— Ein Dekret setzt den ehemaligen Divisionsgeneral und । Exkönig Jerome Bonaparte (Oheim des Präsidenten) zum Gouverneur der Invaliden ein, Marschall Molitor wird gleichzeitig zum Kanzler der Ehrenlegion an Subervic's Stelle ernannt.
— Guizot ist vom Univerfitätsrath (allerdings wohl nur pro forma) wieder in seinen Lehrstuhl eingesetzt. Wird er von London herüberkommen?
Ein Kabinetsbeschluß unter Louis Napoleon Bonaparte.
Unter diesem Titel theilt die „Reforme" heute folgende Nachrichten mit: „Die Politik des Präsidenten der französischen Republik beginnt sich scharf auszuzeichnen. Sie bestrebt, Frankreich wieder in das sogenannte Einverständniß der europäischen Höfe Hincinzuzwängen, aus welcher es die Februarrevolution mit Einem Schlage herausgezogen hatte. Gestern, den 22. Dezember, hat Louis Napoleon Bonaparte in seinem Kabinets- rathe den Abschluß einer neuen Heiligen Allianz entschieden. Diese neue Heilige Allianz hat zum Zweck, den Pabst durch die Gewalt der französischen, österreichischen und neapolitanischen Bayonnette auf seinen verlornen irdischen Thron wieder zu erheben. Diese Allianz soll unverzüglich der österreichischen Regierung und dem Könige von Neapel vorgeschlagen werden. Zur Ausführung derselben hat man folgende Entscheidung getroffen, welche unter dem Vorsitze Louis Bonaparte's im Ministerrathe erörtert wurde und deren Aechtheit uns von glaubwürdigen Personen verbürgt wird. Wir konnten selbst hochgestellte Persönlichkeiten nennen, denen diese Beschlüsse selbst indiskreter Weise gestern entschlüpften. Die Hauptpunkte lauten zunächst:
1) Frankreich, Oesterreich und der König von Neapel verpflichten sich, Se. Heiligkeit den Pabst wieder auf den weltlichen Thron zu setzen. 2) Die drei bes chützenden Mächte werden abwechslungsweise eine Garnison nach Rom legen.
3) Frankreich wird die erste Garnison dahin schaffen.
Das bonapartistische Blatt: „Assemblee Nationale" bestätigt den Beschluß des Kabinetraths in folgenden Zeilen:
„Gestern Abend beschäftigte sich der Ministerrath mit der italienischen Frage. Man versichert, daß entschieden worden sey, eine der weltlichen Herrschaft des Papstes durchaus günstige diplomatische Intervention sofort eintreten zu lassen. Eine in diesem Sinne abgefaßte Note ist auf der Stelle an die Regierung in Rom abgeschickt worden. Man möchte gern, baß der Schritt in Gemeinschaft mit Oesterreich geschehe, was den Konferenzen in Brüssel einen Sinn und eine Gesetzlichkeit gäbe, indem man sie nunmehr auf eine sichere Grundlage eröffnen könnte, nämlich auf die Beibehaltung der Verträge von 1815."
Nach allen Nachrichten aus dem Elsaß findet in dieser Provinz ein totaler Umschwung der Stimmung statt. Ueberall wird der Ruf Vive Napoleon! mit dem Rufe Vive la répu- blique beantwortet, oder auch mit den Rufen Vive Cavaignac und Vive Learu-Rollin. An öffentlichen Orten ist der bloße Versuch, von einem französischen Kaiserthum zu sprechen, gefährlich. Aus den dem Elsaß benachbarten Provinzen laufen ähnliche Nachrichten ein. Im Elsaß soll sich vorzüglich die deutsche Bevölkerung, die auch wenig für Ludwig Napoleon gestimmt hat, durch republikanischen Fanatismus auszeichnen. Die Hauptanhänger Napoleons dagegen sollen die elsässer Juden seyn.
Großbritannien.
London, 20. Dezbr. Die „Times" nimmt heute in der deutschen Kaiserfrage Partei für Oesterreich gegen Preußen: wenn die deutsche Nation aufrichtig an die Wiederherstellung des Kaiserthums dächte, sagt sie, so habe Franz Joseph von Oesterreich in jedem Betracht den ersten Anspruch darauf. —
I t a l i e n.
