Nassauische
Allgemeine Zeitung.
â 250» Sonntag den 31» Dezember ISAS»
Zweite Ausgabe.
Uebersicht.
Zeitungsscha».
Die Bürgermeisterwahl zum Letztenmale!
Grundrechte des deutschen Volkes.
Deutschland. Dotzheim (Widerlegung). — Mainz (Bischof Kaiser t).
— Aus Oberhesse ii (Der vaterländische Verein in Darmstadt über die preußische Hegemonie). — Aus Thüringen (Die Verschmelzung der thüringischen Kleinstaaten). — M ü uchen (Die Christmetten). — Berlin (Die Arbeiten im Dom zu Brandenburg. Die Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses).
Frankreich. Paris (Der Präsident und die Vizepräsidenten).
Italien. (Schreiben des Kaisers von Rußland an den König von Neapel).
Sprechsaal für Stadt und Land.
Z e i t u n g ss ch a u
Die Neue Preußische Zeitung gibt folgenden Bestrag zur billigen Regierung, Monarchie, Constitution, Republik. Als die Minister v. Bodelschwingh, UlKn u. A. ihr Portefeuille übernahmen, lehnten sie die Annahme der ihnen etatsmäßig zustehenden Summe von 3000 Thlr. für die Kosten der ersten Einrichtung ihres Hotels ab und bestritten dieselbe aus ihrem Privatvermögen. Als Hr. Gierke, seiner Ancienne- tät nach einer der jungem Assessoren, zum Minister des Ackerbaues 2C. berufen wurde, welcher ihm bis dahin eine terra in- cognita gewesen, genügte ihm weder das ehemalige Staatskanzlerhotel am Dönhofsplatze. noch die Wohnung des verstorbenen Ministers v. Ladenberg, an der Ecke der Schützen- und Jerusalemerstraße, sondern es mußte ein eignes Hotel in der Wil- helmsstraße (das gräfl. Schwerin'sche) auf drei Jahre für 16—■ 1800 Thaler jährlich für ihn gemiethet werden, und die Kosten seiner Einrichtung (aus Staatsmitteln) beliefen sich auf 4000 Thaler. Auch Hr. Milde, der das schon eingerichtete Mimfter- botel in der Wilhelmsstraße bezog, machte der Staatskasse eine Ausgabe von 8000 Thlr. für eine neue höchst luxuriöse Einrichtung und von 6000 Thlr. für das Mobiliar.
Die Märzemeute und die Errungenschaften endlich verursachten dem Lande solgende Ausgaben: Die Brandstiftung und Einäscherung der Artilleriewerkstätte kostet 2 Mill. Thlr.; für versetzte Pfänder zahlte der König 400,000 Thlr.; an die Sparkassen 200,000 Thlr.; die Schutzmannschaft kostet 200,000 Thlr. ; an müßig gehende Arbeiter wurden im Lause des Sommers verausgabt 1,700,000 Thlr.; die Mobilmachung des Heeres und der Landwehr, um den Aufruhr im Lande zu dämpfen, -eben und Eigenthum der Bürger zu sichern und das Ansehen der Gesetze zu erhalten, kostet 200,000 Thlr.; die Kosten für die Nationalversammlung belaufen sich auf 293,000 Thlr., wacht die kleine Summe von 7 Mill. Thlr., wozu der unberechenbare Schaden an geraubtem, geplündertem und zerstörtem öffentlichen und Privateigenthum, der vernichtete Wohlstand zahlreicher üa- milien und Geschäfte kommen.
Dennoch sind wir, schließt die Neue Preußische Zeitung, zur Republik übergehend, immer noch besser weggekommen, als
die Franzosen. Die Februarrevolution und die Republik hat für das Jahr 1848 dem Lande nicht weniger als eine Vermehrung von circa 150 Mill. Thlr. an seiner Schuldenlast eingebracht, und Steuern, wie sie unter den ausschweifendsten Zeiten Ludwig'sXIV. nicht zur Hälfte so hoch waren.
In Süddeutschland ist die frankfurter Presse, die wesentlich von Mitgliedern der Nationalversammlung beeinflußt wird, vorwiegend für die volllommnere Einheit eines Bundesstaates mit der genügenden Ausrüstung einerGroß- macht. Selbst das „Frankfurter Journal" brachte noch neulich sehr bündige Deduktionen für die Erhebung der Krone Preußen zur deutschen Krone. Die „Deutsche Zeitung" hat von jeher nach diesem Ziele gesteuert. Dio „O b c r- Postamts- Zeitung" erklärt zwar, die Oberhaupts-F>age als eine offene behandeln zu wollen, und hat deßhalb auch dem bekannten Vorschläge eines zwischen Oesterreich und Preußen „aUermren- den Kaiserthums" ihre Spalten geöffnet, bringt aber doch weit überwiegend Artikel im Sinne des ministeriellen Programms.
In einem der neuesten Artikel spricht sich dieses Blatt entschieden für eine cnggeschlossene staatliche Einheit Deutschlands (Bundesstaat) aus, während das widerstrebende Oesterreich in seinen bunten Best mdtheileu gleichfalls zur staatlichen Einheit geformt, in staateubündlichem Verhältniß mit Deutschland stehen soll.
Dieser Auffassung entgegen meint der N ür nb e r g e r Korrespondent, man solle nicht zu schnell abichließen mit der vollkommenen Form der Einheit und darüber die unentbehrlichere Einigkeit opfern.
Die Augsburger „Allgemeine Zeitung" öffnet den Urtheilen von beiden Seiten ihre Spalten; diese sind aber bisher noch sehr zurückhaltend gewesen
Auch die „Karlsruher Zeitung" hat sich noch für keine Seite entschieden ausgesprochen.
Der „Sch w â bi sch e Merkur" neigte sich schon immer zur Partei einer kräftigen bundesstaatlichen Einheit, und läßt sich auch bei den neusten kritischen Fragen in diesem Sinne vernehmen, obwohl nicht ohne Befürchtungen wegen der bei einem Zurücktreien Oesterreichs vielleicht allzu schwach vertretenen materiellen Interessen Süddeutschlands.
Die wenigen Organe einer mehr sp ezifi sch-ka th o li, sch en Politik sträuben sich noch gegen den Gedanken eines protestantischen erblichen Oberhauptes, denken indeß, für den Fall, daß Oesterreichs Ausscheiden nicht zu hindern wäre, schon auf Bedingungen der Uebergabe. Namentlich wünschen sie eine Verstärkung der süddeutschen Stimmen im Staatenhause.
Die Organe der äußersten Linken wollen natürlich gar keinen monarchischen Abschluß der Reichs-Verfassung zu Stande kommen lassen, — und den stärksten am wenigsten. Wie die „Mannheimer A b e n d- Z e i tn n g" begnügen sie sich mit einigen Worten des Spottes. „Und dies s Parlament," sagt die „M. A.-Z", „das nur durch die politische Jnertie der Deutschen und durch seine eigene Frechheit und
