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und leider zwei Personen getödtet, 8 bis 10 mehr oder minder stark verwundet wurden. Der Prinz, der Fürst und ihre Be­gleitung blieben jedoch ganz unversehrt und konnten am 23. die Reise nach Ollmütz fortsetzen, wo sie gegen Abend wohl­behalten eintrafen.

Leipzig', 31. Dez. Einen für seine Zeit unersetzlich zu bezeichnenden Berlust erlitt die Hochschule Leipzigs und die ge- sammte Wissenschaft noch in dem scheidenden Jahre durch den Tod des als Philolog und Vertreter des Humanismus welt­berühmten, als Mensch in der höchsten Achtung stehenden Pro­fessor Dr. Gottfried Jakob Hermann, geboren 1772 zu Leipzig, der heute Morgen nach längerem Krankenlager er­folgt ist. (D.A.Z.)

Berlin, 31. Dez. (Lith. Korresp.) Man erzählt sich hier, der Prinz von Preußen habe erklärt, sein Palais nur miethsweis beziehen zu wollen, da dasselbe nun einmal und zwar mit Genehmigung des Königs im März als „National- Eigenthum" bezeichnet worden sey. Der Prinz soll, wie hin­zugefügt wird, den allerdings angemessenen Miethzins von 4000 Rthlr. jährlich der Gkneralstaatskasse offerirt haben.'

In Berücksichtigung der Noth der mittellosen Bevölkerung hat das k. Leihamt eine sehr dankenswerthe Einrichtung getrof­fen. Es wird mit Beginn des neuen Jahres eine Sparkasse in der Art mit der Leihanstalt verbinden, daß die Verpfänder Gelegenheit erhalten, die empfangenen Darlehen nach und nach in Theilzahlungen von 5 <pgr. ab zu berichtigen, wobei ihnen für diese Theilzahlungen eben so hohe Zinsen, als für die Darlehen selbst berechnet werden. . Auch die Auktionskosten für den Verkauf verfallener Pfänder sind auf die Hälfte 6 Pf. für den Thaler des Erlöses) herabgesetzt worden.

Wien, 29. Dez. Die bereits gestern gemelvete Nachricht von der Einnahme Raabs durch den Feldmarschall Fürsten Winditch-Grätz wird durch das heute veröffentlichte siebente Armeebülletin bestätigt. Unsere Truppen rücken auf allen Punkten vor, wogegen die Entmuthigung der feindlichen immer mehr um sich greift.

Der Militär- und Zivilgouverneur Feldmarschalllieutenant Melden macht folgendes siebente Armeebülletin be­kannt: „Se. Durchs. der Fürst zu Windisch-Grätz hat gestern den 27. um 1% Uhr Nachmittags von der Stadt Raab Besitz genommen, nachdem das 1. Armeekorps oberhalb, das 2. unterhalb derselben, dort, wo die Raab in die Donau mündet, diesen Fluß pafsnt, um so dem Feinde den Rückzug abzuschneiden. Der Feldmarschall selbst rückte mit dem Reservekorps an die Rabnitz, wa er sogleich eine Bockbrücke schlagen ließ; — dort empfing er die Meldung, daß der Feind die Stadt und die von ihm angelegten großen Verschanzungen geräumt, und sich mit dem Gros der Armee gegen Komorn, mit einem kleineren Theile aber gegen Ofen zurückgezogen habe. Eine Deputation überreichte die Schlüssel der Stadt und lauter Jubel und Eljenruf für Se. Majestät den Kaiser begrüßte die einrückenden Truppen. Abends war die Stadt erleuchtet. Dèr Feind hatte sich so schnell zurückgezogen, daß er nicht eingeholt werden. konnte. Nur auf der kleinen Schütt kam es zu einigen Gefechten, wobei eine Abtheilung von Kreß Chevaurlegers durch ihre beson­dere Entschlossenheit sich auszeichnete. Ein Offizier von den Rebellen und neun Husaren wurden gefangen. Auch die Jäger, welche das Eis des Donaukanals überschreiten konnten, haben Gefangene eingebracht. Sieht man die große Reihe von Verschanzungen, die der Feind ohne Schwertstreich verlassen, so wird die Muthlosigkeit, mit wel­cher die Rebellen die festesten Stellungen verließen, klar; um so mehr fahren sie fort, durch Großsprechereien von errungenen Siegen das In- und Ausland zu bethören; auf ihrer Flucht alles in Brand zu stecken, große Fruchtvorrâthe dem Lande zu entziehen und so die Zerstörung des eigenen Wohlstandes fort­zusetzen. Viele Offiziere ungarischer Regimenter und Militär- beamte haben den Rückzug benutzt, um zu der Fahne zurückzu­kehren, die sie nur nothgedrungen verlassen hatten. Nach eben eingegangenen Berichten, hat' der Herr Feldzeugmeister Graf Nugent am 25. d. M. mit seinem Armeekorps, 12,000 Mann stark, Könnend besetzt, und die fliehenden Rebellen unter Perez el bis Janoshaza verfolgt, die ihre Richtung gegen Papa zu nehmen schienen. Durch diese Vorrückung ist die Verbindung jenes Korps mit dem StreifkorpS unter Obrist« lieulenant Graf Althann, und durch dieses mit der großen

