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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

> ^N 22. Freitag -ea 2Ev. Januar 18LN.

Zweite Ausgabe.

Uebersicht.

Zeitungsschau.

Die Wahl des Pfarrers Snell und der Sieg der Demokratie.

Deutschland. Frankfurt (Ein Trinkspruch H. v. Gagerns. Reichstag).

Ungarn. Von der ungarischen Gränze (Generalpardon des Für­sten WindischgräK)

Frankreich. Paris (Tagesbericht).

Spanien, M ad r id (Eine Hofgeschichte).

Minister im Interesse der Moral ganze Städte zu ruiniren sich nicht scheuen, warum machen sie Ausnahmen zu Gunsten einzelner Hazardspiele? Oder leuchtet nicht daraus abermals die Schwäche des Ministeriums hervor, daß eS wagt, die klei­nen Staaten zu ruiniren und die großen schont, weil es weiß, daß unpraktische Beschlüsse und Gesetze von diesen nicht beach­tet werden? Wir wollen das Spiel nicht vertheidigen, aber wir sagen, es ist eine Ungerechtigkeit, die Spielbanken aufzu­heben und die Lotterien bestehen zu lassen. Wenn man es wagt, füge man zu dem einzigen Artikel des Herrn Mohl einen noch moralischeren zweiten Artikel: Die Lotterieen sind auf­gehoben.

Zeitungsschau

Die Frankfurter Parlamentscorrespondenz nennt es einen Anflug hypochondrischer Laune, wenn die Franks. O.-P.-A. Ztg. an der Nationalversammlung die facies Hippocratica entdeckt habe. Diese Correspondenz — die gleich den Frankfurter Blättern eine täglich steigende Bitterkeit gegen Oesterreich an den Tag legt — meint, die Idee eines erblichen Kaiserthums habe die ganze Wucht der Popularität hinter sich, ja die Po­pularität der Nationalversammlung hänge von dem Votum für diese Erblichkeit ab. „Wenn aber (so schließt sie) noch irgend ein Impuls nöthig wäre, um die Bedenklichen auf un­sere Seite zu treiben, so läge ein solcher in den Nachrichten, welche Hr. Camphausen von Berlin zurückgebracht hat. Man verbreitet geflissentlich, daß diese Nachrichten ungünstig laute­ten; aber wir können das Gegentheil mit Bestimmtheit ver­sichern. D a s deu t sche V o l k h at einen zu st im inen­den Entschluß des preußischen Königs zu rech­nen, w e n n sein Parlament nach d c in Vorgänge der meisten seiner Fürsten demselben die Kaiser­krone antragen wird. Wir hören sogar von der Absicht einer darauf bezüglichen «Erklärung des Berliner Kabinets an das Reichsministerium, und wenn unter diesen Umständen das Aussprechen der Erblichkeit der Oberhauptswürde ein neues Motiv erhält, so wird es zugleich zur unerläßlichen Pflicht. Denn es liegt auf der Hand, daß die Erblichkeit allein die­jenigen Garantien bietet, unter denen Preußen das Opfer seiner Selbstständigkeit bringen, unter denen Deutschland dies Opfer fordern darf und die Früchte desselben genießen kann.

Die „Hannoversche Zeitung" macht sich zum Organe der durch Aufhebung der Spielbanken Beeinträchtigten. Sie schreibt: Hier ist man tief entrüstet über den Beschluß der National­versammlung in Betreff der plötzlichen Aufhebung der Spiel­banken, die so viele unserer Einwohner unglücklich macht und sie dem Bettelstäbe überliefert. Man ist um so entrüsteter dar­über, da der Herr Reichsminister Mohl in seinem einzigen Ar- ►• tikel wohl die Spielbanken ausgehoben hat, aber die Lotterien, die noch gefährlicher als die Banken, jedenfalls aber eben so unmoralisch sind, mit keinem Worte gedacht. Wenn die Herren

Die „Neue Rheinische Zeitung" frohlockt bereits wegen der Wahlen: „Menn die übrigen Provinzen nur halb so ent­schieden wählen wie die Rheinprovinzen, so bleibt der oktroy- irten Verfassung wirklich nichts, als die Gnade Gottes." Hoffentlich aber frohlockt sie dennoch zu früh.

Der Genueser Corriere Mercantile stellt die Urtheile der italienischen Presse über diesen päbstlichèn Erlaß zusammen; sie athmen Zorn und Spott, und der Refrain ist: „Es leben die Erkommunicirten (viano gli scomunicati'."

%* Die Wahl des Pfarrers Snell und der Sieg der Demokratie.

Wiesbaden, 24. Jan. In einer der letzten Nummern der Freien Zeitung wird die Wahl des Pfarrers Snell zum Landtagsabgeordneten — wie dieß nicht anders zu erwarten stand — als ein bedeutender Sieg der Demokratie bezeich­net, und sowohl hieraus als aus den Stimmen, welche auf die übrigen Kandidaten gefallen sind, gefolgert, daß der Kon­servatismus in hiesiger Gegend allen Halt verloren habe. Wir sind weit davon entfernt, der Freien Zeitung diese ihre Freude zu mißgönnen, erlauben uns jedoch zur näheren Beleuchtung der Sache folgende wenigen Bemerkungen.

Bekanntlich wird mit dem Worte Demokratie ebenso wenig, wie mit Aristokratie ein wissenschaftlich und ob­jektiv feststehender Begriff bezeichnet, vielmehr werden beide Worte regelmäßig in rein subjektivem Sinne, wie es eben den persönlichen Neigungen und Interessen eines Jeden zusagt, gebraucht und ausgebeutet.

So verlangte der Bauernstand int Namen der D e m o- kratie unentgeltliche oder doch möglichst wohlseile Ablösung der Zehnten und anderen Grunblasten, wäbrend der keine zehntpflichtigen Grundstücke besitzende gewerbtreibcnde Stadlbc- wohner hierin eine Verschleuderung von Staatsgut auf seine Kosten zu Gunsten der Bauern-Aristo krat i e erblickt.