Ital L e n.
Von der italienischen Gränze, 22. Dez. (M. I.) Nach Briefen auS Florenz hat der englische Botschafter mit dem Erscheinen einer englischen Flotte im Hafen von Livorno gedroht , soferne man cs wagen sollte, die konstitutionelle Regie- rungsform des Landes anzutasten. Man hatte nämlich -offen von Beseitigung des Großherzogs gelprochen, wobei der gegründete Verdacht obwaltete, daß das Ministerium diesen Intriguen nicht fremd fe». Der Großherzog soll sich deßhalb nach London gewendet und den englischen Schutz angesprochen haben.
Rom. Die Lage Pius IX. in Gaeta wird immer mißlicher. — Bedenkt man, daß die neapolitanische Presse kälter gegen Pius wird, da dieser sich weigert, nach Neapel zu kommen, folglich die Plane Ferdinand's auf seine Person durchschaut hat, so gewinnt die Aussage des „Contemporaneo" an Wahrscheinlichkeit, und man begreift, daß der Pabst Gaeta bald verlassen wird, sey es, wie die Einen sagen, um sich nach Frankreich, oder, wie die Andern behaupten, sich nach Civita Vecchia unter französischen Schutz zu begeben.
— Ciceruacchio ist wieder aufgetaucht; die Regierung hat ihn auserwählt, um die Arbeiten bei den Staatsbauten zu beaufsichtigen.
— Die turiner Kammer hat in ihrer Sitzung vom 19. Dez. eine monatliche Beisteuer für Venedig volirt im Betrage von 600,000 Fr. Das Gerücht geht, daß die Kammer nächstens werde aufgelöst werken. Die Venetianer sind sehr thätig. Sie haben die Bildung zweier neuen Korps angeordnet, eines, Legion Alpenjäger, und eines, istrisch-dalmatische Legion.
mir daher unumgänglich nöthig zu seyn — ich gebe aber dieser Zusammensetzung vor einem einzigen Verwaltungsbeamten aus dem Grunde den Vorzug, weil in Verhinderungsfällen des Bürgermeisters (die nicht ausbleiben können) ein regelmäßiger Stellvertreter desselben sonst nicht zur Hand wäre, da es sich durchaus als unpraktisch erweisen möchte, einen solchen temporär aus dem Gemeinderath jedesmal heranzuziehen.— Also zweiBür - g ermeifter, und in beiden vielseitige Bildung, würdiger Charakter, mit Geschästökenntniß, Gewandtheit und Erfahrung gepaart ! — Denn daß der erste Bürgermeister eine unendlich wichtige und einflußreiche Stellung auch Hinstchts aller höheren Le- bensfrage, die begreiflichermaßen in einem Gemeinde-Verwaltungs-Gesetz ihren Ausdruck nicht finden konnten, entnehmen werde und müsse, das ist allen Denkenden klar, sowie, daß durch diese Seite seiner Thätigkeit sich der wahre Segen seines Wirkens erst Bahn brechen könne. — Ein erster und ein zweiter Bürgermeister werden uns aber auch in finanzieller Hinsicht kaum theurer kommen, als uns unsere seitherige Verwaltung gekostet hat. Die Besoldung unseres Stadtschultheißen berechnet sich seither, die Gebühren mit eingeschlossen, aus 1400—1500 fl, während der Gehalt des Adjunkten 1000 fl. betrug. Setzen wir nun die Besoldung des zweiten Bürgermeisters vorläufig auf 1200 fl. und jenen des ersten auf 1500—1800 fl., so bleiben wir damit immer noch innerhalb der vom Gesetz gezogenen Schranke, da wir circa 3200 Familien in hiesiger Stadt zählen, während von der andern Seite der Gehalt zwar nicht glänzend, aber doch anständig genannt werden kann. (Der Herr Verfasser läßt hier noch einige Zeilen folgen, in welchen er Hrn. Gemeinderath Röhr zur Stelle eines ersten Bürgermeisters vorschlägt. Da jedoch derselbe bereits zu Gunsten des Hrn. Wei- chardt auf seine Kandidatur verzichtet hat, so glaubte die Redaction den Rest des Artikels wohl streichen zu dürfen.)
