem ein allgemeiner Sturm gegen die Einführung dieses Gesetzes loszubrechen drohte.

Auf solche Weise und mit solchen Mitteln werden Resul­tate erzielt,.welche die „Freie Zeitung" Siege der Demo- krâtie zu nennen beliebt, und woraus sie folgert, daß hier der Konservatismus allen Halt verloren habe!

Wir unserer SeitS gönnen ihr diesen Triumph von gan­zem Herzen, und würde es für einen groben Mißgriff der Re, gierung sowie des konstitutionellen Theiles der Kammer an­sehen, wenn sie die stattgehabte Wahl aus Formgründen um­stürzen wollte, wozu es freilich an Material nichtfehlt,-da be, kanntlich nach dem Entlassen der Wahlmänner aüsver Kirchè, ohne daß denselben ihre Legitimationen vorher einzeln wieder eingehändigt und nachher wieder von ihnen erhoben worden wären, eS an allen und jeden Nachweisen darüber mangelt, daß Snell auch wirklich von den Wahl­männern deS hiesigen Bezirkes gewählt worden ist —

Die Gründe, weshalb wir seinen Eintritt in die Kammer wünschen, werden sich bald aus den Folgen seines Auftre­tens in derselben ergeben!

Deutschland.

Frankfurt, 23. Januar. (M. I.) Bei dem vorgestern zu Ehren der Geburtsfeier des Reichsverwesers stattgehabten Diner wurde von Hrn. V. Gagern folgender Toast auSge, bracht: „Ich habe die Ehre, die Gesundheit auszubringen auf die Souveräne, Häupter und Vorsteher der Regierungen, deren Vertreter und Bevollmächtigte sich hier versammelt haben. Möge der Einklang derselben fortbestehen, damit der Friede er, halten werde, welcher den Völkern eine Wohlthat und ein Be, dürfniß ist."

Frankfurt, 25. Jan. (D. Z.) (Reichstag.) Vorsitzender Präsident Simson. In Bezug auf §. 2 des zu berathenden Abschnittes des Verfassungsentwurfs ist der präjudizielle An­trag eingebracht, daß der ganze Paragraph. — „das Reichs- überhaupt führt den Titel: „Kaiser der Deutschen" — indessen übergangen und die Berathung sofort auf §. 3 folgg. erstreckt werden möge. Hr. Arndts aus München empfiehlt den obigen von Grundner aus Ingolstadt eingebrachten Antrag auf Aussetzung oder vielmehr Beseitigung deS Paragraphen. Herr Waitz dagegen widerspricht diesem Verlangen und die Versammlung verwirft den Grundner'schen Antrag, indem sie auf die Besprechung verzichtend sogleich zur namentlichen Ab­stimmung verschreitet,

Von 419 Anwesenden antworten 214 mit „Ja" auf die Frage, ob das ReichSoberhaupt den Titel Kaiser der Deut,