traten ab, ohne die Achtung zu verlieren, notirte sie aber, und das that er auch bei der eines Garde du Korps. „Sehen Eie, sagte er, Sie werden lange warten müssen, Ihre Nummer ist 67!" — „Aoung spielte einst die Flöte bei einer Spazierfahrt auf der Themse. Er steckte sie gerade wieder ein, als ein Offizier verlangte, daß er fortspiele. — „Ich spielte blos zu meinem Vergnügen." „Ich werfe Sie in die Themse, wenn Sie die Flöte nicht auf der Stelle spielen." Aoung gehorchte um der Gesellschaft willen, forderte ihn aber auf morgen. Sie standen einander mit dem Degen gegenüber; Aoung aber zog noch ein Pistol. „Was? Wollen Sie mich Meuchelmorden?" — „Nein, aber Sie sollen ein Menuett tanzen, sonst sind Sie verloren." Der Offizier tanzte. „Sie haben mich gestern gezwungen zu spielen, ich Sie heute zu tanzen, wir sind quitt." — Sie wurden Freunde.
o Ueber Shakespeare s Romeo und Julie. Bon Hermann Preèber.
(Fortsetzung.)
Ebenfalls, wie Romeo und Julie, Träger der Idee des Dramas ist Lorenzo. Es ist ein sehr bejahrter, doch für sein hohes Alter noch rüstiger Eremit. Seine ganze Gestalt ist höchst ehrwürdig und seine Erscheinung zieht ungemein an, da ihm Shakespeare einige Züge geliehen, die wir gewöhnlich bei einem Greise nicht treffen. Er hat sich während seines langen Lebens viele Erfahrungen erworben, ist in die geheimen Kräfte der Natur eingedrungen und alle Schätze, die er sich gesammelt, wendet er zum Besten seiner Mitmenschen an. Seine Rede ist salbungsvoll und überzeugend; jedes Wort, das aus seinem^Munde kommt, ist ernst, aber auch mild. Was wir nun vorzüglich an ihm bewundern, ist seine Liebe zu Romeo und der Antheil, welchen er an dessen Schicksal nimmt. Er hängt mit ganzer Seele an dem Jünglinge und sein Verhältniß zu Romeo ist das eines Vaters zu seinem Sohne. Nur sein Aeußeres ist gealtert, sein Herz ist jung geblieben, und so hat er die wärmste Empfindung für die Gefühle, für die gewöhnlich das Alter abgestumpft zu seyn pflegt. Außerdem, was ich schon früher erwähnt, daß nämlich in seiner Person die Weisheit dem Schicksal gegenüber steht, ist noch der Gegensatz zwischen Romeo und dem Eremiten zu bemerken, welchen der Dichter sehrH kunstvoll ausgeführt; hier — ungestüme Leidenschaft, da —erprobte Weisheit; hier ein Jüngling der nur dem Drange des Gefühls nachgibt, dort — ein Greis, der nur, nachdem er alle Verhältnisse genau erwogen, dem Verstände folgt.
Der Dichter führt uns nun den Eremiten zuerst vor, indem er beschäftigt ist, Kräuter zu sammeln. Sein Selbstgespräch ist voll von den tiefsten Gedanken, er stellt Betrachtungen über die Natur an, man sieht, daß er sich seit längerer
Zeit schon damit beschäftigt, die Heilkräfte der Pflanzen zu erforschen, weßhalb es nicht auffallend, daß er später Julien den Trank gibt.
Als Romeo auftritt, eilt der Alte ihm freundlich entgegen, und sucht auf die schonenrste Art zu erforschen, was ihn so früh am Morgen zu seiner Hütte geführt. Nachdem der Jüngling ihm berichtet, er habe Nosalinden vergessen; Julia, die Tochter seines Todfeindes, sey es nun, von welcher er Liebe erfleht und bei der er Gegenliebe gefunden, bricht er nicht in Schelten aus, er beklagt nur den Unbestand der Jugend und verweis't sanft Romeo seine frühere Heftigkeit. Doch ist die Liebe des würdigen Vaters zu seinem Sohne zu groß, als daß er ihm die Bitte, sie zu vermählen, abschlagen kann. Wäre dies aber der einzige Beweggrund, den der Dichter dem Eremiten zu diesem Schritte geliehen, so würden wir gewiß über die allzu große Nachgiebigkeit des Alten überrascht seyn; so aber glaubt der Mönch, dadurch könne der Haß der beiden Häuser Montagne und Capulet getilgt werden und der Liebe der Kinder werde die Freundschaft der Eltern folgen. Sehr trefflich charakterisirt der Dichter noch beide in den letzten Worten, die sie in dieser Szene sprechen, wo Romeo ausruft:
O laß uns fort! Ich bin in großer Eil.
und der Eremit:
Wer schnell läuft fällt; drum eile nur mit Weil.
(Fortsetzung folgt.)
Miszellen.
— Karl Elis erzählt in seiner 1843 zu Halberstadt erschienenen âro- schüre „Kurzgefaßte Rachrichten von dem eine Meile von Halberstadt entfernten Dorfe Ströbeck" folgende Thatsache: „Der Bischof Arnulph bekam im Jahr 1011 vom Kaiser Heinrich II. einen vornehmen Staats- und Kriegsgefangenen, den Grafen Guneelli», überwiesen, damit er ihn, ohne daß eâ jemand erfahre, in dem alten Thurm, der noch in dem Dorf steht, so lang gefangen halte, bis der Bischof weitere Befehle darüber erhalten werde. Es mußten nun immer die Bauern abwechselnd bei ihm Wache halten und da diese sehr glimpflich mit dem Grafen umgingen, so unterhielt er fich sehr freundlich mit ihnen, schnitzte aus Laugeweile Schachfiguren, fertigte ein Brett an und ward, um sich selbst die Zeit besser vertreiben zu können, nun der Lehrer im Schachspiel, worin er Meister war. Mit großer Luft ergriffen nun dte Bauern diese Gelegenheit, ein so schönes Spiel zu lernen, und bald kannte man im Dors kein anderes Spiel mehr. Als er dann nach längerer Zeit wieder in Freiheit gesetzt wurde, beschenkte er die Bauern mit seinem Schachspiel, und auf diese Weise sind bis auf den heutigen Tag die Männer von Ströbeck immer noch Meister im Schachspiel. — Seit jener Zeit haben die Strübecker das Recht, jedem neuen Landherrn, der ihren Ort berührt, auf freiem Feld auf einem Tisch eine Partie Schach anbieten zu dürfen, was sie bisher auch immer noch gethan haben.
Theater zu Wiesbaden.
Samstag den 23. Dez. Die weiße Dame. Oper in 3 Akten, Musik von Boieldieu.
Verantwortlicher Redakteur W. H. Riebl. — Druck und Verlag der L. Sch ellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.
