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gefallen, und es ist daher nicht zu verwundern, wenn die Pat- lamentarischen Märzvereinsmänner sie „ „schützen" " wollen."

Diese Auffassung, welche nun gar auch noch den März­verein allzu reaktionär findet, macht jedenfalls Anspruch auf Originalität!

Die neueste „Wiener Zeitung" enthält in ihrem amt­lichen Theil einen Artikel über Oesterreichs diplomatische Be­ziehungen zum Kirchenstaat. Die revolutionäre Partei habe unter dem Deckmantel des gefeierten Namen Pius IX. ihre Umwälzungsplane fortspinnen können, der Pabst sey über­flügelt worden, und zuletzt zu unmächtig gewesen den kaiser­lichen Botschafter in Rom zu schützen. Der letztere sey also zurückberufen worden. Jetzt da der Pabst den Gewaltthaten der Partei sich durch die Luft entzogen und seine feierliche Protestation dem kaiserlichen Hofe mitgetheilt habe, werde Se. Majestät der Kaiser „gern dem Drange seines Herzens fol­gend die für die religiösen Interessen seiner Völker hochwich­tigen diplomatischen Verbindungen mit dem Oberhaupte der Kirche wieder anknüpfen und ihm den Ausdruck der aufrichtigen Sympathien darbringen, welcher die Tugenden, das Unglück und die erhabene Stellung PiuS IX. so würdig sind. Zu diesem Ende wird unverzüglich ein kaiserlicher Gesandter sich zu dem heiligen Vater nach Gaëta begeben."

Ueber den Zauber, den der Name Napoleon in den Land­schaften geübt, entnehmen wir dem „Censeur von Lyon" folgende Angaben: „In den Dörfern der Rhone- und Jsere- Departemente war Alles wie toll; es war, als ob das Fieber alle Welt ergriffen, als ob Napoleon sich aus seinem Grabe erhoben hätte. Wir sagen vielleicht zu wenig. Man weiß, daß es auf dem Lande 'noch einige alte Soldaten gibt, deren Geisteskraft das Alter geschwächt und die nie an den Tod des Kaisers geglaubt haben. Umsonst ist eine Fregatte abge­fahren, um seine sterbliche Hülle auf St. Helena abzuholen, umsonst schläft er im Jnvalidenhaüs; eS^ist nichU Napoleon. Ein Mönch hat seine Stelle auf St. Helena eingenommen; in dem Augenblick, wo dieser Mönch starb, fuhr Napoleon auf einem Schiff auS der Rhede, und diese wackern Leute sind überzeugt, daß sie den Kaiser wiedersehen werden. Seit seiner Flucht hat er die Welt durchzogen, hat in China gekämpft und die großen Negervölkerschaften in Afrika besucht; seit der Februarrevolution ist er heimlich nach Frankreich zurückgekehrt. Vor vier Monaten sey er auf einer Tribüne der Nationalver­sammlung gewesen und wenn Louis nicht mehr gesprochen, so sey eS, weil der große Napoleon es ihm verboten hatte." Der Censeur versichert, daß er diese Sagen nicht erfunden, sondern daß er sie gebe, wie sie unter alten Soldaten auf dem Lande leben. Die Erinnerung an die grausamen Verfol, gungen der 1814 und 15 zurückgekehrten Royalisten habe die Hingebung an Napoleon vermehrt. Die Errungenschaften der ersten französischen Revolution, die für den Landmann den Hauptwerth haben, und Napoleon erschienen ihm in unzer­trennlicher Gemeinschaft. Mit der größten Begeisterung seyen die Landleute zur Abstimmung gezogen. In mehreren Dörfern sah man Leute, welche Napoleons Kleidung nachgeahmt und mit dem kleinen Hut, den Kurierstiefeln, den weißen Hosen und dem grünen Frack daherzogen. Den Stimmzetteln hatte man die Hutsorm gegeben, und wehe dem, dessen Stimmzettel nicht den Namen Bonaparte trug. Hier hörte man rufen: „Es lebe die Freiheit! Nieder mit den Karlisten!" dort: „Es lebe die Republik! cs lebe der Kaiser!" Aus einem und demselben Mund erschallten beide Hoch. „In einer Gemeinde — berichtet weiter der Censeur — umgaben die Bauern ihren Pfarrer, der nach dem Wahlplatz ging, und sagten: „Sie sind Republikaner, Herr Pfarrer, nicht wahr?" „Ja, meine Freunde," antwortete der Pfarrer. „Bravo!" riefen die Bauern, „kommen Sie mit uns, Sie sind ein braver Mann. Es lebe der Kaiser." „Was das Volk hingerissen hat- — be­merkt sodann der Censur — ist die Erinnerung; ^s ist der Name Napoleon, der die Wahl gemacht hat."

Ueber die deutsche Einheit drückt sich „Morning Chrontcle" folgendermaßen aus: „Es ist unbestreitbar, daß die deutsche Einheit in Europa durchaus unpopulär ist. In London betrachtet man sie mit Kälte, in Paris mit Mißgunst, in Mai-

land mit Eifersucht, in Stockholm mit Widerwillen und in Prag mit Haß...."

