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von Prag stimmt mit Venedey's Ansichten überein, verlangt aber doch Begutachtung der Sache durch einen Ausschuß. Dann wolle man sehen, ob Deutschland! ein zweites Polen und Oesterreich an Rußland ausgeliefert werden solle. Plath- ner warnt vor einer Entscheidung inmitten solcher Gefühlsauf­regungen. Wesendonck kehrt zu der Frage zurück, an welchen Ausschuß das Programm gehöre. Der Biedermann'sche Aus­schuß sey feinen Bericht über die preußische Angelegenheiten noch schuldig und besitze das Vertrauen des Hauses nicht. Dagegen schlägt Wesendonck vor, den kombinirten Verfassungs­und österreichischen Ausschuß über das Programm berichten zu lassen. Rüder aus Oldenburg will die Sache dem Ausschusse für staatsrechtliche und internationale Verhältnisse übergeben sehen. Hartmann aus Leitmeritz: Es wäre ein Verbrechen, auf den Antrag des Ministerpräsidenten einzugehen. Zur Ta­gesordnung darüber, sogleich und ohne Motivirung! Reichen­sperger: Vor den österreichischen Ausschuß gehört die Frage, v. Vincke: An mir und meinen politischen Freunden liegt es nicht, daß §. 2 und 3 der Verfassung zu diesem Dilemma Ver­anlassung gegeben. Wir haben uns nur der Majorität der österreichischen Abgeordneten in diesem Hause unterworfen. Der kompetente Ausschuß ist der Biedermann'sche. Buß will den österreichischen Ausschuß, Löwe von Kalbe einen neu zu erwählenden mit der Angelegenheit beauftragen, denn die Stel­lung der Parteien im Hause sey eine andere geworben. Wäh­rend Wichmann und G. Beseler (dieser für Ueberweisung an den Biedermann'schen Ausschuß) sprechen, herrscht eine kaum zu bewältigende Unruhe, besonders aus der linken, tief aufge­regten Seite des Hauses. Giskra: Noch ist Oesterreich nicht verloren von Deutschland und ich hoffe, es soll dabei bleiben! Also wenigstens nicht vor den völkerrechtlichen Ausschuß ge­hört die Sache. Graf Deym: Was hier vorliegt, sind that­sächliche Verhältnisse. Oesterreich schließt sich nicht aus, es hat immer zu Deutschland gehört, und soll dabei bleiben, aber lassen Sie uns die viel verwickelten Verhältnisse mit Ruhe betrachten und einen neuen Ausschuß sich mit ihrer Lösung beschäftigen.

Hier endlich wird die unfruchtbare Debatte abgebrochen und zur Abstimmung geschritten. Ihr Ergebniß ist, daß die Vorlage des Ministeriums an keinen der vorgeschlagenen beste­henden Ausschüsse verwiesen, sondern daß ein neuer Ausschuß dafür durch die Abtheilungen gewählt werde.

Frankfurt, 18. Dezbr. Die österreichischen Abgeordneten zur deutschen Reichsversammlung sind zum größten Theil aus den verschiedenen Parlamentsklubbs, denen sie bisher angehör­ten, ausgetreten, um sich zu einer rein österreichisch-landsmann­schaftlichen Partei im Hotel Schrowr um v. Schmerling zu vereinigen. Diese Fraktion soll bereits 74 Mitglieder zählen. Vom kaiserl. österreichischen Kabinette ist gestern eine Zuschrift an das Reichsministerium eingegangen. Sie enthält die Er­klärung, daß das österreichische Ministerium seine ferneren Be­ziehungen mit der deutschen Zentralgewalt durch sein Mini­sterium des Auswärtigen fortsetzen werde.

Frankfurt, 18. Dezbr. (D. Z.) Gestern hat das Aus­einandertreten nach Nationalitäten wirklich begonnen. Den Anfang scheinen die Oesterreicher des Kasinos gemacht zu ha­ben. Die ganze Nationalversammlung erscheint heut in zwei große Gruppen getheilt, und das Angeben der Stimmen bei der Präsidentenwahl ist eigentlich nichts als ein Votiren für Preußen oder Oesterreich. Es gibt im Augenblicke scheinbar keine eigentliche Majorität, doch wird sich die Sache sehr bald ändern, da die Opposition (126 Stimmen der linken Gruppen inkl. Westendhall) mit den etwa 90 Stimmen betragenden Oesterreichern bei der Wahl Kirchgeßner's im Einverständnisse handelt. Diese Bestandtheile gehen aber schon in der öster­reichischen Frage nicht mehr Hand in Hand und das Ministe­rium v. Gagern dürfte leicht zu einer bedeutenden Majorität kommen.

Bernburg, 15. Dez. Heute ist der Landtag durch das Ministerium aufgelös't und ein Landesverfassungs­gesetz veröffentlicht worden.

