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gerichts hätte in dieser Frage sowohl, wie leider in so, man­chen andern, eine seines Bernfes würdigere Stellung einneh­men können, wenn er statt des Versuchs der friedlichen Lösung der Zehntfrage formelle Schwierigkeiten in den Weg zu werfen, und durch abgedroschene demokratische Redensarten um Popularität zuchuhlen, für Festhalten im Boden des Rech­tes gekämpft hätte, durch dessen Auf geben er ja auch zu­gleich die moralische Unmöglichkeit ausspricht, länger das von ihm bekleidete Slaaisamt, dessen eigentlichste Aufgabe Schutz des Privatrechtes ist, verwalten zu können!

Eine Schrift Ludwig dèapolcons.

(Aus ter „T i m e S:")

Vor etwa neun Jahren, als der erwählte Präsident der französischen Republik in Carlton-Terrace residirte, verfaßte Prinz Ludwig Napoleon, um sich die Stunden seiner Verban- ■nung zu versüßen und seine Sache zu fördern, eine Abhand­lung, welche gegenwärtig mt einigem Interesse geprüft werden darf, da sie die zuverlässigste Urkunde der Fähigkeiten und Ansichten eines Mannes bildet, welcher mindestens zu einer hervorragenden Stellung in der Zeitgeschichte berufen ist.

Das Werk erörtert die bürgerliche Verwaltung und die politischen Grundsätze des Kaisers Napoleon, und wir haben keinen Grund anzunehmen, daß der Präsident gegenwärtig einen Theil derjenigen Ansichten von sich weise, welche er da­mals als die Grundlage seines eigenen politischen Glaubens und als die dauernden Zielpunkte der kaiserlichen Familie an­kündigte. In der ganzen Schrift wird der Kaiser Napoleon als der Testamentsvollstrecker der französischen Revolution bar­gestellt, dessen Aufgabe und Sendung es war, die Herrschaft des Gesetzes herzüstellen, die durch jene große Erschütterung verursachten Spaltungen in der Gesellschaft zu versöhnen, die Rechte der Bauern feßzustellen und ihre Lage zu verbessern, den Gewerbfleiß zu schützen, kurzum eine Regierung zu be­gründen, welche die demokratische Geschmacksrichtung der Fran­zosen schonte, aber zugleich alle zur Erhaltung der Ordnung und zur Leitung des Staates erforderliche Gewalt sich selber vorbehielt.

„Frankreich," sagt der Prinz, „ward im Jahre 1789 dcmo-

>'!>^ "<" »«-ift ühmer in fr^nb einem größeren europ ar­ischen Staate sich die Eristenz einer zu denken; und er fügt hinzu, daß — obwohl aristokratische Regierungen, die eines Hauptes nicht so sehr bedürfen, in re­publikanischer Form bestehen und Großes wirken können — ein demokratisches Gemeinwesen nothwendig eine Vertretung durch die erbliche Regierung einer Familie erfordert, welche sich mit ihren Interessen idenufizirt und ihr diejenige Stetigkeit und Stärke mittheilt, deren die Demokratie an sich entbehrt. Aus diesem Grunde übertrug das französische Volk im Jahre 1804 durch 3'A Millionen Stimmen Napoleon die erbliche Kaiser­würde, und eine ziemlich ähnliche Erscheinung haben wir in unseren Tagen erlebt, wo doch das Volk weder durch den Ruhm des kaiserlichen Bewerbers geblendet, noch durch seine Macht cingeschüchtert seyn kann."

Deßhalb rühmen sich die Bonaparte's, daß ihre Dynastie recht aus dem Herzen des Volkes hervorging, und daß — wäh­rend jede andere Regierungsform in Frankreich seit den letzten 60 Jahren von den Franzosen selbst gestürzt wurde — diese allein populär und ausrecht dastand , bis sie von den vereinig­ten Streitkräften Europa's überwältigt wurde. Aus jener Sympathie zwischen dem Volke und dem Namen, den sie tra­gen, folgern sie, daß ihre Verirrungen und Fehlgriffe selbst bei der Nation Nachsicht finden, während jede Handlung eines minder beliebten Geschlechtes feindselig und "hart ausgelegt wird. Von dieser Grundlage ausgehend behauptet Prinz Lud­wig, die beiden zur vollen Verwirklichung des napoleonischen Gedankens erforderlichen großen Elemente seyen Friede und Freiheit, Elemente allerdings, deren Napoleons Regierung am meisten entbehrte; denn sie hat jedes politische Recht im In­nern unter die Füße getreten, hat jede auswärtige Macht an- gegriffen. Aber in dieser Besonderheit sie zur Nachahmung aufjustellen, kann eben jetzt nicht zweckdienlich seyn. Der Prinz führt im Gegentheil aus, wie keine andere Macht in Frankreich der uneingeschränkten Ausübung des politischen Stimmrechtes so günstig seyn könne wie die bonapartische, welche der allge­meinen Abstimmung des Volkes ihr Daseyn verdankt, und wie m m ^^ der Heinrichs V. in den Ueberbleibseln ^elch der des Hauses Orleans in den höheren und mittleren Klassen, sondern in der Masse des Vol-