Rußland
Aus den russischen Ostseeprovinzen, 19. Dez. Auf Befehl des Kaisers sollen mehrere neue Lehranstalten errichtet werden zur Bildung von Geistlichen für die lettischen und esthländischen Kirchspiele; in Riga ist schon eine eröffnet, in den andern Hauptstädten unserer Gouvernements soll dies noch gescyeyen. daß bit Zöglinge mit der Sprache, den Sitten und der häuslichen Einrichtung ihrer zukünftigen Pfarrkinder sich betraut machen. Wer von jetzt an unter die Studirenden zu Dorpat aufgenommen seyn will, muß nachweisen, daß er gründliche Kenntnisse der russischen Sprache besitzt; wer nicht wenigstens die Zensur „gut" bekommt, wird zurückgewiesen.
Sprechfaul
für Stadt u n d L a n d.
V Zur Bürgermeister - Frage.
Die Frage, ob ein oder zwei Bürgermeister, und in welchen Personen, an die Spitze unserer städtischen Verwaltung zu wählen seyen, beschäftigt vorzugsweise in'diesen Tagen unsere Bürgerschaft. Da eine unendliche Konfusion in Ansichten und Vorschlägen in dieser, wie in allen Zeitfragen zu herrschen scheint, so dürfte eine kurze Orientirung über diesen Gegenstand vielleicht hier nicht am unrechten Orte seyn. —
Vorerst ist es ein großer Irrthum, wenn man glaubt, daß die neue Verwaltung einfacher seyn werde, als die alte, mithin auch weniger Arbeitskräfte in Anspruch nehmen dürste, als jene. Das gerade Gegentheil wird der Fall seyn, und wir glauben keine Widerlegung fürchten zu müssen, wenn wir behaupten, daß in Zukunft wenigstens zwei tüchtige Arbeiter bei der städtischen Verwaltung mehr beschäftigt seyn werden, als gegenwärtig. — Wenn nun schon seither der Stadtschultheiß und sein Adjunkt alle Hände vollauf zu thun hatten, so werden ein erster und zweiter Bürgermeister in Zukunft auch nicht spatzieren gehen können, sondern sich unablässig rühren und regen müssen, um ihrem vielgestaltigen wichtigen Berufe nach allen Seiten hin zu genügen. — Ein erster und ein zweiter Bürgermeister scheinen
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
Bekanntmachungen.
1573] Seit dem 1. Juli dieses Jahres erscheint dahier der NaMnisch^ ZnfchMme^ redigirt von H. Barbieux.
Derselbe erscheint t âg! ich mit Ausnahme des Mo n tages; jeden Sonntag wird ein Unterhaltungsblatt beigegeben. So wie bisher, wird er entschieden das monarchisch-konstitutionelle Prinzip vertreten. Zwar bestrebt er sich, seine Leser durch gedrängte Berichte im Gange der äußern Politik zu erhalten, sein Hauptaugenwerk ist aber auf das Nassauische gerichtet Da dieses Blatt vorzugsweise für Belebung des religiösen Elements zu wirken sich vorgesetzt hat, so eignet es sich vorzugsweise zur Aufnahme aller auf die neuerdings entstehenden religiösen Vereine bezüglichen Veröffentlichungen.
Der vierteljährige Pränumerationspreis ist für Hadamar und die nächsten Gemeinden 1 fl. 30 fr. im Umfange des Herzogthums, der beiden Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 1 fl. 52'/, fr. im übrigen Fürstlich Turn- und Tarisschen Verwaltungsbezirke halbjährlich 4 fl.' — Inserate werden die zweispaltige Petilzeile oder deren Raum mit 4 fr., für Mitglieder der Piusvereine mit 2 fr., berechnet. — Bestellungen geschehen für Hadamar bei der Redaktion, auswärts bei dem nächsten Postamte.
Hadamar, im Dezember 1848. Die Redaktion.
Kursaal in Wiesbaden.
Am Neujahrstage, Nachmittags 3 Uhr, Harmonie-Musik.
Die erste Ausgabe des politischen Blattes kann an jedem Werktage, Abends um 6 Uhr, im Erp editionslokale abgeholt werden.
Die Expedition der Nass. Mg. Zeitung.
Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.
