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unbezweifelt in mehreren anderen Staaten täglich mehr hervor­treten sieht, hat in Nassau nicht stattgefunden. Unseres Wissens wenigstens ist keine der gewährten Freiheiten im mindesten be­schnitten oder beschränkt worden. Wenn unsere Negierung auf dieser einmal eingeschlagenen Bahn aufrichtig fortschreitet, so kann sie der Vorwurf nicht treffen, sie suche die früheren Zustände wieder chcrzustellen. Wenn aber dessen ungeachtet von manchen Seiten Klagen gehört werden, so sind dieselben gewiß nur als von einer gewissen Partei ausgehend zu betrach­ten, welcher der im März gethane Schritt zur Freiheit nicht groß genug war, welche gerne über die Gränzen derselben hin­aus wollen und in ihren Träumen von der sozialen Republik die rechten Mittel verfehlen. Auch wir sind weit entfernt, zu glauben, daß durch die sogenannten Märzerrungenschaften nun das Ideal eines Staates realisirt sey. Auch wir glauben vielmehr an eine Weiterentwickelung der Freiheit und werden stets dafür wirken. Allein wir fühlen uns deshalb nicht ver­sucht, unS in politischen Sprüngen zu überkollern, und werden demnach so lange auf der Seite der Regierung stehen, als sie die oben erwähnte Bahn festhält.

Vor fast einem halben Jahrhundert — schreibt die Times

— ward an einem bitterkalten Wintermorgen die Form einer Republik in Paris durch die Erhebung eines Napoleon zu Grabe getragen. Aus 3,012,569 Wählern hatten 3,011,007 die Herrschaft Bonaparte'S dem konstitutionellen Puppenspiel vorgezogen. Nach einigem scheinbaren Widerstreben und nach Ergreifung der nöthigen Vorsichtsmaßregeln ward das neue Haupt der Nation in seine Würde instaSirt. Von einer glän­zenden Eskorte begleitet, nahm er Besitz von dem alten Palast der Kapets und verherrlichte seinen Regierungsantritt durch die charakteristische Feierlichkeit einer großartigen Heerschau. Von allen Seiten drängte sich der Volkshaufen mit Beifalls­ruf um i^n^ voll Bewunderung für seine ausgezeichnete Reit­kunst und für den Adel seiner Miene. Seine ernste und ge­dankenvolle Schönheit, sagt Thiers, zog Aller Augen aus sich und man erkannte, daß das Geschick Frankreichs an ihn ge­fesselt war. — Diese Beschreibung der Inauguration deS großen Napoleon möchte sich beinahe auch auf die seines Neffen anwenden lassen. Ohne Zweifel waren die Umstände nicht ganz dieselben. Die lärmende Bevölkerung der Banlieue ist ein schlechtes Surrogat für die 96fte und 30ste Halbbrigade mit Lannes und Murat an ihrer Spitze, und mit etwas bösem Willen konnte man das Ganze sogar als eine lächerliche Pa­rodie des großen Originals darstellen. Aber dennoch waren die Hauptzüge der beiden Feierlichkeiten so analog und die Wiederauferstehung der Vergangenheit so vollständig", daß man kaum sagen kann, welche Szenen in der Geschichte Frankreichs sich nicht noch wiederholen werden. Wir sind keineswegs ge­sonnen, den neuen Napoleon herabzusetzen. Wie kleinlich un­sere Zeit auch sevn mag, sein Debüt erinnert weit mehr an die Tage des wirklichen KaiserthumS, als das des Herrn Louis Blanc an die Tage der wirklichen Republik. Es steht ihm eine eben so schwierige Aufgabe bevor, wie einst seinem großen Namensvetter. Im Jahre 1799 war der Kredit nicht stärker erschüttert, die Privatverhältnisse waren nicht weniger zerrüttet, die Staatskassen nicht leerer, als im Jahre 1848. Napoleon I. erklärte sich zu Anfang seines Regimentes für den Frieden, und wir wollen hoffen, daß Napoleon II. ihm hierin nachahmen möge. Er bedarf keiner Schlacht von Ma, rengo, um einen Frieden von Amiens zu Stande zu bringen. Aber wenn er den Franzosen auch nur einen Theil jener Wohlfahrt zurückgeben kann, die sie aus bloßem Muthwillen oder leichtsinniger Veränderungssucht zerstört haben, so wird man die Kraft nicht bestreiten dürfen, die in einem Namen liegt. — Acht Tage sind jetzt verflossen, seit LouiS Napoleon Bonaparte seine Amtswohnung bezog, sein erstes Lever hielt und sich in deu letzten Gemächern zur Ruhe begab, die sein Oheim in Paris bewohnte. Wer wird die Gedanken errathen wollen, mit welchen er jenen Palast durchwandern mochte, den er in w fabelhafter Weise wiedererobert hat? Als jedoch sein großer Vorgänger sich in einer ähnlichen Lage befand, war er nicht einen Augenblick ungewiß über Das, was er zu thun habe.

bien, Bourienne“, bemerkte er, als er mit seinem Se­kretär allein war, „nous voilâ donc aux Tuiieries. Main- tenant il laut y r e s t e r!“

Deutschland.

