seines Volkes menschheitlich verklären. Das unbedingte Streben nach Schönheit, Wahrheit und Freiheit wird gegenwärtig selber auch unmittelbar, nicht blos mittelbar durch kirchliche Weihe der Religion.
Das System der freien Erziehung muß das der Gegenwart seyn. Da dasselbe einerseits allerdings Resultat der ganzen immanenten Vergangenheit, andererseits aber, als im Werden begriffen, auf die Zukunft gerichtet ist; so hat das pädagogische Geschäft hierfür keinen andern Anhalt, als bas Ideal (den Begriff) der allgemeinen und besonderen Bestimmungen.
D e u L s ch l a H d.
} Wiesbaden, 19. Jan. Mit weniger Ausnahme ist nun unsere Bürgerwehr uniformirt. Man muß zugeben, daß sich die Mannschaft in ihrer wirklich geschmackvollen Kleidung gut auönimmt; hierüber haben sich auch Fremde in des Einsenders Gegenwart öfters geäußert. Anstatt des Hutes mit dem Roßschweif hätten wir lieber eine helmartige Kopfbedeckung gewünscht, übrigens ist die jetzt eingeführte auch gut ausgewählt und entspricht vollkommen dem Zweck. Die Mannschaft einzu- exerzieren, hat im vergangenen Frühjahr und Sommer viel Mühe gekostet und die selbst gewählten Offiziere haben mit lobenöwerther Unverdrossenheit das nur Mögliche hierzu beigetragen. Hierdurch ist es denn auch gekommen, daß die öfteren Waffenübungen, welche früher stattfinden mußten, nachgelassen haben und daß der Einzelne wieder ungestört seinem Berufe nachkommen kann.
Der Wehrmannsdienst hat mancherlei Beschwerden, welche sich nicht beseitigen lassen; aber er hat unbestritten eine Vermittlung in den politischen Meinungen hervorgebracht und auf die Verhältnisse des gesellschaftlichen Lebens wohlthätig eingewirkt. Dem Einsender wäre keine Stadt Deutschlands bekannt, in welcher es so schwer gehalten hätte, gegenseitige Annäherung zu Stande zu bringen, als gerade hier. Alte Schulkameraden, welche vielleicht in zwanzig Jahren nicht mehr mit einander verkehrt hatten, erneuerten die alte Bekanntschaft wieder bei der Bürgerwehr.
Im wohlverstandenen Interesse des Fortbestehens der Wehrmannschaft erlauben wir uns übrigens den Vorschlag, daß die Oberen damit durchdringen, den- täglichen und nächtlichen Wehrdienst am Rathhaus zur Aufhebung zu bringen. Wir halten es nicht für ehrenvoll , daß der Bürger seinen Beruf vernachlässige und statt dessen durch das Hin- und Hergehen am Rathhaus eine Schildwache abgeben soll. Dieses Wachehalten war man bisher bloß bei dem Linienmilitär gewohnt, — diese Leute haben nämlich im Frieden wenig zu thun und können daher auf diese Weise nützlich verwendet werden. Dem Bürger hingegen, welcher sich und seine Familie zu ernähren hat, sollte das zwecklose Hin- und Hergehen nicht zugemulhet werden.
£ Wiesbaden, 21. Jan. In der heutigen Sitzung des DürgerauSschusses wurde bestimmt, daß der Rathschrewer einen Gehalt von SOO fl. erhalten soll, der Rathskassierer ein Prozent von den städtischen Einnahmen (die sich durchschnittlich auf 80 — 90,000 fl. alljährlich belaufen). Außerdem hat der Rathskassierer eine Kaution von 6000 fl. zu leisten.
Thüringen. Ueber die thüringischen in den Minister- konferenzen zu Gotha besprochenen Vereinigungsplane lauten alle Nachrichten dahin, sie seyen sür jetzt vollkommen gescheitert. Die Schuld davon wird besonders auf Meiningen und Koburg- Gotha geschoben.
Leipzig, 18. Jan. So eben wird mir noch bekannt, daß die aus Wien geflüchteten Demokraten: Kalisch, Gritzner, Frank und Engländer, welche hier das neu erscheinende Journal „Die Wienerboten" redigirten, die Weisung erhalten haben, Leipzig und Sachsen binnen binnen 24 Stunden zu verlassen. Die beiden Redakteure des Wiener Studentenkouriers, Buchheim und Falke, haben Deutschland verlassen, indem sie einer Einladung des Dr. Hecker nach Nordamerika folgten.
Lith. Korr. Berlin, 18. Jan. Zu den neuaufgetretenen Kandidaten gehört Hr. Theodor Mundt. Er hat eine Ansprache („Revision oder Vereinbarung »*) drucken lassen. Sein Bekenntniß lautet: 1) die Revision ist Vereinbarung; 1) Kein Protest !
