Einzelbild herunterladen
 
  

lichkeit, weiter nichts. Wie oft hat Oesterreich für Deutschland gekämpft, ohne das wir nicht blos französisch, sondern sogar türkisch geworden wären! An ein Schutz- und Trutzbündniß denke man, an eine Union der materiellen Interessen? Wen man ausstoße, den verbinde man sich nicht. Es ist eine Täu­schung unseres guten Volks, wenn man ihm sagt, Oesterreich könne und wolle nicht zu uns. Die Art ist freilich etwas kon­fus, in der Herr Welcker den Beweis dafür liefert, allein sie erhält einen lebhaften Applaus derselben linken Seite des Hauses, von der der Redner bisher nur verhöhnt zu werden gewohnt war. Nicht blos nicht austreten wolle Oesterreich ■— es könne sogar gar nicht bestehen ohne Deutschland, wenn es nicht slavisch werden, wenn es nicht dem russischen Einschlusse verfallen wolle.

Die Rückkehr und den Sieg der österreichischen Politik in unserer Mitte, wenn dies Reich bei uns bleibt, wird doch ein deutsches Parlament nicht fürchten? Dann thäte es mir leid um dies Parlament. Und ist denn die österreichische Politik so arg gewesen, als sie uns geschildert wird? Selbst die Po­litik Metternichs wird über Gebühr verläumdet, was Herr Welcker mit den Veröffentlichungen aus der Mappe eines alten Diplomaten zu belegen sucht. Die Zerstückelung Deutschlands in zwei Hälften wäre ein Durchschneiden des organischen Lebens der Nation. Die einzelnen Staaten Deutschlands hätten keine Existenz neben dem erblichen Kaiserthum und anstatt des Par­laments von Frankfurt würde das Parlament von Berlin herr­schen. Habe man aber die Einzelstaaten wegräumen wollen zu Gunsten des Einheitstaatcs, warum habe man denn nicht die rothen Republikaner darauf losgelassen? (Jubel von der Lin­ken.) Die Republikaner sodann hätte man ja mit einer Reichs­armee wieder bändigen können. Auch das Sprüchwort „mit Speck fängt man Mäuse" liegt der parlamentarischen Sprache des Hrn. Welcker nicht zu niedrig, um es aufzunehmen und gegen die preußische Erblichkeit zu verwenden,

Auch die Stärke, die Sie für Deutschland zu begründen gedenken, ist nur eine Täuschung. Das katholische Deutschland würde beständig gegen das protestantische konspiriren. Am mei­sten scheint der Redner selber das preußische Erbkaiserthum zu hassen. Denn um nur letzteres zu vermeiden, würde er selbst dem Rotenhan'schen Direktorium seine Stimme geben (stürmi­scher Beifall von der Linken). Frei wollt Ihr seyn und wisset nicht gerecht zu seyn! Dies Wort des Franzosen ruft Welcker am Schluffe denjenigen in der Versammlung zu, die Densch- land von Oesterreich ablösen wollen. Auf der Tribüne folgt ihm Wernher von Nierstein. Ueber ihn, so wie über die Fortsetzung der Debatte berichten wir in der Nachschrift.

Wernher von Nierstein entlehnt die Gründe, die ihn zu der Forderung eines erblichen Kaiserthums bestimmen, der Ge­schichte der Rheinlande und der Gestalt, welche dort die Ver­hältnisse seit Anfang dieses Jahrhunderts angenommen. Das linke Rheinufer will nicht die Republik, aber es verlangt große Standpunkte, weite Aussichten im Staate. Geben Sie Deutsch­land eine feste Verfassung, machen Sie, daß es seine Größe habe und Sie werden gerade au uns von jenseits des Rheines die treuesten Anhänger besitzen.

Siemens aus Hannover. Wir haben keine partikula- ristischen Interessen, wir sind für die Einheit jedes Opfers fähig und auch einem preußischen Kaiserthum würde unserer SeitS kein Hinderniß entgegenstehen. v. Lassaulr aus München: Die Lebensdauer großer Reiche pflegt 1000 Jahre zu seyn. Wie aber das echte Rom eine unechte Fortsetzung in Konstantinopel gefunden hat, so scheine man das in Wien abgestorbene Reich Karls des Großen in Berlin wieder auf­leben lassen zu wollen. Das ist nun nicht nach Herrn von Lassaulr's Sinne. Wollen wir einen deutschen Kaiser — so sey's der von Oesterreich und er trete zu uns mit seiner gan­zen Macht, mit allen Nationalitäten seines Reichs. Auch dem Hrn. v. Lassaulr wird der lebhafte Beifall der Linken gespendet, den er nur dadurch etwas verscherzt, daß er mit dem jugend­lichen Kaiser von Oesterreich auch dessen „große Feldherrn" zu uns herüberziehen will. Er ist für ein Direktorium, durch das er die wirkliche Macht Deutschlands zu begründen hofft.

Freiburg, 14. Jan. (D. Z.) Struve und seine Genossen sind nicht des Straßenraubes — sondern deS Kassen - raubes angeklagt, indem sie in allen Ortschaften, von denen sie Besitz ergriffen, die Kaffen der Ober- und Untereinnehmer, der Zoll- und Hüttenverwalter gewaltsam weggenommen und sich zugeeignet haben.