0 Weilburg, 12. Jan. Vom deutschen Vereine für „Frei­heit, Gesetz unv Ordnung" ist nachfolgende? Abreffe an den Reichstag gegangen:

Deutsche Brüder!

Ein einiges, freies, großes, mächtiges Deutsch­land, das ist's, was wir erstreben, was wir seit der völker- erschütternden Bewegung der Märztage erstrebt haben. Die Fesseln, welche der alte Bunvestag mit der selbstsüchtigsten Po­litik gegen allen freieren Aufschwung den einzelnen Staaten anlegte, sie waren das Unerträgliche, das Schimpfliche, waS uns vor den Augen deS Auslandes erniedrigte, waS uns die Zustände im Innern deS Vaterlandes verächtlich und empörend machte. Diese zu brechen und an die Stelle der Selbstsucht, die die Staaten knechtete, wahre Einheit und Freiheit zu setzen, darum ist das deutsche Volk aufgestanden unv hat eine große, starke und gemeinsame Verfassung gefordert, unter deren Schutz sich alles Einzelne selbstständig und frei sollte entwickeln kön­nen, wie es die Natur der Völker, wie es die Geschichte der Menschheit verlangen. Zudi esem Zwecke ist das Vorparlament zusammengetreten, zu diesem Zwecke haben die Staaten, Re­gierungen und Völker einmüthig das Parlament gebildet.

Mochten auch Wahn und Selbstsucht Einzelner gleich an­fangs statt ruhiger, friedlicher Gestaltung mit Gewalt einen Umsturz deS Bestehenden herbeiführen wollen, ver gesunde Sinn der Völker hat mit starkem Willen die Regierungen unterstützt, ein so frevelhaftes, unheilschwangeres Beginnen kräftig zu un­terdrücken. Das Volk will Ordnung, willdie Herr­schaft des Gesetzes.

Die wiederholte Auflehnung gegen die gesetzliche Entwicke­lung, die sich durch die Mehrheit des Parlaments gestalten soll, die schlechten Mittel, deren sich die Selbstsucht und die Verblendung zur Erreichung ihrer unzeitigen, dem Gefühle des Volkes widerstrebenden Pläne gegen die Mehrheit unauf­hörlich zu bedienen luchten, sie haben aber bei dem in seinen lebendigsten Interessen angegriffenen und verletzten Volke den mächtigen Rückschlag verursacht, daß es im Stande ist, die Ruhe um jeglichen Preis zu wollen. Das ist das Werk der schlechten Wühler, der in mannigfach erneuerter Gestalt auf­tauchenden Anarchie, der dauernden Revolution.

Die große Sache der Einheit Deutschlands, der einheitli­chen und dadurch mächtigen Regierung unseres Vaterlandes ist heute wieder in Frage gestellt; denn schon sehen wir die. er­bärmliche Eitelkeit einzelner Regierungen sich mit den Führern der Anarchie vereinigen, um der wahren Einheit Deutschlands entgegenzutreteii. Das ist die Verbindung der Lüge mit der Luge! Erreicht sie ihren Zweck, so ist Deutschland zerrissener, machtloser als je und das in einem Zeitpunkte, wo alle unsere Nachbarn gerüstet lauern, wie sie an dem zerfallenen Deutsch­land Polens Theilung erneuern mögen.

Deutsche Brüder, sey'd wach! jetzt gilt es Be­stehen oder Vergehen. Sprechet es Alle laut aus, daß ihr die selbstsüchtige, reaktionäre Zersplitterung nicht wollet, die jetzt den Untergang Deutschlands herbeiführen muß. Eure Regierungen, eure Vertreter werden der verderblichen Eitelkeit entsagen, wenn sie euren einmütigen Ruf hören. Deutschland wird nicht nur gerettet, es wird das größte, mächtigste, freieste Land Europa's seyn. Erkläret es laut in zahllosen Adressen mit Millionen Stimmen durch die freie Presse, daß ganz Deutsch­land, daß die Paulskirche, daß alle Höfe und Regierungen da­von wiederhallen, „ihr wollet den D eutsch esten' aller Deutschen, Heinrich Gagern als verantwortli­chen Lenker der Geschicke Deutschlands, ihr wollet die deutschesten und mächtigsten aller beut'ten Nationen, die Retterin von der Fremdherrschaft, Preußen mit sein ein K öni g e an der Spitze Deutsch­lands, um euch au f ewige Z e iten zur Stärke und WohlfahrtDeutschlandsinunzerreißbarerEinig- keit um sie zu schaaren. Was ihr wollet, daö muß und wird geschehen.

Weilburg a. d. Lahn, 10. Januar 1849.

Der deutsch-konstitutionelle Verein für Freiheit, Gesetz und Ordnung."

Frankfurt, 12. Januar. (Reichstag. — Fortsetzung der Berathung des Berichts über das ministerielle Programm „die österreichische Frage betreffend).

Reichsminister Herr v. Beckerath: Kein Theil Deutsch­lands soll deutscher seyn als Oesterreich, wo 70 Wahlbezirke