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Kanonen in der Nähe ausgefallen, die Soldaten könsignirt seyen, und vernimmt setzt "folgende etwas abenteuerlich klin­gende aber wörtlich wahre Lösung des Räthsels. Ein nordi­scher außerdeutscher Hof (Rußland) hat hierher und an zwei andere deutsche Regierungen die Mittheilung gemacht, es seyen Papiere aufgefunden worden, aus denen hervorgehe, daß am 26. Dez. ein Attentat auf mehrere deutsche Souveräne, wor­unter der Großherzog von Hessen, beabsichtigt sey. Diese Mittheilung hat nun die erzählten Vorsichtsmaßregeln veran­laßt. Daß der ganzen Sache eine wohlgelungene Mystifikation zu Grunde liegt, darüber wird wohl kein Unbefangener und Lachlustiger zweifelhaft seyn.

In München ist die Ministerkrisis immer noch nicht gelöst. Nach neuesten Briefen von daher bestätigt sich, daß Baron v. Schrenk das ihm angebotene Portefeuille abgelehnt hat, und daß dasselbe nunmehr dem Professor Edel angetragen worden ist; ob derselbe es annehmen werde, war noch unge­wiß. Andererseits werden auch der Abgeordnete Neymeyer und von einem Berichterstatter des „Schw. Merkurs" sogar Herr v. Zu-Rhein als Ministerkandibaten bezeichnet.

Wien, 23. Dezbr. (O.-P.-A.-Z.) Mit dem heutigen Train sind sämmtliche Minister aus Ollmütz hier angelangt; sie bleiben von heute bis gegen Neujahr in Permanenz, in Sachen der Organisation der innern Staatsverwaltung, na­mentlich, wie verlautet, der Eintheilung der Provinzen in Distrikte _ und Bezirke. Zugleich traf die Nachricht aus dem Lager bei Raab ein, daß die Armee diese ganz von Wasser umgürtete Stadt nicht einnehmen, sondern den Marsch nach Vesprim fortsetzen werde.

Ganz Siebenbürgen ist durch Proklamation des Feld­marschalllieutenant v. Puchner in Kriegszustand erklärt wor­den; die Kaiserlichen sind übrigens dort aller Orts Sieger, und das aufrührerische Szeklervolk ist bereits zum größten Theile unterworfen und entwaffnet.

Frankreich.

□ Paris. National - Bersammlung. Sitzung vom 26. Dez. Anfang 2 Uhr. Präsident Marrast.

Die Bänke und Galerien übervoll. Auf allen Gesichtern brennt Neugierde auf das ministerielle Programm und die hef­tigen Debatten, die sich daran knüpfen dürften.

Nach Vorlesung des Protokolls trägt Marrast das Schrei­ben eines Deputirten der Girorde vor, Namens Lübbert, der seine Demission gibt, weil er das Mandat der Nationalver­sammlung als beendigt betrachtet.

An der Tagesordnung steht zunächst die Diskussion über die Frage: ob und wann die Salzsteuer aufgehoben werden könne?

Nachdem dieselbe erörtert war, besteigt der Konseilpräsident und Justizminister Odilon Barrot die Bühne, um das heißer­wartete Programm vorzulesen.

Odilon-Barrot: (Stille!) Bürger! Sievernahmen dieser Tage eine Rede des Präsidenten der Republik. Der Gedanke dieser Rede ist der unsrige. Wir nehmen in Rück­sicht auf das Land dieselbe Verpflichtung über uns. Sie er­warten von uns keine Erörterung der Lage der Republik. Wir sind noch zu kurze Zeit an der Staatsgewalt. Was wir Ihnen schulden, ist eine Auseinandersetzung unserer Grundsätze, die bei Bildung des Kabinets vorwalteten. Unser Ursprung ist verschieden, aber die Volkswahl vom 10. Dez. gab ein Stre­ben nach Einigkeit Aller kund. Es wäre unklug, einem sol­chen Streben zu widerstreben; dasselbe bezeichnet die Sehnsucht nach materieller und moralischer Ordnung. Man will Ord­nung auf der Straße und in der Staatsverwaltung. Die republikanische Regierungsform kann sich so lange nicht fest­setzen, als die revolutionäre Periode nicht definitiv geschlossen (Beifall zur Rechten). Wir wollen daher selbst den Gedanken zur Unordnung entmutigen. Das wird das beste Mittel seyn, die Bestrafung des Nebels selbst zu verhüten, welches immer beklagenswerth ist. Nach so vielen Agitationen, welche die Gesellschaft selbst bis in ihre Grundfesten erschütterten, fühlt Jeder das Bedürfniß, die nächste Zukunft zu sichern. Diese Konformität der Ideen wird die Arbeit befruchten, Ver­trauen und Kredit wieder hervorrufen. Schon sind günstige Zeichen vorhanden; Hoffnungen zeigen sich und man glaubt

