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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

Mittwoch den 3. Januar

ISO

ueb e r si ch t.

Zeitungsschau.

Worte eines geistvollen und unabhängigen Denkers über den jetzigen Kamm rliberalismüS.

Deutschland. Blain; (Ausstellung der Leiche des veistsebeue» Bischofs. Kunditaten für die Stelle). — Kar ls r »h e (Untersuchung gegen die Auf­ständischen. Prinz- Friedrich von Baden und der Fürst von Fürstenberg bei dem Eisenbahnunfall auf der Nordbahn). — Leipzig (I. G. Herr­mann f). — Berlin (Der Prinz v. Preußen. Leihkassen). — Wien (Die Einnahme von Raab bestätigt. Fünftes Nrmeebülletin. Anhänger Koffuths. Die Feiertage. MiuisterialssKung. Der Karneval).

Frankreich. Paris (Tagesbericht).

Großbritannien. London (Unfall im Theater).

Sprechsaal für Stadt und Land.

und dann erst das reguläre Militär. Nun beginnt der Sturm, das Proletariat wird in den dichtesten Kugelregen gejagt, und viele finden ihren Tod. Die magyarischen Streitkräfte entwi­ckeln sich aber immer beträchtlicher, der Kampf wird hartnäckig, und das Proletariat ergreift Die Gelegenheit, in Masse zu den Magyaren überzutreten und sich, mit ihnen vereint, von der unendlichsten Wuth beseelt, auf die kaiserlichen Banditen zu werfen. Sie werden zurückgeworfen, das Militär wird ge­worfen, ganze Bataillone sollen niebergcstrcckt seyn. Jellachich's Armeekorps muß weichen, er selbst soll nebst dem Sohne Win- disch-Grätz gefangen seyn. Die Magyaren verfolgten Die Kroa­ten dann bis zum Neusiedlersee unb treiben Tausende dort hinein." Das Schönste ist, daß kein wahres Wort an dem Allem ist . ;_____

Zeitungsschau

Auch der H u m o t muß in unserer „Zeitungsschau" eine Stelle haben. Bekanntlich wirkt der Humor aber da am kräftig­sten, wo er ein u «freiwilliger ist. Eine wahre Blumenlese solch' unfreiwilligen Humors bieten die Lügenberichte mancher demokratischen Zeitungen. So bringt z. B. die „Neue Rhei­nische Zeitung" SiegeSbülletinö aus Ungarn, die den einst so ergötzlichen Falstaff-Lügen der „Mannheimer Abendzeitung" auf Anlaß des Heckerputsches nicht im Mindesten nachstehein Wir werden also in Dieser „Zeitungsschau" eine eigene L ü g e n- Rubrik eröffnen und beginnen dieselbe mit folgender klassischer Korrespondenz der „Neuen Rheinischen Zeitung" aus Ungarn:

„Die Freiheits- und Meuchelmörder sind zwischen Raab und Komorn von den Magyaren so bedeutend auf's Haupt geschlagen worden, daß sie sich nach Wieselburg, Preßburg w. haben zucückziehen müssen und, dem Gerüchte zufolge, selbst diese Städte wieder geräumt haben. Es sollen ganze Kavallerie- Regimenter in die Luft gesprengt worben seyn, indem die Ungarn unterminirte Positionen scheinbar vertheidigten, dann flohen und die nacheilende Kavallerie durch rasches Anzünden der mit den verlassenen Positionen in Verbindung stehenden Laufgräben in's Verderben stürzten. Ueberdics soll unter dem deutschen Theile der Armee eine Emeute ausgebrochen seyn, die nur durch die furchtbarste Energie und Zusammenschießen eines ganzen Bataillons deutscher Grenadiere habe erdrückt werden können. Der Sumpf in Frankfurt bekommt dadurch vielleicht Gelegenheit zu neuen Redensarten und neuen Reichs- Kommissarien, die sich freuen, am Tische der k. L Banditen speisen zu dürfen."

Zwei Tage später heißt es schon wieder: „Man rückte gegen Raab vor. Jellachich bekommt den Auftrag, die Stadt zu stürmen. Er stellt nach dem Befehle des Felbmarschalls Wütherich die 15,000 aus Wien verschwundenen Proletarier — worunter sich übrigens Greise, Nationalgarden, Studenten, kurz, alle Klassen befinden — in die erste Sturm-Kolonne, üm ihnen so den sichern Untergang zu bereiten. In der zweiten Kolonne dicht dahinter folgens den Hahn auf daS sogenannte Proletariat gespannt, die Oguliner, Ottochaner und Seresaner Rothmäntel, die auöerwähltesten Banditen der Kroatenarmee,

Einem resummirenden Artikel der „Köln. Ztg." über daS Ausland im Jahr 1848 entnehmen wir folgende Stellen: Sind wir bezüglich der inneren Verhältnisse Frankreichs be­ruhigt, so sind, wir es weniger, was seine äußere Politik betrifft. Mag es immerhin der Fall seyn, baß Hunberltau- senve Napoleon gewählt haben als Den Vertreter eines Prin­zips der Ordnung und Stabilität. — Millionen haben ihn gewählt aus verlebtem Nationalgefühl, und wir bezweifeln, daß Frankreich, mit einem Napoleoniven an Der Spitze, sich begnügen werbe, seinen Einfluß blos auf friedlichem Wege in dem Rathe Der europäischen Mächte geltend zu machen. Die Zeit ist gekommen, wo Frankreich entschieden in den aus­wärtigen Angelegenheiten auftreten w rd. Und wir fürchten nur zu sehr, daß verhängnißvolle Verhältnisse beide abermals gegen einander in Harnisch jagen werden, während beider wahre Interessen doch kein Haar breit, weder in Italien noch im Orient, aus einander liegen dürften.

Welche Rolle England bei der nächsten Lösung des Knotens spielen wird, ist schwer zu ergründen.

Adepten Der alten Gleichgewichtoschule machen bereits allerlei Allianzkombinationen für Die nächsten Eventualitäten zurecht. Sie vermuthen eine Annäherung Rußlands au Frank­reich, und betrachten dann ein Büntniß zwischen England und Deutschland als unvermeidlich. Obschon die letzten Revolutio­nen bereits sehr viel von ihrem volksverbrübernden Charakter verloren haben, und Die Nationalitäten wieder mehr dynasti­schen Interessen dienen, so hoffen wir doch, daß Die künftigen Bündnisse mehr auf Volks-, als auf dynastischen Interessen beruhen und daß die großen Annäherungsmittel der Eisen­bahnen und des Handelsverkehrs forthin unsere thätigsten diplomatischen Agenten seyn werden.

Ein Blick auf Italien bietet uns, leider! nur Gründe zu Besorgnissen für Die Zukunft. Der Kampf auf Der Halbinsel ist ein doppelter: der Liberalen, respective Republikaner, gegen daS alte System, und der Nation gegen fremde Unterdrückung. Die Frage wird nun durch Die Haltung der auswärtigen Mächte noch komplizirter. England geberdet sich vorläufig re- aktionär — sey es, um nicht Hand in Hand mit Frankreich zu gehen, oder aber auch, we l es fürchtet, das vevolutionaire Italien eher Frankreich, als England sich anschließen würbe.