Armee Sr. Durchl. des Hrn. Feldmarschalls, hergrstellt. — Nach einem Bericht auS Klansenburg vom 13. Dez. hat der Oberst­lieutenant Urban den Feind bis an die ungarische Gränze ge­gen Nagy Banya verfolgt, unterwegs fand er alle romanischen Ortschaften bis auf den Grund verbrannt, und 32 Roma­nen an Galgen aufgehängt. Dieser Anblick erregte natürli­cherweise eine fürchterliche Erbitterung. Der Verlust der Un­garn beläuft sich an Todten auf 150 M., an Gefangenen wur­den 60 eingebracht. Die Chevaurlegers von Maximilian Ferdi­nand 1. MajorSbivision, unter Major Baron Bussek, der von mehreren Kugeln in seine Kleider getroffen, wunderbar unver­sehrt davon kam, haben mit seltener Bravour in engen Gassen die feindlichen Jnfanterieklumpen attaquirt und niedergehauen; mehrere Chevaurlegers wurden mit Bajonnetstichen verwun­det. Die Gegner waren größtentheils Wiener Freiwillige in Honved-Montur. Als der Feind Siebenbürgen verlassen hatte, rückte der Oberstlieutenant Urban in vier forzirten Märschen nach Klausenburg zurück, wo er am 4. Dczbr. eintraf. Auf seinem Rückmärsche schickte er eine Truppenabtheilung in das Thal der großen Szamos, um sich in Verbindung mit der rechts detachirten Truppe des Oberstlieutenants Losenau, der in Banfy Hunyad stand ,unv noch steht, zu setzen, welche Ver­bindung auch in M. Sombor stattfand. Der Kommandant der Rebellen in Fekelerho ist General Bem, der noch nicht ganz von einer Wunde geheilt seyn soll.

Wien, 27. Dez. Se. Maj. der Kaiser hat den Grafen Felir Zichy zum königlichen Commissär in den beiden Commi- taten von Preßburg und Wieselbürg ernann:. Es ist unver­kennbar, daß die Anhänger Koffuths unter der Bevölkerung eine gewisse Beunruhigung nähren welche unter den Gutgesinn­ten Besorgnisse aller Art erregt. Der Gouverneur Baron Weiden entfaltete seine bekannte Energie, und Tag und Nacht patroullirten Bewaffnete zu Fuß und zu Pferd durch die Stadt und Vorstädte. Die Feiertage sind indessen ruhig vorüberge­gangen. Die Christmette wurde nicht um Mitternacht, sondern früh um 6 Uhr abgehalten.

Der Erzbischof Milde hat den Haß der Radicalen neuer­dings aufgestachelt. Auf sein Einschreiten wurde in der Oper die Hugenotten von Meyerbeer verboten, daß Geistliche im Costüm auf dem Theater erscheinen dürfen.

Wien, 27. Dez. Gestern sand eine Ministerialrathssitzung statt, die von 11 bis 3 Uhr dauerte. Man ist berechtigt an­zunehmen, daß die deutsche Frage (in Folge der Anwesenheit des Hrn. v. Schmerling) einen Hauptgcgenstand der Sitzung bildete. Die österreichische Regierung darf sich nicht verhehlen, daß sie an einem Wendepunkt jener Politike steht, die mit dem von Friedrich II. versuchten Fürstenbund bgann und leicht in der Paulskirche zum Abschluß kommen könnte, wenn das öster­reichische lLabinet die Traditionen der Jahrhunderte mit neuen Experimenten vertauschen wollte. (Ostd. Post.)

Wie«, 28. Dez. Die für Wiens Bevölkerung so wich­tige Angelegenheit des Karnevals erscheint. auf befriedigende Art gelöst. Auf eine, namentlich von Gast- und Kaffeewir­then eingereichte Vorstellung ist, sicherm Vernehmen nach, be­schlossen worden, der Abhaltung von FaschingsbelustigunHen kein Hinderniß in den Weg zu legen. Die maskirten Balle sollen aber nicht wie gewöhnlich in den Redoutensälen, sondern im Josephstädter Theater mit Vereinigung der Logen und des Prosceniums stattfinden.

Frankreich.

□ Paris, 31. Dez. Der „Moniteur" enthält heute fol- gende Zeit- und Rangordnung für die morgigen NeujahrSgra- tulationcn beim Präsidenten der Republik:

1) Um 11% Uhr Morgens empfängt der Präsident die Offiziere und Generäle der gejammten ersten Militär-Division, denen sich die hier auf Urlaub befindlichen Oberoffiziere anderer Armeekorps anfchlicßen sollen. .

2) Um 1 Uhr haben sich sämmtliche Offiziere aller Legro- nen der Pariser Bürgerwehr nebst Bannmeile in ter, langen Louvregallerie einzufinden, von wo sie in den Tuilerienflügel geführt werden sollen, um in den ehemaligen Thron- und Kabinctssälen, ganz wie unter weiland LouiS Philipp, unter Anführung des Generalkommandanten Changarnier vorbei- marschiren sollen.