Berlin. Der Herausgeber der Lokomotive Held, ist hier auf Antrag eines Gläubigers zum Schulbarrest gebracht.
Hamburg, 9. Jan. Seit einigen Tagen hielt sich der ehemalige Schneider Weitling, bekannt durch seine Schwärmerei für den Kommunismus, in Hamburg auf; der Mann verhielt sich ganz ruhig, und wenn er, wie eS in der Ordnung war, mit demNachweise von Eristenzmitteln, eine Aufenthaltskarte gelöst hätte, so würde es der Behörde wohl nicht eingefallen seyn, Hrn. Weitling nach sechswöchentlichem Verweilen auszuweisen. Auf die Nachricht von dieser Maßregel beschloß der Bürgerverein, der Sache Weitling's sich anzunehmen. Am Donnerstag will er dem Senate eine Deputation zusenven, welche eine Eingabe zu Gunsten Weitling's überreichen und auch durch mündlichen Vortrag für sein Bleiben in Hamburg wirken soll.
Altona, 9. Jan. (K. Z.) Das strenge Militärrecht hat so eben seine im Ernst der Zeit doppelt nothwendigen Satzungen abermals aufrecht erhalten müssen. Man erinnert sich der Jnsubordinationsvorfälle, welche am 4. Septbr. v. I. in Kiel das vierte schleswig-holsteinische Jnfantericbataillon sich zu Schulden kommen ließ/ Am 6. d. M. ist vom Kriegsgericht das Urtheil gesprochen worden. Es fiel sehr scharf aus, indem von den schuldigen Soldaten 10 zur Zuchthausstrafe für eine Dauer von 8 und 6 Jahren verurtheilt wurden.
Wien, 7. Jan. Die Sanitätskommission in Wien hat gestern über das Auftreten der Cholera eine Kundmachung erlassen, des wesentlichen Inhaltes: daß im Garnisonspitale unter den seit längerer Zeit chronischer Leiden wegen dort befindlichen Soldaten der seröse Brechdurchfall unter mehr oder weniger entwickelten Choleraformen eingebrochen seh, und vom 29. Dez. bis 5. Jan. 29 Individuen befallen habe, wovon 15 gestorben. Hingegen sey nirgends weiter in Wien eine einzige derartige Erkrankung vorgekommen, noch habe der hisherige Krankheitsbestand eine Veränderung erlitten.
Wien, 5. Jan. (A. Z.) In gut unterrichteten Kreisen hört man, daß Kossuths Flucht aus Pesth als eine Unmöglichkeit zu betrachten sey. Eine der angesehensten Familien Ungarns nämlich, welche man nennt, lasse ihn durch Privatspione bewachen, weil er ein Glied dieser Familie unter der Beschuldigung , daß es mit Jellachich in Verbindung stehe, hat hängen lassen, wofür man jedenfalls Rache nehmen will.
Wien, 7. Jan. Man bemerkt seit dem Oktober, daß Fälle von Irrsinn ungleich häufiger als sonst vorkommen. Seit 8 Tagen ist das Irrenhaus um 12 Gäste reicher geworden, und bei den meisten scheint die Krankheit Folge der Oktober-Erschütterungen zu seyn, denn ihre Phantasiern drehen sich um Sturmläuten, Feuersbrünste, Erschießen und andere schreckliche Scenen aus der Belagerungsperiode.
Allen Hutmachern ist unter Androhung strenger Strafen verboten worden, Hüte mit Fevern oder mit lackirten Bändern an ihren Schaufenstern aufzustellen!
Italienische Reisende erzählen, daß die Lagune zufriere. Wahrlich, alle Elemente scheinen sich mit der österreichischen Armee zu verbinden.
Man sieht hier mit immer größerer Bestimmtheit der Su- spendirung, vielleicht Auflösung des Reichstages entgegen. Wird sich der Anlaß nicht in den Grundrechten ergeben, so erwächst er wohl aus den ungarischen Angelegenheiten. Denn die Repräsentation Ungarns an einem vereinigten Landtage tritt als Lieblingsgedanke immer mehr hervor, und dürfte nach der Bezwingung Buda-Pesth's, welche man in diesen Tagen voraussetzt, zur Verwirklichung kommen. Erschiene somit der Reichstag inkomplet, so müßte er, wenn nicht aufgelöst, jedoch auf einige Monate prorogirt werden.
