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sammeln und jetzt nochmals durchgehen; sie werden eben darin den meisten Stoff zum Nachdenken über Alles finden, was und wie es gekommen ist. An vielen Stellen fehlte cs an Intelli­genz und, wo diese vorhanden war, am guten Willen. Alles war eben nur Zufall, und wer das Glück hatte, fand Gewäh­rung. Am Ende ist es auch ein Prinzip, keine Prinzipien zu haben, gleich: tel est notre plaisir. Das ist die Nemesis, die bis in's dritte und vierte Glied jeve Verletzung des Rechtes und der Vernunft strafet. —

Ihre Versprechen, Herr Redakteur, haben solche Neujahrs­gedanken in mir erweckt. Wenn man vom Alpdrücken auf« wacht, oder von einen; schweren Traume, wie der unglückliche Jüngling Jean Paul's in der Neujahrsnacht; dann wieder­holt man sich kurz das Ueberstandene, um sich der Freuden der Befreiung um so mehr zu überlassen. Dazu wird und kann uns die konstitutionelle Monarchie helfen, nur nicht in ihrer Verpfuschung, wie sie Ludwig Philipp in Frankreich verschuldete, sondern in ehrlicher und wirklicher Durchführung, wie sie die aufrichtigen Monarchisten um der Monarchen selbst willen schon längst wünschten. Dieses Panier, ohne Reaktion und ohne Anarchie, haben auch Sie, Herr Redakteur, aufgestellt. Möge eS Ihnen gelingen, dazu recht viele Mitarbeiter in Naffau's Gränzen zu finden. Der schöne Traum des Musterstaates, in welchen sich Viele Nassauer früher wiegten und gern wiegen ließen, ist dahin; die Zeit hat die Träumer geweckt und mit drohendem Finger gewaltigere Forderungen an uns gemacht. Auch die Presse hat hierbei ihren Beruf, und die nassauische Presse, wie jung immer, noch kein volles Jahr alt, möge die­ses schönen Berufes stets eingegenk bleiben.

D e n t s ch l a n d.

Frankfurt, 3. Jan. Bei der in der heutigen Sitzung vorgenommenen Präsidentenwahl ward Eduard Simson zum ersten Vorsitzenden, Wilhelm Beseler zum Stellwertreter und Kirchgeßner zum zweiten Stellvertreter erwählt.

Frankfurt, 30. Dez. Die Thätigkeit H. v. Gagern's an der Spitze des Reichsministeriums macht sich zunächst in einem Verhältniß geltend, das Schmerling, aus welchen Grün­den auch immer, nur zu sehr vernachlässigte. Die erste, ge­meinsame Verhandlung mit den Kommissarien der deutschen Regierungen betraf die Grundrechte. Gestern schon war eine nicht minder wichtige. Was wir über dieselbe erfahren haben ist folgendes. Es handelte sich um die Ma trikul arb e i- träg e der Regierungen.

Oesterreich hat bekanntlich nur für das erste Quartal dieses Jahres und sehr spät bezahlt. In Betreff des ersten Seriebeitrags zur Flotte (172 Million Gulden) hat es erklärt, daß es seine Flotte im Mittelmeere stets auch im Interesse Deutschlands verwandt habe, daß es bemüht sey, dieselbe zu erweitern, daß diese Flotte mit Zubehör ungleich höher an Werth sey, als der geforderte Beitrag, daß es denselben am wenigsten jetzt zahlen werde, wo die Verhältnisse zwischen Oesterreich und Deutschland nicht geordnet seyen.

Preußen hatte die erste Zahlung auch für mehrere Zoll- vercinsstaaten ausgelegt; der Korrespondent hat nicht in Er­fahrung bringen können, ob dasselbe auch für diese zweite Zah­lung nöthig wird.

Baiern hat in Betreff der zweiten Zahlung stch seme Erklärung vorbehalten; in Betreff der ersten (von Preußen ausgelegten?) erklärt, es habe durch seine Landtruppen im Reichsdienst so viel geleistet, daß es bei der Umlage der be­treffenden Lasten damit die erste Zahlung niKt allein gedeckt habe, sondern noch Geld vom Reiche herausbekommen müsse! Sodann ist die Berathung auf die durch die Verwendung von Reichstruppen entstandenen Kosten übergegangen.

Braunschweig hat den Takt gehabt, zu erklären, daß der nächste Gewinn der durch solche Truppen hergestellten Ruhe eben den meist kleineren Staaten zufalle, wohin sie gesandt worden, und daß eS ungerecht seyn würde, etwa Hannover oder Preußen, das im eigenen Lande mit eigenen Truppen Ruhe geschafft, auch noch für diejenigen Sendungen eigener Truppen, die das Reich nach Baden, Thüringen u. s. w. be­ordert, Matrikularbeiträge zahlen ju lassen.

Preußen hat darauf erklärt, daß eS diese Beiträge zahle, ohne jedoch damit einer künftigen Ordnung dieser Ver­hältnisse Präjudiziren zu wollen; Baiern seinerseits hat auch für die an der Iller, allerdings auf Aufforderung des Reichs

aufgestellten baierischen Truppen die Reichsentschädigung ge­fordert; dasselbe Baiern, das, ehe der Malmöer Waffenstillstand hier genehmigt war, seine ganze Heeresmacht dem ReichSver- weser zur Verfügung stellte. (O. P. Z.)

