frage gebildet; das Ministerium ist für das Schutzzollsystem, der Handwerkerstand und die Arbeiter neigen sich ebenfalls auf diese Seite; die großen sächsischen Fabriken endlich, die nur noch durch starkes Herabdrücken der Arbeitslöhne die Konkurrenz mit dem Auslande aushalten, sind froh, nun auch einmal von andern Leuten das Kapitel vom Schutzzoll in ihrem Sinne besprechen zu hören. Die Geldaristokratie sieht aber diese Manifestationen gegen den Freihandel mit scheelem Auge an, und ist auch sehr unwillig auf das Ministerium, das von der Gewerbefreiheit nichts wissen will.
Berlin, 5. Jan. Der neueste Staatsanzeiger (vom 6.) enthält in seinem amtlichen Theil 1) die königl. Verordnung über die Aufhebung der Privatgerichtsbarkeit und des erimirten Gerichtsstandes sowie über die anderweitige Organisation der Gerichte ; 2) die königl. Verordnung über die Einführung des mündlichen und öffentlichen Verfahrens mit Ge- schworenen in Untersuchungssachcn; 3) die königliche Verfügung, daß am 22. und 29. Jan., als die Hauptwahltage, alle Ämtsgeschäfte wie an Sonntagen sistirt werden; 4) Bekanntmachung über zum Vorschein gekommene falsche Darlchns- kassenschcine zu 5 und 1 Thlr. unter Zusicherung einer Belohnung 300—500 Thlr. für Jene, deren Anzeigen zu Ergreifung und Bestrafung der Verfertiger führen würden.
Berlin, 7. Jan. (Voss. Z.) Zu Ende Novembers hatten sich nicht weniger als 5832 brodlose Arbeiter im Arbeits-Nach- weise-Büreau gemeldet, worunter sich volle 3012 Tagelöhner für grobe Handarbeit befanden. — Man rechnet mit Grund, saß die Stadt während der Sommermonate 200,000 Thaler für Tagelohn zur Beschäftigung von Brodlosen ausgegeben hat, sie Zuflüsse aus der Armen-Verwaltung noch ungerechnet. Und »och ist die Polizeibehörde der Stadtverwaltung insofern behilflich gewesen, als die aus der Fremde herzuziehenden Hand- irbelter schon seit dem Juli v. I. regelmäßig fortgewiesen worden sind.
In der Stadt war heut vielfach das Gerücht verbreitet, >aß der Staatsanwalt die Verhaftung der früheren Abgeordne- en Jung, Waldeck und Behrend verfügt habe, von vielen Leiten wurde sogar versichert, die Verhaftung sey schon erfolgt. Lo viel wir in Erfahrung gebracht haben, soll gegen Herrn jung allerdings ein Einschreiten der Behörde, wegen einiger im demselben verfaßten Broschüren und wegen seiner nach km alten Landrecht allerdings noch strafbaren Duell-Thätigkeit, tineswcgs aber wegen seiner Führung als Abgeordneter, beab- $tigt werden, aber gegen die persönliche Freiheit der übrigen lbgeordneten soll bisher der Staatsanwalt noch nicht das Kindeste unternommen haben, namentlich soll derselbe dem ge- en Hrn. Temme beobachteten Verfahren völlig fremd seyn.
Der Bau der Sitzungssäle und dazu gehörigen Lokalitäten ir beide Kammern wird mit der eifrigfteu Anstrcngung betrie- en; die Vollendung desselben binnen so wenigen Wochen als och zwischen hier und dem Gebrauch liegen, ist keine leichte Aufgabe. Zudem sind manche vorbereitende Verhältnisse erst wz neuerdings geschlichtet worden. Die definitive Abtretung ts Gebäudes für den Saal und die Zubchörigkeiten der ksten Kammer hat erst vorgestern stattgefunden.
Wien, 4. Jan. (A. Z.) Das Hauptquartier des Fürsten Linbisch- Grätz ist nach Katz vorgeschoben, die Vorposten des ianus stehen unfern von Ofen. Eine für Pesth vorgeschla- me Kapitulation soll Windisch-Grätz zurückgewiesen haben: : unterhandele nicht mit Aufrührern. Die Nachricht von der innahme Esseks war voreilig. Es war umschlossen, ebenso omorn, in das sich viele ungarische Edelleute geflüchtet haben llen. Der rechte Brückenkopf ist bereits genommen. Von ulSzky hieß es, er sey nach Breslau entkommen. Der neu- annte serbische Woiwode, General Supplikacz, war in ncsowg eines jähen Toveè verblichen. — Im Wiener ilitärspital ist — wie unS berichtet wird — die Cho- ra auSgebrochen. Man zählte 11 Todte.