kes, und noch mehr auf dem Lande als in den Städten wur­zele, — eine Voraussagung, welche sich so eben überraschend bestätigt hat. Nach derselben Grundidee erklärt der Prinz sich mit Wärme für den durch die gemeinsamen Interessen der Na­tionen gestützten Frieden und gegen jene Kämpfe, welche zum großen Nachtheile der europäischen Familie häufig aus der Feindschaft nebenbuhlerischer Fürsten und Dynastien entspran­gen. Es gehört nicht hieher zu untersuchen, wie weit diese Lehrsätze wirklich in dem napoleonischen Regierungssysteme zu finden sind oder was der Kaiser zu dem Liberalismus und der friedfertigen Philosophie seines Neffen gesagt haben würde. Die Wahrheit zu sagen ist es etwas burlesk, die Ketten eines unduldsamen Despotismus von der Toga eines Volkstribunen verhüllt, die rothe Klinge des Soldaten mit dem graufarbigen Gewände des Quäkerthums vertauscht zu sehen; aber unend­lich wichtiger ist es für uns, daß der Neffe offen jenen Grund­sätzen der Gerechtigkeit, Freiheit und Menschlichkeit seine Hul­digung zollt, welche der ältere Napoleon unaufhörlich mit Ver­achtung strafte. Da einmal der posthume Einfluß dieses gro­ßen Namens, die Laune des Glückes und der Wille der Vor­sehung noch einmal einen Sohn seiner Familie an die Spitze der französischen Nation gestellt haben, so ist es erfreulich, an­nehmen zu dürfen, daß der Präsident der Republik dem Be­gründer seiner Größe nicht so sehr in den Ausschweifungen waghalsischen Ehrgeizes und kriegerischen Genies als in der edleren Seite der kaiserlichen Regierung nacheifern wird, in der geschickten Leitung der inneren Hülfsquellen des Landes, der Verbesserung des Zustandes der Massen und in der Erhaltung jener bürgerlichen Einrichtungen, welche ihrem Schöpfer einen unvergänglichen Ruhm sichern.

Das sind die Aufgaben unseres Jahrhunderts, das sind die Merkmale, nach denen heutzutage die Völker Europas die Fähigkeit und Uneigennützigkeit ihrer Herrscher beurtheilen werden. Da Louis Napoleon eignen kriegerischen Thaten nichts verdankt und überhaupt gar keinen militärischen Rang, sondern lediglich das höchste bürgerliche Amt in Frankreich bekleidet, so würde es augenscheinlich von seiner Seite ein unermeßlicher Fehler seyn, wenn er das Land in einen Krieg stürzen wollte. Das Volk würde früher oder später über die mit seinem Gut und Blut zu bestreitenden Opfer murren; die Herstellung des Nationalwohlstandes würde sich auf unbestimmte Zeit verzögern und in dem ersten glücklichen General würde dem durch Amt und Befähigung vom Oberbefehl der Kriegsheere^^sgeschloffe« nen Präsidenten ein furchtbarer Nebenbuhler erwachsen. Nei­gung und Politik werden daher, so hoffen wir, Louis Napoleons Regierung auf die Erhaltung des Friedens und die Herstellung der Ordnung hinwenden. Er steht an der Schwelle des Ruh­mestempels, aber er steht da, umringt von Verlockungen, um­drängt von Faktionen, bedroht von Verbrechen. Er betritt den Palast des Elysoe Bourbon, aus welchem vor 33 Jahren der Kaiser floh; aber er betritt ihn unter dem allgemeinen Zurufe Frankreichs, und ohne die Feindseligkeit Europas. Der Flüchtling von Strasburg, der Gefangene von Ham ist der Meister Frankreichs, und mögen wir auch lächeln über die wunderbare Veränderlichkeit französischer Staatsgeschicke, so können wir doch nicht umhin, Louis Napoleon zu allem, was in seinen Plänen löblich ist, Glück zu wünschen.

Frankfurt, 23. Dez., 11 Uhr. Die Nationalversammlung hat in ihrer heutigen 143. Sitzung beschlossen, die Grund­rechte des deutschen Volkes in 100,000 Exemplaren in Form des Reichsgesetzblattes und auf Reichskosten zum Zwecke der Vertheilung unter die Wähler drucken zu lassen.

Frankfurt, 20. Dez. Ein Artikel in der „O.-P.-A.-Z." unter der Ueberschrift: „Gagern's und der deutschen Einheit Gegner," enthält Folgendes: „Den Nachrichten zufolge, die wir haben, beruht die von Häusser in der badischen Kammer zur Sprache gebrachte bayerische Spnderbündelei nicht auf leeren Gerüchten. Wie weit Bayerns Anträge verfangen haben, wissen wir nicht genau, doch wollen wir zur Ehre zweier Ka­binett mittheilen, was man uns aus guter Quelle berichtet: Von dem württembergischen Kabinete sollen die Anträge zu­rückgewiesen worden seyn und an das badische glaubte man sie gar nicht stellen zu dürfen. , Wir wünschen auch über andere deutsche Regierungen bald ähnlich berichten zu können."

Freiburg, 20. Dez. _ (Oberrh. Z.) Die Thätigkeit des bestehenden Komite's zur Errichtung eines Denkmals für unse­ren Heimgegangenen edlen Mitbürger C. v. Rottcck wird nun#