Frankfurt, 3. Jan. (O.-P.-Z.) Wir erfahren aus guter Quelle, daß gestern an den hiesigen österreichischen Bevoll­mächtigten eine Note seiner Regierung vom 28. Dez. einge­laufen ist, worin in Antwort auf das Gagern'sche Programm erklärt wird, Oesterreich werde eine neue deutsche Verfassung nur anerkennen, wenn dieselbe mit seiner Zustimmung zu Stande komme, welche um so mehr eingeholt werden müsse, als es nach der bisherigen Ver­fassung in Deutschland den Vorsitz zu führen habe. Einer Gesandtschaft bedürfe eS nicht. Von den Beschlüssen der Na­tionalversammlung soll in der Note mit keinem Worte die Rede seyn. Wir müssen erwarten, in den Stand gesetzt zu werden, den Inhalt genauer mitzutheilen. Nach dem aber zu urtheilen, was wir bis jetzt erfahren, bedauern wir, fürchten zu müssen, daß Diejenigen Recht behalten, welche glauben, Oesterreich beeisre sich nicht, zur baldigen Herstellung eines in sich geschlossenen starken Deutschlands beizutragen. Die Mehrheit der Nationalversammlung wird nun zu zeigen haben, ob sie ihre Aufgabe versteht. Herr v. Schmerling ist zurück­gekehrt.

Köln, 2. Jan. (K. Z.) Die eben so störende, als ge­fährliche Unsitte des Schießens in der Neujahrsnacht und am Neujahrstage selbst ist in diesem Jahre doppelt geübt worden. Gestern Morgens wurde einem Barbier, der seinem Geschäfte nachging, auf der Straße von einem wohlgekleideten Manne ein Auge ausgeschossen. Den Unglücklichen brachte man in's Bürgerhospital.

Berlin, 31. Dez. Das Lese-Institut der „Zeitungshalle" zeigt seinen Abonnenten heute sein Aufhören mit dem morgen­den Tage an, weil der Belagerungszustand zu viele seiner früher so zahlreichen Besucher verscheucht habe. Die Wieber- eröffnpng soll stattfinden, sobald eine Erleichterung der jetzigen Lage es möglich macht.

Der bekannte Konditor Karbe ist auf Grund eines Haft­befehls des Untersuchungsrichters beim Kriminalgerichte vor­gestern zum Arrest eingeliefert worden. Die rednerische Thä­tigkeit, welche Karbe am Abend des 31. Oktober, wo vor dem Schauspielhause die bekannten Vorfälle sich ereigneten, entfaltet hat, soll die Veranlassung zu seiner Verhaftung seyn.

Gegen Herrn Jung ist wegen seiner Schrift wider den Berliner Magistrat eine Voruntersuchung eingeleitet. Die Stelle am Schlüsse der Schrift: „Nur der Magistrat von Berlin fühlt sich wohl und küßt dem Unterdrücker die mörderische Hand", soll eine Majestätsbeleidigung enthalten.

Das Krankenhaus Bethanien soll wegen Ueberfüllung der Charite zum Irrenhause eingerichtet werden. Auch verlautet, daß man die vor mehreren Jahren aufgehobenen „öffentlichen Häuser" aus sanitätspolizeilichen Rücksichten wieder gestalten will. Die Anlegung solcher Häuser soll jedoch nur auf dem Köpenicker Felde stattfinden dürfen.

Berlin, 30. Dez. Der Besuch unserer Universität nimmt auffallend ab, und während sonst zum Winter größerer Zu­gang erfolgte, läßt sich dießmal das Gegentheil wahrnehmen, wie aus dem heute erschienenen amtlichen Verzeichniß des Per­sonals und der Studirenven der Universität ersichtlich ist. Im vorigen Sommer waren 1373 Studirenbe. Davon gingen zu Michaelis ab 505, es blieben demnach 868. Dazu find in diesem Halbjahre gekommen 314; die Gesammtzahl der imma- trikulirten Studirenven beträgt daher 1182. Außerdem besu­chen die Vorlesungen, als zu deren Anhörung berechtigt, noch 455 Nicht-Jmmatrikulirte, wie Chirurgen, Pharmaceuten, Zög­linge der Vorbildungs-Anstalten für Militärärzte k. Es ha­ben folglich 1637 an den Vorlesungen Theil genommen. Die Zahl der Lehrer beträgt 176, so daß auf etwas über neun Lernende ein Lehrer kommt.

Wien, 28. Dez. (Lith. Korresp.) Die „Wiener Zeitung" gibt einen Ausweis über die humane Behandlung der zur Haft gebrachten Personen. Von 2300 Eingezogenen seyen be­reits über 2000 wieder entlassen.

Auf die hier befindlichen Literaten und die ihnen zu Ge­bote stehenden Erwerbsmittel wird ein wachsames Augenmerk gerichtet.