hne Weiteres von da wieder zurückzurufen nicht säumen >>erde. Das gesummte sächsische Volk wird, wenn es dazu sommen sollte, mit seiner ganzen Kraft hinter dem Ministerium i sehen und dessen Energie unterstützen." (S. M.)
Berlin, 27. Dez. Lebhafte Verhandlungen sind mit Dessau geführt worden, weil Preußen unter Anderm die Ausweisung .ier Demokraten verlangte. Die Anwesenheit des dessauischen Ministers bezog sich außerdem auf die Verfassungsveränderungen, svelche man herbeiführcn will, und auf Uebernahme des Dessauischen Kontingents gegen Geldentschädigung. Dr. Habicht ,soll jedoch sich in keinem Punkte nachgiebig gezeigt haben, Ändern nur der Gewalt, d. h. dem Einrücken preußischer ; Truppen weichen wollen. Allerdings ist Köthen ein Mittelpunkt ,per Demokratie für Berlin geworden und eS findet ein häufiger ^Verkehr mit der Nachbarschaft statt, so daß auch öfters größere ^Versammlungen durch Deputirte aus der ganzen Umgegend dort .abgehalten werden. (B. H.)
Wien, 28. Dez. (A. 3 ) Eben eingehenden Berichten .aus Belgrad vom 24. zufolge, hatten der Fürst Cara Georgie- , witsch und der serbische Senat nach Eingang der Nachricht, daß 'der Kaiser von Oesterreich die serbische Woiwodschaft mit einem Patriarchat anerkannt habe, beschlossen, ein Hülsskorps von 10,000 Mann regulärer Truppen nebst einem Subsidienbeitrag von 20,000 Dukaten zur Verfügung dieser Woiwodschaft zu stellen. Außerdem wurde die Erlaubniß ertheilt, daß Freischaaren über die Douau setzen dürfen, um zu den serbischen Truppen * in Ungarn zu stoßen. Jung und Alt greift jetzt in Serbien ' zu den Waffen. Der Pascha von Belgrad hat alle diese Ver- a fügungen der serbischen Regierung anerkannt.
r Wien, 28. Dez. Die „Wiener Zeitung" spricht sich heute 'r über den Zweck der Anwesenheit des Hrn. v. Schmerling 9 in Wien folgendermaßen auS: „Hrn. v. Schmerling's Erscheinen in Wien hat in diesem Augenblicke eine hohe Bedeutung. Nach unserer Ansicht ist cS seine Aufgabe, im österreichischen 6 und im allgemeinen deutschen Interesse Vermittelung und Ver- h ständigung nach beiden Seiten hinzubieten.
« Triest, 24. Dez. (Lloyd.) So eben landete hier der i< königl. englische Kriegsdampfer „Arvent", von Venedig kom- il mend. Die seit einigen Tagen hier herrschende fürchterliche n Bora wüthete auch dort, und die königlich englische Kriegs- $ brigg „Muting" fand dadurch auf den Sandbänken jener Küste il ihr Grab; drei Offiziere und zwei Soldaten büßten dabei das i- Sehen ein, einigen andern erfroren die Füße. Die übrige v Mannschaft hat sich auf dem „Ardent" gerettet. Die sardi- ir nische Flotte ward bei Otranto gesehen. ei v -------------- b
>i Frankreich.
J □ Paris, 31. Dez.
J — Francois Simon Bernard, der berüchtigte Klubbchef, . stand gestern vor den Seine-Assisen. Die Staatsanwaltschaft hatte dreizehn Verbrechen gegen ihn artikulirt, welche alle gegen die Grundpfeiler der bürgerlichen Gesellschaft (Religion, Eigenthum und Familie) anstürmen. Nachdem ihn der Präsident * nach Namen, Stand und Wohnort gefragt, begann Bernard: «Bürger-Präsident! Ich habe eine präjudizielle Ausnahme oder .r einen sogenannten NullitätS- oder Competcnzgrunv geltend zu ss machen. In der gegenwärtigen politischen Regierungsform j Frankreichs steht Niemandem daS Recht zu, sich in die Vèr- >i sammlungSvorträge des souverainen Volks zu mischen. Das Recht, frei zu sprechen, steht über allen geschriebenen Gesetzen; das Volk hat daS Recht, alle nur erdenklichen Fragen und ge- sellschaftliche Einrichtungen zu besprechen, als da sind, Eigenri thum, Familie und alle sonstigen Infamien (wörtlich), die sie e enthält. Die Systeme.... ich fühle mich glücklich, sie bekam- w pfen zu können und sie nicht so aufzufassen, wie Jht, Bür- u ger....
Präsident: Aber Sie wollten ja eine RechtSerzeption vortragew!
