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jenem Jahre die Vereinigung der Reformirten und der Luthera­ner, welche schon friedlich neben einander gelebt hatten, dahin förmlichst erfolgt, daß fortan nur die Bibel bei ihnen, statt aller symbolischerHBücher, als einzige Urkunde, Quelle und Norm des Glaubens gelten sollte. Gilt auch hiervon immer wieder nach der Auslegung der alte Spruch: Hic über est, in quo respicit sua dogmata quisque; so durfte man doch damals nach den Ergebnissen der Wissenschaft und nach den Kundgebungen des Zeitgeistes annehmen, daß mancher frühere Standpunkt der Betrachtung und Auffassung überwunden seyn würde. ,

Sodann ging die nassauische Regierung von dem gewiß richtigen pädagogischen Gesichtspunkte aus, daß das zarte Kindesalter vom sechsten bis zum zehnten und zwölften Jahre mehr mit gemeinsamer biblischer Geschichte und allgemeinen christlichen Sätzen ohne Unterscheidungs-Dogmen beschäflig- werden müsse, bis zum Eintritte des rein kirchlichen Konftrt matlonsunterrichtS. Wenn die Regierung den allgemein christ­lichen Religionsunterricht auch noch durch alle Klassen der Gelehrtenschulen fortgesetzt ordnete, so ging sie von der Er­wartung aus, daß die Lehrer, nach Maßgabe der verschiedenen Klassen'und Altersstufen, das allen Konfessionen Gemeinsame und wesentlich Christliche hervorhetzen und so einen heilsamen Grund christlichen Glaubens ünd Lebens in Mitte der Diffe­renzen anbahnen würden. In den obersten Klassen war es sogar möglich, das Wesen aller Religionen nach Geschichte und Philosophie zu erörtern, und die jungen Gemüther gerade eben dadurch gleichmäßig gegen Jndifferentismus und Intole­ranz zu sichern.

Daß die Regierung in ihren kirchlichen und religiösen Hoffnungen vom Geiste der Zeit mehr oder minder sich täuschte, darf ihr zu keinem Vorwurfe gereichen. Schon mancher Men­schenfreund wurde vor Jahrhunderten und Jahrtausenden von seinen schönsten und. vollberechtigten Erwartungen durch die kalte Wirklichkeit zurückgebracht. Der □ Korrespondent von per Lahn in Nr. 18 der zweiten Ausgabe dieser Zeitung wird hoffentlich allen denkenden Männern, also auch Juristen und Medizinern sogar, zutrauen, daß sie recht wohl wissen, w o und ro se schon im tiefsten Grunde der Religion, also im Gottesbegriffe, in der Weltanschauung, die Prämissen der christlichen Konfessionen auseinander gehen, so gut wie bei den philosophischen Systemen; aber er wird eben auch zuge- stehen müssen, daß selbst in dem gesonderten Gebiete einer jeden Konfession wiederum Streit darüber ist, was innerhalb einer jeden als eigenthümlich und wesentlich zu betrachten sey. Soll nun jeder „Verwischung" vorgebeugt werden, so müssen alle Fraktionen, welche sich für vollberechtigt betrachten, in Kirchen und Schulen gleichmäßige Berücksichtigung finden. Denn, wo ist im Staate das. religiöse Forum, welches hier­über untrüglich an sich (oder etwa durch Mehrheit des Land­tages) entscheiden wollte? Und außer dem Staate gibt eS keine legislative Gewalt für den Staat. (Schluß f.)

Deutschland.

* Wiesbaden, 24. Jan. (Ständeversammlung. — Schluß.) Reg. Komm. Reichmann gibt Beispiele: z. B. beim Bau eines Schulhauses oder Vermehrung des Lehrpersonals, Weg­anlagen. Es handele sich hier nicht um politische Fragen, sondern um materielle Gegenstände; hier könne die Regiernng das Volk nicht verkürzen. — Fresenius widerlegt Raht Punkt für Punkt. Der Kreis sey keine Gemeinde, sondern ein Stück Staat. Ohne Rekurs sey der Minister verantwort­lich. — Schmidt: Der Regierungsentwurf sey weit freisin­niger als die anderen Anträge. Der Kreisrath bestehe aus Menschen, und sey nicht unfehlbar. — Wimpf will die ein­zelnen Bestimmungen des Rekurses angegeben haben. — Rahl: Unter dem Vorgeben des Vertrauens gegen die Regierung könne man die Volksrechte nicht verkürzen. Das beständige Rekurriren tauge nichts. Der Kreisrath werde weniger irren, als die Regierung, und verdiene daher mehr Vertrauen. Das Ministerium sey nur so weit verantwortlich, als seine Befug­nisse reichen, also nicht für den Bezirksrath.