Aus Ollmütz vernimmt man, daß alle Einrichtungen getroffen sind, um den Aufenthalt des Kaiserhofes bis zum Mai folgen zu lassen. Der Kaiser benimmt sich sehr liebenswürdig gegen die ihm voraestellten Personen und weiß in allen Sprachen mit Gewandtheit und Sachkenntniß über die verschiedenartigsten Angelegenheiten zu reden. Eine Deputation aus Triest, fast durchgängig aus Kaufleuten bestehend, ward zur Tafel gezogen, was unter Kaiser Ferdinand in ähnlichen Fäl
len sehr selten, unter Franz niemals geschah. Die Mitglieder derselben rühmen das freie ungezwungene Benehmen des jungen Monarchen und seine verständigen Fragen und Aeußerungen. Erzherzogin Sophie hatte dabei Thränen in den Augen und sagte zu einigen der Deputirten, sie dürften für das Wohl des Kaisers beten, denn so jung er sey, so habe er ein gereiftes Urtheil über die Angelegenheiten des Landes. Die Erzherzogin Sophie wird ihren Sohn nicht verlassen.
Man versichert, daß der nachgeborne Bruder (dies würde der Erzherzog Ferdinand seyn, geb. 6. Juli 1832) des Kaisers zum Vizekönig der Lombardei ernannt werben soll, und denkt die Angelegenheiten dieses Landes in völlig unabhängiger Weise von den Friedensunterhandlungen mit Sardinien zu behandeln. Uebrigens muß sich Feldmarschall Radetzky sehr sicher fühlen, da er' einige Brigaden Kavallerie als Hülfökorps zur ungarischen Armee entsendet hat.
Der „Oesterreichische Soldatenfreund" meldet bereits, daß über jene Offiziere, welche die Partei der Kossuth'schen ergriffen hatten oder ergreifen mußten und sich nun freiwillig oder gezwungen stellen, zehn Untersuchungskommissionen zusammengesetzt und in Thätigkeit sind.
Cilli, 4. Jan. Trotz 18 Grad Kälte wurde gestern die Probefahrt auf der Eisenbabnstrecke von Cilli nach Tüster (auf dem Wege nach Laibach) mit Maschine und Tender unternommen, und lieferte den Beweis, daß die Fahrt seiner Zeit eben so sicher als in geognostischer und ästhetischer Beziehung interessant seyn wird.
Großbritannien.
London, 8. Jan. Der Herzog von Wellington, den man gefährlich krank gesagt hatte, befindet sich wieder auf dem Wege der Besserung. — Der „Times" schreibt man aus Paris, daß daselbst die ÄussickUen der Legitimisten auf einen baldigen Sieg ihrer Partei täglich zunehmen.
Rußland.
Die von dem Olmützer östrr. Korrespondenten mitgetheilte Nachricht vom Tode des Fürsten Paskewitsch bestätigt sich nicht. Das Olmützer Blatt wollte jene Nachricht aus Krakau vom 27. Dez. haben. Indessen liegen Berichte aus Posen vom 4. Januar und aus Petersburg vom 30. Dez. vor, die nichts davon wissen. Auch die Berliner Blätter schweigen.
Amerika.
Durch das neue Dampfboot „Canada," welches der königl. brittisch-nordamerikanischen Postgesellschaft gehört, sind New- Aorker Nachrichten bis zum 20. Dezember nach Liverpool gelangt. Die Verhandlungen im Kongreß zu Washington waren bis dahin von keiner hervorragenden Wichtigkeit. Ein Antrag im Senat: Der Präsident möge um Aufschluß über etwaige Korrespondenz, die mit Spanien über Ankauf der Insel Cuba gepflogen worden, angegangen werden, stieß auf Opposition, und wurde zurückgenommen.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
31] Wer an der am nächsten Sonntag, den 14. d. M., stattfindenden Schlittenfahrt Theil nehmen will, wird gebeten, sich mit Schlitten Mittags 2 Uhr am Kursaal einfinden zu wollen.
Die erste Ausgabe des politischen Blattes wird an jedem Werktage, Abends um 6 Uhr, ausgegeben oder kann im Erpeditionslokale abgeholt werden.
Die Expedition der Nass. Allg. Zeitung.
.Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.