Aus Neu-Vor-Pommern, 13. Dez., (D. Z.) Man be­richtet aus Kopenhagen vom 7. d., daß dänischer Seits mili­tärische Rüstungen eifrig betrieben werden; dies beunruhigt hier sehr, da schon jetzt die Besorgniß einer neuen Störung unserer Schifffahrt im Frühjahr von nachtheiligem Einflüsse ist auf die Entschlüsse der Schiffsrheder, die keine Frachten, und der Getreidehändler, die keine Ausfuhrkontrakte mit einiger Sicherheit abschließen können. Es wird beklagt, daß hier noch immer kein wirklicher Anfang mit Schiffsbau für die deutsche Kriegsflotte gemacht worden ist, womit jenen dänischen Rü-

stungen gegenüber wenigstens ein gleicher Ernst diesseits ge, Bgt werden konnte, jeder ungebührlichen Anmaßung kräftigst entgegentreten zu wollen»

Bremen, 15. Dez. (D. Z.) Die hiesige Bremer Zeitung kündigt an, daß sie künftig in Hannover erscheinen wirv. Mit andern Worten, die alte Stadt-Bremer Zeitung geht ein, weil sie unter der Leitung des Herrn Th. Althaus für unsere Stadt und Umgegend zu demokratisch geworden. Die Redaktion siedelt nach Hannover über und gibt dort im Verlag der Ge­brüder Janecke ein neues Blatt heraus unter dem Namen: Zeitung für Norddeutschland. Auf diese Weise bleibt das Feld .der Weser-Zeitung überlassen, welche, vor wenig Jahren unter den Auspizien des Bürgermeisters Smidt gegründet, sich unter der umsichtigen und geschickten Leitung ihres Redakteurs, deS Herrn Dr. Ahrens, allgemeine Anerkennung erworben hat.

Ungarn.

Von der ungarischen Gränze, 11. Dez. Die Russen sollen in Siebenbürgen und zwar in Kronstadt eingerückt seyn. Zuerst kam ein Hauptmann mit einer Kompagnie Sappeurs, und später langten 3 Bataillone Infan­terie, eine Division Kosaken und 18 Kanonen an.

□ Paris, 16. Dez.- Der Moniteur beeilt sich, folgendes Handichreiben des Papstes an Cavaignac zur öffentlichen Kenntniß zu bringen:

„Herr General! Mein Herz ist gerührt und ich bin mit Erkenntlichkeit durchdrungen für die schnelle und edelmüthige Erhebung der ältesten Tochter der Kirche, die sich beeifert und sich bereits in Bewegung setzt, um dem souveränen Pontifer zu Hülfe zu eilen. Die günstige Gelegenheit wird sich mir ohne Zweifel bieten, um in Person Frankreich meine väterlichen Gefühle zu bezeugen, und auf französischem Boden mit meiner eignen Hand die Segnungen des Herrn auszuspenden, wie ich,jetzt schon mit meiner Stimme ihn anrufe, zu gestatten, daß sich diese Segnungen reichlich über Sie und ganz Frank­reich ausbreiten."

Gegeben zu Gaöta am 7. Dez. 1848.

(gez.) Pius Papa Nonns.

Die „Patrie" meldet, daß Louis Napoleon einsam und lange am Sarge seines großen Oheims in voriger Nacht ge­betet habe, um sich durch den Geist des Unsterblichen für sein hohes Amt zu inspiriren.

Konsul Thouaree, der seinem ehemaligen Herrn und Mei­ster Hetzel, Generalsekretär des Ministers des Auswärtigen (jetzt wieder Buchhändler) im Saale Pas-Perdus in's Gesicht spie: ist gestern zu drei Monaten Gefängniß uns 100 Franken Geldbuße verurtheilt worden.

Letronne, Der auch im Auslande nicht unbekannte Wäch­ter unserer literarischen Nationalschätze in der Politik, ist ge­storben. Seine verschiedenen Aemter brachten ihm jährlich etwa 40,000 Franken.

Wir hören von einem Duell zwischen Carlier und Ledru Rollin, in welchem Letzterer den Polizisten todtgeschossen haben soll. Doch verbürgen wir diese Nachricht noch nicht. Wir glauben vielmehr, daß sich Ledru Rollin nicht schlage.

Der Legitimistenklubb in der Duphotstraße ist überaus thätig. Er hat folgende Beschlüsse gefaßt: 1) Alle legitimisti- schen Journale leihen in der ihnen speziell zu bezeichnenden Weise dem neuen Präsidenten Louis Bonaparte ihre ganze Unterstützung. 2) Sie werden Alles aufbieten, um die Auf­lösung der Nationalversammlung zu erwirken. 3, 4 und 5 sind der Aufbringung und Verfügung von Geldmitteln ge­widmet.

Paris, 16. Dez. Bis heute Mittags war bereits das Resultat der Abstimmung von sechs Millionen bekannt. Es fallen von diesen etwa vier und eine halbe Million auf Louis Napoleon. Es wird versichert, daß das neue Kabinet dem General Lamoriciere den Oberbefehl über die Alpenarmee hat anbieten lassen. Er soll den General Oud i not, dem das Kriegsministerium zugedacht ist, ersetzen.

Italien.

Nach Briefen aus Rom von 9. Dez. bereitete sich der Bürgerkrieg vor, zwischen Zucchi einer-, und dem dortigen Ministerium andererseits. Man wollte aus Rom an alle auS wârtigen Höfe neue Gesandte schicken.