Reg. Kommissär Werren. Raht habe in der Theorie seiner Sätze recht, weiche aber in der Prariö immer davon ab. Mißtrauen gegen die Regierung scheine bei ihm Grund­satz zu seyn. — Jun g II. Es sey zu unterscheiden zwischen Nichtigkeitserklärung formell und materiell. Man müsse daher

zum Schutz gegen Willkühr und Irrthum die Punkte bestimmen, in welchen Rekurs statt findet. — Müller II. DaS Volk werde immer als irrend, die Regierung alS unfehlbar dar­gestellt. Das Volk hat die hier sitzenden Abgeordneten gewählt, hat es denn darin so unsinnig gehandelt? Mißtrauen sey nicht die Wnrzel des konstitutionellen StaateS.— Bellinger spricht gegen Raht über Vertrauen zur Regierung. Von der Seite, welche die Freiheit vertreten wolle, wolle man eine Be­hörde mit absoluter Gewalt gründen, daö sey gegen den konstitutionellen Staat.

Abstimmung: Rahts Antrag, daß gegen die Beschlüsse deS Kreisgerichts kein Rekurs stattfinde, wird abgelehnt. MüllerH. Antrag: daß nur bei Beschlüssen gegen bestehende Gesetze rekur- rirt werden kann, wird angenommen.

Frankfurt, 24» Jan. (O.-P.-Ä.-Z.) Dem Reichsministe­rium ist seitens des Bevollmächtigten der kurhessischen Regie­rung ein Schreiben zugekommen, in welchem der provisorischen Zentralgewalt in Bezug auf die Oberhaupts frage die Erklärung abgegeben wird, daß auch der Kurfürst von Hessen das Be­dürfniß eines starken Reichsoberhauptes für Deutschland an­erkenne und deßhalb bereit sey, zur Erreichung dieses Zieles diejenigen Opfer zu bringen, welche gleichmäßig von den übri­gen deutschen Regierungen zur endgiltigen Feststellung des deutschen Verfassungswerkes erheischt werden dürsten.

Daß Preußen eine Zirkularnote betreffs der deutschen Ver- fassungsatigelegenheit an die deutschen Regierungen erlassen habe, wie bereits im Hauptblatte gemeldet, bestätigt sich voll­kommen. Ungegründet aber ist die Angabe, Herr Camphausen sey alS Minister in das preußische Kabinet berufen.

Frankfurt, 24. Jan. (O.-P.-A.-Z.) Der Abg. Jürgens hat seine „Flugblätter" anHrn. W. Obermüller (nicht zu verwechseln mit dem Abg. M. Obermüller) abgetreten, und sie werden als „Frankfurter Zeitung" fortan täglich erschei­nen. Der erste Aufsatz des neuen Journals schließt mit den Worten: „Kaiserlich war und ist allein Oesterreich."

Mannheim, 19. Jan. Der hiesige neue vaterlän­dische Verein, welcher sich seit geraumer Zeit durch seine wahrhaft freisinnige Richtung immer mehr Boden im deutschen Vaterlande erringt, hat gestern einen wichtigen Beschluß ge­faßt. Er wurde nämlich von dem hiesigen Volksverein, welcher die Bestrebungen der äußersten Linken zu verwirklichen sucht, eingeladen, sich mit ihm zu vereinigen und künftighin Hand in Hand mit ihm zu gehen. So wünschenswerth und nöthig es auch ist, daß sich alle Parteien zur Erringung der deutschen Freiheit und Einheit vereinigen, so hat doch gestern der neue vaterländische Verein fast einstimmig beschlossen, diese Vereini­gung nicht einzugehen.

Heidelberg, 22. Jan. Hier soll nächsten Sonntag den 28. Jan., eine allgemeine Arbeiterversammlung ge­halten werden. Die Sitzungen sollen am Sonntag eröffnet und am Montag beendet werden.

Karlsruhe, 20. Jan. (K. Z.) Je näher die Entscheidung der großen Frage über das künftige Oberhaupt Deutichlands rückt, desto rühriger benimmt sich die Partei der Anarchisten; sie fürchtet mit Recht in der Erhebung eines mächtigen Fürsten zum deutschen Kaiser die totale Niederlage ihrer eben so un­sinnigen, als verrätherischen Bestrebungen. Trugt nicht Alsts, so hat sie cö noch einmal auf einen Putsch abgesehen, welcher längstens bis zum März bei einer passenden Gelegenheit ver­sucht wird. Aus der neuerdings eingetretenen engen Verbrü­derung, aus der Absicht, selbst bis in den kleinsten Gemeinden ihre demokratischen Vereine auszudehnen , aus arrogantem Gc- bahren ihrer Führer lassen sich manche Schlüsse ziehen. Insbe­sondere konnte man aber auch an der Haltung dieser Partei, gegenüber unserer zweiten Ständekammer, erkennen, daß es rhi lediglich darum zu thun ist, die einzige Korporation in Baden, aus welche der Vaterlandssreund mit Vertrauen und Hoffnung blickt, herabzuwürdigen und durch den Sturz derselben die all­gemeine Verwirrung zu vermehren. Nicht genug, daß sie die ehrenrührigsten Petitionen gegen die Kammer euibrawte, mußten auch die Mitglieder der äußersten Linken in der letzten Woche skandalöse Szenen herbeiführen, die von einer Rotte gemeiner Buben auf der Galerie deö Ständesaales dazu benutzt wurden, um Bilder aus dem gemeinsten Bierhause heraus zu beschworen. Damit soll dann den Kammer-Mitgliedern alle Lust benommen