D e n t s ch l a « D.

Der Kölnischen Zeitung wird „Vom Main" geschrieben: Außer dem Könige von Würtemberg hat, sicherem Ver­nehmen nach, jetzt auch der Herzog von Nassau sich für d ie preußisch e Erbkaiser-Würde ausgesprochen.

P-f- Heidelberg, 30. Dezbr. Hier ist es ziemlich stille, besonders seit der Zeit, als Blum's Todtenfeier auf dem Schlosse abgehalten worden und der Erfolg nicht der von den soge­nannten Demokraten gewünschte war. Außer Professor Häusser,, der eine Beschreibung von Blum'S Leben gab und ihn bis in den Himmel erhob, war keine Rede sonderlich gut und geeignet, irgend welche Begeisterung hervorzubringen. Uebrigens waren die Redner doch ziemlich offen uud traten sehr deutlich mit den Freiheiten, mit denen sie Deutschland frei und einig machen und uns beglücken wollen, hervor, be­sonders der letzte der Redner, der von H. Zitz und Schlöffel sehr viel gelernt zu haben schien. Er schäumte vor Wuth über die Ermordung Blums und weissagte mit prophetischem Blicke die Zukunft Deutschlands. Jetzt sey die „rothe Mo­narchie" da, die könne sich nicht halten, es müsse die „Re­publik" folgen, denn die rothe Republik und zu guter Letzt noch die „rothe Anarchie" In letzteres schien er allein das Glück und die Wohlfahrt eines freien Volkes zu setzen. Das „Volk", das natürlich Niemand ist, als er und feine Parteigänger, werde dann Alles rächen, was an ihm gesündigt worden sey. Mit solchen Blutreden ergötzte er dann eine halbe Stunde das Publikum.

Man geht überhaupt darauf aus, das Volk planmäßig aller sittlichen und rechtlichen Grundsätze zu berauben, welche Politik denn außerordentlich wirksam ist, da bekanntlich der Mensch viel eher zum Schlechten greift als zum Guten. Diese Demoralisation hat denn auch besonders hier in Baden schon gehörig Wurzeln gefaßt. Prügeleien in den Wirthshäusern, bei denen Verwundungen mit Messern oft genug verkommen, sind so gewöhnlich, daß Niemand davon Aufhebens macht; selbst von Gewaltthaten schlimmerer Art hört man mehr als sonst. Daß die Vaterlandsliebe unter diesen Umständen auch nicht sehr weit her und die Selbstsucht die alleinige Triebfeder im Volke wird, kann man sich leicht denken. .

Die Hoffnungen der „Rothen" sind jetzt ganz und gar auf den Partikularismus gerichtet; Preußen, von dem sie glaubten, es werde durch das Einrücken Wrangel's sich in ihre Arme werfen, ist jetzt ihr Todfeind, Frankreich und die süddeurschen Regierungen mit ihren Sonderbestrebungen ihre besten Freunde. Man liebäugelt mit den früher so geschmäh­ten und verachteten Regierungen, wie z. B. Bayern, man hofft, es werde sich im Falle eines Kriegs zwischen Deutschland und Frankreich, sogleich an letzteres anschließen, man hat sogar die Stirne, offen heraus zu sagen, wenn die Franzosen kä­men, würde man sich sogleich anschließen, um den Todfeind, die Preußen, niederzuschießen.

Gestern und heute ist hier außerordentliche Konskription. Man hatte hinruhen dabei befürchtet und Militär zur Aufrecht­haltung der Ordnung hierher beordert, der Stadtrath fand es aber gerathener, dasselbe wieder wegzusenden, da es alsdann wahrscheinlich nur unnütze Streitereien zwischen den Soldaten und den Konskribirten gegeben hätte. Die Sache ist auch ganz ruhig abgelaufen.

Karlsruhe, 30. Dez. (Karlsr. Z.) Wie man aus zuver­lässiger Quelle vernimmt, sind die Ministerresidenten in Mün­chen und Stuttgart (Geh. Legationsrath Frhr. v. Rüdt und Legationsrath v. Porbeck) und der Gesandte in Wien (Geh. Legationsrath Frhr. v. Andlaw) unter Vorbehalt anderweiti­ger Verwendung einstweilen in den Ruhestand versetzt worden.

Köln, 29. Dez. (K. Z.) Zufolge heute eingegangener tele­graphischer Depesche steht das Rheineis noch von Lurley bis Caub, sowie bei Worms. Die Mosel ist aber überall auf. Demnach kann tue hiesige Schiffbrücke fürs Erste noch nicht aufgefahren werden. Dieselbe Depesche brachte die Nachricht, daß der Wasserstand bei Bacharach 18 Fuß 5 Zoll beträgt.

In München ist den neuesten Nachrichten zufolg^die Mi­nisterkrisis noch immer nicht gelöst.