Rom, 16. Dez. (O.P.A.Z.) Die Ruhe fängt an, zu unnatürlich zu werden, als daß sie nicht Verdacht erwecken müßte. Namentlich füllt es auf, daß die Kammern seil einigen Tagen keine Sitzungen mehr halten. Der Weg der scheinbaren Gesetzlichkeit ist zu Ende, und man ist nicht zum Ziele gelangt. Alles ist rath- und thatlos. Die Regierungsjnnta soll sich zum Antritt ihres Amtes nur insofern bereit erklärt 'yaden, als ihr von Seiten des Papstes eine Bestätigung zu ~ ■ 1 werde. Bon Pius aber soll ein Ultimatum eingetroffen
Verantwortlicher Redakteur: W. 4. Riehl. — Druck und Verla
seyn, das im wesentlichsten Auflösung der Bürgergarde, Beschränkung der Klubbs und der Presse, Bestrafung der Mörder Rossi's verlange. Wer aber, selbst wenn die Regierung nachgeben wollte, hätte jetzt die Kraft, diese Befehle auszuführen? Klubbs und Presse haben die Macht in Händen und verlangen „ganze" Maßregeln nach der andern Seite hin. General Ferrari führt aus Venedig Truppen herbei, um „die Freiheiten des Volkes" zu vertheidigen. Das größte Unheil aber droht,>wenn nicht bald Hilfe kommt, Garibaldi, der mit seinem Adjutanten Massini seit einigen Tagen hier verweilt. Man erwartete schon am Abend nach seiner Ankunft Konflikte; starke Patrouillen erhielten jedoch Ruhe; und überhaupt rekog- noszirt dieser Häuptling für den Augenblick nur das Terrain. Seine Schaaren, einige hunderte des auserlesensten Gesindels aller Nationen (nach dem eigenen Geständniß der Führer), werden nächstens erwartet, um den Kampf, hauptsächlich gegen Fürsten und Geistlichkeit, d. h. gegen den Besitz zu beginnen. — Seit einigen Tagen befindet sich englischerseits Admiral (?) Napier (andere sagen Parker) hier, mit irgend welchen, aber nicht näher bekannten Aufträgen.
Amerika
Die Nachrichten über den Goldreichthum Califor- niens bestätigen sich. Täglich wird für 60—100,000 Doll. Gold gewonnen. So sehr nehmen die Bergwerke alle Arbeitskräfte in Anspruch, daß ein Arbeiter 5—6 Dollars täglich bekommt, ein Koch 100 Doll. monatlich und Matrosen für 90 Doll, monatlich Lohn kaum zu finden sind.
Sprechsaal für Stadt und Land.
Die Bürgermeisterwahl für die Stadt Wiesbaden.
Die Empfehlungskarten für die Bürgermeisterwahl der Stadt Wiesbaden mehren sich von Tag zu Tag. Jede Partei weiß von ihrem Kandidaten vorzügliche Eigenschaften zu rühmen. — Indessen wird die Feststellung des allgemeinen Gesichtspunktes, von welchem bei der Ermittelung der Fähigkeiten eines Bürgermeisters ausgegangen werden muß, bei solchen Insinuationen immer umgangen.. — Ein Bürgermeister der Stadt Wiesbaden muß: *
1) geschäftskundig seyn , d. h. sich in Geschäften geübt haben. Darunter kann natürlich nicht verstanden werden, daß derselbe, um diese Eigenschaft zu haben, durchaus vorher auf der Stadtschultheiserei gearbeitet habe.
2) Es muß derselbe durchaus unabhängig seyn, d. h. ein erprobter Charakter seyn, und ohne Nachtheil für sich und seine Familie die Besoldung als Bürgermeister entbehren können, damit er, soll die Ueberzeugung des Rechtes als alleiniger Maaßstab seiner Handlungen heftige Angriffe erleiden, ohne Rücksicht abtreten kann.
3) Dieser erste Vorstand muß aus dem Kern der Bürgerschaft gewählt werden, damit man weiß, wie er sich bisher gegen seine Mitbürger, gegen die Armen, nach Oben und nach Unten, auch ohne dienstliche Stellung benommen hat. Sollen solcher Männer nicht Manche in Wiesbaden zu finden seyn?
Bekanntmachungen.
Heute Mittwoch den 27. December
Abends halb 8 Uhr
Generalversammlung des Deutschen Vereins
im Bötel Düringer
Behufs Besprechung wegen der Wahl des
589] Bürgermeisters.
588] Ein junger Mann von 16 Jahren, der bereits drei Jahre in einem Manufaktunvaâren-Gefchäft als Lehrling servirte, erwünscht zu seiner weiteric Ausbildung anderweitig gegen freie Station plackt zu werden. Nahe- res in der Erp. b. Ztg.
ver L. Scheltenberg'schen Hof- Buchhandlung in Wieöbaden.