Wien. Die gestern kurz erwähnten offiziellen Nachrichten 16 dem Hauptquartier des Feldmarschalls Fürsten Windssch« ratz lauten: „Dien 31. Dez. 1848v Der schnelle Fortgang
Operationen in Ungarn hat kaum die nöthige Zeit gelöst n, das Publikum mit den Hauptereignissen bekannt zu machen, in Feldzug, der in 14 Tagen alle die gegen Pesth dirigirten olonncn, die linke bis Kaschau, jene, welche über die Ja- anka gegangen, bis Neustadtl, die dritte von Tyrnau in der
Richtung gegen Neutra, eine vierte von Preßburg bis vor Komorn, die Hauptarmee nach den Siegen bei Babolna und Moor bis vor Ofen, endlich die rechte Flügelkolonne von Steinamanger und Körmend in der Richtung gegen Szallav- EgerSzeg und das nördliche Ufer des Plattensees gebracht, kann wie natürlich nicht viel Zeit zu einer geordneten Relation lassen. Die bisher getrennten Ko'onnen, deren Führer biS jetzt nur selbstständig und nach einer einfachen Disposition: vorwärts, handeln mußten, werden sich jetzt mehr zur Lösung des großen Problems vereinigen. Diese Lösung kann nicht zweifelhaft seyn. Ein wohlgeordnetes, schlagfertiges Heer, das nur immer trotz allen Entbehrungen und Hindernissen jubelnd ins Gefecht zieht, anher durch seinen hohen Führer begeistert, von der Gerechtigkeit der heiligen Sache, die es vertheidigt, durchdrungen, gegenüber einer Bande von Rebellen, denen nichts mehr heilig ist — denn sie zerstören ohne Rücksicht den letzten Wohlstand ihres Volkes — geführt durch Fanatiker, die aus den untern Chargen der Armee entwichen, oder aus dem Advokatenstande herübcrgetretcn, und auch nicht die geringsten Begriffe von der Führung eines Heeres haben, da kann wohl der Ausgang keinem großen Zweifel unterliegen. Das irregeführte betrogene Volk fängt an, ans seinem Taumel zu erwachen. Reumüthig kehrt so Mancher, der nur überrascht oder verblendet war, zurück, und schnell wird das gott- lose Drama enden, welches einige Verräther geschaffen und einige Wüthende zum Schrecken ihres eigenen Landes aufgeführt haben. Muß doch Alles dem ewigen Ges Ye: daß Unrecht nicht bestehen kann, unterliegen. So gewinnt der Krieg in Ungarn immer mehr einen bestimmteren Charakter. Die regellosen Haufen, diese Nebelbilder lösen sich auf vor der geordneten Gewalt, und was noch einen Besitzstand hat, wendet sich an den Schutz der rückkehrenren Gesetze.
Bis den 22. Halte das äußerste Flügelkorps unter Feld- marschalllieutenant Grafen Schlick die ganze Landesstrecke, von den Karpathen bis südlich über Kaschau, vollkommen pazifizlrk. Die Rebellen waren in daS Innere der Torner Abbaujvärer Komitate geflohen, welche Komitate früher durch die bevollmächtigten Kommissäre, Kossuth, Jrâny, Farkaszany, Graf Heller, Pulszky und Ladislaus Ujhüzy terrorisirt wurden. Feld- marschalllieutenant Graf Schlick war beflissen, die gestörte Ordnung in allen Städten wieder herzustellen, so viel als möglich die Lasten, welche das Einrücken einer größeren Truppenzahl hervorbringt, dem gänzlich geplünderten Lande ju vermindern, die Gutgesinnten zu ermutigen und die Jrregeführken zu ihrer Pflicht zurückzubringen. Graf Stephan Szirmay, einer der angesehensten und einflußreichsten Bewohner des Sarofer Ko- mitats, voll Thatkraft und Liebe für die geheiligte Sache seines Königs, bot sich zur Errichtung eines Freikorps an, daS auch schon durch die großen Vorräthe, welche die Rebellen auf ihrer Flucht zurückließen, bekleidet und bewaffnet ist, und zur Aufrechthaltung der inneren Sicherheit mit Nutzen verwendet wird.
Den 30. Dezember hat der Feldmarschalllicutenant Graf Wrbna das nun bereits von der Insel Schütt und den beiden Ufern der Donau eingeschlossene Komorn zur llebergabe aufgefordert. Ein ehemaliger pensionirter k. k. Offizier, Meythenp, vom Wahnsinn befangen, daß ihn der dem Rebellen Kossuth geleistete Eid mehr binde, als jener, den er zuerst feinem Kaiser geschworen, hat die llebergabe bis jetzt noch verweigert. Die Donau und Waag sind so fest gefroren, daß man mit dem schwersten Geschütz von allen Seiten allerorts diese Flüsse passi- ren kann, welche die Hauptvertheidigung dieser Festnng bilden. Auch hier dürfte der Ausgang nicht zweifelhaft seyn, und die gerechte Strafe bald den Verräther erreichen.
Daß die Leiter der Operationen des Rebcllenheerrs , sowohl in diesen Operationen selbst als auch in den aller Orten angelegten Vertheidigungsanftalten, den grassestcn Unverstand beurkunden — dafür sprechen die letzten Vorgänge bei Raab. Eine zwecklos abgehauene Allee der schönsten Pappeln zwischen Raab und Hochstraß in einer holzarmen unschönen Gegend, welche den bei Nacht sowie in Schneegestöber Reisenden — wenn jede Spur der Straße unsichtbar wird — zur Ruht- schnur bienten; unzweckmäßig angelegte Feldverschanzungew in den größten Ausdehnungen, welche zu besetzen doppelt so viel 1 Truppen und Geschütz erfordert hätten — eine Vorgefundene, neun Fuß tiefe, mit drei Zentnern Pulver gefüllte Flattermine, deren Plazirung und Wirkung sich in einer durchaus offenen - Gegend — die von selbst auf eine Umgehung hinweiset, keinesfalls als großartig herausstellen dürfte, und nicht zu erklären ist; anderer schändlicher Mittel nicht zu gedenken, von denen