an deren Erfüllung (zweideutige Bewegung im Saale). Wie der Pnvatverkehr, so hat auch der Staatshaushalt bedeutend gelitten; die öffentlichen Hülfsauellen sind sehr angegriffen und erschöpft. Der Schatz hat Verbindlichkeiten eingehen müs­sen. Man muß sie lösen und alle Verbindlichkeit erfüllen. Das Kabinet hat sich dieser wichtigen Mission hingegeben. Wir wollen keineswegs, daß der Staat seine Hand von den Wohlthaten zurückziehe, die er begonnen. Die StaatSge- sellschaft hatte nun einmal die üble Gewohnheit angenommen, sich auf ihre Regierung zu verlassen; daher die Sucht nach Staatsstellen, die Vermehrung der Aemter bis in's Unendliche und die Verdorbenheit der vorigen Staatsverwaltung. Die Republik darf diesen Mißbrauch nicht fortdulden. Die Regie­rung muß mit gutem Beispiele vorangehen.

Was unsere Beziehungen zum Auslande betrifft, so legen uns die Verwickelungen, welche von allen Seiten ausbrechen, großen Rückhalt auf. Sie begreifen dieß. Wir sind entschlossen, das Wort Frankreichs nicht leichtsinnig zu geben, aber wir versichern Ihnen, daß die Nationalehre den ersten Platz in unseren Beschlüssen erhalten wird. (Beifall zur Rechten.) Wir werden kein Interesse Frankreichs vernachlässigen. Die Volks­wahl vom 10. Dezember hat eine immense moralische Macht in die Hände der Regierung gelegt. Wir werden davon Ge­brauch machen. Wir rechnen auf Ihren Beistand, um unsere Pflicht zu erfüllen. (Beifall zur Rechten. Einige Agitation im Saale.)

Ledru-Nollin, nachdem sich die Bewegung gelegt, erscheint auf der Bühne und klagt die Minister an, daß sie in die Hände eines einzigen Mannes, des Generals Changarnier, den Be­fehl über zwei- bis dreimalhunderttausend Mann Truppen ge­legt hätten.

Der Redner schließt mit der Erklärung, daß er durch diese Maßregel die Freiheit und die Verfassung verletzt sähe.

Leon de Maleville, Minister des Innern, erwidert ihm, daß ihn die heutigen Skrupeln des ehemaligen provisorischen Regierungsmitgliedes freuten; daß er sie aber nicht immer ge­habt hätte. Seiner Ansicht nach müßten die Militärkräfte in starker Hand konzentrirt werden.

Eine neue große Aufregung folgte der Rede des Ministers des Innern.

Ein zweiter Redner vom Berge, Dain, eilt auf die Bühne, um Ledru-Rollins Protest gegen die Gewalt Changarnier's zu unterstützen. Allein das Haus leiht ihm keine Aufmerksamkeit, auf allen Bänken entspinnen sich Privatunterhaltungen. Mar­rast schellt und klopft mit dem Papiermesser auf den Bureau­tisch. Alles vergebens. Dain sehend, daß ihn die Versamm­lung durchaus nicht hören will, verläßt unter allgemeinem ironischem Beifall die Bühne.

Zum Schluß! zum Schluß! erschallt es von allen Bänken.

Degoussee und Ducour schlagen eine motivirte Ta­gesordnung vor, den Tert konnten wir jedoch wegen des Ge­räusches nicht verstehen. Er lautet ungefähr folgendermaßen:

„Die Nationalversammlung erklärt sich durch die ange­hörten Erklärungen des Ministeriums, dem General Chan­garnier auf unbestimmte Zeit den Oberbefehl über Bürger­wehr und Mobilgarde und die 1. Militärdivision anvertraut zu haben, zufrieden gestellt und geht zur Tagesordnung über."

Mehrere Stimmen rufen: Einfache Tagesordnung!

Marrast: Der einfachen Tagesordnung gebührt der Vor­rang, ich bringe sie zur Abstimmung.

Es erhebt sich fast die ganze Versammlung dafür. Mithin ist die einfache Tagesordnung angenommen und das Interesse der Sitzung erledigt.

Starke Gruppen bilden sich um die Ministerbänke. Man gratulirt ihnen zu ihrem Siege.

G r o H b r i t a n n i e n

London. Die Zeitungen beschreiben wie gewöhnlich die Rindslende, welche zum Weihnachtsfeste die königl. Tafel zieren soll. Sie stammt diesmal von einem Ochsen, der auf der Holländerei des Prinzen Albert gezogen ist, und wiegt nicht weniger als 752 Pfd.; 10 Stunden gehören dazn, um sie zu braten. Ein Filet von demselben Thiere war wie in frühern Jahren dem Grafen v. Neuilly bestimmt, doch schlug dieser das Anerbieten aus.