■n Bernard: Mein Advokat wird den Rechtspunkt erledi- ,n gen. Ich dagegen... .
Präsideirt: Dann entziehe ich Ihnen daS Wort.
D Bernard: Und ich, ich entziehe mich Ihrer Gegenwart. n| (Er fetzt den Hut auf und wendet sich dem Auögange des t SaaleS zu.)
Präsident: Sie setzen den Hut auf, nachdem sie den Gerichtshof und die Jury beschimpften .:..
Bernard: Wenn Sie mich kennten, würden Sie wissen daß ich niemals irgend Jemanden beschimpfte und zwar aus dem Grunde, weck ich niemals einen Schimpf ertragen würde. Ich habe es schon hiermit gesagt, ich gehe fort; ich habe das Recht hierzu.
Präsident: Ja, das haben Sie. Gehen Sie.
(Bernard geht ab. Der Gerichtshof verurtheilt ihn „ia absichtlicher Abwesenheit des Beklagten" zu öjähriger Gefäng, niß- und 6000 Fr. Geldstrafe.
— Das Gerücht geht, der große „Diamant-Regent setz gestohlen worden und bei Bastide Haussuchung gewesen. Bev des find Lügen.
Großbritannien.
London, 30. Dez. Am letztvergangenen Sonntage war der Hafen von Hull der Schauplatz einer frechen Beleidigung, welche die dänischen Matrosen der deutschen Flagge anthaten. Diese begaben sich nämlich in großer Anzahl an den Bortz des Schooner „Okkilina," eines Emdner Schiffes, und rissen, trotz des lebhaften Widerstandes der Mannschaft, die Flagge herunter. Die Polizei ist sogleich thätig cingeschritten, hat in dieses Schiff eine Bewachung gelegt, um der Wieder- Holung dieser Szene vorzubeugen.
Italien.
Nach Berichten aus Mailand vom 24. Dezbr. hatte sich die Stimmung dieser Hauptstadt seit der Rückkehr mehrerer Nobili und Signori seit einigen Tagen bedeutend verschlimmert und viele Symptome deuten auf irgend eine Demonstration hin. Am Freitag und Samstag sah man die roth-grünen Bänder an den Hüten erscheinen und der Corso Pionono wurde laut Corso Garibaldi genannt. Sonntags, hieß es, soll dort mit diesen Bändern Corso gehalten werden. Der Gouverneur, Feldmarschalllieutenant Baron Wimpfen, sah sich auf alle diese Anzeichen veranlaßt, ein ernstes Plakat an die Bevölkerung zu erlassen, worin mit den ernstesten Maßregeln gedroht wird. Unterdessen trafen die günstigen Nachrichten über daS Vor, rücken der kaiserlichen Armee in Ungarn, die Besetzung von Preßburg, Tyrnau u. s. w. ein, und die heftigsten Schreier verstummten. In den Provinzen machen die Siege der kaiserlichen Armee in Ungarn unter der Umsturzpartei einen eben so niederschlagenden Eindruck. (Wien. Z.)
Rom, 23. Dez. (A. Z.) Aus zuverlässiger Quelle hab' ich folgende Notizen über Se. Heiligkeit. In den ersten Tagen dieses Monats schrieb Pius IX. Briefe an alle Fürste» Europa's, die katholischen und «katholischen , worin er ihne» daS in Rom Vorgesallene meldete und die Gründe, warum er seine Hauptstadt verlassen, auseinander setzte. Doch stellen diese Briefe keinerlei Gesuch an die adressirten Fürsten, sow dern erzählen nur einfach das Geschehene. Admiral Parker und Herr Temple haben dem heiligen Vater im Namen der brittischen Regierung ein Asyl in Malta und Schiffe zur Ueberfahrt nach dieser Insel angeboten; er hat ihnen für das freundliche Anerbieten gedankt. Der Papst hat de» Kardinal Castracane zwei neue Aktenstücke Übermacht: 1) die Ernennung des Kardinals Antonelli zum StaatSsekre, tär; 2) die Prorogation der Kammern. Diese beiden Akte find dem Publikum noch nicht bekannt. Wir erwarten eine nahe Modifikation des Ministeriums. Gewiß ist, daß bet' Advokat Armellini eintreten wird. Der Fürst Corsini hat i«f Gemeinderath gegen daS von der obersten Giunta veröffentlichte Edikt vom 20. Dez. protestirt und erklärt, daß er e£ weder gelesen noch unterschrieben habe. Die Guardia Civica fängt an, einzusehen, daß man am 19. AbendS Spiel mit ihr getrieben; man flüstert und murrt darüber, und dieUedel- launigkeit könnte sich in einem gewaltsamen Aüsbruch Lust machen.