Stuttgart, 12. Jan. Als ein Zeichen der Zeit, läßt sich die Deutsche Const. Ztg. schreiben, habe ich Ihnen noch zu berichten, daß es gerade die pietistische Partei in Ludwigs­burg ist, welche die Wiederwahl von David Strauß betreibt, obgleich dieser solche gar nicht annehmen will.

Nürnberg, -15. Jan. Die an den Ufern der Pegnitz lie- genren Straßen bieten heute das Bild einer grauenvollen Ver­wüstung dar. Kurz nach Mitternacht schwoll dieser sonst so trage und melancholisch hinfließende Fluß reißend schnell an, ,o daß er in kurzer Zeit eine Höhe von 15 Fuß über dem ge­wöhnlichen Wasserspiegel hatte. Die gewaltig anströmenbe Wastermasse trieb in sich überstürzenden Wirbeln große Balken, Ueberbleibsel von zerstörten Gebäuden und riesige Eisscholle» daher, welche die festesten Häuser erschütterten, Hausthüren und durch Läden geschützte Fenster einstießen, alle Stege in der Stadt mitnahmen und die Brüstungen mehrerer steinernen Brücken zerstörten. Der Wasserschwall überraschte die meisten Bewohner dieses Stadtviertels im Schlafe, daher manche von ihren Habseligkeiten nichts retteten als das Leben. Die an# prallenden Eisichollen zerborsten mit gewaltigem Krachen an den Straßenecken, oder wurden weit hinauf in die Straßen geschwemmt, mehrere Anbaue von Häusern stürzten ein, alle Mühlen sind bedeutend beschädigt. Die Nacht vermehrte den Schrecken, die Strömung in den Straßen war so heftig, daß man nicht daran denken konnte, den Bedrängten zu Hülfe zu kommen, daher mehrere Menschenleben verloren gingen. Der Schaden, welchen die vielfachen Waarenlager, namentlich in der Gegend des großen Marktes erlitten, ist vorerst nicht zu berechnen, eine Masse von Waaren wurde ganz ein Raub der Wellen.

Auf der Insel Schütt, wo eben die 3 Königsmesse statt­findet, stand an einzelnen Stellen das Wasser 6 Schuh hoch, viele Buden sammt „ ihrem Inhalte wurden ganz wegge- schwemmt, derber übrigen meist ganz verdorben durch den Schlamm, der Strom führte die schwersten Kisten, namentlich die mit Schuhmacherarbeiten gefüllten, hinweg. Der Jammer der meisten Fieranten ist groß. Seltsam ist cs, daß die Ge­schirrhaufen ganz unverletzt blieben, obgleich sich schwere Eis­massen über sie hinwegwälzten. Grauenvoll ertönte der Ruf eines Arbeiters aus einem geschlossenen Ahlenschleifmühlengang herüber, der zwei-Stunden lang bis an die Schultern im Wasser hängend oben sich fest hielt, und endl.ch von braven Männern mit eigener Lebensgefahr (cs hatte ein Menschen­freund 100 fl. für seine Rettung ausgesetzt) mittelst der Art aus seinem furchtbaren Gefängnisse befreit wurde.

München, 16. Jan. (A. Z.) Prof. Fallmerayer hat den türkischen Nischan erhalten und ist bereits bei unserm Ministerium um die Erlaubniß eingekommen, denselben tragen zu dürfen, was ihm denn auch gewährt seyn soll. Welch Glück für den Fragmentisten,- daß die deutschen Grundrechte, deren ordenfeindlichen Paragraphen 7 des Art. Ii er in Frank furt mit votiren half, in Bayern noch nicht veröffentlicht sind!

Leipzig, 13. Jan. Möglicher Weise stehen uns ganz unerwartete Ereignisse bevor, sagt die Magdeburger Zeitung. Mehrere- Deputirte nämlich sollen fest entschlossen seyn, den Eid der Treue dem Könige nicht zu schwören, und die Linke will ihnen trotzdem den Eintritt sichern, oder austreten, waS bei der augenscheinlichen bedeutenden Majorität, die sie bildet, eine Selbstauslösung heißt. Schlimmeres könnte nicht kommen; denn dann hätten wir in den allernächsten Wochen neue Wah­len zu erwarten und sie würden ein noch schlechteres Resultat liefern, da viele der jetzigen Deputirten ihre Untauglichkeit zu beweisen noch nicht Gelegenheit gehabt haben, und so dem Volk der Glaube, wie leichtsinnig es gewählt hat, noch nicht in die Hand gegeben ist.

Berlin, 12. Jan. Ueber die Stimmung des Königs m Bezug auf die deutsche Nationalversammlung und ihre Pro­jekte kann ich Ihnen aus guter Quelle mittheilen, daß Frie­drich Wilhelm IV. gesonnen ist mit der Versammlung zu gehen, solange sie sich in den Gränzen des Erreichbaren halten wird. Der König, wird versichert, sey nicht für eine Trennung deS deutschen Oesterreich von Deutschland, er wolle Deutschland nicht verkleinern, sondern lieber vergrößern helfen, und beharre dabei, daß Preußen nur dann an die Spitze Deutschlands treten könne, wenn Oesterreich auf diese Stelle freiwillig Ver­zicht leiste. Die Süddeutschen, denen der Gedanke eine-