Auch Bruno Bauer wird wieder austreten. Er hat seine Ansicht von der Lage der Dinge in der Zeitungshalle entwickelt. Endlich präsentirt sich auch der aus dem Schuldgefängniß wieder befreite Hr. Held dem Wahlpublikum durch zwei Broschüren. Seine hier verbotene „Lokomotive" erscheint wie die Zeitungshalle jetzt in Neustadt-Eberswalde. Die Umgehung des Verbots mehrerer periodischer Schriften durch Wiedererscheinen derselben unter anderem Namen hat Hrn. v. Wrangel, Der darin „eine absichtlich böswillige Umgehung" erblickt, veranlaßt, auch die Herausgabe neuer Zeitschriften von seiner Erlaubniß abhängig zu machen.
Berlin, 18. Jan. (K. Z.) Heute wurde, inmitten des verschärften Belagerungs-Zustandes, das Ordens- und Krönungsfest im Schlosse gefeiert. Die eisernen Gitter blieben verschlosst». Die Auffahrt erweckte kaum eine vorübergehende Neugier, und man sah um Mittag nur einige Knaben durch die Gitter gucken.
Die hier bestehende „gemeinnützige Bau-Gesellschaft," welche den so genannten kleinen Leuten billige und gesunde Wohnungen Herrichten will, zu dem Ende auch schon vor dem Thore große Flächen erworben, hat bereits im Wege der Aktienzeichnung 32,000 Thlr. und 3000 Thlr. Reserve-Fonds beisammen.
Wie man hört, ist es nicht aufgegebcn, die Prinzen des königlichen Hauses in den verschiedenen Provinzen ihren Wohnsitz nehmen zu lassen. Nur der Prinz von Preußen soll in Berlin bleiben, der Prinz Wilhelm (Oheim des Königs) mit seiner Familie dagegen in Breslau wohnen; der Prinz Albrecht in Münster; .Prinz Friedrich, der schon längst in Düsseldorf ansässig ist, wird dort bleiben; endlich will man wissen, daß der Prinz Karl seinen Aufenthalt in Posen nehmen werde. Bei der beschlossenen Theilung der polnischen Provinz läßt sich nicht denken, daß die frühere Statthalter-Würde, welche der Fürst Radziwill einst bekleidete, wieder hergestellt wird; immer aber dürfte der Prinz Karl den Polen ein erwünschter Bewohner der Provinzial-Hanptstadt seyn, um so mehr, da man weiß, welche § Öffnungen früher manche polnische Große an diesen Prinzen knüpften.
Wien, 17. Januar. Ein neues Unglück ist über Wien hereingebrochen. Die Leopoldstadt und die angrenzenden Vorstädte Rossau, Lichtenthal, Weißgerber und Jägerzeile find auf ähnliche Weise wie am 1. März 1830 überschwemmt worden. Die beiden Nordbahnbrücken sind stark beschädigt, und laut heute erfolgter Kundmachung ist der Gütertransport eingestellt und der Personenverkehr auf den abendlichen Posttrain bt- fyränft worden. Zur Verbindung mit Floridsdorf werden Vorkehrungen getroffen. So schnell auch das Wasser geftit- gen, so erfährt man doch bis jetzt noch nicht, daß Menschenleben zu Grunde gegangen. Allein der Schaden, vornehmlich an Handelsgut, muß sehr beträchtlich seyn, da die meisten Mok- gazine sich in diesem Stadttheil befinden. Heute Nacht ist das Wasser um drei Schuh gefallen, nachdem eS die Höhe von 1830 bereits überstiegen hatte. Auch in die innere Stadt war es gestern Nachmittags gedrungen. Der Wachposten am rothen Thurmthore mußte sich flüchten, und die zunächst gelegenen Gassen waren unzugänglich.
Wien, 16. Inn. Die in den letzten Tagen verbreiteten ungünstigen Gerüchte aus Ungarn haben sich, wie das heute erschienene fünfzehnte Armeebulletin darthut, sämmtlich als unwahr herausstellt, und General Bem, von dem es hieß, er habe sich nach der Bukowina gewendet, ist vielmehr mit bedeutendem Verlust zurückgeschlagen worden und wird nun auf dem Fuße verfolgt. Der ungarische General Gärgey, der sich mit seinem Korps Komorn nähern wollte,— wahrscheinlich um dort eine Zuflucht zu finden — ist vom Feldmarschaülkeu» tenant Simonich, dem Kor.ps des Generals Götz, der bei Schemnitz stand, und von der Brigade Jablonowski, wekcht sich vorgestern bei Jpoly-Sügh befand, eingeschloffen.. Sichere» Vernehmen nach sollte vorgestern gegen denselben ein entfielt dender Schlag ausgeführt werden.
Wien, 12. Jan. (A. Z.) Seit die Pest wieder ihre Verbindung zwischen Pesth und Wien ausgenommen hat, erhalte» wir detaillirtere Berichte über die dortigen Zustände. ES sin- eben die Zustände einer eroberten Stadt, wie wir sie hier m den ersten Tagen des Novembers kennen gelernt., Die Trwp- pen hakten strenge MannSzucht in Pesth und die Militärvt- Hörden strenge Musterung unter den Bewohnern.
